In der Rezession könnte die SPD noch weiter schrumpfen


Noch pendelt die SPD in den Umfragen um 15 Prozent. Was heute vielen Sozialdemokraten als trist erscheint, könnte von ihnen in wenigen Jahren als die “gute alte Zeit” bezeichnet werden.
Eine Spiegel-Umfrage hat heute eine Zahl ergeben, die für die SPD eine Katastrophe ist: Nur noch 7,7 Prozent der Befragten glauben, dass die SPD die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz ist. Die SPD liegt damit noch hinter der AfD (8,7 Prozent) und nur knapp vor der Linkspartei (4,0 Prozent) und den Grünen (5,2 Prozent).

Für die kommenden Jahre verheißt diese Zahl für die Sozialdemokraten nichts Gutes: Immer schneller geht es für die Bundesrepublik in Richtung Krise. Große Unternehmen wie Continental haben bereits Stellenabbau angekündigt, die Auftragseingänge beim  Maschinenbaus und der Automobilindustrie sind schlecht. Noch setzen viele Unternehmen auf Kurzarbeit, aber der folgt, sollte sich die Lage nicht schnell verbessern, der Abbau von Stellen. In der Krise werden viele Menschen die Parteien wählen, von denen sie im Bereich Wirtschaft glauben, dass sie wissen, was zu tun ist, damit es wieder Wachstum gibt. Und da punkten schwarz und gelb: Die CDU liegt da mit 37,2 Prozent Welten vor den SPD. Die FDP folgt ihr mit 16,5 Prozent.

Die SPD droht also in der Krise weiter abzustürzen. Kaum jemand traut ihr mehr zu, wirtschaftliche Probleme zu lösen und als Protestpartei taugt die SPD auch nicht. Wer in der Krise Protest wählt, wird AfD  wählen. Die AfD könnte so von den Belastungen der Klimapolitik profitieren. Die SPD,  kaum mehr als eine grün angestrichene Linkspartei für den gehobenen Dienst, wird mit dem Sozialthema kaum punkten können, denn die meisten Menschen wollen  Jobs und keine staatliche Versorgung. Und wer eine radikale Sozialpolitik will, wird von der Linkspartei besser bedient, die immer mehr fordern wird als die SPD. Und die Grünen? Die werden in einer Krise auch verlieren – aber auch künftig weit vor der SPD liegen.

17 Kommentare

Wie treffend.

Wie man das Ende der Sozialdemokratie beschreibt, ohne sie noch zu erwähnen. Aus einer Wahlanalyse der FAZ zur Wahl in Österreich.

"Unter Arbeitern schneidet sie (die ÖVP) schlechter ab – hier ist die rechtspopulistische FPÖ mit 48 Prozent die stärkste Kraft."

Grad heute ist mir bei Aufräumarbeiten mein blaues SPD-Parteibuch in die Hände gefallen. Als das ausgestellt wurde, regierte die SPD in Hessen mit absoluter Mehrheit und Willy war noch nicht mal 1 Jahr Kanzler…
Ich habe in den etwas mehr als 11 Jahren meiner Mitgliedschaft und auch danach v.a. der SPD-_Führung öfters mal die Krätze an den Hals gewünscht, aber das, was jetzt ist und sein wird, sicher nicht!!

"Die SPD, kaum mehr als eine grün angestrichene Linkspartei für den gehobenen Dienst, wird mit dem Sozialthema kaum punkten können, denn die meistenMenschen wollen Jobs und keine staatliche Versorgung. "

Das ist ungefähr genau so wahr wie die aus dem Arbeitgeberlager oft zu hörende Unwahrheit vom angeblich von den Arbeitnehmern selbst gewollten großen Abstand vom eigenen (selten wirklich üppigem) Lohn zu den Sozialleistungen (Hartz IV).

"Und die Grünen? Dir werden in einer Krise auch verlieren – aber auch künftig weit vor der SPD liegen."

Und das sagt wer? Die Glaskugel des Autors?

@Harald Böhm: Die SPD hat noch nie einen Wahlkampf mit sozialen Themen gewonnen. Warum sollte es ihr in Zukunft gelingen? Die meisten Menschen wollen arbeiten und gut verdienen. Sie wollen Wohlstand und keine Alimente – und sie wollen für sich selbst sorgen können und unabhängig sein. Und zu den Grünen: Es gibt ein postmaterialistisches Milieu, es ist nicht riesig, liegt aber über zehn Prozent. Dort werden die Grünen als Lifestylepartei ebenso beliebt bleiben wie der Unverpacktaden.

Wie bitte? Die Partei von Eurorettung und Energiewende wird von 37,2 % der Befragten als kompetent in Sachen Wirtschaft eingeschätzt? Herr schmeiß Hirn vom Himmel!

@Gerd: Und das trotz Altmaier. Sie leben von ihrem in der Vergangenheit erarbeiteten Ruf und wohl auch der Hoffnung, dass sie am Ende, wenn es darauf ankommt, nicht so irre sind wie alle anderen.

@Stefan Laurin

"Die SPD hat noch nie einen Wahlkampf mit sozialen Themen gewonnen. Warum sollte es ihr in Zukunft gelingen?"

es wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als es weiter zu versuchen. Schröders wirtschaftsfreundliche Agendapolitik hat die Partei dahin gebracht, wo sie heute ist. Den Arbeitnehmern ist durchaus bewusst, dass sie in der Krise, sollte diese länger anhalten als ein Jahr, als Arbeitssuchende ganz schnell nach ganz unten durchgereicht werden können, ohne Rücksicht auf die bisherige Lebensleistung. Und es ist genau diese Angst vor dem individuellen Wohlstandsverlust, der die Menschen umtreibt, und nicht der Wunsch , einen Nanny-Staat zu etablieren.
Diese Angst verbinden die Menschen fast ausschließlich mit der SPD, und nicht unbedingt mit den anderen, damals genau so beteiligten Parteien: Einer hat halt Pech und muss es ausbaden.
Der sichere Weg in den Abgrund ist für die SPD das Beharren auf dem angeblichen Erfolgsmodell Agenda 2010, gepaart mit der Lebenslüge, nur der Agendapolitik sei es zu verdanken, dass Deutschland in den Jahren nach Schröder einen Wirtschaftsboom erleben durfte.
Das glaubt doch schon lange so gut wie niemand mehr, schon gar nicht der Wähler.

Die SPD gibt es doch schon längst nicht mehr. Die nennen sich nur noch so. Schröders Nachfolger, vielleicht sogar schon er selber, haben auf mich allesamt einen nichtsozialdemokratischen Eindruck gemacht. Von denen, die ich noch während meiner Ratstätigkeit gekannt habe, unterschieden sich die jüngeren Semester bereits erheblich. Zwar gebilderter, aber kein Herzblut. Ach, auch die Wähler sind weg. Wundert mich nicht. Wenn also jetzt etwas "schrumpft" ist es der Name.

@Harald Böhm: Schröder holte 2005 34,2 Prozent. Und Wohlstand sichert kein Nanny-Staat, sondern nur Wachstum. Schröder wusste das, Clinton wusste das, Blair wusste das – den auch der Nanny-Staat muss finanziert werden.

@Stefan Laurin

Und alle drei haben eines gemeinsam: Sie und ihre Parteien sind an dem von ihnen selbst entfesselten Neoliberalismus gescheitert.

Es ist eben kein Wohlstand dadurch gesichert worden, dass von unten nach oben umverteilt wurde ( und auch noch wird), es sei denn, man ist Teil jener oberen 20 % der Bevölkerung, die dadurch profitieren.

Wer da nicht zu gehört, und das sind immerhin 80 %, der hat halt Pech gehabt und darf für den stetig wachsenden Reichtum anderer zahlen, in welcher Form auch immer – Alimentation mal andersrum.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Bild im "Stern":
Der Sozialdemokrat Gerhard "Gerd" Schröder im Brioni-Anzug mit Cohiba-Zigarre, das sprach doch – und spricht immer noch – Bände.

@11:

'Neoliberalismus' in Deutschland? Das gibt es nur als politischen Kampfbegriff zur Bewahrung der staatlichen Überregulierung.

Der Autor hat ihr absolut recht!
Ich als ehemaliges SPD-Mitglied habe nur jede Hoffnung aufgegeben, dass die heutige linksrote Funktionärselite ihren Irrweg noch erkennen kann.
Gilt nicht nur für die Wirtschaftspolitik, sondern auch in punkto Sicherheitspolitik und Migrationspolitik.
Seit mehr als 10 Jahren wird jetzt nach links gerückt und sich auf vermeintlich neue progressive Politikfelder gestürzt. Die Ergebnisse werden immer schlechter, aber an allem ist angeblich immer noch der Schröder schuld. ZumTotlachen!
Dabei würde ein Blick nach Dänemark genügen, um zu sehen wie Sozialdemokraten wieder erfolgreich werden könnten.
Aber die deutschen Sozifunktionäre verachten die eigene Kernwählerschaft und ihre Anliegen und würden stattdessen sooo gerne der Liebling der bionadetrinkenden, fahrradfahrenden Grossstadthipster werden; nur leider sind die Grünen da immer einen Schritt voraus!

@12

Wir können über Begrifflichkeiten fachsimpeln, oder wir können uns mit den Fakten auseinandersetzen.

Heute titelt die "Welt" unter Verweis auf eine Studie des DIW: "Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens".

Und weiter im Text:" Die reichsten zehn Prozent besitzen demnach mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent), wie aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Die ärmere Hälfte hat dagegen nur einen Anteil von 1,3 Prozent."

1,3 %! Das muss man sich mal zu Gemüte führen.

Wenn ich mich recht erinnere, lag vor 10 Jahren der Anteil der oberen 10 % am Gesamtvermögen bei etwa 50 %. Sollte sich der Trend also so fortsetzen, kann man sich leicht ausrechnen, wann der Punkt erreicht ist, an dem die 10 % Vermögenden alles, und die restlichen 90 % nichts mehr besitzen.
So sieht er aus, der Erfolg der neoliberalen Deregulierung.

Aber wenn im Europaparlament, im Bundestag, im Landtag, im Kreistag (absolute Mehrheit) und im Stadtrat (absolute Mehrheit) die CDU das Sagen hat: warum sollte es dann einen Abschwung oder eine Krise geben?

@Harald Böhm (14),
ich verfolge diese Meldung des DIW auch. Schon seit Jahren sogar. Stimmt, daß die reichsten 10 Prozent zu den etwa 50%-Anteil vor 10 Jahren, noch mal eine Schüppe von weiteren 6% obendrauf erhalten haben.
Nur ist von den 1,3%, die die ärmere Hälfte besitzt, nicht mehr so viel zu holen. Rein rechnerisch, versteht sich. Vermutlich wird die Schicht dazwischen von den Reichen arg gerupft. Zuletzt wird es dann nicht so kommen, wie du sagst, daß "alle" nichts mehr besitzen und die Reichsten alles, sondern es werden immer mehr Leute in diesen niedrigen Einkommenssockel abrutschen. Die Konsequenz liegt dann darin, daß es für die ärmer werdende Mittelschicht kaum noch, bzw. immer geringer werdende Chancen gibt, jemals reich zu werden. Was das für gesellschaftliche folgen haben wird, weiß ich nicht. Das kann niemand vorhersehen. Aber rappeln wird es schon im Karton.
Bebels Kladderradatsch ist so ein Beispiel für Unvorhersehbarkeiten.

@ Münsterländer Auf den Punkt gebracht. Ist die Krise da, wenn die CDU regiert, ist weiß der Teufel wer schuld. Regiert die SPD in der Krise, ist selbstverständlich die SPD schuld.
Letztlich ist es doch so, dass Verluste sozialisiert werden(Bankenkrise bspw.), Profite hingegen privatisiert und oftmals auch noch an der Steuern vorbei ins Ausland transferiert.

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