Jamaika ist gescheitert. Aber waren die Verantwortlichen überhaupt geschäftsfähig?

Der Marathon hat Herrn Kauder nicht gutgetan. Quelle: Flickr.com, Foto: Rob, CC2.0

Der Live-Ticker des Focus zeigt: Politiker schlafen nicht. Um 22:57 hört man noch, es sei „viel erreicht worden“. Um 23:52 hören wir dann, die Runde sei geplatzt. Frau Merkel meldet sich gegen eins. Weitere Stellungnahmen tröpfeln zwischen 2 und 3 herein und Herr Habeck ist um 4:11 entweder schon wieder oder noch wach. Und das ist nicht die erste derartige Nacht, auch am Freitag Morgen ging es bis fünf Uhr.
Was macht ein solcher Schlafmangel überhaupt mit dem dem Körper und, viel wichtiger, mit dem Verstand?
Es gehört zum Narrativ des erfolgreichen Politikers, 18 Stunden am Tag zu arbeiten, kaum Schlaf zu brauchen und bei harten Verhandlungen länger durchzuhalten als mancher Technosüchtige im Club. Nun ist die benötigte Schlafdauer individuell unterschiedlich, aber weniger als 6 Stunden Schlaf gelten als zu kurz und erhöhen z.B. das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten. Aber das sind langfristige Effekte. Was machen mehrere durchgetanzte, Verzeihung, durchverhandelte Nächte, mit der mentalen Leistungsfähigkeit?
Sie beeinflussen z.B. die dreidimensionale Wahrnehmung. So wurde bei Mitarbeitern eines Krankenhauses festgestellt, dass sie nach einer Nachtschicht häufiger eine sogenannte binokuläre Tiefeninversion haben, eine Art optischer Täuschung bei der man dreidimensionale Objekte wie „umgestülpt“ wahrnimmt.
Mit Schlafmangel Autofahren ist bekanntermaßen lebensgefährlich: Etwa jeder vierte tödliche Verkehrsunfall in Deutschland wird mit erhöhter Schläfrigkeit in Verbindung gebracht. Trotz strenger Pausenregeln geht man bei etwa 16% der Unfälle, an denen ein LKW beteiligt war, von einem übermüdeten Berufskraftfahrer aus. Laut der „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung“ ist ein schläfriger Mensch nicht fahrtauglich. Bei Sondierungsgesprächen kann man sich zum Glück eher einen Sekundenschlaf oder vielleicht auch mal ein halbes Stündchen gönnen, als auf der Autobahn.
Man sagt, dass eine schlaflose Nacht sich so auswirkt, wie ca. 1‰ Alkohol. Schlafentzug führt aber auch zu einer verstärkten Schmerzwahrnehmung, im Gegensatz zum eher betäubenden Alkohol also zu erhöhter Empfindlichkeit.
Der Schlaf ist äußerst wichtig für die Bildung des Gedächtnisses. Wer lernt und danach nicht schläft, hat eine erheblich größere Gefahr, die Inhalte wieder zu vergessen, die er sich mühsam angeeignet hat. In Bezug auf unsere Unterhändler ist also zu fragen, ob die verschiedenen Darstellungen der Ereignisse, die wir jetzt sicher einige Tage lang zu hören bekommen, auch mit echtem Vergessen zu tun haben oder nur mit Taktik. Der Schlaf ist auch für die emotionale Bewertung von Reizen wichtig.
Ganz besonders beeinträchtigt wird durch Schlafentzug das sogenannte „divergente Denken“, also die komplexen kognitiven Vorgänge des Problemlösens, welche eine hohe gedankliche Flexibilität erfordern. Folgende Aspekte gelten als Bestandteile des divergenten Denkens: kreatives Suchen nach originellen Lösungen und Strategien, Risikoabschätzung, Umgang mit unerwarteten Ereignissen. Also alles, was man für Sondierungsgespräche braucht.
Man hat das mit einer lustigen Studie zu untersuchen versucht: Probanden spielten das Wirtschaftssimulationsspiel „Masterplan“ (in dem eben diese Fähigkeiten gefordert sind), wobei die eine Gruppe unter zunehmendem Schlafentzug litt. Das Experiment musste vorzeitig abgebrochen werden. Warum? Nicht, weil die Leute zu müde waren. Sondern weil in der Gruppe der Übermüdeten alle Spieler pleite waren. Die Analyse ergab, dass die müden virtuellen Firmenchefs nicht angemessen auf Marktveränderungen reagierten, an einmal festgelegten Strategien festklammerten oder zunehmend aggressive aber ineffektive Strategien verfolgten und einfach keine innovativen Ideen hatten. Sie versuchten die Regeln des Spiels zu ignorieren. Die ausgeschlafene Gruppe blieb übrigens durchweg im profitablen Bereich.
Schlafmangel beeinträchtigt die Aufmerksamkeit und Konzentration, die Wortflüssigkeit und Aussprache und den Abruf von Gedächtnisinhalten. Noch stärker als auf diese kognitiven Funktionen soll sich der fehlende Schlaf laut einer Metaanalyse aber auf die Gefühle auswirken (die aber wiederum die Denkvorgänge beeinflussen). Die Ergebnisse der oben genannten Computerspielstudie werden zum Teil auch damit erklärt: Die Übermüdeten waren nicht nur „dümmer“, sie reagierten einfach auch aggressiver und irrationaler. Schlafentzug kann sich übrigens über noch nicht ganz verstandene Mechanismen positiv bei Depressionen auswirken, dort ist (kontrollierter) Schlafentzug eine Behandlungsmethode. Im Normalfall führen mehrere zu kurze Nächte jedoch zu einer erhöhten Reizbarkeit. So ein Zustand, in dem man gerne mal alles hinwirft. Aber die FDP hat das ja gerüchteweise bereits von langer Hand geplant …
Was heißt das alles nun für Jamaika? Wir wissen natürlich nicht, wieviel jeder einzelne nun wirklich geschlafen oder nicht geschlafen hat. Aber nach dem Bild, dass sie von sich zeichnen, dürfte die Zukunft unseres Landes von Leuten entschieden worden sein, die noch nicht mal ein Auto hätten führen dürfen und deren Unternehmen längst pleite wären.

11 Kommentare

Sind wir nicht alle davon ausgegangen, dass nach der langen Zeit die Punkte geklärt waren und dass die Abendveranstaltungen nur für die Show war?
OK, lange Verhandlungen führen dazu, dass man wg. Nichtigkeiten Sachen nicht platzen lässt. Wenn aber noch große Differenzen da sind, hätte man sich vieles sparen können.

Haben wir einfach schlechte Politiker, weil sie so etwas nicht bemerken bzw. zu spät reagieren?

Frau Schwesig hatte ja bspw. mal darauf hingewiesen, dass Gehälter offen gelegt werden müssen, weil frau sonst ja nicht wüsste, wie sie verhandeln soll.
"WIE SOLL ICH ALS FRAU GUT VERHANDELN, WENN ICH NICHT WEISS, WAS RECHTS UND LINKS VON MIR BEZAHLT WIRD?"
https://www.welt.de/politik/deutschland/article149805171/Frauen-sollen-wissen-wie-viel-die-Maenner-verdienen.html

Mit den Ego-Staatsführern kommt unsere Politikergeneration ja auch nicht klar.

Haben wir hier auch ein erhebliches Defizit im Bereich der Verhandlungstaktik?

1.
Der Prozess der Schuldzuweisungen läuft -zwischen CDU -CSU-FDP und Grünen, in den Medien -und da, wie schon jetzt feststellbar differenziert je nach den parteipolitisch Vorlieben von Verlegern, Herausgeber, Chefredakteuren- und selbstverständlich läuft auch hier im Blog dieser Prozess entsprechend ab.

Ich bin mir z.B. nicht sicher, ob es für die FDP so gewichtige politische Sachargumente gab, um ihrerseits die Sondierungsgespräche abzubrechen oder ob es für die FDP, wie spekuliert wird, von Anfang parteipolitisches Kalkül war, zum Schein diese Gespräche zu führen, um sie "bei passender Gelegenheit" zu beenden.
Ich bin mir allerdings relativ sicher, daß es für die FDP nicht einfach werden wird angesichts der gegen sie schon jetzt massive in Stellung gebrachten "Geschütze" der anderen Parteien und der Medien schadlos aus diesem politischen Schlamassel herauszukommen.

2.
Das Ende der "Koaltionsgespräche" -eine politische Katastrophe?
Nein, das sehe ich nicht so.

"Nur"eine für Deutschland (keineswegs für die anderen Demokratien in Europa) außergewöhnliche politische Lage, der "man" mit in Deutschland ungewohnten politisch-demokratischen Mitteln beikommen wird.

3.
Alle denkbaren Problemlösungen werden derzeit -und in den nächsten Tagen -Wochen/Monaten?- diskutiert und von den bzw. in den politischen Parteien "durchgespielt" werden, und das selbstverständlich unter dem Aspekt der denkbar besten politischen Chancen für die jeweilige Partei -kurzfristig, mittelfristig, langfristig- je nachdem, ob…..-.
-Große Koalition? Minderheitenregierung (CDU/CSU/FDP?), Neuwahlen?-

4.
Ich war mir bis zuletzt relativ sicher, daß es eine Jamaika-Koalition geben würde. Es scheint so, daß wohl mein Wunsch die Realitäten "vernebelt" hatte.

5.
Als Sozialdemokrat gehöre ich zu denen in "meiner" SPD, die nach wie vor eine große Koalition ablehnen. Ich hoffe, daß Gabriel und Co., die von Anfang an auf die Fortsetzung einer großen Koalition gesetzt haben -ihrer Ämter wegen-, sich innerparteilichen nicht durchsetzen.

(Es sei denn……..?? Merkel kandidiert nicht mehr und die SPD denkt dann doch darüber nach, ob sie nicht unter einem neuen CDU- Kanzler/einer neuen Kanzlerin nicht doch mitmachen könnte, mitmachen sollte…..?
Selbst dann bliebe es allerdings meinerseits beim Nein zu einer großen Koalition.)
6.
Ich halte eine Minderheitenregierung für durchaus geeignet, erfolgreich zu regieren. Der damit einhergehende politische Willensbildungsprozess im Parlament wird nicht einfach -zeitlich, inhaltlich-, er wäre gewöhnungsbedürftig -für die Parlamentarier, für die Parteien, für die Medien, für das Publikum, aber auch eine sehr große Chance, die Verkrustungen, die politische Lethargie der Demokratie, der demokratischen Prozesse in Deutschland, der zu rituellen Schaukämpfen verkommenden Auseinandersetzungen im Parlament aufzuheben/aufzubrechen/aufzulösen.

7.
Und wenn es Neuwahlen gibt nach einem Wahlkampf, der sich in Form, Ablauf, Inhalt gravierend von den letzten Wahlkämpfen zum Bundestag unterscheiden dürfte -evtl. mit neuen Spitzenkandiaten?, wie wird das Ergebnis sein und welche Regierungsmehrheit kann sich demgemäß bilden?
Ich habe nicht einmal für Vermutungen, die ich hinreichend begründen könnte.
Das gilt auch für "meine" SPD, von der ich erwarte, daß sie im Falle eines Falles wieder mit Martin Schulz als Spitzenkandidat antreten wird. Bekanntermaßen wird diese meine Auffassung nicht von allen sog. "Spitzenfunktionäre" in der SPD geteilt, wohl aber von der großen Mehrheit ihrer Mitglieder.

( Die derzeitigen Umfrageergebnisse halte ich im übrigen als Basis für eine entsprechende Prognose für absolut ungeeignet, weil sie die "außergewöhnliche Lage", die jetzt da ist, und vor allem dem zu erwartenden ungewöhnlichen Wahlkampf nicht berücksichtigen. Das gilt u. a. auch für meinen politischen Feind, die AFD, die m.E. keineswegs als sozusagen selbstverständlicher Profiteur im Falle von Neuwahlen zu gelten hätte.

Neuwahlen dürften deshalb für alle (!) Parteien mit besonderen Risiken behaftet sein, was aber nichts daran ändert, daß sie möglicherweise unumgänglich werden könnten und als unbestritten "basisdemokratische" Konsequenz aus dem jetzigen Schlamassel zu akzeptieren wären.

Keine Hektik
Weder die Parteien noch das "Wahlvolk", auch nicht der Bundespräsident stehen unter Zeitdruck. Und die Medien sollten nicht versuchen, Zeitdruck herbei zu schreiben oder herbei zu reden.
Dafür gibt es weder politische noch verfassungsrechtliche Gründe.

Allesamt können in Ruhe und Gelassenheit, gründlich und ausgiebig den Istzustand analysieren und über das Weitere nachdenken und befinden. Solange hat Deutschland eine geschäftsführende Bundesregierung -ohne irgend welche Einschränkungen ihrer Rechte und Pflichten-, und für die sieht das GG keine Befristung vor!

Das Scheitern der Sondierungsgespräche wird von den Medien mal wieder über alle Maße hoch gejazzt, dabei waren sie eigentlich nichts anderes, als der Versuch auszuloten, ob drei völlig unterschiedliche Parteien in der Lage sein könnten, einen minimalen gemeinsamen Nenner zu finden, der die nächsten vier Jahre für eine stabiles Regieren reicht.
In diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass eine solche Koalition vor der Wahl auf keiner Agenda der Parteien zu finden war. Eine große Koalition, ein Schwarzgelbes Bündnis, Rotgrün und sogar R2G waren immer Optionen, die vor der Bundestagswahl innerparteilich oder bei den Wählern durchdiskutiert wurden. Jamaica hatte man zwar rein rechnerisch auf dem Schirm, aber nie wirklich als Regierungsbündnis im Auge.
Was das Scheitern der Sondierungen für viele Medienschaffende so dramatisch macht, ist meiner Meinung nach die Krise der Volksparteien und eine damit einhergehende Phantasielosigkeit, wie es mit Deutschland weitergeht. Merkel ist angezählt, auch wenn sie – egal was kommt – noch eine Legislaturperiode als Kanzlerin durchstehen wird. Seehofer ist ebenfalls angezählt und es ist fraglich, ob er die in Bayern anstehenden Landtagswahlen politisch überlebt. Den schwächsten Eindruck hinterlässt allerdings noch Martin Schulz. Unter ihm ist die ehemals ebenfalls als Volkspartei geltende SPD auf ihre Stammwählerschaft zusammen geschrumpft und Neuwahlen dürften den von Schulz initiierten Selbstfindungsprozess der SPD einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen, denn für einen Neuanfang rennt den Sozialdemokraten die Zeit davon. Unter Umständen wird die SPD den größten Preis für die gescheiterten Sondierungen zahlen. Letzten Endes hat ihre Verweigerungshaltung in Sachen großer Koalition dazu geführt, dass überhaupt über Jamaica sondiert wurde. Darüber hinaus hat sie dem Wähler zu verstehen gegeben, dass sie aktuell überhaupt nicht in der Lage ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Hinter den Kulissen im Willy Brand Haus tobt derweil ein Machtkampf, der im Rahmen der Berichterstattung über die Sondierungsverhandlungen ein wenig untergegangen zu sein scheint: Scholz vs. Schulz.
Sicherlich fehlt der SPD derzeit noch der Schneit, ihre Boykotthaltung in Sachen Regierungsbeteiligung abzulegen. Nach vorgezogenen Neuwahlen dürfte sich das allerdings ändern, zumal zu erwarten ist, dass die beiden größten Parteien noch den ein oder anderen Prozentpunkt abgeben werden. Nur von einer Großen Koalition sollte dann nicht mehr die Rede sein, denn unterhalb von 20% kann bei einer Partei nicht mehr von Volkspartei die Rede sein.
Nach Neuwahlen

@Walter Stach
Ich war mir immer ziemlich sicher das Jamaika scheitern wird…das alte Parteiverständnis, irgendwie kommt man miteinander klar, der BRD ist Geschichte. Wir leben in Zeiten der gesellschaftlichen Polarisation. Das kann man gut oder schlecht finden, aber die Konsensrepublik BRD ist vorbei. Die Gräben sind wirklich tief. Und man muss Ihrer SPD zu Gute halten, dass sie es als erste als Realität anerkennt und nicht weglächelt und moderiert wie Frau Merkel. Wir gehen auf stürmische politische Zeiten zu ….endlich….die Demokratie wird daran wachsen.

Und was die Kommunikation über das Scheitern angeht….das hier erscheint mir die klügste Analyse http://meedia.de/2017/11/20/buhmann-lindner-warum-das-mediale-blame-game-nach-dem-jamaika-aus-fuer-cducsu-und-gruene-nach-hinten-losgehen-kann/

Die SPD, wer denn sonst, ist schuld, wenn……..

DER,, DER…….
für "den politischen Schlamassel", der jetzt da ist, ist letztendlich die SPD verantwortlich?

Um davon die Menschen zu überzeugen, bedarf es blühender Phantasie , wilder Entschlossenheit, die ehemaligen "Jamaikaner" ab sofort aus der politischen Schußlinie zu nehmen und vor allem entsprechender medialer Kampagnen.

Das ist zwar "Wahnsinn" hätte aber Methode.

Ich schließe nicht aus, daß diese sogar Erfolg haben könnte -die SPD tritt wider den Willen der großen Mehrheit ihrer Mitglieder und wider alle Bekundungen im Wahlkampf und nach der Wahl doch in eine sog.große Koaltion ein oder im Falle einer Neuwahl strafen die Wähler für das Scheitern die SPD ab und nicht etwa die FDP, die von sich aus, die eigenständig "Jamaika" ein Ende gesetzt hat. Sie alleine -also die FDP- hat diese ihre Entscheidung zu vertreten und zu verantworten , evtl. auch gegenüber den Wählern im Falle von Neuwahlen -Ende offen-.

PS
Und wie so oft in der Geschichte "meiner" Partei, der SPD, gibt es auch jetzt wieder erste
Aufrufe an sie, davon ausgehend, daß sie eine "staatstragende, verantwortungsbewußte, demokratische Partei mit führungskompetenten Politiker" ist, und mit der der daraus hergeleiteten und für selbstverständlich erklärten Pflicht, erneut einer großen Koalition zuzustimmen.

Was mich, gelinde gesagt, daran seit "altersher" und eben auch jetzt stört , ist, das diese
Aufrufe, diese Appelle von denen kommen -in der Politik, in den Medien-, die bis gestern dieselbe SPD als "unfähig, verantwortungslos, staatsschadend" gescholten haben und ihre politischen Führungskräfte als unfähig zu diskreditieren versucht haben, Regierungsämter effektiv wahrnehmen zu können.
Heuchelei, die mich zumindest stört und die so manchen "meiner Genossen" wütend machen wird. Und auch das wird den innerparteilichen Willensbildungsprozess, jedenfalls den an der
sozialdemokratischen Basis,ganz wesentlich beeinflussen, wenn dort "über das Weitere" diskutiert wird.

PS
Bitte nicht vergessen, daß die amtierenden Kanzlerin im Wahlkampf immer wieder den Wählern erklärt hat, daß ihre "Wunschpartner" für eine Koalition die FDP und die Grünen seien -einzeln oder gemeinsam. Sie wollte -bis gestern- die SPD nicht als Koalitionspartner und erwartet nun, daß diese
sich ihr andient? Sh. dazu meine abschließende Bemerkung unter -3-Ziffer 5 (in Klammern).

@7:
Ich kann die Rolle der leidenden SPD nicht nachvollziehen. In der letzten Regierung Merkel vermisse ich eher jedes traditionelle CxU Profil.

SPD Themen wie:
– Mindestlohn
– Ehe für alle
wurden doch durchgesetzt.

D.h. viele Themen wurden umgesetzt und das sollte doch eine Partei freuen. Oder geht es nur um die Versorgung der Mitglieder?

Zur Qualität des Personals der aktuellen Regierung: Naja, die CxU bewegt sich da auf SPD Niveau.
Mir ist es bspw. ein absolutes Rätsel dass Herr Dobrindt immer in Schlüsselpositionen aktiv ist.

>für "den politischen Schlamassel", der jetzt da ist, ist letztendlich die SPD verantwortlich?<

Nein, die SPD doch nicht. Die SPD ist nur für den seit 150 Jahren andauernden Verrat an der Arbeitsklasse schuldig. Ansonsten ist sie – wie immer – unschuldig.

Ke -8-

Ich kenne keine SPD, keinen SPDler in einer leidenden Rolle -Wahrnehmungsprobleme?

Michael -9-

"andauernde Verrat an der Arbeiterklasse"…..

Anschuldigen aus der Mottenkiste und in der Tradition linksextremer Antidemokraten und, wie seit "altersher" zu registrieren , unveränderte die insofern gegebene be- und nachdenkenswerte Deckungsgleichheit in der Gesinnung, in der Diktion und in den Zielen zwischen Rechtsradikalen und Linksradikalen, wenn es gegen die Sozialdemokraten geht.
Das Ende der Weimarer Republik , der ersten Demokratie in Deutschland, ging einher mit dem Kampf der extreme Linken und der extremen Rechten gegen die SPD, auch mittels erbärmlicher Vorwürfe wie der vom "Verrat an der Arbeiterklasse" ,und die SED -die Partei der Arbeiter und Bauern -hat sich dieses Slogans während ihres diktatorischen Regimes in der DDR in ihrem Kampf gegen jeden Sozialdemokraten bedient.

Ich bin immer wieder überrascht, daß man sich intellektuell traut, auch heute noch in eine solche Mottenkiste zurückzugreifen, jetzt und hier in einem Meinungsaustausch über Ursachen/Folgen des Endes der Jamaika-Sonderungsgespräche; geht's noch?
PS
Ich bin ganz und gar unfähig, das Scheitern der Jamaika-Sondierungsgespräche irgendwie der Zuständigkeit/der (Mit-) Verantwortung der SPD zuzuschreiben, auch nicht mittels aller mir möglichen dialektischen "Kunstgriffe".
Ich finde es -gelinde gesagt- zumindest immer wieder grotesk, wenn "man" sich und wie "man" sich mit "der schuldigen SPD- befaßt – der Ursache allen Übels auf dieser Welt:
Gescheiterte Sondierungsgespräche, Klimawandel, Nah-Ostkonflikt, Flüchtlingskrise, zuviel Regen, Zuviel Sonne, Brexit und Trump, Islamismus, Christentum, Sexismus , Drogenprobleme und und und..

Im übrigen müßte ich mich doch statt wie bisher geschehen, über die an sich blödsinnige Behauptungen von "ganz Links und von "ganz Rechts" freuen, wo nach die SPD "Schuld trägt" für das Scheitern von "Jamaika", denn wenn das so wäre, hätte sie doch so – der Diktion unter -9- entsprechend- eine Politik zu Lasten der Arbeiterklasse -einen weiterhin andauernden Verrat an derselben- seitens einer Jamaika-Koalition verhindert.

"Irrungen und Wirrungen" angesichts eines an sich simplen politischen Vorganges (Sondierungsgespräche für eine neue Koalition sind gescheitet)
mit denen umzugehen jedem vernunftbegaben Menschen Probleme bereiten dürfte..

Selbstverständlich und das jenseits von "Schuld oder Unschuld" ist ab jetzt die SPD wieder mit im Spiel um die Bildung der nächsten Bundesregierung, dh. es geht ua. auch in der SPD um Mitspieler, Gegenspieler, Spieltaktik, strategische Ziele, Mannschaftsaufstellung, Spielführer. Spannend allemal und Ende offen.

Und wenn es Neuwahlen geben sollte? Ja, dann steht mit Sicherheit für diverse Akteure, auch solche, die hier bei den Ruhrbaronen unterwegs sind, fest, denn anders kann es gar nicht sein, daß dafür die SPD veranwortlich, das sie dieserhalb schuldig ist.
Es sei denn, es würde sich herausstellen, daß die Mehrheit der Deutschen Neuwahlen will -statt einer Minderheitenregierung, statt einer Großen Koalition- und dafür sprechen neueste Umfragen.. Ob es dann statt Schuldzuweisungen an die SPD zu höchster Anerkennung ihr gegenüber kommen wird -u.a. durch die Wählerschaft? Vermutlich nicht denn das würde nicht passen zu einem von Vorurteilen getrübten Bild auf die SPD.

Leider muß ich abschließend selbstkritisch registrieren, daß ich mit meinen Anmerkungen jetzt und hier mit dazu beigetrage , daß nicht über das Versagen der potentiellen Jamaika-Koalitionäre diskutiert wird und über alle denkbaren Folgen ihres Versagens, sondern primär über die SPD. Wenn das von FDP/Grünen/CDU/CSU nebst den mit ihnen verbundenen Medien und ihre Claqueuren hier bei den Ruhrbaronen so gewollt sein sollte, dann bin ich offenkundig auf ihre simple Taktik "rein gefallen".

#10 Tja, das ist das Schicksal der SPD … keiner mag wirklich mit ihr reden, aber über sie, da gibt es viele lustige Sachen zu sagen 😉

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