Horst Heldt nun doch vor der Ablösung? – Der FC Schalke 04 mit einer Debatte zur Unzeit

Im Stadion herrschte gestern sehr gute Stimmung 'auf Schalke'. Foto: Michael Kamps
Im Stadion herrschte gestern sehr gute Stimmung ‘auf Schalke’. Foto: Michael Kamps

Der FC Schalke 04 ist wahrlich ein bemerkenswerter Club. In diesem Punkt sind sich Fans und Kritiker völlig einig. Da läuft es sportlich ungewöhnlich gut, legt die Mannschaft nach dem Trainerwechsel vom Sommer den besten Bundesligastart seit Jahren hin, liegt aktuell auf Rand Drei der Bundesliga, spielt erfolgreich im Europapokal, gewinnt auch an diesem Wochenende mit viel Leidenschaft (und am Ende dann auch der nötigen Portion Glück) letztendlich knapp mit 2:1 (1:0) gegen die Hertha aus Berlin, was das Stadion kurzzeitig stimmungstechnisch, im positiven Sinne, mal wieder richtig ‘explodieren’ ließ, doch gesprochen wurde und wird in den letzten Tagen eigentlich fast nur über die mögliche Ablösung von Sportdirektor Horst Heldt, dessen Vertrag im kommenden Sommer angeblich nicht verlängert werden wird, und der angeblich dann von Mainz-Macher Christian Heidel ersetzt werden soll.

So besagen es zumindest die noch immer nicht eindeutig dementierten Gerüchte in diesen Tagen. Schalke-Boss Clemens Tönnies schweigt zum Thema Heldt, Mainz bestätigt grundsätzlich eine Anfrage an den eigenen Mann, auch Heidel selber bleibt total unkonkret, will zumindest offenbar nichts ausschließen, nur Horst Heldt spricht relativ freimütig über seine Lage, betont seine grundsätzliche Gelassenheit und seinen gradlinigen Umgang mit seiner persönlichen Situation. Das ehrt ihn, zeigt aber gleichzeitig auch seine Machtlosigkeit in der Sache. Offenbar weiß auch er nicht, was da gerade hinter seinem Rücken so wirklich geschieht, ob man nun noch mit ihm plant, oder eben nicht.

Grundsätzlich ist die Rolle von Heldt auf Schalke natürlich diskutabel, das war bzw. ist sie schon lange. Auch hier im Blog haben wir wiederholt über seine Leistungen und Fehler im Dienste der Königsblauen diskutiert. Doch gerade aktuell kommt diese Debatte natürlich völlig zur Unzeit, droht die abermals schlechte Außendarstellung des Vereins die sportlich positive Entwicklung und Lage zu relativieren, ja zu beschädigen. Typisch Schalke, werden da viele denken.

Das Negativ-Thema bleibt seit Tagen schon weit vorne in der Öffentlichkeit. Verstärkt wird das Ganze nun noch durch die Tatsache, dass Horst Heldt heute u.a. einer der Gäste im Sport1-Doppelpass sein wird. Auch dort wird seine persönliche Zukunft vermutlich ein großes Thema sein. Und damit beschäftigt sich die Fußballöffentlichkeit wohl auch weiterhin mit einem Thema, welches man beim Revierclub besser schon im letzten Sommer, zeitgleich mit der Trennung von Roberto Di Matteo geregelt hätte. Denn die schwache Bilanz von Heldt war damals schon offensichtlich, die angekündigte Aufarbeitung der schwachen Vorsaison und der diversen Transferflops der letzten Zeit war angesagt.

Wenn man in Gelsenkirchen nun also zu der Erkenntnis gekommen sein sollte, die Verantwortung in diesem Bereich zukünftig doch besser einem anderen Verantwortlichen zu übertragen, dann ist das natürlich verständlich, eigentlich schon überfällig. Denn seine vielen Fehleinschätzungen in Sachen Transfers und Trainerwahl ärgern viele die es mit dem Club halten doch schon seit Monaten. Mindestens. Aktuelle Fehler der letzten Tage sind hingegen nicht bekannt. Also, warum diese Debatte ausgerechnet jetzt?

Aktuell beschädigt die Debatte nur unnötig den aktuell großen sportlichen Erfolg, die erfolgreiche Arbeit von Coach Andre Breitenreiter. Und das ist auch aus neutraler Sicht einfach schade!

Nicht das erste Mal, dass man in Gelsenkirchen in Sachen Außendarstellung der Vereinsführung sehr unglücklich agiert. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur alleine noch einmal an den unwürdigen Umgang mit Ex-Trainer Jens Keller, der über Wochen die notwendige Rückendeckung nicht erhielt, mal tendenziell gestützt, mal demontiert wurde, bis er, letztendlich chancenlos dieser Debatte jemals entkommen zu können, von seiner Aufgabe bei den Königsblauen entbunden wurde.

Da passt es ja dann auch gut, dass ausgerechnet dieser Jens Keller heute am Abend zu Gast in der anderen großen TV-Fußballdebatte, bei ‚Sky90‘ ist. Und auch da darf man somit wohl nicht wirklich erwarten, dass das Thema Horst Heldt in dieser Sendung dann ausgeklammert bleibt.

Schon komisch, denn eigentlich könnte man derzeit doch so schön über den tollen Schalker Saisonstart reden. Doch dieser droht unter der Debatte über die mögliche Ablösung von Horst Heldt zu kurz zu kommen. Zumindest dann, wenn es jetzt nicht doch noch in Kürze gelingen sollte das Thema mit deutlichen Aussagen zu klären. Ob es die heute ausgerechnet in den beiden Talkshows zu vermelden geben wird? Ich würde nicht darauf wetten…

14 Kommentare

Die Indiskretion zum Managerwechsel auf Schalke ist nicht fein. Aber woher sie kommt, ist schwer zu bestimmen. Vielleicht auch aus Mainz. Der Mainzer Präsident hätte bestimmt dazu nichts gesagt, wenn die Gerüchte um seinen Manager Heidel, den möglichen Heldt-Nachfolger, nicht bereits im Umlauf gewesen wären.

Ob Schalke 04 nicht möglicherweise Horst Heldt gegenüber, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, offen war, weiß man nicht und kann man nicht ausschließen. Kann doch sein, dass der Club ihm gesagt hat, man verhandele nun auch mit anderen Kandidaten und falle dann eine Entscheidung, sobald man die Alternativen kennt. Das wäre für Heldt natürlich schmerzhaft, aber ein normaler Vorgang.

Heldt wird seit langem und zurecht für seine Kaderpolitik und -planung auf Schalke kritisiert. Dass es in dieser Saison bisher gut läuft, liegt am Trainer, der ursprünglich nicht zu Heldts Wunschkandidaten zählte, so dass er zu seinem Glück gezwungen werden musste, liegt an einem wirklich gelungenen Transfer (Geis) und natürlich an der Arbeit der Schalker "Knappenschmiede, für die vom Jugend-Abteilungsleiter bis zum Supertrainer Elgert einige verantwortlich sind, doch Heldt am allerwenigsten. Ohne die Arbeit der Schalker Knappenschmiede wäre Schalke längst im Niemandsland der Liga gelandet.

Heldt hat einige gute Spielerverkäufe getätigt. Doch sein bestenfalls mittelmäßiger Scouting – Apparat und seine beiden schlechten Trainer-Entscheidungen legen einen Wechsel auf dem Managerposten von Schalke nahe. Das Trainerkarussel, die nicht geschickten öffentlichen Äußerungen zu Trainern, zu Verträgen, zu Zielen, zu Suspendierungen, die öffentlichen Abfuhren von Weinzierl und Wilmots etc. Für eine Vertragsverlängerung spricht wenig.

Letztes Beispiel der mangelnden Kompetenz: der Draxler-Transfer. Horst Heldt wollte eigentlich einen Draxler-Transfer gar nicht, so dass er sich auf einen kurzfristigen Wechsel überhaupt nicht vorbereitet hatte. Als der dann doch plötzlich noch kam, musste er ganz auf die Schnelle nachlegen (Kostic aus Stuttgart etc.) und hätte dafür auch richtig Kohle in die Hand genommen, hat halt nur nicht geklappt, und dann stand er dumm da.

Heldt versuchte dann zwar öffentlich schnell den Fokus auf den Transferüberschuss zu lenken und sprach davon „nix zu machen, von dem wir nicht 100%ig überzeugt sind“. Doch in Wahrheit war der Draxler-Transfer so überhaupt nicht eingeplant und keine bewusste oder gar mutige Entscheidung.

Kaderplanungstechnisch war er sogar eine Katastrophe und Schalke kann froh sein, dass die Folgen dieser Schwächung des offensiven Mittelfeldes (neben Draxler wurde auch Farfan ersatzlos verkauft) bisher so glimpflich verlaufen sind. Ach ja, das Verbleiben von Sam, der sich weiterhin von einer Verletzung zur nächsten schleppt, wollte Horst Heldt dann auch noch als klug überlegten Schachzug verkaufen. In Wahrheit war es eine Notmaßnahme.

Man sollte den im nächsten Sommer auslaufenden Vertrag mit diesem Mann keinesfalls verlängern.

Nach der Aussage von Horst Heldt gerade im Doppelpass, wonach er selber eine Entscheidung für sich selber, nach den jüngsten persönlichen Enttäuschungen, schon getroffen haben will, bleiben ja eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Trennung sofort bzw. nach dem angekündigten Gespräch mit Tönnies in der nächsten Woche, oder die Trennung mit Vertragsauslaufen zum Saisonende. Denn eine andere Entscheidung kann Heldt für sich selber ja nicht getroffen haben, denn eine Vertragsverlängerung über Sommer 2016 hinaus hätte er ja alleine für sich selbst schlecht entscheiden können. 😉 Grundsätzlich aber ein guter Auftritt von Heldt in der Sendung übrigens, wie ich finde.

Ja, ging mir auch: ein überzeugender Auftritt von Horst Heldt im DoPa und seine Bemerkungen zur Verhandlungslage mit dem Verein waren äußerst fair und korrekt.

Dass es nun schnell eine klare Entscheidung geben wird, ist ja für Schalker Verhältnisse auch keine Selbstverständlichkeit.

Nee, is klar, Hotte kommt nun seinem Rauswurf zuvor, indem er selbst kündigt und so seinem Ego die selbsterlogene "Reputation" des Handelns gönnt. LOL.

PS: Es gibt wohl nicht wenige blauweiße Fans, die sich nach dem Am-Kopp-Packen nicht unberechtigt fragen, woher denn beim aktuellen Finanzstatus dieses "Festgeld" kommen soll und warum Heldt nach wie vor stur behauptet, die Bilanz hätte sich mit seiner "Arbeit" verbessert, anstatt nur eine interne Verschiebung (noch) liquider Mittel als Aufhübschung einzugestehen.

Dass Held nun versucht auch persönlich noch bestmöglich aus der Nummer rauszukommen, das kann man ihm nicht verübeln, finde ich, Klaus. Um nicht zur Lame-Duck zu verkommen, erscheint mir zudem ein rascher Abgang am ratsamsten, wenn ich so darüber nachdenke. Soll er wirklich noch die Saisonplanung für 2016/17 mit angehen, wenn er eh ersetzt werden soll? Dann besser gleich die Konsequenzen ziehen. Bin gespannt was diese Woche diesbezüglich noch passiert.

@Robin: Das mit den sofortigen Konsequenzen hätte ich dann aber eher von Tönnies erwartet, denn aus eben den von Dir genannten Gründen kann *er* sich ja keine lahme Ente leisten.

Aber für mich eher interessant ist jetzt der finanzielle Weitergang des Unternehmens, wenn sich (wieder mal) herausstellen sollte, dass die Löcher viel größer sind wie heute von Hotte fabuliert.

@Klaus: Und dann wäre die kurzfristige Nachfolgeregelung echt spannend. Kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Heidel sofort käme. Obwohl ja auch in Mainz wohl morgen schon eine entsprechende Sitzung anberaumt sein soll, wie heute im Dopa verlautbart wurde.

Ich sach mal so: Ohne Mainz 05 wäre der Ruhrgebietsfussball nicht überlebensfähig:
Klopp, Tuchel, Heidel… und noch Subotic, Fuchs, Zidan…

@#9: …oder auch Manuel Friedrich, Lewis Holtby, Roman Neustädter, undundund…

Allerdings sind solche Vereine, die mit Mini-Etats ihre Zeit in der 1. Liga angetreten haben, immer schon ein guter "Nährboden" für Einkäufe der Reviervereine gewesen. Und mittlerweile gibt es auch – dank u.A. Ingolstadt, Darmstadt, Fürth, Mainz, Augsburg – ein Süd-Nord-Gefälle, was gute, frische Teams, Spieler und Trainer angeht.

Hahaha, LOL, Sky News meldet grad, dass Heidel abgesagt hätte. Noch peinlicher kann dieses Theater für Schalke jetzt wohl nicht mehr werden, Hotte sollte unbedingt von sich aus kündigen und die Blauen bleiben die absoluten Weltmeister im Selbstzerfleischen ohne Not.

@Klaus: So wie ich das mitbekommen habe, ist das Thema Heidel nur für einen sofortigen Wechsel vom Tisch. Bringt Schalke unter Zugzwang und in eine blöse Situation. Aber wer weiss, ob er nicht dann doch im Winter nach Gelsenkirchen kommt, wenn Mainz bis dahin auch seine Nachfolge organisieren konnte.

Robin, soweit ich den News in letzter Zeit entnehmen konnte, wollte Heldt zur Winterpause nochmal richtig shoppen gehen. Das kann sich weder ein neuer Heidel antun, wenn Hotte die "falschen" Spieler einkauft, noch der Verein, wenn notwendige Einkäufe wg. dem Managerwechsel erst mal verschoben werden.

Managerwechsel in der laufenden Saison ohne kollegiale Unterstützung durch alten und neuen Manager sind ein absolutes NoGo in den obersten Ligen. Und Hotte hat, denke ich besonders nach dem DoPa-Auftritt, keinerlei echte Motivation mehr, nach solch einer Desavouierung seiner Person irgendwann nächstes Jahr ganz brav einen "gemachten Stall" an den Neuen zu übergeben.

Besser als weiter mit Held ist immer noch weiter ohne ihn. Und das gilt uneingeschränkt immer. Einen schlechten Zeitpunkt für eine Diskussion über Held gibt es gar nicht. Die einzigen positiven Dinge die man über ihn sagen kann sind, dass er wenigstens kein christlicher Eiferer ist (wie Müller) und das er bald weg ist.

Im übrigen war man eigentlich fair zu ihm. Hätte man ihn Ende letzter Saison gefeuert wäre er einfach nur die Wurst gewesen. Man hat ihn nicht in der Kriese gefeuert, sondern erst gegen Vertragsende.

Und mit Verlaub: Tönnies wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass öffentlich wahrnehmbar sein wird, dass Schalke auch mit einer Interimslösung gut funktioniert.

Mein Tipp: Held wird in ehren und einvernehmlich verabschiedet. Die überbrückung machen Breitenreiter, Peters und oder Thon. Kurz darauf verlängert Matip oder Höwedes.

Heidel kommt dann im Winter oder halt erst im Sommer.

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