Isis-Kugeln und Feng-Shui: Das Irrenkreishaus von Recklinghausen

Jochen "Guru" Welt
Jochen “Guru” Welt

Isis-Kugeln, Feng Shui Bücher und weitere wunderliche Waren für fast 30.000 Euro schaffte der Arbeitsschutzbeauftragte Michael F. bis 2009 als Arbeitsschutzbeauftragter des Kreises Recklinghausen an. Der wollte das Geld gestern von K. vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zurück erstreiten und scheiterte damit. Denn K. war nur ein kleines Rädchen im Getriebe des Irrenkreishauses von Recklinghausen.

Die Leistung der Weber-Isis-Kugel beeindruckt: Sie kann den Zugang zu höheren Dimensionen ermöglichen, die Gedankenkraft erhöhen und erschafft ein externes „Mer-Ka-Ba-Feldes, eines sich gegeneinander drehenden Lichtkraftfeldes“, was immer das auch sein mag. Der Hersteller empfiehlt den Einsatz in „Heil- und Meditationszentren“ –  letzteres ist das Kreishaus Recklinghausen nur indirekt, doch auch hier setzte man bis 2009 auf kosmische Energien. „Landrat Jochen Welt war ein ganzheitlich denkender Mensch“, sagte dann auch Michael K. gestern vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen und niemand mochte ihm widersprechen.

K, Typ sensibler Zopfmann, war bis 2009 Sicherheits- und Arbeitsschutzbeauftragter, klagte gegen seinen Arbeitgeber, den Kreis Recklinghausen. Nicht nur, dass der ihn 2009 mit dem Machtwechsel des ganzheitlich inspirierten Jochen Welt (SPD) zum eher spröden Cay Süberkrüp (SPD) vom Dienst suspendierte, der Kreis will auch Geld von K.: Fast 30.000 Euro, ausgegeben für Isis-Kugeln, Feng-Shui-Bücher und andere Wundermittel. Nach Aktenlage sei das alles, so Richter Bernd Andrick, Hokuspokus.

Allerdings Hokuspokus, den K, nicht alleine zu verantworten hatte. Unter Jochen Welt, das wurde in dem Verfahren deutlich, wurde der schlichte Backsteinbau, errichtet im in den 80er Jahren beliebten Stil der Sozialdemokratischen Beliebigkeit, zum Irrenkreishaus im Zeichen des Wassermanns: Nicht nur der Landrat, auch weitere Träger von dem was man in diesen Kreisen Verantwortung nennt, setzten auf die heilende Kraft kosmischer Energien, wappneten sich gegen unheilvolle Strahlen und anderen Unfug. Bezahlt wurde die Leidenschaft für das Übersinnliche natürlich vom Steuerzahler. In dieser Frage war man dann auch unter Jochen „Guru“ Welt wieder ganz konventionell.

Das Ansinnen des Kreises, die Kosten für den Tand von K. zurück zu erhalten, lehnte das Gericht ab. Zum einen, weil ein Kreis zu seinen Entscheidungen zu stehen hat – auch der Irrsinn von Welt war schließlich offizielle Politik des Hauses – zum anderen, weil K. nicht alleine verantwortlich war. Wenn, dann müsse der Kreis nicht nur von K. sondern auch von allen anderen „Erleuchteten“ Geld zurück fordern.

21 Kommentare

Ich bin spirituell und nicht esoterisch, würde meine Mutter sagen. Ja ist doch klar, in einer wertfreien (losen?) Welt kein Wunder, das sich viele Menschen gurus an den hals werfen…selber denken ist doch out! Einen Führer braucht der Mensch, denn selber denken führt zu Kopfschmerzen und Vereinsamung!

Stehen alle sensiblen Zopfmänner im Generalverdacht Esoterikanhänger oder zumindest Hippies zu sein?
Kritik schön, Polemik gut, aber warum diese Anmerkung?
Zumal der “Guru” selbst, zumindest auf dem Bild im Artikel, doch völlig unverdächtig aussieht.

@Tolleranz: Michael K. ist der Zopfmann, aber von dem habe ich kein Foto. Und die Anmerkung steht da, weil ich sie lustig finde.

Lieber Stefan,
dein feinsinniger Humor rettet mir selbst den nebeligsten Tag:

…wurde der schlichte Backsteinbau, errichtet im in den 80er Jahren beliebten Stil der Sozialdemokratischen Beliebigkeit, zum Irrenkreishaus im Zeichen des Wassermanns…

Danke für den kleinen Moment der Freude

Das meine ich doch, gerade der Guru-Landrat, von dem diese Investitionen zumindest abgesegnet worden sein müssen (oder etwa nicht?), sieht sehr unverdächtig aus: rasiert, Kurzhaarschnitt, Sakko.

Warum dann trotzdem auf dem Äußeren Michael K.s rumgehackt werden muß, bleibt mir verborgen. Aber gut, erlaubt ist, was gefällt.

“Typ: sensibler Zopfmann” ist kein Rumgehacke, sondern erstmal nur eine Feststellung. Den negativen Ton ließt da jeder selbst hinein. “Toleranz” schreibt man allerdings immer noch mit nur einem “L”.

ich lese bei “sensibler Zopfmann” nichts Negatives. Warum auch? Eher zutreffend ausgedrückt für einen Menschen, der sich nicht mit Panzerhaubitzen, sondern mit Feng shui beschäftigt. So einer könnte auch lyrische Gedichte schreiben.
Ich glaub, das ist ein Artikel, den Stefan Laurin in allerbester Frühstückslaune geschrieben hat. Ich finde den Artikel gut und werde mich mal in die Theorie von Feng shui einlesen. Immerhin hat Feng shui, natürlich im weltlichem Sinne, und vom ästhetischen Standpunkt, schöne Gärten hervorgebracht.

@Jenni, mich erinnert das Bild auf Deinem Link an ein wenig an eine, für magische Zwecke umgebaute Toilettenbürste. aber wenn es hilft.

Zusammen mit dem esoterischen Gestammel von Gabriel über NSA und VDS frage ich mich, wofür die SPD noch eine Mitgliederbefragung braucht(e). Mit dieser Mer-Ka-Ba-Kugel wird doch die “Klärung und Auflösung von Blockaden” viel einfacher und billiger gebacken…

-Erschaffung eines externen Mer-Ka-Ba-Feldes, eines sich gegeneinander drehenden Lichtkraftfeldes
-Klärung oder/und Auflösung von Blockaden ist möglich
-Stimmungsaufhellung durch die Goldlegierung ist möglich
-Harmonisierung
-Zugang zu höheren Dimensionen
-Verstärkung der Gedankenkraft

Das Geld hat der Kreis Recklinghausen sehr gut angelegt. Mit dieser Zauberformel sollten sich sämtliche auch im Strang “Newpark” erörterten Probleme der Emscherzone leicht lösen lassen.

@Helmut Junge
Umgebaute Klobürste? Hm. Könnte natürlich sein.
Mich allerdings erinnert das eher an gewisse als “formschön” angepriesene Luftentfeuchter aus den 70er Jahren. Womöglich haben wir alle die magische Wirkung derselben nicht erkannt, weil die bevorzugt im Waschkeller standen…
Das würde allerdings schlüssig erklären, warum einige Leute behaupten, so manchen Geistesblitz hätte sie getroffen, während sie dem Drehen der Wäsche in der Maschine zusahen!

@Stefan
Michael F. und Michael K. sind eine Person?

Die Aufregung verstehe ich nicht. Wo Jochen Welt politisch verantwortlich ist, herrschen halt schnell sizilianische Verhältnisse.

Vor dem hauptamtlichen Landratsamt beim Kreis lief es unter seiner Regentschaft als “ehrenamtlicher” Bürgermeister bei der Stadt Recklinghausen wie folgt ab:

http://www.focus.de/politik/deutschland/korruption-der-naechste-bitte_aid_161054.html

Aber die Parteitags-Lemminge hat es nicht gestört…. 🙁

@Emscher-Lippizaner: Ja, es ist eine Person. Er hat den Namen seiner Frau angenommen. Und die war ja auch ganzheitlich für den Kreis tätig…

@Stefan:
Wenn es eine Ausschreibung/Vergabe für solche “Hurtz”-Leistungen (frei nach H.P. Kerkeling) gegeben hat, ist ja rechtlich alles in Ordnung….

@Puck, vermutlich kommt dort zur Erleuchtung und zu Geistesblitzen, wo man sitzt, ob vor dem Bullauge der Waschmaschine, oder auf dem closed room. (Klo)
Ein praktizierender Zen-Anhänger hat irgendwo geschrieben, daß es falsch sei, zu glauben, daß das Sitzen zur Erleuchtung führt. Er meinte, das Sitzen selbst sei die Erleuchtung. Mehr könne man nicht erreichen.

@Helmut Junge #9:

Die für magische Zwecke umgebaute Toilettenbürste muss helfen, bei einem Preis von 693,– Euronen ist ein anderes Ergebnis gar nicht denkbar…

Man sollte sich vielleicht mal von Eso-Barbara über das Mer-Ka-Ba-Feld informieren lassen. Vielleicht wird so ein Gerät demnächst zur Pflichtausstattung in Kneipen…

#6 Rambo: Ich vermute, dass “Tolleranz” ein Neologismus aus toll und ranzig sein soll. So im Sinne von: “Du bist ja völlig toll, da wird sogar die Milch im Kühlschrank ranzig.”

Bin mal gespannt, ob die für den Abrechnungsskandal wirklich Verantwortlichen auch so an den journalistischen Pranger gestellt werden. Wenn unserer Rechtssystem jetzt in die andere Richtung agiert, müsste das wohl der Fall sein. Denn Welt und sein Stellvertreter haben sich nichts zu schulden kommen lassen, sondern das waren u.a. vor dem Hintergrund der Kommunalwahl in 2009 andere.

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