SPD-Kraft will Hartz-IV-Kindern kein Geld für Nachhilfe geben

ruhrbarone_sozialdemokraten_wasselowskiGerade eben sagte die Spitzenkandidatin der SPD im NRW-Landtagswahlkampf, Hannelore Kraft, in der Sendung „Hart aber Fair“, sie sei dagegen, dass der Staat Kindern von Hartz-IV-Empfängern die Nachhilfe in der Schule bezahlt – als einzige Teilnehmerin der Diskussion. Kraft sagte, sie sei stattdessen der Meinung, dass man ein Schulsystem bräuchte, in dem keine Nachhilfe mehr nötig sei. Dafür solle der Staat sorgen.

Warum ich diese Position dumm finde? Weil sie so unrealistisch ist, wie eine Gehaltserhöhung nach der Weltrevolution. Übersetzen wir Hannelore Krafts Forderung nach einem Wahlsieg der SPD in Realpolitik, heißt das: Zuerst wird das Geld für die Bildungschancen armer Kinder weggelassen. Und drauf verwiesen, dass irgendwann das Bildungssystem die Nachhilfe überflüssig macht. In der Zwischenzeit schauen halt die armen Kinder in die Röhre.

ruhrbarone_sozialdemokraten_wasselowskiGerade eben sagte die Spitzenkandidatin der SPD im NRW-Landtagswahlkampf, Hannelore Kraft, in der Sendung „Hart aber Fair“, sie sei dagegen, dass der Staat Kindern von Hartz-IV-Empfängern die Nachhilfe in der Schule bezahlt – als einzige Teilnehmerin der Diskussion. Kraft sagte, sie sei stattdessen der Meinung, dass man ein Schulsystem bräuchte, in dem keine Nachhilfe mehr nötig sei. Dafür solle der Staat sorgen.

Warum ich diese Position dumm finde? Weil sie so unrealistisch ist, wie eine Gehaltserhöhung nach der Weltrevolution. Übersetzen wir Hannelore Krafts Forderung nach einem Wahlsieg der SPD in Realpolitik, heißt das: Zuerst wird das Geld für die Bildungschancen armer Kinder weggelassen. Und drauf verwiesen, dass irgendwann das Bildungssystem die Nachhilfe überflüssig macht. In der Zwischenzeit schauen halt die armen Kinder in die Röhre.

Da das Schulsystem seit Jahrzehnten nicht in einen Nachhilfefreien Zustand gebracht werden konnte, vermute ich, Hannelore Krafts Idealbildungsystem kommt auch erst in ein paar Jahrzehnten – wenn überhaupt. Sie benachteiligt in der Zwischenzeit die Kinder, die sowieso wenig Chancen haben, um ihre geringe Chance auf Chancengleichheit.

Reiche können sich nämlich auch heute und morgen Nachhilfe leisten, bis irgendwann einmal das Ideale Bildungssystem von Kraft Realität ist.

Die SPD-Spitzenkandidatin argumentiert wie ein politisches Greenhorn. Was würde Willi sagen?

41 Kommentare

Ich weiß, ich bin als SPD-Mitglied befangen – aber diese Interpretation regt mich doch sehr auf. Wer wirklich meint, Hannelore Kraft würde nun von heute auf morgen Geld für Nachhilfe streichen, der hat sie nicht verstehen wollen. Die Antwort war auf lange Sicht formuliert: Das Schulsystem muss so gut sein, dass niemand mehr Nachhilfe braucht – bzw. die Nachhilfe dann von der Schule übernommen wird. Ist das nicht vernünftig? Sollte man nicht alles versuchen, dass so wenige Kinder Nachhilfe benötigen, wie nötig?

Deine Anti-Kraft-Hetze ist lächerlich. Es ist völlig richtig, Nachhilfe nicht staatlich zu bezahlen. Die Losung heißt Ganztagsschule. Dann ist auch Nachhilfe unnötig.

Die meiste Nachhilfe gibts in Baden-Württemberg. Warum wohl? Schulsystem…

Hab das gerade auch gesehen und nein, tut mir Leid, du argumentierst hier meiner Meinung nach so, als hättest du nicht ansatzweise verstanden, was sie gesagt hat. Sie ist gegen Zuschüsse für Nachhilfe für HartzIV-Kinder, weil sie das Geld für Ganztags-und Gemeinschaftsschulen investieren will, das heißt: Viel mehr Geld und Investitionen in Bildung bzw. in Bildungsstrukturen, weil aufgrund des defizitären Schulsystems eben aktuell mehr Nachhilfe gebraucht wird. Alle Kinder erhalten trotzdem Nachhilfe, aber dann z.B. in der Schule und nicht privat. Langfristiges Ziel soll aber sein, dass Kinder nicht zusätzlich Unterricht brauchen und das setzt eine moderne Bildungspolitik vorraus und dieses mittelfristige Ziel halte ich für erstrebenswert.

Hi Christian,

ich bin völlig Deiner Meinung, dass eine Ganztagsschule als Gesamtschule das richtige ist und eingeführt werden müsste.

Ich weiß aber auch, dass nicht mal Kraft das fordert, sondern eine dreizügige Schule unter einem Dach will. In diesem System werden viele Kinder abgehängt, wenn sie keine Chancen auf Nachhilfe haben. Dies betrifft vor allem Kinder aus armen Familien. Denen werden die Chancen beschnitten. Kinder aus reichen Familien können sich Nachhilfe leisten und werden sie sich leisten,um die Chancen ihrer Kinder zu erhalten.

In meinen Augen ist es ganz, ganz naiver Idealismus, der in der Realität keinen Bestand hat, zu sagen, wir geben den Armen kein Geld für Nachhilfe, wenn diese benötigt wird, weil wir das Schulsystem so reformieren werden, dass keine Nachhilfe mehr nötig ist.

Die Konsequenz dieser Naivität ist: Arme Kinder haben weniger Chancen auf Chancen.

Was Willy Brandt dazu sagen würde, kann ich Ihnen selbstverständlich nicht sagen!

Wahrscheinlich würde er Ihrer Äußerung genau so wenig zustimmen, wie ich ihr zustimme.

Das Sie ihn überhaupt für Ihre Polemik hier heranziehen, ist schlicht eine provozierende Frechheit, denn Sie wollen damit lediglich unterstellen, dass Frau Kraft keine “richtige” Sozialdemokratin sei, indem Sie sie Willy Brandt gegenüberstellen.

Bestimmt hätte Bundeskanzler Brandt aber mit Frau Kraft darin übereingestimmt, dass eine Nachhilfe erst gar nicht notwendig sein dürfe und es der richtigen Ideen und auch dem Mut bedarf, die notwendige Wende in der Schulpolitik herbeizuführen! Das während dieser Reform niemand (“die armen Kinder”) auf der Strecke bleiben -oder wie Sie es schreiben – in die Röhre schauen darf, versteht sich von selbst!

Ihre Äußerung ist daher einfach nur polemisch und grenzt an Albernheit!

Geld für Nachhilfe _streichen_? Dachte immer, es gäbe gar kein Extra-Geld für Nachhilfe bei HartzIV Empfängern.

Herr Bohn,

sie schreiben, es verstehe sich von selbst, dass die Kinder der Armen nicht in die Röhre schauen dürften.

Wenn die SPD-Kandidatin Kraft sagt, sie wolle keine Nachhilfe für arme Kinder, sondern eine Schule in der Nachhilfe nicht mehr nötig ist, dann fehlt mir der Glaube daran, dass wesentlich mehr passiert, als KEIN Geld für Arme auszugeben.

Ich bin nicht naiv. Selbst wenn das Modell der SPD in NRW umgesetzt wird, wird weiter Nachhilfe benötigt und von Reichen eingekauft, um die Chancen ihrer Kinder zu erhalten.

Denn die SPD in NRW will eben nicht eine Ganztagsgesamtschule. Sondern das jetzige Modell leicht modifiziert erhalten.

@ Philip

ich denke auch, dass es aktuell kein Geld für Nachhilfe gibt – nur in wenigen eng begrenzten Ausnahmefällen. Deshalb habe ich geschrieben, Kraft will kein Geld für Nachhilfe geben (im Sinne von Vergangenheit und Zukunft) und nicht geschrieben, Kraft will NAchhilfegeld streichen. Da Kraft auch schon bei der Verabschiedung der Hartz-IV-Gesetze mitgewirkt hat, würde mich das nicht wundern, wenn sie damals dafür gewesen wäre, keine Nachhilfe bei Bedarf zu bezahlen. Mit dem gleichen Argument. Und mit den bekannten Folgen für die Bildung. Die Armen haben weniger Chancen auf Chancen.

Das ist naiv zu Lasten der Benachteiligten.

Manchmal mag ich es plakativ… schuldigung. Nein, Bundeskanzler Brandt hätte Nachhilfe bestimmt nicht für notwendig erachtet… damals war es eben noch Sitte, daß man sich auf den Arsch gesetzt hat, wenn man in der Schule etwas hat werden wollen… (abgesehen davon, daß dies “damals” auch noch funktionierte und nicht andere Faktoren möglicherweise ein Rolle spielten.)

Ich bin weder aus NRW noch habe ich Kinder, das Thema ist mir also relativ egal.
Die SPD sollte diese Frau schnell ins Brüsseler Abklingbecken befördern, Berlin iss ja nicht mehr. So viel politischer Dilettantismus ist mir selten begegnet.

Hannelore Krafts Argumentation geht in die absolut korrekte Richtung. Wir brauchen Ganztagsschulen und ein öffentliches Schulsystem das dafür sorgt, dass kein Kind auf der Strecke bleibt.

Herr Schraven!

Dies öffnet die Türe in eine ganz andere Diskussionsebene, weg von Ihrer ursprünglichen Polemik, hin zu einer Diskussion über das Schulsystem.

Ich möchte dazu aber nur soviel schreiben, dass die Gesamtschule oder wie Sie sie fordern, die Ganztagsgesamtschule, kein Allheilmittel ist. Das wäre zu “kurzsichtig”!

Wenn ich von Schulreform schreibe, ist damit mehr gemeint (z. B. längeres gemeinsames Lernen, andere Art des Unterrichts, auf Lernpsychologische Erkenntnisse (früher mit den Fremdsprachen beginnen) eingehen, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, etc.).

Ich hatte ja geschrieben, dass es Ideen und Mut bedarf! Einfache Forderungen nach einer Ganztagsgesamtschule sind da zu wenig!

Im Übrigen teile ich Ihre Ansicht – die ja unterstellt, dass die SPD eine soziale Spaltung vorantreibe oder zumindest hinnehme – nicht!

@ Thorben

sagen wir es mal so: wenn ich Vater einer Tochter wäre, die Nachhilfe bräuchte und ich kein Geld hätte, könnte ich mir für Krafts Ankündigung, irgendwann einmal die Schule schön zu machen, nichts kaufen.

Ich bräuchte jetzt Asche oder Nachhilfelehrer.

Grundsätzlich finde ich das Ziel ja richtig. Eine Ganztagesschule auf Gesamtschulbasis.

Aber das wird seit 30 Jahren nicht durchgesetzt. Warum sollte das nach einem Wahlsieg der SPD durchgesetzt werden – vor allem wenn die SPD das nicht will? Sondern für das alte, leicht veränderte System eintritt?

Ich finde dieses Vertrösten naiv

Hier will wohl jemand auf Deubel komm raus zeigen, dass man auch die SPD bashen kann. Wenn man benachteiligten Kindern Chancengleichheit bieten will, müsste man ihnen auch das anregende Umfeld von Akademikerelternkindern bieten und sicher gehen, dass ihnen im jüngsten Alter auch jeden Abend vorgelesen wird. Da sind eine funktionierende Schule und Kindergartenplätze für alle irgendwie sinnvoller.

Schulpolitik, was hätte Willy Brandt gesagt, und wie wäre es überhaupt am schönsten? – Back to Reality:
1. Ein Regierungswechsel im Sinne einer Linkskoalition in NRW darf als unwahrscheinlich gelten.
2. Selbst wenn sich diese drei Parteien auf eine Koalition einigten, die eine Ganztagesschule auf Gesamtschulbasis einführen wollte, wäre dieses Projekt politisch nicht durchsetzbar.
3. Schulpolitisch (schulsystempolitisch) stellt sich am 9. Mai ausschließlich die Frage, ob es beim dreigliedrigen System bleibt oder ob ein allmählicher Wandel zu einem zweigliedrigen System erfolgt (Gymnasium plus Gemeinschaftsschule).
4. Für diesen Fall ließen sich Vor- und Nachteile benennen und – falls gewünscht – diskutieren. An der strukturellen Chancenungleichheit wird sich jedoch auf absehbare Zeit ebenso wenig ändern, wie an der Tatsache, dass die Fähigkeit und die Bereitschaft, Geld für Nachhilfe zu mobilisieren, vom Geldbeutel der Eltern abhängt.
5. Von einer gerechteren Welt zu träumen, ist dennoch und sowieso erlaubt.
6. Allein, um ein Durchziehen der schwarz-gelben Koalition in Berlin via Bundesrat zu verhindern, empfiehlt sich am 9. Mai die Stimmabgabe für die SPD oder die Grünen.

Was haben Kinder aus Hartz IV – Familien, die eine Lernschwäche haben, kurzfristig davon, wenn Frau Kraft die Wahl gewinnen würde und sich an den Umbau des NRW-Schulsystems machen würde??? Nichts! Hier sind schnelle Lösungen gefragt!

Im Übrigen sah ich eine Kandidatin für das Amt des MP in NRW, die durch übermäßig lautes Lachen und ständiges Dazwischenreden auffiel. In Rahmen des Unterrichts in der Schule hätte ich ihr nicht nur eine Rüge verpasst.

Ansonsten wirkte die SPD-Kandidatin auf mich so: Bei Frau Kraft kann ich die Kompetenz für den angestrebten Job, die nötige, sympathische Ausstrahlung früherer SPD-MPn in Düsseldorf und neue, frische, kreative Ideen gegen die Probleme der Zeit, nicht erkennen.

Obwohl ich kein “Schwarz”-Wähler bin, sagt mir mein Gefühl: Diese Frau gehört nicht in das Amt der Ministerpräsidentin und ihr “lauter” Auftritt gestern, hat mich nur bestätigt!

Wer von vornherein Nachhilfe im Bildungssystem einkalkuliert, der erklärt das deutsche Schulsystem für Bankrott. Es gibt in Deutschland eine SchulPFLICHT, also ist der Staat umgekehrt auch verpflichtet,dies auszufüllen.
Dies kann durch Ganztagsschulen oder Förderklassen geschehen. Warum sich nun die Einheits/Gemeinschaftsschule dafür eignen soll, Bildungsdefizite zu überbrücken, entzieht meiner Kenntnis. Ein Wechsel der Strukturen bringt meiner Meinung nach gar nichts.

Hier scheinen viele keine Kinder zu haben. Wenn der Lehrer Nachhilfe für dein Kind befürwortet und du dummerweise Harz-IV Bezieher bist, geht das halt nicht.

Und wenn dein Kind schon zwei Klausuren versemelt hat, braucht es jetzt Hilfe. Und wenn es dann nicht versetzt wird, wirkt sich das dieses Jahr aus.

Und dann dieses Vorurteil, Harz-IV-Empfänger würden Kindern keine Geschichten vorlesen….

Aber ihr könnt ja weiter für eine besseres Schulsystem kämpfen und vielleicht werden die Kinder der jetzigen Kinder davon profitieren.

Ehrlich gesagt erstaunt mich immer wieder, wie viel an dem doch sehr eindeutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts heruminterpretiert wird.

Unabweisbare, besondere Bedarfe sind, insofern sie nicht anders gedeckt werden können, zu bewilligen. Wenn kein schulischer Förderunterricht existiert, dann trifft das auf Nachhilfe auf jeden Fall zu. Anzuwenden ist die Rechtslage ab Urteilverkündung, d.h. seit 9. Februar. Der Anspruch ergibt sich unmittelbar aus Art. 1 und 20 Grundgesetz.

Es geht hier also um Fälle die jetzt gerade anstehen.

Sollte es nach der Wahl eine rot-grüne Koalition geben, was ich hoffe, würde es selbstverständlich noch einige Zeit dauern, bis das Schulsystem auf ein international konkurrenzfähiges, individuell förderndes, umgestellt wäre.

In der Zwischenzeit wird es Nachhilfe und auch die Übernahmen von dessen Kosten durch die Jobcenter geben. Dafür werden die Sozialgerichte im Zweifelsfall sorgen.

Ganztagsschule ist also hier durch die Bank gewünscht? Warum eigentlich? Denn bei einer Umverteilung der Arbeitszeit hätten doch zukünftig Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Das ist nicht gewünscht? Mehr Staat in die Kindererziehung und weniger Elternverantwortung schon? Was ist das eigentlich für ein Signal (an die Kinder)? Also: Alle, die schön von Amts wegen zurecht gebastelte Kinder wollen, die bloß recht früh an die Schüppe und raus aus dem Elternhaus kommen, sollten sich doch mal lieber schnell mit Hanni solidarisieren und nicht so kleinkariert rumstänkern hier, hm?

@ Börje Wichert, Sprecher Grüne Ruhr

Es ist ja schön, dass Sie sich hier so für die “Armen und Entrechteten” einsetzen … aber beweisen Sie doch erst einmal die Glaubwürdigkeit der Grünen in Sachen Bildung:

Die Grünen machen doch massive Lobby-Arbeit für die Waldorfschulen, eine quasi ausländerfreie Schule für Privilegierte.

Sigrid Beer, Grüne, im Ausschuss für Schule und Weiterbildung, 13.2.2008: “Ihre Fraktion unterstütze die Forderungen der Waldorfschulen.”

siehe zur Waldorfschule, allgemein:

“Waldorfschule: Curriculum und Karma – das anthroposophische Erziehungsmodell Rudolf Steiners

Die anthroposophische Pädagogik ist eine Mogelpackung für Herrschaft. Sie beutet das vielfach anzutreffende Orientierungsbedürfnis aus, um die Herrschaft einer selbsterwählten Elite zu begründen. Von unserem Gastautor Klaus Prange. (…)”

http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-curriculum-und-karma-das-anthroposophische-erziehungsmodell-rudolf-steiners/

Auch wenn einige Kommentatoren hier zu Recht darauf hinweisen, dass eine Verbesserung des Schulsystems nicht in kurzer Zeit zu schaffen ist und für Kinder, die jetzt akut Schulprobleme haben, zu spät kommen wird, muss ich Frau Kraft (ausnahmsweise) mal zustimmen. Die schulische Ausbildung ist eine staatliche Hoheitsaufgabe. Wenn viele Kinder im Schulsystem scheitern und private Nachhilfe brauchen, dann ist das ein klarer Beleg für das Versagen des Systems. Die Lösung kann nicht darin bestehen, dass sich der Staat noch weiter aus der Verantwortung herauszieht und Teile der schulischen Ausbildung an die privat organisierte Nachhilfe delegiert. Hier ist vielmehr der Staat gefordert, seine Pflichtaufgaben besser zu erfüllen. Wenn Klassen zu groß sind oder der Unterricht so schlecht ist, dass viele Schüler dabei nichts lernen, dann braucht nicht der einzelne Schüler, sondern das Schulsystem Nachhilfe.
Dies hätte dann auch den Vorteil, dass es allen Kindern zugute kommen würde und nicht nur denen der “Hartzer”, denn wer sagt denn, dass sich finanziell besser gestellte Eltern immer vorbildlich um die schulische Ausbildung ihrer Kinder kümmern?

Man sollte allerdings nicht die vielen ehrenamtlichen Angebote zur Schulnachhilfe vergessen, die eine sehr ordentliche Arbeit machen und eine echte Alternative zum kommerziellen Nachhilfeunterricht sind. Übrigens werden Vereine, die so etwas anbieten, oft auch über den Staat finanziert.

@Eva: Ich wundere mich echt, warum immer so viele Leute “nach unten hin korrigieren” wollen, d.h. in diesem Fall: Funktionierende Familien und Bildung/Erziehung auf das Niveau herabziehen, wo das eben nicht klappt. Muss an diesem permanenten Alarmismus liegen, dass immer nur die Problemfälle in (einer bestimmten Art) Fernsehsendungen zu sehen sind. Panikanfälligkeit? Zukunftsangst? Papa Staat, mach alles gut? HartzIV-Empfänger/innen vielleicht auch in Ganztagsbetreuung? Ich erwarte da anderes aus der Ecke der lieben Systemveränder/innen als so etwas. P.S.: Wenn Pädagogik und Inhalte nicht korrekt vermittelt werden, dann muss auch diesbezüglich mal in sich gegangen werden – und dazu gehört auch eine Menge Selbstkritikfähigkeit gerade aus der akademischen Ecke. Alles andere ist, wie so oft, Bigotterie zugunsten irgendwelcher potentiellen tollen Revolutionen in der Zukunft und geschieht auf Kosten weiterer Generationen.

@ Jens: Wenn nicht nach unten hin korrigiert werden soll, dann muss das dreigliedrige Schulsystem (von mir aus auch zweigliedrig) erhalten bleiben – dies wäre dann ja wohl die Konsequenz.

Sehr geehrter Herr Lichte,

Ihre Äußerungen zu Waldorfschulen habe ich größtenteils gelesen, als sie hier auf ruhrbarone.de erschienen. In dieser Pauschalität teile ich sie nicht, weil ich die eine oder andere Schule kenne, eine gewisse Abschirmung von der Gesamtgesellschaft habe ich aber dort wie bei vielen privaten und auch staatlichen Gymnasien genau wie sie beobachtet.

Rudolf Steiners Lehren halte ich für genau so unsinnig wie alle Ideologien, die den Anspruch haben, in Gänze erklären zu können. Da stimme ich mit Ihnen überein.

Frau Beer kenne ich seit vielen Jahren. Ihr Lobbying für Waldorfschulen vorzuwerfen, ist mir nun wirklich zu platt. Sie hat wesentliche Teile der grünen Schulpolitik der letzten Jahre geprägt und sich hier nicht als Lobbyistin von Privatschulen hervor getan. Daran ändert auch ein aus dem Zusammenhang gerissener Auszug aus einem Landtagsprotokoll nicht.

@ Börje Wichert, Sprecher Grüne Ruhr

Sie schreiben: “Frau Beer kenne ich seit vielen Jahren. Ihr Lobbying für Waldorfschulen vorzuwerfen, ist mir nun wirklich zu platt. Sie hat wesentliche Teile der grünen Schulpolitik der letzten Jahre geprägt und sich hier nicht als Lobbyistin von Privatschulen hervor getan. Daran ändert auch ein aus dem Zusammenhang gerissener Auszug aus einem Landtagsprotokoll nicht.”

Ich habe das gesamte Landtagsprotokoll vorliegen. Dass ich nur einen Satz daraus zitiere, hat lediglich den Grund, dass ich hier nicht die Diskussion zu Frau Kraft sprengen will. Wenn ich mehr zitierte, würde nur noch deutlicher werden, wie sehr sich Frau Beer für die ausländerfreie “Elite”-Schule des Rassisten Rudolf Steiner engagiert.

Ich erwarte von Ihnen und den Grünen schon eine klarere Aussage zu den Waldorfschulen. Natürlich betreiben die Grünen Lobby-Arbeit für die Waldorfschulen, siehe – beispielsweise – auch Lukas Beckmann, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema “Elternsein an Waldorfschulen” in der Waldorf-Propaganda-Postille “Erziehungskunst”:

http://www.erziehungskunst.de/artikel/eltern-schule/elternsein-an-waldorfschulen-4/

Könnte daran liegen, dass überdurchschnittliche viele “grüne” Eltern gerne ihr Kind dort hinschicken. Da aber mit Sicherheit über das Wahlverhalten der Eltern keine Statistik seitens der Waldorfschulen geführt wird, bleibt das nur eine Vermutung und also solche will ich diesen Comment auch bewertet wissen.

@ Arnold Voß

noch mal ganz allgemein 2 Gründe, warum Waldorfschulen für Grüne ganz besonders attraktiv sind:

– bei der Gründung der Partei “Die Grünen” waren Anthroposophen massgeblich beteiligt

– die Grünen sind die Partei der Besserverdienenden. Also Privatschule, man kann es sich ja leisten, genauso wie den Nachhilfeunterrricht, um den es hier ursprünglich ging:

http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-vorsicht-steiner/

“In Deutschen Waldorfschulen gibt es kaum Kinder mit „Migrationshintergrund“, oder Kinder aus „sozial benachteiligtem“ Milieu. Das ist auch der INOFFIZIELLE Grund für ihren Erfolg: Bei der privilegierten Klientel überrascht es nicht, dass die Abiturquote nicht so schlecht ist. Auch können finanziell besser gestellte Eltern den umfangreichen Nachhilfeunterricht bezahlen, der nötig ist, um die Defizite der Schule auszugleichen.”

Muss hier jetzt an jeder Stelle über die Waldorf-Schulen gestritten werden? Dass diese Debatte auf dieser Seite intensiv geführt wird, finde ich ja sehr verdienstvoll, zumal sie mir sonst fast nirgends begegnet. Bei mir hier in Bonn sind aber gerade die Missbrauchsfälle an einem katholischen Elitegymnasium das heisseste Thema. Hat das Problem ums Ruhrgebiet einen Bogen gemacht? Ich glaube nicht. Wer kennt sich aus, und schreibt dazu mal was Kluges?

@Eva: Das denke ich, ja. Zweigliedrig eher, aber mit vielen “Zwischentönen”. Und durchaus auch mit verschiedenen Angeboten, was die Anzahl der Stunden pro Tag betrifft, aber keinesfalls von oben vereinheitlicht, sondern teils wahlfrei (und irgendwann auch leistungsgerecht) – wobei selbstverständlich Schwächeren früh geholfen werden sollte. Das muss aber eben keinesfalls Ganztagsschule für alle bedeuten, und es sollte – nach meinem Bild von Familie und staatsunabhängiger Erziehung und Bildung – auch nicht zu leicht gemacht werden, Kinder einfach in die Obhut von Schulen abzuschieben, wenn es in Wahrheit woanders fehlt bzw. die Ursachen für eine “schwierige Entwicklung” eben nicht einfach durch Pauken wieder gut zu machen sind. Klar können einen Ganztag anbietende Schulen besonders einfach Nachhilfe etc. organisieren, aber sie können nicht Zivilgesellschaft bzw. ein angemessenes Umfeld im Alltag ersetzen.

@ Stefan

Du schreibst: “Sehe ich genauso. Waldi-Themen bitte im Waldi-Bereich diskutieren.”

Sag das mal Börje Wichert, Sprecher Grüne Ruhr … wo war er denn? Hast du ihn in der “Waldi”-Diskussion gesehen?

Herr Lichte,
ich finde, da hat Stefan Laurin recht.
Der Waldi-Bereich ist doch groß genug, und der Sprecher Grüne Ruhr hat zu dem Thema anfangs gar nichts gesagt. Ich denke, in allen Parteien gibt es Einzelpersonen, die die Waldis unterstützen. Muß sogar so sein, wie könnten die sich sonst über Wasser halten. Aber deshalb müssen die nicht überall zentrales Thema werden. So wichtig sind die nun doch nicht.
Außerdem möchte ich nicht potentiellen religösen Wahnsinn mit möglichem politischem Wahnsinn, der selbst hier manchmal vorkommt, aufeinander prallen sehen. Das ist getrennt schon kaum auszuhalten.

@ Helmut Junge

Ich hatte nicht vor, die Diskussion über die Waldorfschulen hier fortzuführen. Insofern bewirkt Ihre überflüssige “Ermahnung” genau das Gegenteil.

– Der Erfolg der Waldorfschulen ist das Ergebnis einer schlechten Bildungspolitik: Jeder, der über das entsprechend gefüllte Portemonnaie verfügt, schickt seine Kinder auf eine Privatschule

– Die Grünen sind ein Musterbeispiel dafür, dass Politiker “A” sagen, und “B” tun: die Grünen betonen ihr soziales Engagement, und machen hinter den Kulissen Lobby-Arbeit für Privatschulen

– Selbst wenn es um die Ausgangsfrage geht – die Finanzierung von Nachhilfe-Unterricht – könnte man dies sehr schön am Beispiel Waldorfschulen, oder an anderen Privatschulen, darstellen. Hübscher Kontrast, oder?

Genug. Ich hoffe, die Grünen-Politiker finden den Weg zu den “richtigen” Waldorf-Artikeln …

Es gibt eine ganz offensichtliche Doppelzüngigkeit in der bildungspolitischen Diskussion, die aber, wenn mich nicht alles täuscht, nicht nur die Grünen betrifft.

Wenn es um die eigenen Kinder geht, dann zählen auf einmal nicht mehr die öffentlich vorgetragenen Prinzipien der Chancengerechtigkeit. Für die möchte man doch gerne eine paar besonders förderliche Rahmenbedingungen.Wenn möglich sogar welche, die andere Kinder, aus welchem Grund auch immer, nicht erreichen können.

Chancengerechtigkeit für alle bedeutet, wenn sie denn wirklich umgesetzt wird, nämlich auf dem höher qualifizierten Arbeitsmarkt einfach mehr Konkurrenten als bisher. Auch für die eigene Brut.

Da ist es irgendwie verständlich, dass gerade die Eltern aus der Mittel- und Oberschicht, wenn es denn Ernst wird mit der Förderung der Kinder aus der Unterschicht,bzw.der Verhinderung ihrer vorzeitigen schulischen Auslese, nicht mehr ganz so begeistert von ihren eigenen Parolen sind.

Und natürlich drückt man, z.B. bei der Waldorfschule, dann auch schon mal beide Augen zu, was den ideologischen Überbau der dortig Verantwortlichen betrifft.

Die meisten politisch aktiven Grünen sind sowieso kinderlos. Diese Leute kommen also selten in die Versuchung, ihre Meinung zugunsten einer besseren Zukunftchance für “die eigene Brut” (Zitat Voß 36) zu ändern. Die haben, in meinen früheren Diskussionen mit ihnen,in den neunziger Jahren, ihre Kinder, die sie allerdings gar nicht hatten, immer in die Gesamtschule geschickt. In der Theorie jedenfalls. Das Gymnasium galt als elitär.
Grüne, die Kinder auf dem Gymnasium hatten, auch Lehrer, die am solch “elitären” Schulen arbeiteten, meinten sich gelegentlich dafür rechtfertigen zu müssen. Jetzt sind ja ein paar Jahre rum, und die Zeiten haben sich geändert. Meine Informationen sind veraltet. Da muß ich mal nachfragen, was heute so gedacht wird. Aber ich glaube, daß der wildeste Vertreter der Gesamtschulidee, seine Kinder doch auf`s Gymnasium geschickt hat.
Das sieht bei den Anhängern der Grünen, die nicht politisch tätig sind, aber anders aus. Die sind ja keinem politischem Konzept verpflichtet, und haben ihre Kinder immer schon auf die, nach ihrer Sicht, bestmöglichen Schulen geschickt.

@ Jens: Unsere Positionen sind nahe beieinander, denke ich. Das Schulsystem wird so, wie es derzeit aufgestellt ist, zwei Gruppen von Kindern nicht gerecht: den weniger begabten und den hoch begabten. Nur das Mittelmaß ist vorgesehen und wird gefördert. Kinder, die unterhalb liegen, fallen raus aus dem Raster, Kinder, die oberhalb liegen, müssen die Zeit in der Schule unterfordert und gelangweilt absitzen. Ja, eine individuelle Förderung ist dringend notwendig, und zwar nicht nur für die Kinder mit Schulschwierigkeiten, sondern auch für die, die im regulären Unterricht nicht viel lernen, weil das Niveau dort einfach nicht ihren Fähigkeiten entspricht.

Es gibt auch Kinder von NICHT-Akademikern und NICHT-HartzIV-Empfängern, die KEINE Nachhilfe bezahlt bekommen..ist ja noch nicht mal steuerlich absetzbar. Vielleicht mal schneller und konsequenter das Geld von unterhaltssäumigen Vätern eintreiben..dann hätte auch die NICHT-Randgruppe eine Chance auf Bildung für Ihre Kinder.

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