#Hambi: Fickt euch doch einfach!

Wir sind nicht mit dem einverstanden, was ihr da so macht zum Thema #Hambi. (Symbolfoto; Quelle: Gigi Ibrahim/ Flickr/ CC BY 2.0)

Hambi hin, günstiger Strom her – es ist inzwischen total egal, auf welcher Seite man steht. Wir sind da auch geteilter Meinung: Vanessa ist für den Erhalt des Forstes, und Sebastian für die finale Abholzung. Aber so richtig brennen wir beide da nicht: Hambi ist nicht unser Thema. Wir waren nicht vor Ort. Wir haben nicht demonstriert, nicht dafür, nicht dagegen. Jetzt schreiben wir doch was. Nichts Langes und Ausgearbeitetes, sondern einen kurzen Zwischenruf – von Vanessa Stracke und Sebastian Bartoschek, weil wir das Kotzen kriegen.

Echt, wir kriegen das Kotzen nach allen Seiten. Da wird ein Wald abgeholzt. Der ist alt, und Natur und eben Wald, und die einen wollen, dass er erhalten bleibt. Und die Anderen wollen, dass er weicht, weil es rechtsgültige Beschlüsse aus der Politik und Urteile von Gerichten gibt, und außerdem der Strom ja irgendwoher kommen muss. Die beiden Gruppen streiten jetzt, und eine der Gruppen wird sich durchsetzen – so ist das in einer Demokratie.

Aber was passiert noch? Die Auseinandersetzung vor Ort eskaliert, und ebenso die Auseinandersetzung über die Auseinandersetzung. Man bekommt den Eindruck, dass, je weiter weg von diesem Forst die Leute an ihren Rechnern sitzen, desto klarer und härter sie in ihrem Urteil sind. Bullenschweine, die von Dreckskapitalistenmarionettenpolitikern angewiesen wurden, prügeln da auf Hippiehorden ein, die schlimmer als Nazis sind und die es nicht nur nicht besser, sondern eigentlich noch viel schlechter verdienen – alle, immer, überall.

Vor Ort schmeißen sogenannte “Aktivisten” mit menschlichen Exkrementen, und zeigen dadurch die gemeinsame Entwicklungslinie von Affen und Homo Sapiens auf, während deren Gegner auf Facebook darüber fachsimpeln, wie diese Hippies am besten mit dem ganzen Wald zusammen abgebrannt werden könnten. Die Polizei ist immer Schuld – den einen ist deren Vorgehen zu lasch, in Russland wäre das längst geräumt, den anderen zu hart, das sind ja schon amerikanische Zustände.

Angegriffene Polizisten werden ebenso instrumentalisiert wie abgeführte Aktivisten. Sie dienen als Projektionsflächen, und den Betrachtern fällt es schwer, die jeweiligen Gegner als Menschen zu sehen, deren Würde durch das Grundgesetz als unantastbar festgeschrieben ist. Wer doch selbst Schuld ist, für den gilt das Grundgesetz doch nicht? Wo kommen wir denn da hin?

Während ein guter Teil der Hambi-Supporter sich in den sozialen Netzwerken hämisch darüber auslässt, dass Polizisten nichts anderes verdient hätten, als mit Scheiße beworfen zu werden, freuen sich einige Hambi-Gegner unverhohlen über den Tod eines Menschen. Den Tod eines jungen Kollegen, der einfach nur seinen Job machte. Haha, Baumängel gibt es ja doch… Was hatte er auch da oben zu suchen?, “Selbst schuld!”, “Einer weniger” – härtere Kommentare könnt ihr selbst im Sozialen Netzwerk eurer Wahl finden.

Wisst ihr was? Fickt euch doch einfach!

Und danach lasst uns doch einfach mal probieren, ob wir nicht doch in der Lage sind, ein Thema kontrovers zu diskutieren, ohne direkt das Gegenüber zu entmenschlichen.

16 Kommentare

Dann hätten wir noch den Fall Maaßen, der viel weiß und für den eine Beförderung, die nicht schmerzt, gefunden werden soll.

Auch dies ist so eine Nebelkerze, mit der sich die Politik über Wochen beschäftigt.

Ganz schön primitives Niveau hier. Wie wäre es, wenn Ihr mal mit gutem Beispiel vorangeht? Habe hier noch nichts Ausgewogenes zum Protest gegen die Rodungen im Hambacher Forst gelesen, dafür einen Artikel nach dem anderen, in dem jeweils die Aktivist_innen in den Dreck getreten werden.

@ Arnold Voss: Ja, gibt es: Menschen, die wie autoritäre Charaktere auf Beschlüsse und geltende Rechtslagen pochen, ohne zu hinterfragen, durch welche Lobbyarbeit die zustandekommen. Menschen, die blinden Gehorsam predigen, sind mir die primitivsten von allen.

@ Stefan W. # 5

Stefan, sie Klugscheißer, haben sie bei mir was von blindem Gehorsam gelesen? Jeder kann in Deutschland die geltende Rechtslage hinterfragen, sie politisch bekämpfen und dagegen klagen, und das ist gut so. Aber er kann nicht die angreifen, die sie durchsetzen. Das tun die Faschos in Deutschland nämlich auch, weil sie der Meinung sind, dass sie, trotz der geltenden Rechtslage im Recht sind. Die reden dann nicht von Lobbyarbeit sondern vom System Merkel, der Lügenpresse und dem Lügenparlament. Der einzige primitive autoritäre Charakter hier sind sie selbst, Stefan.

@ Arnold Voss: Ja, wenn die Argumente ausgehen, dann dreht man einfach den Spieß um und sagt: "Selber!" Ist doch Kindergartenniveau sowas.

Faschos greifen die Obrigkeit an, weil sie eine Menschenvernichtungsideologie durchsetzen wollen, weil sie die Obrigkeit als schwach empfinden und weil sie sich eine wünschen, die viel härter noch agiert als ohnehin schon. Die Menschen im Hambacher Forst, mit denen ich mich solidarisiere, greifen die Obrigkeit aber an, weil deren Gewalt längst zu viel des Guten ist. Zwischen der Gewalt der Faschos und der Gewalt der Linken besteht also ein fundamentaler qualitativer Unterschied – und das nicht nur die Beweggründe, sondern auch die Wahl der Mittel betreffend. Wer linke Gewalt mit rechter gleichsetzt, setzt Kackewürfe, fliegende Steine oder im äußersten Fall brennende Autos mit ermordeten Menschen gleich. Menschenleben sind aber mehr wert als Schrotthaufen oder beschmutzte Polizeiuniformen. Und jetzt beschimpf mich ruhig weiter als "Klugscheißer", nur weil ich auf Binsen hinweise und mich auf keinen NS-relativierenden Hufeisenquatsch einlasse.

@ Stefan W. # 7

Wer einen Unterschied zwischen rechter und linker Gewalt macht , hat den Rechtsstaat und damit den Kern der Demokratie nicht verstanden, oder will ihn nicht verstehen. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, Stefan. Es gibt da keine guten und keine schlechten Gewalttäter und auch keine gute und keine schlechte Gewalt. Es gibt kein "der Zweck heiligt die Mittel".

In einem Rechtsstaat entscheiden die Richter und Richterinnen und nicht sie oder wer auch immer darüber, was Recht ist. Dass das mit Gerechtigkeit nicht immer und unbedingt was zu tun hat, ändert nichts daran. Ihr autoritärer Charakter unterscheidet sich nur dadurch von anderen, das er sich für links hält. Das sind sie aber nicht Stefan, sonst würden sie demokratische Entscheidungen akzeptieren.

Ich habe sie auch nicht beschimpft. Geschweige denn habe ich "Selber einer" gerufen. Nochmal zum mitschreiben, Stefan: Sie sind hier der EINZIGE autoritäre Charakter. Und nochwas zum Nachdenken: Autoritäre Charaktäre können genauso intelligent oder dumm sein wie antiautoritäre. Primitiv sind sie erst, wenn sie Menschen mit anderen Meinungen, nur weil sie ihnen nicht passen, als primitiv diffamieren. Und feige sind sie obendrein, wenn sie das auch noch unter Decknamen tun.

Hmm, Stefan W., hättest du auf den Vorwurf also verzichtet, wenn Arnold Voss ihn zuerst vorgetragen hätte, weil das sonst Kindergarten wäre? 😉

Und wenn ich in "Faschos greifen die Obrigkeit an, weil sie eine Menschenvernichtungsideologie durchsetzen wollen, weil sie die Obrigkeit als schwach empfinden und weil sie sich eine wünschen, die viel härter noch agiert als ohnehin schon" ein paar Wörter ändere, habe ich eine passende Aussage zu dem Hambi-Leuten.

"Hambis greifen die Obrigkeit an, weil sie eine NaturunddamitMenschenvernichtungsideologie durchsetzen wollen, weil sie die Obrigkeit als schwach empfinden und weil sie sich eine wünschen, die viel härter sich einseitig gegen ökonomische Aspekte engagiert."

Arnold Voß (8), dem schließe ich mich an. Ich diskutiere hier nur und ausschließlich um Mehrheiten für Mehrheitsbesschlüsse zu gewinnen, bin also gegen individuelle Auslegungen darüber, was Recht ist.
Lieber Stefan W. # 7, versteht sich, daß wir zwei keinen Diskurs führen können, denn Sie sind für das, dqs, ich unter "individuellem Terror" verstehe.
Ich habe mit diesem Post die Diskussion mit Ihnen abgeschlossen. (Schade übrigens)

@ Arnold Voss: Man kann linke Gewalt, was immer das dann sein mag, natürlich kritisieren. Ich selbst würde auch niemanden mit Kacke bewerfen. Es gibt für mich aber Schlimmeres. Sowas nennt man auf klugscheißerisch Ambiguitätstoleranz. Was für mich aber gar nicht geht, ist linke Gewalt mit rechter gleichzusetzen. Das führt immer zur Relativierung letzterer. Wer das spätestens nach den NSU-Morden immer noch nicht kapiert, dem ist wohl nicht zu helfen. Im Übrigen ist Stefan W. kein Nickname. Ich heiße wirklich so.

@ Helmut Junge: Schade, dass Sie ihr offenbar geschlossenes Weltbild derart hermetisch abriegeln und das gleich mit den schwersten aller denkbaren Geschützen: mich als Terrorist zu bezeichnen, ist das allerletzte. Sie kennen mich gar nicht. Ich habe im Leben noch nie irgendwas auf Polizisten oder andere Menschen geworfen oder ein Auto angezündet oder dergleichen. Aber wie gesagt: die Methoden der Nazis sind von einer ganz anderen Qualität. Wer das leugnet, lässt tief blicken. Der setzt Menschenleben mit Schrotthaufen gleich. Insofern sind Sie dann derjenige, in dem viel tiefere Abgründe lauern.
Ich lehne alle möglichen Formen von Autoritarismus, explizit auch in der Linken, zutiefst ab. Und wenn sich in letzter Zeit ein Ruhrbaron nach dem anderen einen darauf runterholt, dass die Bullen linke Aktivist_innen mit Pfeffer bearbeiten, verdreschen und einsacken, soll das etwa nichts mit Autoritarismus zu tun haben? Ich habe mir lediglich erlaubt, das hier in einigen Kommentaren kritisch zu hinterfragen und für mehr Differenzierung einzutreten. Wenn Sie das nicht sehen wollen, dann tun Sie mir leid. Sie müssen darauf natürlich nicht eingehen. Wenn Sie darauf beharren, dass es keine gemeinsame Austauschbasis gibt, dann kann ich damit auch leben.

#11 Linke Gewalt anders als rechte? Nun, da haben wir die Morde der RAF an Drenkmann, Buback, Ponte, Schleyer und einigen anderen. Wo bitte ist da der Unterschied zum NSU? Gut, die RAF hat Repräsentanten des "Schweinesystems" ermordet, was sicherlich etwas mehr persönlichen Einsatz erforderte als die Morde des NSU an völlig schutzlosen Mitbürgern. Ansonsten sehe ich da keine Unterschiede, v.a. nicht im Weltbild der Akteure. Beide wollten bzw. wollen noch einen gewaltsamen Umsturz, der dann in ein repressives System führt, das kein Mitleid und keinen Platz für Andersdenkende haben wird. Auch nicht für einen @ Stefan W..fürchte ich.

@ Stefan W. # 11
Vielleicht waren sie noch nie das Opfer von Gewalt, welcher Art auch immer. Und ich hoffe, dass das für sie auch so bleibt. Spätestens dann, wenn sie ihnen denn doch wiederfährt, werden sie bergeifen, dass es für die Opfer keine Rollen spielt, wer sie mit welcher Motivation ausübt. Ob mir ein Linker ein Rechter oder wer sonst auch immer ein Schlag auf den Kopf verpasst, er verursacht denselben Schmerz.

Das gleich gilt für alle sonstigen Folgen von Gewalt, den Tod eingeschlossen. Wer gibt ihnen das Recht, Stefan, sich über diese Tatsache zu erheben und selbst zu bestimmen, wann Gewalt richtig oder falsch ist? Dafür hat die zivilisierte Menschheit sich auf die Demokratie, den Rechtsstaat und eine unabhängige Justiz und das Gewaltmonopol des Staates geeinigt. Auf ihre ganz persönliche Ambiguitätstoleranz kann sie dabei gut verzichten.

Falls sie aber doch ganz alleine bestimme wollen, welche Gewalt gegen wen gut ist oder nicht, empfehle ich ihnen die AFD oder eine andere Partei zu wählen, die dieses Rechts- und Demokratiesystem abschaffen möchte. Fangen sie dort als Security an und sehen sie zu, dass sie später in Gaulands Leibstandarte kommen. Noch besser ist es natürlich, selbst Dikator zu werden. Dann sind sie Henker und Richter in einem und ihr ganz persönlicher Sinn für gute und schlechte Gewalt ist dann Gesetz. 🙂

P.S. Heißen sie wirklich Stefan W. ? Und wenn, wie kriegt das ihr Postbote mit der Zulieferung von Einschreiben hin?

@ #12: was die RAF betrifft, haben wir überhaupt keinen Dissens. Aber die RAF ist Geschichte, und ich bin alles andere als ein Sympathisant dieser antisemitischen Mörderbande. Aber die hat sich mit ihren Taten damals schon bei vielen Linken ins Aus geschossen, und ich sehe heutzutage in linken Kreisen keine ernsthaften Bestrebungen, so etwas zu wiederholen. Sollte ich irgendeine Splittergruppe übersehen haben, dann habe ich mit ihr nichts am Hut. Und ich halte auch nichts davon, Menschen anderweitig physisch zu verletzen. Wenn Leute auf die Polizei hinabkacken, gehe ich davon aus, dass nichts dergleichen die Folge ist. Nochmal, damit es keine Missverständnisse gibt: mein Mittel wäre das nicht, aber es ist nicht mit rechter Gewalt gleichzusetzen. Wer Links und Rechts in einen Topf rührt, erklärt nichts, blendet nur allerhand Spezifika aus und macht sich mit den großen Vereinfacherern, von denen es dieser Tage schon viel zu viele gibt, gemein.

So langsam wird mir das jetzt aber auch zu blöd, zumal ich euch eigentlich für intelligent genug halte, selbst differenzierter an solche Sachen heranzugehen, als bisher hier zu sehen ist.

@#11 Stefan W:
Bin ich im falschen Film?
Gewalt ist Gewalt! Verletzte sind Verletzte! Tote sind Tote!

Wenn es an dieser Basis im Land fehlt, haben wir ein richtiges Problem im Land.

Irgendwie muss ich jetzt an die angeblichen CIA Bürgerkriegsszenarien für D denken.

@ Stefan W: Es gbit keine linke und rechte Gewalt. Faustschlag bleibt Faustschlag und kein Arzt wird an der Wunde einen linken oder rechten Messerstich erkennen können. Tut auch gleich weh. Es gibt links motivierte Gewalt und rechts motivierte Gewalt und Gewalt mag ich nicht. Sicherlich gehen von Links und Rechts nicht identische Gealtakte aus immer. Man kann diskutieren, wer beim Falsche nicht ganz so falsch liegt, aber beides bleibt Falsch. Momentan liegen in Deutschland keine Gründe vor, dass Gewalt nötig wäre.

Und selbst wenn du sie nicht ausübst, aber mitträgst, machst du dich mitschuldig.

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