Update: Ich will keinen Pfaffen als Präsidenten

Christuskirchen Foto: Ayla Wessel/Kulturagentür

Gerade wird immer wieder der Name von Wolfgang Huber kolportiert als möglichem neuen Präsidenten der Republik. Huber, das ist der frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Ex-Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz.

Ich sag mal, Deutschland ist eine säkulare Republik. Ich brauche und will keinen Pfaffen an der Spitze. Und erst recht keinen evangelischen Pfaffen – einen mit falschem Glauben.

Was denken die sich eigentlich? Die können doch nicht im ernst einen Vogel für das höchste Amt im Staat nominieren, der einer fundamentalistischen, freudfeindlichen Spaltersekte angehört, ja sie sogar mitführt. Wir sind doch nicht im Iran. Die feiern ja nicht mal Karneval, die Spalter.

Oder ist das Amt schon so beschädigt, dass es den Merkel-Leuten schon komplett egal ist, wer an der Spitze steht.

Ich plädiere für eine aufgeklärte Persönlichkeit, die neutral glaubwürdig über den Glaubensdingen steht. Und nicht selbst mitmischt und versucht andere Religionen zu unterdrücken.

Huber: der geht gar nicht. Der kann noch Preussen vertreten – meinetwegen. Aber schon im Rheinland wird Spaltersektenführer Huber bekämpft werden.

Da lass ich mich doch direkt wieder von Frankreich besetzen. Die sind wenigstens katholisch.

Update: Nu isset Gauck. Ja, gegen Gauck hab ich nix. Der war nicht Bischof. Mir ging es darum, dass ich keinen Religionsführer als Chef fürs Ganze wollte. Gauck ist gut. Der war Geistliicher, aber kein Mullah, wie
Huber. Der geht.

28 Kommentare

Die generelle Ablehnung kann ich ja unterstützen. Nur die Begründung ist etwas arg katholisch. Oder war da Restalkohol im Spiel?

Danke, Georg, dass es mal einer ausspricht. Ich denke die ganze Zeit über das Gleiche. Die Idee, dass ein Geistlicher in einem demokratischen, säkularisierten Land das oberste Staatsamt bekleidet, finde ich absurd. Von einem Bundespräsidenten oder einer Bundespräsidentin erwarte ich eine neutrale Haltung in religiösen und weltanschaulichen Fragen. Nur eine solche Person kann unser Land, das nun mal religiös durchmischt ist, vertreten.
Man stelle sich nur mal vor, jemand käme auf die Idee, einen Imam als Bundespräsidenten vorzuschlagen. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch das Land. Nun ist der Bischof Huber zwar weitaus sympathischer als der Ayatollah Khamenei, aber auch er ist eben in religiösen Fragen einseitig festgelegt. Deswegen kann er nicht Bundespräsident für alle hier Lebenden werden.

@Georg: Entspann dich mal. Huber ist doch Protestant und damit gar kein richtiger Priester. Die Sache ist doch so: Die Syrer und die Kopten sind das Original – sowas wie Coca Cola. Die Katholen und die Orthodoxen das zeitnah nachgeschobene Nachahmerprodukt: Pepsi. Die Evangelen haben damit doch nix zu tun – die sind wie River Cola. Und niemand denkt im Sommer wenn es heiß ist: “Jetzt eine River Cola.”

@ Stefan Laurin

hast du was gegen einen klerikalen “Präsident der Bosse” ?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,315383,00.html

“Polizei muss McKinsey-Party schützen

Der Consultant-Konzern McKinsey feiert 40-jähriges Deutschlandjubiläum und hat zur 5000-Personen-Party an verschiedene Orte der Hauptstadt geladen (…)

Das Anti-Hartz-Bündnis wollte unter anderem den Berliner Dom aufsuchen, in dem der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber ein Grußwort an die McKinsey-Beschäftigten richten soll. “Wir werden Huber daran erinnern, dass die Kirche an die Seite der Schwachen gehört”, sagte Grottian (…)”

Achherje, was für eine nivelose Polemik: Im modernen demokratischen Rechtsstaat kann ja wohl kaum der vorherige legale Beruf ein Ausschlusskriterium sein für das Amt. Der vorherige Beruf sagt nichts über Eignung und Nicht-Eignung für das Amt aus.

Es gibt gute Gründe, mit denen man gegen Huber hätte argumentieren können …

@ #4 Eva

Wenn er die nötigen Kompetenzen mitbringt und die juristischen Voraussetzungen erfüllt kann es auch ein Iman sein, der das Amt übernimmt.

Als Student der evangelischen Theologie würde ich mich außerordentlich darüber freuen, wenn sich in ein muslimischer Kandidat oder sogar eine Kandidatin für das Amt finden würde, der oder die geeignet ist.

Ihre Argumentation, Herr Kontekakis, langweilt mich zutiefst. Sie ist reaktionärer, als man sie von Herrn Huber je erwarten würde – sie entspricht wohl eher einem Terry Jones. Außerdem waren – wenn ich mal eben mutmaßen darf – alle bisherigen Bundespräsidenten religiös “festgelegt”. Wulff z. B. ist überzeugter Katholik.

Mir jedenfalls wäre wohler, wenn jemand mit einem reflektierten Glauben dieses Amt besetzt, als jemand, der oder die eine ziemlich große Zahl unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger grundsätzlich für dumm erklärt.

Mit freundlichem Gruß, Hannes Leitlein

PS: By the way hielte ich Herrn Huber auch nicht für die richtige Besetzung.

@ Hannes Leitlein

Danke für den Vergleich von Georg Kontekakis mit Terry Jones:

“Terry Jones (* 1951 in Cape Girardeau, Missouri)[1] ist ein US-amerikanischer Pastor der „Dove-World-Outreach-Center-Gemeinde“ in Gainesville, Florida. Er erregte im September 2010 weltweit Aufsehen durch seine Ankündigung, eine öffentliche Koranverbrennung durchzuführen …”

Das zeichnet den religiösen Fanatiker, pardon, “Studenten der evangelischen Theologie” Hannes Leitlein aus, daß er solch eine Diffamierung bringt.

Leute, Pastor, Imman usw. ist kein Beruf im herkömmlichen Sinne. Wenn es überhaupt einen ernst zu nehmenden Vertrag für solche Menschen gibt, dann ist es einer mit Gott, Allah usw. Dieser gilt als eine innere Verpflichtung die gegenüber allen äußeren/weltlichen Bedingungen den höheren Wert und den höheren Bestand hat.

Das geht aber über eine irgendwie geartete religiöse Festlegung, wie sie die Mehrzahl der Bundesbürger hat, weit hinaus!

Ich wünsche mir deswegen, dass eine solche Art der religiösen Bindung, die immer auch eine missionarische Komponente enthält, weil solche Menschen auch ihrer speziellen Kirche in besonderer Weise verpflichtet sind,beim kommenden Bundespräsidenten nicht vorherrscht. Sie ist nicht nur gegenüber einem multireligiösen Volk unzeitgemäß sondern auch der Neutralitätspflicht des Amtes nicht dienlich.

Ja, gegen Gauck hab ich nix. Der war nicht Bischof. Mir ging es darum, dass ich keinen Bischof als Chef wollte. Gauck ist gut.

Genau genommen ist Herr Huber nicht durch sein Bischofsamt bekannt geworden, sondern als Ratsvorsitzender der Evanglischen Kriche von Deutschland. Bischof war er der “Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz”, also einer von 22 Landeskirchen, die wiederum alle selbstständig agieren. Ein Bischof in der evangelischen Kirche ist einem Bischof in der katholischen Kirchen nicht einfach gleich zu setzen.

Gauck geht gar nicht!

Hat hier jemand den geschichtlichen Überblick, wann in Deutschland zum letzten mal ein Geistlicher Staatsoberhaupt war?

@68er: Diese Frage war der Grund für den Investiturstreit 🙂 Der Papst konnte sich damals nicht ganz durchsetzen…

@ S. Laurin

Der Investiturstreit liegt doch schon sehr weit zurück. War – außer in den geistlichen Fürstentümern – in den letzten fast tausend Jahren wirklich kein Geistlicher Oberhaupt eines deutschen Staates?

@68er: Mir fällt auf Anhieb keiner ein – ausser in den geistlichen Fürstentümern. Auf Reichsbebene und später in Deutschland erinnere ich mich an keinen.

Wenn ich es richtig gezählt habe, waren von den bisherigen 8 Bundeskanzlern 6 evangelisch und nur 2 (Adenauer und Kohl) katholisch getauft.

Bei den Bundespräsidenten – Gauck mitgerechnet – sieht es noch krasser aus. 9 Protestanten und 2 Katholiken (Lübke und Wulff).

Als getaufter Katholik aus dem Westen kann man sich mit zwei Protestanten aus dem Osten an der Staatsspitze richtig verlassen vorkommen. ,-)

Es schleicht sich der Gedanke bei mir ein, dass der Autor des Artikels Bischof Huber gar nicht wegen seiner religiösen Stellung angegriffen haben könnte sondern wegen seiner politischen Haltung und das religiöse Argument nur vorgeschoben sein könnte.

Wäre es so, es wäre jämmerlich.

Im Stern wird das Thema auch diskutiert:

http://www.stern.de/wissen/mensch/kolumne-kopfwelten-zu-joachim-gauck-eine-schlechte-wahl-fuer-bellevue-1771863.html

Bei den Weltlichen wurde das Thema gestern so weit ich gesehen habe, noch nicht diskutiert, aber vielleicht finde ich ja heute was bei der Giordano-Bruno-Stiftung.de oder bei ibka.org.

Übrigens sollte 1994 schon einmal ein evangelisch ordinierter Bundespräsident werden, der Herr hieß Steffen Heitmann und wurde es dann doch nicht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wenn ich mir vorstelle, was in der Republik los wäre, wenn man uns einen katholischen Priester als Bundespräsidenten vorsetzen wollte.

Da würden wahrscheinlich die Leute auf die Straße gehen.

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