Gute Gründe für den Glauben

Christuskirchen Foto: Ayla Wessel/Kulturagentür

Aller Aufwand erwies sich letztlich als vergebene Liebesmüh: die groß angelegte Langzeit- und Querschnittsstudie konnte die Existenz Gottes nicht beweisen. Von unserem Gastautor Werner Jurga.

Auch für ein Leben nach dem Tode konnte kein zweifelsfreier Nachweis erbracht werden. Zahlreiche Indizien ergaben sich jedoch zur Stützung der Hypothese von der Reinkarnation. Die vielen Zeugnisse deuten jedoch darauf hin, dass ausschließlich Menschen höherer Stände in den Genuss einer Wiedergeburt kommen, während für Angehörige des Fußvolkes mit dem letzten Atemzug definitiv Feierabend zu sein scheint. So konnten viele Interviewpartner davon berichten, im Vorleben Kaiser, König, Prinzessin oder Courtisane gewesen zu sein, wohingegen das Forscherteam auf der Suche nach ehemaligen Stallknechten, Waschfrauen oder an von einer Kinderkrankheit hinweg gerafften Straßenkindern nicht fündig geworden ist.

„Ich denke, also bin ich“. Wie kein anderer Satz markiert eben dieser den Beginn der Aufklärung. „Cogito ergo sum” – das war der Beweis. Ergo: das Cogito war der Beweis für das Sum. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Diesem Satz folgt ein seitenlanges Traktat Descartes´, mit dem der Universalgelehrte beabsichtigte, die Existenz Gottes zu beweisen. Diese Absicht ging gründlich in die Hose, die ganze Schrift ist nicht weiter erwähnenswert, ein einziger Unfug. Okay, auch ein Descartes hat mal seine schlechten Tage. Wie wir alle, wenn wir uns Dinge vornehmen, die nicht menschenmöglich sind. Wenn man Gott wäre, vielleicht … – so aber, als Normalsterblicher kann das einfach nicht gut gehen: die Existenz Gottes beweisen. Mal ehrlich: wenn Sie Gott wären, würden Sie dann einer von Ihnen geschaffenen Kreatur erlauben, Ihr Dasein wissenschaftlich zu beweisen?! Na also!

Descartes´ Gottesbeweis: einfach lächerlich. Aber egal: der erste Satz war der Bringer. „Ich denke, also bin ich“ kennt jeder, ein echter Hit. Evergreen. Etwas idealistisch, zugegeben. „Ich bin, also denke ich“ wäre mir plausibler vorgekommen. Aber wir sind halt alle Kinder unserer Zeit. Wir sind aufgeklärt, meinen wir. Descartes leitete die Epoche der Aufklärung ein. Klar: wenn man schon meint, die Existenz Gottes beweisen zu müssen, ist es um selbige schlecht bestellt. Nicht nur, dass man bis dato davon ausgegangen ist, dass sie sich von selbst verstehe. Sondern auch die von Descartes vermutlich nicht bedachte Implikation: heute beweist einer, dass es Gott gibt. Morgen kommt der nächste und beweist das Gegenteil. Übermorgen stellt jemand fest, dass Gott eine Frau ist. Armer Gott!

Nach dem gegenwärtig allgemein anerkannten Schöpfungsmythos stellt ein Urknall den Anfang aller Dinge dar. Gegenüber dem lieben Gott hat die Theorie des Urknalls den unbestreitbaren Vorteil, dass sie zu beweisen ist. Und tatsächlich: sie ist bewiesen. Es hat nachweislich geknallt. Man kann heute noch, wenn man entsprechende Instrumente zur Hand hat, das Rauschen hören. Damit ist die Angelegenheit empirisch belegt. Auch theoretisch erweist sich der Urknall als gut belastbar. Zumindest für die Phase vom Knall bis heute, die Zeit davor – so haben es die Physiker festgelegt – ist „nicht definiert“. „Nicht definiert“, Ende, Aus. Tja, es ist schon geil, wenn man die Definitionsmacht hat.

Fest steht: es hat urig geknallt. Wir wissen halt bloß noch nicht, wo und vor allem warum. Es knallt ja nicht einfach so; es muss doch einen Grund geben, warum es „auf einmal“ so – ich möchte fast sagen: nachhaltig – geknallt hat. Da Sie mir ohnehin nicht glauben würden, wenn ich behauptete, dass es daran gelegen habe, dass der liebe Gott gerade mit Streichhölzern gespielt habe, schlage ich vor, wir einigen uns darauf, dass kein metaphysischer, sondern ein ganz „natürlicher“, also physischer Grund für den Big Bang vorliegen dürfte. In Kürze werden die Physiker auch dieses Rätsel entschlüsselt haben.

Damit wäre dann wirklich das letzte Rätsel entschlüsselt, wenn wir davon absehen, dass es freilich auch für den Auslöser des Urknalls eine Ursache geben muss. Und auch dafür wieder einen Auslöser, eine Ursache, einen Grund. Und so weiter und so fort. Ein Regressum ad infinitum. Unendlichkeit am Anfang, sprich: Anfangslosigkeit. Beweist dies irgendetwas? – Ja. Die Welt / das Universum ist prinzipiell erkennbar, und wir werden die Welt letztlich nicht erkennen können. Denn jede beantwortete Frage wird eine Reihe neuer Fragen auf. Lenin hat Recht, der liebe Gott aber auch. Auch der kritische Rationalist, der sich jenseits leninistischer Ideologen und verbohrter Moraltheologen wähnt, muss damit irgendwie zurecht kommen.

Was bleibt, ist die Ethik. Aber wo kommt die nun wieder her? Fest steht, dass diejenigen, die sich schwerer Verstöße gegen die Ethik schuldig gemacht haben, keinen Monopolanspruch auf Ethik erheben können. Damit sind wir aber bei der Beantwortung der Frage, wo denn wohl die Ethik herkomme, keinen Schritt weiter. Ethik aus einer dem Menschen vermeintlich innewohnenden Vernunft herzuleiten, erscheint abwegig. Einerseits sind Geschichte und Gegenwart voll von Beispielen unethischen – insofern also unvernünftigen – Verhaltens. Zweitens könnte ich etliche Beispiele dafür anführen, dass das – ethisch kaum vertretbare – Ausschalten unliebsamer Konkurrenten ein hohes Maß an Rationalität aufweist. Wer an die Allmacht der Vernunft glaubt, braucht kein Strafgesetzbuch.

Die eingangs erwähnte, groß angelegte Langzeit- und Querschnittsstudie über die Religiosität ist nicht völlig ergebnisfrei abgeschlossen worden. Vielmehr konnte sie nachweisen, dass Menschen, die an Gott glauben, zufriedener, gesünder und auch – am einfachsten zu quantifizieren – länger leben. Ein, wie ich finde, guter Grund, an Gott zu glauben. Das Blöde ist: die Sache funktioniert nur, wenn man auch wirklich an Gott glaubt, und nicht einfach nur so tut, als ob. Man weiß nicht warum. Ob es daran liegt, dass der liebe Gott alles sieht? Oder an bislang unerforschten psycho-neuro-immunologischen Abläufen? Wie gesagt: man weiß es nicht. Dennoch: man muss wirklich glauben und nicht nur so tun, als ob. Scheiße! Wie soll man das denn bloß machen. Das scheint mir ja ein ganz schönes Arschloch zu sein, dieser Gott.

22 Kommentare

Lieber Gastautor,
den Bogen zu Ihrer Schlussfolgerung, Gott sei ein Arschloch, nachzuvollziehen, fällt mir schwer. Nur weil Sie sich fragen, wie man authentisch glaubt, ist Gott doch noch kein Arschloch, oder?
Liebe Grüße, Hannes Leitlein

Hallo Gastautor,
ich kann irgendwie nirgends eine Quelle für die verschiedenen Statistiken finden, die im Artikel angesprochen werden. Wo kann ich diese mal nachlesen ?

Mit freundlichen Grüßen
Christian Janßen

Ist das alles was die an-Gott-glauber auf Lager haben?
Der Gott des Anfangs, selbst wenn ihn gäbe, warum sollte man sich mit ihm beschäftigen, wenn der Anfang vorbei ist?
Was ist mit den Schöpfungsmythen, die keinen Gott brauchen? Oder hat Stephen Hawking recht mit seiner These, dass das Universum sich sehr wohl aus sich selbst heraus schaffen kann?
Es gibt einfach keine überzeugende Antwort, warum nur kann man das nicht einfach akzeptieren? Sondern muss sich einen alten Kerl mit Bart ausdenken, der im weiteren Verlauf der Geschichte tatsächlich zum Superarschloch mutiert (um die Menschen zu disziplinieren muss zwischendurch mal das ganze Leben ausgerottet werden).

“„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?”[…]

[…]In der Tat, wir Philosophen und “freien Geister” fühlen uns bei der Nachricht, dass der “alte Gott todt” ist, wie von einer neuen Morgenröthe angestrahlt; unser Herz strömt dabei über von Dankbarkeit, Erstaunen, Ahnung, Erwartung, – endlich erscheint uns der Horizont wieder frei, gesetzt selbst, dass er nicht hell ist, endlich dürfen unsre Schiffe wieder auslaufen, auf jede Gefahr hin auslaufen, jedes Wagnis des Erkennenden ist wieder erlaubt, das Meer, unser Meer liegt wieder offen da, vielleicht gab es noch niemals ein so “offnes Meer”[…]

Wollte nur mal was sagen, ohne was zu sagen!

Aber, von Nietzsche ist auch

” Lieber nichts wissen, als Vieles halb wissen! Lieber ein Narr sein auf eigene Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken”

@ Christian Janßen (# 2): Ich würde nicht soweit gehen zu behaupten, dass in dem Artikel verschiedene Statistiken angesprochen wurden, da eine etwaige Existenz Gottes bzw. eines Jenseits überhaupt nicht von empirischer Sozialforschung erfasst werden kann. Allenfalls die im Schlussabsatz unterstellte Korrelation zwischen Religiosität und Lebenserwartung ist statistischen Methoden zugänglich. Geben Sie einfach beide Begriffe bei Google ein, und der Himmel wird sich öffnen. Der Stern, die Süddeutsche, … alle sind dabei. Besonders hübsch: der “Lebenszeit-Rechner” der Cosmos Direkt. “Religiosität wirkt sich postiv auf die Lebenszeit aus”, steht da wortwörtlich und geht als Faktor in die Berechnung ein. Dies ist m.E. durchaus als eine Form des zeitgemäßen Gottesbeweises zu betrachten. Ich selbst ziehe gerade in Erwägung, ein Modell für die Dauer ewigen Lebens zu erarbeiten – freilich auf das individuelle Lebensmuster abgestimmt unter besonderer Berücksichtigung posthumer Neigungen.

@ Dirk Westermann (# 3) – Frage: “Hat Stephen Hawking recht mit seiner These, dass das Universum sich sehr wohl aus sich selbst heraus schaffen kann?” – Antwort: Wahrscheinlich schon. Vermutlich, weil Gott das Universum genau so und nicht anders konstruiert hatte. Very intelligent design.

..und dann erschuf der Mensch Gott und er war von nun an in ihren Köpfen. Verdammt zu einer Existenz die er selbst nie gewollt hat, überladen mit all ihren Wünschen und Hoffnungen, ihren Rach- und Überlegenheitsgelüsten, ihrem Liebesdurst und ihren nie endenden Ängsten, ihrer Sehnsucht nach dem Glück und ihrem Hass auf alles, wenn es damit nicht geklappt hat.

Aber am schlimmsten war für ihn, dass sie behaupteten, dass e r sie erschaffen hat. Was für ein abgefeimter Trick, denn nun war e r letztlich an allem Schuld. Selbst an der Entstehung der Erde, und die war ihm nun wirklich von Anfang an am Arsch vorbei gegangen.

Da er aber wusste, dass die Menschen liebend gerne jede Art von Schuld auf andere schieben, war er sich sicher, dass sie ihn schon allein aus diesem Grunde nie sterben lassen würden. Es gab also nur ein Lösung für ihn: Zu Schweigen. Für immer und ewig.

Ihm war gleich klar, dass das nicht fair ist. Aber er musste sich eingestehen, dass ihm auch das völlig egal war. Sie hätten ihn ja nicht erschaffen brauchen.

@ Arnold Voss (# 6): Gut, dass Sie es – im letzten Satz Ihres Kommentars – ansprechen! Ich war bereits in der – ellenlangen – Diskussion über “Toleranz, Moral und Religion” kurz davor, diesen “Knackpunkt” zu erwähnen. Sie, also die Menschen, hätten ihn ja nicht erschaffen brauchen, schreiben Sie scheinbar als beiläufige Selbstverständlichkeit. Doch das ist erstens keineswegs eine Nebensächlichkeit, und zweitens ist es nachweislich falsch. Die Erschaffung des einen Gottes, also der Monotheismus, datiert zwar relativ spät; er entwickelte sich aber gesetzmäßig. Davor Polytheismus und / oder diverse religiöse Vorstellungen. Mir ist jedenfalls kein menschliches Leben bekannt, dass ohne (so etwas wie) Religion ausgekommen wäre. Keine Panik, lieber Arnold: na sicher sind auch Sie menschliches Leben. Aber Ihr Atheismus ist historisch betrachtet nichts weiter als der letzte modische Schrei. Der (noch?) auf ziemlich wackeligen Beinen steht, nämlich auf der Fehlannahme, der Mensch habe Gott ja nicht erschaffen brauchen. Er musste, es ging überhaupt nicht anders. Seine “Geburt” (die Vertreibung aus dem Paradies) verlief gleichzeitig, m.E. gleichbedeutend, mit der “Geburt” Gottes. Insofern ist aus meiner Sicht schon die Frage, ob Gott den Menschen oder umgekehrt der Mensch Gott erschaffen habe, ziemlich müßig. Die beiden betraten die Bühne untrennbar miteinander verbunden. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, sich darüber aufzuregen. Konzentrieren wir uns im Namen Gottes doch besser darauf, uns über die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen zu ereifern! Und meinetwegen, wenn diese im Namen Gottes geschieht, umso mehr.

“Überhaupt ist der Pantheismus nur ein höflicher Atheismus.”

Arthur Schopenhauer (1788–1860)

“Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloß ein missbrauchtes Wort”.

(“Aber Ihr Atheismus ist historisch betrachtet nichts weiter als der letzte modische Schrei”: Blödsinn.)

@ Werner Jurga # 7

Lieber Werner, so ernst war mein kleiner Beitrag jetzt auch nicht gemeint. Ich stimme ihnen aber zu, dass viele Menschen die Idee von einem alles überragenden Gott anscheinend brauchen. Ich nicht. Auch nicht um die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen anzuklagen.

Ich weiß auch nicht ob ich der Atheist bin, als der ich hier neuerdings “gebrandmarkt” werde. Mir ist es einfach egal ob Gott existiert oder nicht. Sonst könnte ich auch nicht für die Religionsfreiheit sein.

Wenn aber die Religionsfreiheit von den Kirchen und/oder den Gläubigen (aus)genutzt wird, Leuten wie mir mein Leben vorzuschreiben, ja sich über mich zu stellen und sich für besser respektive menschlich wertvoller zu halten, dann hört der Spaß auf. Dann setzte ich mich zur Wehr.

Genauso wenn die Kirchen/Gläubigen selbst zu Menschenunterdrückern werden, d.h. wenn sie meinen, dass sie sich nicht an die Menschenrechte zu halten hätten weil sie sich für heilig oder sonstwas besonderes halten. Dann und nur dann, werden sie zu meinen Gegnern.

Sollte aber wieder jemand anfangen den Gottesglauben zu verbieten oder sogar Kirchen abzureißen, denn werde ich an der Seite der Gläubigen stehen. (Könnte allerdings sein, dass die das dann gar nicht wollen. Wäre mir dann aber auch egal.)

Ansonsten gilt für mich: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

@ Arnold Voss: Das hatte mich übrigens gefreut, dass Sie, selbst wenn es um den lieben Gott geht, – Gott sei Dank, wenn ich das sagen darf – wieder zu etwas mehr Gelassenheit zurückkehren konnten. Es ist ja schon so weit gekommen, dass Sie sich veranlasst sahen, allein die Verwendung des Verbs “verteufeln” zu verteufeln. Ja, mein Gott …
Dass mein Beitrag erhebliche Defizite an Ernsthaftigkeit aufweist (allein schon die Überschrift: “Gute Gründe für den Glauben” – beknackt), ist Ihnen ja nicht entgangen. “Mir ist es einfach egal ob Gott existiert oder nicht.” Schimpft sich dann bekanntlich Agnostiker. Um ehrlich zu sein: mir ist es auch egal, ob Sie nun Agnostiker oder Atheist sind.
Doch gerade weil ich Ihre Kommentare und Beiträge hier bei den Ruhrbaronen (und nur insofern kenne ich Sie ja) so schätze, war mir Ihr religiöser Eifer im Kampf gegen die Religion nicht so ganz egal. Um dies noch anzufügen (dann muss es aber auch reichen): Ihr Engagement war der ausschlaggebende Anlass für mein obiges Glaubensbekenntnis.
Also: kein “Sorry” für Ihre vermeintliche Gleichgültigkeit, sondern Danke für Ihre – m.E. etwas daneben liegenden – Diskussionsbeiträge!

@ Werner Jurga

“… mein Beitrag erhebliche Defizite an Ernsthaftigkeit aufweist …”

Danke für die Bestätigung! Nach langer Innerer Einkehr hatte ich mich dafür entschieden, dass dein Beitrag eine Satire sein muss. Sein muss.

Erinnert mich vage an den Grossmeister Woody Allen:

“Mr. Big” in “Wie du dir so ich mir” (“Getting even”)

Habe den Text leider nicht im internet gefunden, hier der Anfang als Video:

http://www.youtube.com/watch?v=pT-5dmwlF-4

“Mr. Big” – A young lady goes to a detective to try to find God …

@ Arthur #8

“Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloß ein missbrauchtes Wort”.

Danke für dieses Zitat. Wo Schopenhauer recht hat, hat er recht.

@ Werner Jurga

Ich bin insgesamt gesehen, glaube ich, eher ein versöhnlicher Mensch. Was ich aber doch noch fragen muss, und damit soll es auch für mich dann gut sein: Wieso machen gerade gläubige Menschen ihren Kritikern genau den religiösen Eifer, den sie bei sich selbst offensichtlich gut finden, zum Vorwurf? Wieso können sie offensichtlich nur in diesen gläubigen Kategorien über Glauben denken?

Engagierte Kritik ist angegagiert Kritik und hat, erst recht bei einem Menschen der nicht an Gott glaubt, rein garnichts mit religiösem Eifer zu tun.

@ Arnold Voss

Ich hatte mich bei meinem – eigentlich retroperspektiv gedachten – Vorwurf begrifflich für den „religiösen Eifer“ entschieden, um Sie auf diese Widersprüchlichkeit aufmerksam zu machen, die Sie mir in Kommentar Nr. 13 – wenngleich in Frageform – zurückgeben. Also: ich bin sicher, dass ich nicht nur in „gläubigen Kategorien“ zu denken pflege. Unter anderen Umständen – Sie müssten das wissen – fliegt der liebe Gott auch in meinen Kommentaren nicht so tief, hätte ich gewiss statt des „religiösen Eifers“ es mit einem Begriff wie Dickköpfigkeit oder gegebenenfalls Fanatismus bewenden lassen.

Eine ernst zu nehmendere Angelegenheit ist das mit dem Pantheismus (# 8 – Arthur). Wenn ich mir ansehe, wer schon so alles mit dem Pantheismus-Vorwurf belegt wurde,
http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus
kann ich an solch einem „Vorwurf“ nichts „Schlimmes“ finden. Und wenn es sich denn dabei, wie Arthur Schopenhauer zitiert, um einen „höflichen Atheismus“ handeln sollte, würde mich dies immerhin davor bewahren, Gegenargumente einfach so als „Blödsinn“ abzutun.

Leider oder Gott sei Dank bin ich kein Pantheist, was allein schon daran zu erkennen ist, dass Gott mich häufig genug eben vor derlei Unhöflichkeit bewahrt hat. Da ich auch schon von Theologen, die ich nicht umstandslos ernster nehme als Sie, Arnold, wiederholt des Pantheismus bezichtigt worden bin, muss ich einräumen, dass bei oberflächlicher Betrachtung gewisse Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen sind.

Ich bin aber kein Pantheist; dies hier ausführlicher zu erörtern, würde mich dem Verdacht aussetzen, mich zu wichtig zu nehmen. Wenn es unbedingt eine Schublade sein muss: „aufgeklärter Christ“ würde mir schmeicheln, wenn es Ihnen nichts ausmacht. Das muss aber nicht sein; denn wir wissen ja auch (noch?) nicht, ob wir auf Ihre Schublade „Agnostiker“ oder „Atheist“ draufkleben sollen. Hauptsache, lieber Arnold, es macht sie selig! Also Ihr Schlusssatz des Kommentars Nr. 9, ein echter Knaller! „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“ Teufel! Teufel!

„aufgeklärter Christ“

so wie:

“Thank God I’m an atheist!”

(“Blödsinn”, “Blödsinn”, “Blödsinn”, Lieber Werner)

“Was bleibt, ist die Ethik. Aber wo kommt die nun wieder her?”
Ich glaube, daß gewisse Verhaltensweisen von Tieren, von uns als ethisches Verhalten eingestuft würden, wenn der beurteilende Mensch der Ansicht wäre, daß sie einem Menschen zuzuschreiben ist.
Daß dieser urteilende Mensch dann diesen Vorgang wiederum so hoch wertet, sie doch keinem Menschen zuzuordnen, sondern Gott, ist ein Phänomen.

“Sind Sie Atheist”, habe Jewgenij Jewtuschenko einmal seinen Vater gefragt, erzählt Martin Amis in “Die Hauptsachen”. Kingsley Amis’ Antwort: “Hm, ja, es ist aber eher so, dass ich ihn hasse!”

@ Arnold Voss (# 15): Ich hatte ja nur höflichst darum gebeten, mir zu schmeicheln, “wenn es Ihnen nichts ausmacht”. Nun macht es Ihnen doch etwas aus. Das wollte ich nicht. Aber dann gleich wieder dieses unhöfliche “Blödsinn”. Sie treiben mich ja förmlich in die Abhängigkeit von Gottes Liebe, Arnold!

@ Werner Jurga #18

Sie meinten Arthur und nicht mich, oder? # 15 ist Arthur und nicht ich. Kann im “relgiösen Eifer des Gefechtes” schon mal passieren.

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