Großes Bundesligafinale: Früher war irgendwie mehr Lametta!

Die Meisterschale. Foto: Robin Patzwaldt

Da kann man versuchen die Situation schönzureden wie man will, früher war in der Fußball-Bundesliga einfach mehr Spannung angesagt, wenn es in die letzten beiden Saisonspieltage ging, die ja traditionell immer mit allen Spielen des jeweiligen Spieltags zeitgleich ausgetragen werden, um eine denkbare Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.

In den letzten Jahren gab es im Vergleich zu früheren Meisterschaften jedoch eh vergleichsweise nur wenig zu verzerren, da die wichtigste Entscheidung schon längst gefallen ist.  Das ist auch diesmal wieder der Fall. Leider!

Denn dass die übermächtigen Bayern schon seit Wochen wieder einmal neuer und alter Deutscher Meister sind, das nimmt in diesen Tagen ja kaum jemand wirklich wahr im Lande. Eine emotionale Meisterschaftsfeier hat der Fußballfan schon seit Jahren nicht mehr miterleben können. Zumindest nicht hierzulande.

Selbst der 1. FC Köln hat seinen seit Saisonbeginn vollzogenen Abstieg inzwischen schon offiziell mit dem Abstieg in Liga 2 ‘gekrönt’. Auch hier ist die Anspannung also längst aus dem Restprogramm gewichen.

Vieles deutet zudem darauf hin, dass Schalke und der BVB es in die UEFA Champions League schaffen werden. Beide Revierklubs können am Samstag ihre Qualifikation besiegeln, wenn die Gelsenkirchener in Augsburg einen Punkt brauchen, der BVB daheim die abstiegsbedrohten Mainzer empfängt. Selbst wenn es diese Vorhaben natürlich mit der erforderlichen Demut angehen sollte, die Chancen beider Revier-Riesen stehen recht gut.

Fehlt uns dann also noch der vierte Teilnehmer der Königsklasse, der aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen den wenig spektakulär wahrgenommenen Teams aus Hoffenheim und Leverkusen ausgespielt werden dürfte. Nicht gerade der Zweikampf der die Massen begeistert, wenn wir ehrlich sind.

In Abstiegsfragen deutet unverändert vieles auf den Bundesliga-Dino HSV als zweiten fixen Absteiger hin, da dieser zwei Zähler hinter den VfL Wolfsburg her hechelt, zudem das deutlich schlechtere Torverhältnis hat. Derzeit können die Hamburger hier zumindest an ein Wunder glauben. Für etwas Restspannung ist man als neutraler Fan hier ja fast dankbar.

Der verbleibende Relegationsplatz dürfte lediglich zwischen Hamburg, Wolfsburg und evtl. den Freiburgern oder Mainzern ausgespielt werden.

Seien wir mal ehrlich, das mag zwar alles durchaus seinen Reiz haben, doch für das große, früher immer mit so viel Spannung herbeigesehnte Saisonfinale ist das schon etwas mager inzwischen, was einem die Liga da noch an großen Emotionen versprechen kann, bevor die letzten zwei Spieltage ausgespielt werden.

Ein Blick in das Unterhaus bietet da ein ähnlich enttäuschendes Bild vor den Spieltagen 33 und 34. Als Aufsteiger ins Oberhaus sind Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg seit Wochen schon quasi ausgemacht, auch wenn dem ‘Club’ offiziell noch die Bestätigung fehlt.

Der Relegationsplatz wird mit 99%iger Wahrscheinlichkeit an das Überraschungsteam Holstein Kiel gehen. Respekt nach Kiel, doch die Fußballmassen versetzt das nicht in Wallung, wenn in Liga 2 jetzt die beiden letzten Spieltage zeitgleich abgewickelt werden.

Konzentriert sich hier also das ganze Restinteresse im Lande auf den Abstiegskampf. Kaiserslautern hat seinen Drittligaplatz für 2018/19 schon fix gebucht. Umso spannender hier der Kampf gegen die Plätze 16 und 17. Alle Teams ab Platz 8 können hier punktetechnisch noch absteigen. Das verspricht tatsächlich etwas Spektakel in den nächsten neun Tagen.

Doch ist auch hier, im Vergleich zu früheren Jahren der größte Teil der Entscheidungen schon gefallen, oder zumindest klar vorentschieden.

Wie Millionen anderer Fußballfans wird auch mich das nicht davon abhalten mich dem Saisonfinale einmal mehr intensiv zu widmen. Doch ich räume hier gerne öffentlich ein, dass mich das Ganze früher schon einmal deutlich mehr in seinen Bann gezogen hat.

Längst vergessen die Zeiten der so emotionalen Schalker Meisterschaft der Herzen im Jahre 2001, oder die Fast-Meisterschaft des BVB im Jahre 1992, als die Schwarzgelben bis 4 Minuten vor Saisonende noch auf Meisterschaftskurs lagen, bevor sie auf den letzten Drücker dann doch noch vom VfB Stuttgart überholt wurden. Erfolgreicher verlief das Saisonfinale der Dortmunder dann beispielsweise bei der Meisterschaft 2002, als erst durch einen hart erkämpften 2:1-Heimerfolg gegen Werder Bremen am letzten Spieltag der Titel unter Dach und Fach gebracht werden konnte.

Es waren doch gerade Erlebnisse wie diese, die ein Fan-Leben über Jahrzehnte prägten. Leider gibt es solche Emotionen an den letzten Spieltagen schon seit Jahren scheinbar immer seltener mitzuerleben.

13 Kommentare

Robin,
1.
"längst vergessene Zeiten…."
Vielleicht liegt es ja daran, daß Du älter geworden bist und deshalb nicht mehr die Emotionen empfindest wie in jungen Jahren. Kann aber "eigentlich" in Deinem Alter noch nicht sein oder?

Zur Sache selbst:
Ich denke, daß es Dir so geht wie den meisten Fußball-Fans in Deutschland außerhalb der Fan-Gemeinde des FCB. Wenn man jahrelang immer dasselbe erlebt, führt Gewöhnungsaspekt dazu, dass es für Freude oder Ärger, für Jubel oder Trauer nicht mehr reicht, eben auch nicht mit Blick auf den Dauermeister aus München.
Und dieses ohne nennenswerte Emotionen bloße Zurkenntnisnehmen dieses Zustandes zeigt sich, jedenfalls bei mir auch darin, daß mich auch die große Wahrscheinlchkeit eines dauerhaften Fortbestandes dieses Zustandes nicht mehr emotional sonderlich bewegt.
Das Spiel des FCB in Madrid dürfte jedem " Bayern-Gegnern", dürfte jedem BVB-Fan noch einmal nachdrücklich gezeigt haben. wie riesgengroß die sportliche Leistungsdifferenz zwischen dem FCB und "dem Rest der Liga" ist. Ich als BVB-Fan (!!) fand das Spiel der Bayern großartig. Das Beste, was ich seit langer Zeit von einer Bundesligamannschaft geboten bekommen habe.
Ich sehe nicht einmal ansatzweise realistische Möglichkeiten, daß sich an diesem Leistungsgefälle zwischen dem FCB und dem Rest der Liga mittelfristig etwas ändern könnte; auch nicht durch den BVB,ob mit altem oder neuem Trainer, ob mit "gewichtigen" Neuverpflichtungen oder ob im wesentlichen mit dem jetzigen Kader.

2.
Als Fußball-Fan konnte ich mich jedenfalls über die sportlichen Leistungen und über die "Hochspannung" nicht beschweren angesichts der Halbfinal-Spiele in der Champ.lig und in der Eurolig. Und deshalb freue ich mich insofern auch auf die fußballerischen Höhepunkte am Ende der Spielzeit 2017/2018 mit dem beiden Endspielen Madrid-Liverpool und Madrid-Marseille; nicht auf das Pokalendspiel FCB – Eintracht Frankfurt. Für mich -ich kann mich irren-, geht es nur darum, wie hoch der FCB gegen die Eintracht gewinnen wird.

3.

"Immerhin" bleibt es ja spannend und interessant in der Liga bis zum Schluß -Champ.lig/Euro-lig/Abstieg -.
Und "wir" BVB-Fans können ja zum Ende der Spielzeit erfreulicherweise registrieren, daß "unser " BVB auch spielerisch wieder zu begeistern vermag -sh.Leverkusen, sh. 2.Halbzeit in Bremen- und mit etwas Glück sogar auf einem Champ.Platz "landen. Ich blende dabei nicht aus, daß das auch mit großen Schwächen der Konkurrenz zu tun hat.

Robin,
insofern erwartet Dich also generell, aber eben auch bezogen auf den BVB noch ein Saisonende, das Dich emotional mitnehmen wird; auch wenn es nicht darum geht, ob statt der Bayern z.B. der BVB Deutscher-Meister werden könnte. Aber ob S04 vor oder hinter dem BVB rangieren wird, ist doch, so scheint mir, für viele BVBer eine Frage, die sie emotional ebenfalls in höchstem Maße berührt -oder?

Ich würde mich, ganz unabhängig von den Klubnamen, einfach mal wieder freuen, wenn es an den letzten Spieltagen nicht nur noch um Entscheidungen ginge, die früher aufgrund der vielen Emotionen nur noch ganz am Rande mit erwähnt wurden, Walter. Ich vermisse die Zeiten, wo noch deutlich mehr Fragen offen waren zu diesem Zeitpunkt. Und ich glaube nicht, dass dass in erster Linie mit meinem fortschreitenden Alter zu tun hat. Allerdings räume ich gerne ein, dass man immer schwerer zu begeistern ist, je mehr man schon erlebt und gesehen hat….

Also ich sehe bis zum letzten Spieltag noch lange kein "viel Daraufhindeuten" bei uns und bei den Blauen, dass die CL-Plätze sicher sind. Dazu waren die Saisonleistungen bei Beiden viel zu schwankend und z.B. Hoffenheim zum Schlusstag wird uns wie immer garantiert nix schenken, im Gegenteil ist das ein echtes Endspiel.

Und die Spannung um HSV und die Autokicker ist ebenso garantiert wie die Spannung in der Endphase von Liga 2. Allein auf ein knappes Rennen um die Meisterschaft haben wir auch früher nicht jedes Jahr hoffen können.

Na, das Endspiel gegen Hoffenheim haben wir uns ja jetzt redlich "verdient". Und wer diesen Grottenkick grad gesehen hat, wird keine große Hoffnung haben:-((( Ein 3:0 gegen uns ist im derzeitig desolaten Zustand für einigermaßen ambitionierte Teams locker drin, dann zählen für die Hoppis die erzielten Tore. Ich rede das nicht herbei, ich hab's nur ungläubig gesehen (und das ist ja nun kein Einzelfall in den letzten Wochen)…

Was ich eigentlich damit sagen will (zu schnelle Return-Taste;-)): Platz 4 als Minimalst-Ziel ist *nichts*, worauf Aki und Susi auch noch stolz sein können, das dürfte nach der äußerst schwachen Liga-Gesamtleistung wohl hoffentlich auch den Beiden klar sein. Aber genau da habe ich große Zweifel…

Ich bin vor den Spielen immer skeptisch, deshalb habe ich mich heute mal getraut optimistisch zu sei. Sofort ist es schiefgegangen. Wenn man will, dann konnte man schon im Vorfeld erkennen, dass da viel unterschätzt wurde. Die Weidenfeller-Diskussionen waren so ein Beispiel. In einem wichtigen Spiel kann ich nicht sagen, ich lasse ihn gegen Ende spielen, wenn der Spielstand es erlaubt. Das ist schon der Anfanfg vom Ende, wie man heute wieder gesehen hat. Und jetzt habe ich doch wieder angefangen schon darüber zu schreiben 😉 Ich bin sauer! Das ist nicht gut. Eigentlich will ich diesen Zustand auch nicht mehr. Aber es packt mich dann doch noch hin und wieder so richtig. So wie jetzt. Arghhhh….

Lass alles raus, Robin!;-) Das muss jetzt mal sein, ich hab das ganze Spiel über eigentlich nur sarkastisch abgelacht:(

Robin, Klaus,
zunächst 'mal Glückwunsch an S04 -Vizemeister und Champlig–Platz!
Ich denke, S04 war von den Kandidaten für die ersten 5 Plätze hinter dem FCB die beste Mannschaft. Zudem macht der Vorsprung von 5 Punkten (!!) vor dem BVB den Unterschied zwischen den Leistungen von S04 und "unseres" BVB über die gesamte Spielzeit "überdeutlich",

Klaus Lohmann,
ja, die unter 7/9 geäußerten Ansichten teile ich.
Wie schon mehrfach im Laufe der Spielzeit festgestellt:
"Wenn der BVB viel, viel Glück hat, dann könnte es gerade noch reichen für….???????" -sh.mein Beitrag 3.3.

Nicht erklären kann ich mir die heute gezeigten Leistungen nach dem Spiel gegen Leverkusen und zumindest der II.Halbzeit in Bremen -sh. mein Beitrag -3.3.. Mir schien ein erneuter Leistungsabfall wie heute zu besichtigen deshalb sehr, sehr unwahrscheinlich -sh.mein Beitrag .
Gründe….????????

Robin,
ironisch, sarkastisch könnte ich jetzt feststellen;
Wenn es denn nicht -oder nie mehr?- für den BVB möglich ist, den FCB vom Sockel zu stoßen, dann ist der BVB jedenfalls sehr, sehr bemüht, für uns Fans die Spannung im Kampf um die Plätze 3 – 6 bis zum letzten Spieltage hochzuhalten. Reicht es jetzt nicht einmal mehr, um für S04 ein Konkurrent auf Augenhöhe sein zu können?

PS
Und wenn sich Götze nach seinen heutigen Darbietungen ernsthaft für einen unübersehbaren Kandidaten für die DFB-WM-Auswahl hält, dann ist das ein weiterer Hinweis für sein sehr hohes Potential an Selbstüberschätzung.
Auch Reus, so scheint mir, gehört nicht in den WM-Kader, jedenfalls nicht in den "engeren Kreis" der sog. Stammspieler.

Das Schlimme ist, dass schon ein einziger Punkt heute gegen Mainz die CL-Quali bedeutet hätte. Der wäre auch in Bremen letzte Woche locker zusätzlich möglich gewesen. Jetzt wird es für den BVB ein reines Nervenspiel nächste Woche, fürchte ich. Sowas von unnötig…. 🙁

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