Irrlichtern in NRW

Was würde Clooney tun? Foto: Norbert-Roettgen.de

NRW steht momentan hoch im Kurs. Der Landtag ist aufgelöst – jetzt wollen sich die Haie den Walkadaver holen. Immerhin, wir sind wieder wer. Das „wichtigste Bundesland“ seien wir, haben sie gesagt, und dass wir eine „Signalwirkung“ für den Bund hätten. Darum irrlichtern sie nun alle gen Düsseldorf. Selbst Christian Lindner wurde gesichtet. Gut, der Röttgen, der „George Clooney der CDU“, ist sich da noch nicht so sicher. Klar würde er gerne die Kraft machen, aber im Falle einer Wahlniederlage Landtagsopposition spielen? Man ist schließlich Bundesminister! Und ähnelt Hollywood-Stars.

Eine Fortsetzung von Rot-Grün, diesmal mit eigener Mehrheit, wabert bedrohlich am Horizont. Denn während die Landesmutti in einer mehr oder minder glanzvollen Performance um die Mehr- oder Minderheiten im Landtag herumgetänzelt ist, weilte Röttgen in Berlin. Wurde „Muttis Bester“. Landespolitik war ja nie wirklich sein Ding. Nun stößt dies nicht nur Parteifreunden bitter auf, auch die wahlberechtigten Insassen NRWs beginnen zu grummeln. Volk und Partei wollen von ihm ein „klares Bekenntnis zu NRW“, andernfalls drohe das „Kopf-an-Kopf-Rennen“ mit Kraft zu scheitern.

Warum tut Röttgen sich das an? Allein die Diskussion, die momentan darüber stattfindet, ist schon schädlich genug für ihn. Dabei hat er ja noch nicht mal gesagt, ob er im Land bleiben wird oder nicht. Er weicht aus. Dieses Herumeiern, dieses Harren, es ist dies der finstere Vorbote des Eingeständnisses, der Öffentlichkeit eine Sache, die im Kopf längst zu Ende diskutiert wurde, vorenthalten zu haben. Röttgen weiß, dass er nicht die Düsseldorfer Oppositionsbank drücken will. Er ist sich im Klaren darüber, dass jetzt, nach all der Diskussion um seine Haltung, vor allem ihm die unabwendbare Wahlklatsche angekreidet werden wird. Als Guttenberg die Ermittlungen zu „seiner“ Doktorarbeit „aktiv unterstützte“, war ihm das Ausmaß der akademischen Jauchegrube, die sich da auftun sollte, natürlich bewusst. Es war vor allem das Herumgedruckse, womit er seine neobürgerlichen Credits verspielt hat. Auch Wulff machte einen auf Salami-Taktik.

Halber Arsch oder klare Kante?

Denkt Röttgen allen Ernstes, er könne irgendjemandem einen laufenden Denkprozess vorspielen? Denkt er wirklich, die Leute wissen die Zeichen nicht zu deuten? Es liegt auf der Hand, Röttgen will, wie man das im konkurrenzgetriebenen Kapitalismus eben will, möglichst viel für sich rausholen. Als ginge es „um das Land“. Christian Lindner, der sich für die Liberalen guillotinieren lassen wird, will auch nur seinen Fuß in die Tür kriegen, Deckung suchen im nordrhein-westfälischen Schützengraben, bis sich die Amateure im Bund per Friendly Fire selbst abgeschafft haben. Dann wird seine Stunde kommen, Lindner kann warten. Für Röttgen hingegen drängt die Zeit. Wird er mit halbem Arsch in den Wahlkampf ziehen, sich also seinen Ministersessel in Berlin warmhalten? Er wäre innerparteilich diskreditiert. Riskiert er die Opposition? Oder hat er die Chuzpe, im Vagen zu bleiben und nach dem Scheitern der CDU zurück nach Berlin zu gehen? Er kann nicht mehr viel richtig machen.

 

 

1 Kommentar

Ich empfehle diesen Artikel:http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/berlin-wahl-gruene-wahlparty

jede/r blamiert sich wie er/sie will. Am Ende aber knallt die Peitsche. Und Frau Kühn-Ast sitzt nicht im Landtag, sondern macht berlinmäßig die APO – noch.

Die Vorhaltungen an Röttgen sind bloße Scheingefechte und haben nichts mit NRW zu tun. Noch sind 7 Wochen Zeit in der wir mehr über die Positionen und Ideen der KandidatInnen erfahren werden. Wenn diese Frage eine Rolle spielen sollte, dann gute Nacht Marie.

In Hamburg hat sich auch keiner darum gekümmert und der Olaf hat datt Dingen gewonnen: http://www.bild.de/politik/2011/buergerschaftswahlen-hamburg/wird-olaf-scholz-jetzt-kanzlerkandidat-der-spd-16083478.bild.html

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