Ist Wolfgang Werner entnervt? – Dattelner Bürgermeister droht kritischem Bürger offen mit Klage

Das Kraftwerk 'Datteln 4'. Foto: Dieter Wirdeier
Das Kraftwerk ‘Datteln 4’. Foto: Dieter Wirdeier

Die Stadt Datteln hat in den letzten Jahren permanent reichlich negative Schlagzeilen zu verkraften. Egal ob nun der E.On-Bau ‚Datteln 4‘, der umstrittene und ebenfalls vom scheitern bedrohte ‚NewPark‘, die strittige Sanierung des kontaminierten ehemaligen ‚Ruhr-Zink‘-Geländes, der von der Einstellung bedrohte ‚Schulbusbetrieb‘, oder jüngst der tödliche Unfall einer 18-Jährigen auf einem Dattelner Spielplatz, die politisch Verantwortlichen in Datteln haben es aktuell ziemlich schwer und leben ständig mit starkem Gegenwind aus der örtlichen Bevölkerung. Hinzu kommt, dass auch in Datteln die Finanzsituation der Stadt überaus angespannt ist. Das einem das alles, auch als Bürgermeister, am Ende irgendwann einmal spürbar auf die Stimmung und die eigenen Nerven drückt, das scheint völlig nachvollziehbar.

Und so viele schlechte Nachrichten in kurzer Zeit, und öffentlicher Druck auf die Verwaltungsspitze einer Stadt mit nur gut 30.000 Einwohnern, hinterlassen offenbar eben auch bei Dattelns parteilosem Bürgermeister Wolfgang Werner (Ex-SPD) inzwischen deutliche sichtbare Spuren im Nervenkostüm.

Dass sich eine Verwaltungsspitze über kritikfreudige Bürger wohl niemals wirklich freut, das dürfte klar sein. Auch in Datteln gibt es natürlich kritische Zeitgenossen welche sich mit den Leistungen ihrer Stadtverwaltung auseinandersetzen.

Zu ihnen gehört unzweifelhaft auch Karl Seeling. Als jahrelanger Zeitungsleser kenne ich seine Leserbriefe zu diversen Themen schon seit langer Zeit. Egal ob ‚Datteln 4‘, ‚Ruhr-Zink‘, oder ‚NewPark‘, Bürger Karl Seeling denkt mit, mischt sich ein, und er sagt bzw. schreibt regelmäßig was er zu den Problemen seiner Heimatstadt denkt. Gut informiert, fundiert, kritisch. Häufig genug bekommt Wolfgang Werner von seinem Kritiker dabei kein gutes Zeugnis ausgestellt.

So auch im jüngsten Fall, als Seeling kritisierte, dass im Nachlauf eines tödlichen Unfalls auf einem Dattelner Spielplatz (einer jungen Frau war eine aus Holzmasten konstruierte Schaukel so unglücklich auf den Kopf gefallen, dass sie an den Folgen des Unglücks starb) die Stadt Datteln quasi über Nacht und ohne Ankündigung plötzlich diverse Spielgeräte auf Dattelner Spielplätzen demontierte.

Seeling vermutete darin eine mögliche Vernichtung von die Verwaltung eventuell belastendem Beweismaterial und kritisierte den raschen Abbau der Spielplätze laut und auch öffentlich.

Doch diesmal erwischte er ‚seinen‘ Bürgermeister offenkundig auf dem falschen Bein. Denn dieser drohte Seeling seinerseits im Gegenzug völlig überraschend direkt über die Lokalzeitung mit einer möglichen Klage gegen seine Person, sah sich offenbar mit einer üblen ‚Unterstellung‘ diesmal von Seeling über die Maße diskreditiert.

Was war eigentlich passiert? Der Anwohner hatte, so sagt Seeling, in seinem Beschwerdebrief ans Rathaus konkret die Fragen gestellt, ob der Spielplatz ‚Kehrwinkel‘ abgebaut wurde, „um eine weitergehende Kontrolle unmöglich zu machen“ oder gar „Beweise zu beseitigen“? Keine unberechtigten Fragen, wie auch ich finde.

Denn immerhin steht aktuell ja die Frage im Raum, ob die Stadt Datteln in der Vergangenheit ihre Spielplätze ordnungsgemäß gewartet hatte. Werner sah sich offenbar, statt auf den Inhalt der Anfrage konkret zu antworten, seinerseits mit Unterstellungen konfrontiert und reagierte darauf wenig souverän.

Auch Karl Seeling zeigte sich davon völlig überrascht: „Ich bin doch sehr erstaunt über die Antwort aus dem Rathaus. Im Grundsatz hatte ich eine ordentliche Erklärung zu den Vorgängen rund um das Unglück vom 26. Mai und über das weitere Vorgehen der Stadt bei der Suche nach der Ursache erwartet. Auch hätte ich eine Antwort erwartet, wie die Stadt bei der Aufklärung des Unfalls behilflich sein wird. Dieser Fall ist von besonderem öffentlichem Interesse und deshalb ist der Bürgermeister verpflichtet, die Öffentlichkeit angemessen und zeitnah zu informieren. Um etwaige Zweifel an der ordnungsgemäßen Instandhaltung der Geräte durch die Stadt Datteln auszuschließen, hätte man die Spielplätze bzw. Geräte sperren lassen können, bis ein unabhängiger Gutachter sie in Augenschein genommen und etwaige Mängel beweissicher dokumentiert hätte. Insbesondere die Angehörigen haben einen Anspruch auf eine lückenlose Aufklärung des Unfalls. Aber die Spielgeräte hätten unter diesen Umständen nicht demontiert werden dürfen.“, meint Seeling.

„Statt die Fehler zu suchen und die Vorgänge aufzuklären, wird in einer Nacht-und-Nebelaktion mit der Demontage von Spielgeräten auf Spielplätzen begonnen. Natürlich kommen hier Zweifel auf , ob es sich bei der Demontage von Spielgeräten um Vorgänge handelt, die der Sicherheit der Kinder dienen sollen, oder um Maßnahmen, die eine nachträgliche Prüfung der Geräte zur Ermittlung von Schuld- und Haftungsfragen unmöglich machen. Warum wurde denn die Demontage von maroden Spielgeräten nicht einfach in einer kurzen Pressemitteilung angekündigt? Ich hätte mir dann unseren Spielplatz einmal genauer angesehen. Das kann ich nun nicht mehr und der Staatsanwalt auch nicht. Der Staatsanwalt kann nur noch den Müll beschlagnahmen“, so ergänzt der Dattelner seinen Standpunkt weiter.

Man darf gespannt sein wie die Sache weitergeht. Auch wir hier bei den Ruhrbaronen werden ggf. über den Fortgang der Dinge berichten.

7 Kommentare

In Mengede gab’s mal einen, dem hat man nach seinem Ableben sogar ins Kondolenzbuch geschrieben, dass er ein Querulant war.

Auch wenn ich die Reaktion von Bürgermeister Wolfgang Werner für überzogen halte, einem Bürger, der in Form von Leserbriefen in der Presse kritische Fragen stellt, verklagen zu wollen, halte ich die Mutmaßungen, die Stadt Datteln habe vielleicht etwas zu vertuschen, für völlig überzogen. Ein von Polizei und Staatsanwaltschaft beauftragter Sachverständiger hat den Spielplatz insbesondere die Schaukelanlage bereits am 27. Mai zwecks Erstellung eines Gutachtens ausgiebig untersucht. Die Ergebnisse sind offiziell noch nicht bekannt, allerdings kann man der Presse und auch dem WDR entnehmen, dass der umgestürzte Holzmast direkt über dem Erdboden abgebrochen ist, was durch feuchtigkeitsbedingte Fäulnis hervorgerufen wurde. Zu beantworten bleibt da eigentlich nur noch die Frage, ob der Mitarbeiter der Stadt, der die Schaukelanlage zwei Tage zuvor in Form einer Sicht- und Klopfkontrolle inspizierte, den Schaden hätte feststellen können, was auf jeden Fall möglich gewesen wäre, hätte er das Fundament der Masten freigegraben. Aber das Sicht- bzw. Klopfkontrollen auch das Freilegen der Fundamente beinhalten, ist vermutlich nicht der Fall. Diese Form der Kontrolle findet einmal im Jahr statt, Sichtkontrollen hingegen einmal pro Woche. So tragisch der Unfall auch war, aber einen Strick wird man da dem städtischen Mitarbeiter vermutlich nicht raus drehen können.

Schenkt man dem TÜV Rheinland glauben, dann sind fast 3/4 aller Spielplätze in Deutschland zu bemängeln, bei 50% besteht sogar akuter Handlungsbedarf.

Bürgermeister Werner wäre besser beraten, hätte er die Schließung von Spielplätzen und die Demontage von Spielgeräten mit den Informationen des TÜV Rheinlandes begründet und die Anfrage dazu genutzt, die Öffentlichkeit umfassend über diese Aktionen zu informieren. Das man in Datteln nach dem tragischen Unfall mehr als vorsichtig geworden ist, versteht sich von selbst und bevor sich so eine Tragödie ein zweites mal wiederholt, baut man lieber Spielgeräte ab, die ein ähnliches Risiko bergen könnten.

Die Ergebnisse des Schaukelunfallgutachtens sind raus. Demnach sind die Stadt Datteln und der inspizierende Mitarbeiter, der die Schaukelanlage zwei Tage vorher inspizierte aus dem Schneider. Laut WAZ “… ist der Gutachter zu der Erkenntnis gekommen, dass die morsche Stelle des Standpfostens zu tief im Boden gewesen sei, um bei der gründlichen Jahresinspektion am 5. Juli 2012 durch Mitarbeiter der Stadt Datteln hätte entdeckt werden können.” Das Gehölz war darüber hinaus von innen morsch, was der städtische Prüfer ebenfalls nicht hätte erkennen können.

Den ganzen WAZ Artikel gibt es hier:
http://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/gutachten-nach-tod-beim-schaukeln-entlastet-die-stadt-datteln-id8264618.html

Für mich ergibt sich daraus folgendes:

1. Der oben in Frage gestellte Abbau städtischer Spielanlagen macht insofern Sinn, da es sich um einen tragischen aber unvermeidbaren Unfall gehalten hat, den man auf anderen Spielplätzen gerne vermeiden möchte.

2. Nicht nur Dattelns Bürgermeister Wofgang Werner sollte einen Gang tiefer schalten, weil ein Bürgermeister ein gewisses Maß an Kritik einfach aushalten können muss. Auch der erwähnte Karl Seeling sollte sich überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, erst einmal die Ergebnisse von Gutachtern abzuwarten, statt die Öffentlichkeit mit wirren Verschwörungstheorien kirre zu machen.

Persönlich finde ich die Umstände so tragisch, dass es sich eigentlich von selbst verbieten müsste, daraus ein Machtspielchen Bürger gegen Stadt oder umgekehrt zu machen.

Datteln ist nicht Duisburg, Werner nicht Sauerland und der Schaukelunfall nicht die Loveparade.

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