‚Große Ausmisten‘ beim BVB? – Neuausrichtung des Teams um Reus herum wirft viele Fragen auf!

Neven Subotic in seiner aktuellen 'Dienstkleidung'. Foto: BVB
Neven Subotic in seiner aktuellen ‘Dienstkleidung’. Foto: BVB

Wie gut die positiven Ereignisse der letzten Tage, sprich der Auswärtserfolg in Freiburg und die Vertragsverlängerung mit Marco Reus, dem BVB insgesamt getan haben dürften, das konnte man nicht nur Hans Joachim ‚Aki‘ Watzke in den Interviews der letzten Tage ansehen, diesen Eindruck vermittelte aber auch ein sichtlich erholter Jürgen Klopp auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem anstehenden Heimspiel am Freitag gegen Mainz.
Mit einer ganz anderen Körpersprache als zuletzt, wo der Trainer noch dick vermummt in einer Winterjacke und für seine Verhältnisse relativ Wortkarg und übellaunig vor den versammelten Medienvertretern saß, wirkte Klopp gestern wesentlich aufgeräumter und versprühte regelrecht Optimismus und viel Aufbruchsstimmung, nicht jedoch ohne immer wieder auf die Bedeutung des nächsten Heimspiels hinzuweisen.
Ungeachtet dessen mehren sich, jetzt wo die Zukunft von Marco Reus erst einmal geklärt zu sein scheint, im Umfeld der Borussia die Stimmen, die von einem nahenden Umbruch im Team sprechen. Insgesamt geht man inzwischen mehrheitlich wohl wieder davon aus, dass der BVB sich sportlich wird für die nächste Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs wird qualifizieren können. Doch die Schreckenssaison dieses Jahres dürfte, so viele Insider und Beobachter, durchaus einschneidende Konsequenzen im Kader der Schwarzgelben nach sich ziehen. Da sind sich offenbar auch fast alle einig.

 
Einen in dieser Hinsicht recht konkreten Ansatz können die Fußballfreunde seit gestern auf ‚Sport1.de‘ lesen. Thorsten Langenbahn spekuliert dort über die Zukunft des BVB. Und seine Schilderungen nennen nicht nur viele Spieler konkret namentlich, bei deren Nennung muss man zumindest mal kurz nachdenken bzw. ‚drüber reden‘ können, ob es denn wirklich richtig wäre die Kaderplanung der Zukunft beim BVB mit bzw. ohne diese Kicker entsprechend anzugehen.

 
Dass die Borussia zukünftig wieder einen anderen Weg gehen möchte als offenbar zuletzt, wieder verstärkt auf Talente setzen möchte statt auf ‚fertige Spieler‘ bzw. Stareinkäufe, daran mag ich ja auch noch glauben, bzw. das finden sicherlich die meisten Leute die es mit den Dortmundern halten so sinnvoll und gut. Wenn man aber auch betonen muss, das der Verein das ja eigentlich auch nie wirklich völlig vernachlässigt hatte.

 
Langenbahn überrascht mich in erster Linie auch mit der Nennung seiner Abgänge, in Kombination mit den von ihm hier angeführten Neuzugängen bzw. Rückkehrern.
Könnte es wirklich zum Erfolg führen, wenn den BVB im Sommer Spieler eines Kalibers von Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz, Neven Subotic und Roman Weidenfeller als von ihm genannte mögliche Streichkandidaten ‚aussortiert‘ und sie mittelfristig durch Rückkehrer bzw. junge Talente wie Jeremy Dudziak, Jon Goran Stankovic, Dzenis Burnic, Felix Passlack und Jacob Bruun Larsen aus dem eigenen Nachwuchs, bzw die Rückkehr von Leihspieler wie Jonas Hofmann, derzeit für eine Saison in Mainz untergebracht, oder auch Moritz Leitner, der nach zwei Spielzeiten in Stuttgart nach Dortmund zurückkehren könnte, ersetzt werden?

 
Die Rückkehr vom totalen Nachwuchskonzept, 2008 bei Klopps Amtsantritt noch der materiellen Not des BVB geschuldet, und 2011 dann mit dem ersten Meistertitel der Klopp-Ära gekrönt, scheint zwar ein sympathischer Weg zu sein, doch ist es eben auch ein unsicherer und relativ unbequemer. Würden sich die Fans tatsächlich erst einmal weiterhin gedulden, einem ‚ruhigen‘ und langsamen Aufbau einer Mannschaft zusehen? Man kann es zumindest bezweifeln.

 
Die Erfolge der letzten Jahre haben ja ihre Spuren auch bei der Erwartungshaltung vieler Zuschauer hinterlassen.
Zudem stellt sich die Frage, ob die von Langenbahn in seinen Text genannten Streichkandidaten überhaupt die richtigen wären, wenn man denn welche ausmachen will?

 
Diskutieren kann man da sicherlich aktuell über die Leistungen so einiger Altverdienter im Kader. Aber gerade z.B. einen Neven Subotic für seine zuletzt noch vergleichsweise schwachen Leistungen zu kritisieren, ihn beim Double-Sieger von 2012 gar aussortieren zu wollen, erscheint mir völlig fehl am Platze.
Schließlich war der Serbe mit einem Kreuzbandriss lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Früher hieß es einmal, ein Spieler bräuchte in etwa so lange wieder in alte Form zu kommen wie er durch die Verletzung zuvor ausfiel.
Subotic da nun bereits nach wenigen Monaten auszusortieren wäre aus meiner Sicht nicht nur unfair, es wäre völlig falsch.

 
Auch in Weidenfeller und Schmelzer sehe ich nun wahrlich keine Verantwortlichen für den ausbleibenden Erfolg der Borussia in dieser Saison. Zumindest eben keine ‚Hauptschuldigen‘.
Wenn man schon einzelne Spieler für den mangelhaften sportlichen Erfolg beim BVB in der Hinrunde ausmachen will, dann wären diese aus meiner Sicht wohl eher unter den Neuzugängen zu suchen, welche sich bisher in einem nicht wirklich gut funktionierenden Team noch nicht entsprechend integrieren bzw. auf ihre im Vorjahr noch gezeigten Leistungen zurückgreifen konnten.
Aber auch hier gilt: Gab man diesen ‚Neuen‘ im Team früher nicht erst einmal (aus gutem Grunde) einmal ein Jahr lang Zeit zu Akklimatisierung der Spieler. Ob z.B. Ramos oder Immobile wirklich ‚Fehleinkäufe‘ sind, darüber kann man aktuell auch noch nicht ein definitives Urteil fällen. Auch ein Robert Lewandowski war in seinem ersten Jahr beim BVB noch im Schatten eines Lucas Barrios gefangen.

 
Über Notwendigkeit und Umfang eines solch strengen ‚Cuts‘ im Kader wäre also vermutlich erst noch einmal gründlich zu sinnieren.

 
Das sich rund um die Schwarzgelben etwas verändern muss ist klar. Wie radikal ein solcher Schnitt im Kader jedoch ausfallen muss, und wen er treffen sollte, ob das Team nicht sogar deutlich verstärkt werden müsste, darüber könnte man streiten, ebenso über die Namen der ‚Hauptschuldigen‘ an der Krise.

 
Wird also wohl durchaus spannend bleiben in den nächsten Wochen.
Aber zuerst sollte sich das Team einmal ‚in Sicherheit‘ bringen, was die Tabelle betrifft. Dann sehen wir weiter. Vielleicht hat sich in dieser Phase dann auch der ein oder andere ‚Streichkandidat‘ der Öffentlichkeit mit gutensportlichen Leistungen als unentbehrlich erwiesen. Wäre ja schön…

10 Kommentare

@Robin: Ich kann alle im Langenbahn-Artikel genannten Namen unterstreichen und – im Gegensatz zu Dir – besonders fett die von Kevin und Roman. Grade Kevin mit seinen immer noch unterirdischen Leistungen auf fast *jeder* Position und dem psychisch fürs gesamte Team schädlichen egomanen WMeister-Gehabe – was dann genauso für Weide und zu einem geringen Teil auch für Hummels gilt – ist der Prototyp des Leistungsknicks nach herausragenden Ereignissen. Weide konnte ich vom Typ her noch nie gut ab, aber wir brauchen faktisch endlich einen Stammtorwart, der Strafraum und Spieleröffnung sicher beherrscht und Hummels dabei *hilft*.

Bei Hummels bin ich eher geneigt, ihm seine Ratlosigkeit, das “Loch” nach der WM und seine Besserungs-Gelobung abzunehmen, da er dies im Gegensatz zu den beiden Egomanen von oben ja selbst thematisiert. Micky möchte ja wohl selber weg und bei Ciro bin ich noch nicht sicher, ob ihn Klopp doch noch auf die richtigen Füße stellen kann. Wollen will er ja. Schmelle und Neven sind Grenzfälle, aber ohne eine echte Steigerung in den nächsten Spielen sind die wohl auch weg.

Und dann ist auch wieder Luft für schnellen, evt. nicht so verletzungsanfälligen Nachwuchs. Denkmäler zählen heute nichts mehr im internationalen Geschäft, leider.

Mir geht das insgesamt zu schnell aktuell, Klaus. Ich habe vor Wochen ja selber bei den Ruhrbaronen geschrieben, dass der BVB jetzt handeln muss. Aber gleich den halben Kader ‘auszumisten’, das ist aus meiner Sicht sowohl unnötig als auch falsch. Sooo schlecht kann die Transferpolitik zuletzt ja nicht gewesen sein. Sonst hätte die große Mehrheit den Kader in dieser Saison doch nicht näher an Bayern gesehen als zuletzt. Die eine oder andere Stellschraube zu drehen ist sicherlich sehr sinnvoll. Eine solche Radikalkur im Kader hielte ich jedoch für völlig unangebracht. Punktuell etwas verändern, das Team wieder fit machen, gieriger auf Erfolg, das ist entscheidend. Das faktisch der halbe Kader ausgetauscht gehört erscheint mir zu extrem. Subotic kommt aus einer langen Verletzung, Schmelzer hat noch Zukunft, Micki erst recht. Über den Sturm sollte man sich mal ‚Gedanken‘ machen. Auch im Tor könnte ein Generationenwechsel ratsam sein. Alles ok. Aber man muss nicht ein halbes Dutzend Stars ‚vom Hof jagen‘, wenn es nach mir ginge. In der ‚Bild‘ habe ich gerade übrigens auch ganz andere Namen gelesen als gestern in Sport1. Man hat fast den Eindruck alle Spieler außer Reus sollen aktuell weg 😉

Darüber sollten sich die Verantwortlichen in der Sommerpause Gedanken machen… wenn der Abstieg verhindert ist. Bis dahin wird das nämlich dauern…die Verträge der genanten werden für die Zweite Liga ja wohl nicht gelten. Das ist dann ja auch ne Lösung…so oder so… 🙂

@Thorsten: Doch, die Verträge (nicht nur der Neue von Marco Reus) gelten auch alle in Liga 2. Wurde letztens in einem Interview (ich meine von Watzke) ausdrücklich mal so erwähnt. Natürlich zu geringeren Bezügen. Aber die Verträge greifen auch dann. Ohne entsprechende Ablöse zumindest könnte also niemand gehen…

Robin, ich sage ja auch nicht, dass alle von mir oder von Journalisten Genannten sofort weg müssen, aber sie stehen nun mal nicht umsonst auf einer dunkelroten Liste, die wohl auch Watzke sinngemäß intern und nach außen kommuniziert, wenn er über die Erwartungen an das Team im Abstiegskampf redet.

Die Zäsur für Hopp oder Top wird wohl die Winterpause gewesen sein und wer danach nicht leistungsmäßig mitzieht oder sich merklich steigert, der fällt halt raus. Vielleicht ist das ja auch das ganze Geheimnis hinter dieser unglaublichen Misere der 1. Saisonhälfte – “Ultra-Assessment Center” auf fußballerisch:-)

Klaus, ich meinte mit meinem Kommentar gerade auch in erster Linie nicht Dich, sondern die Autoren von Sport1 und Bild.de, welche aktuell von größeren ‘Streichlisten’ beim BVB schreiben, dabei fast alle halbwegs namhaften Spieler auflisten, wenn man beide Artikel zusammennimmt. Die aktuellen Spieler nun in die Pflicht zu nehmen, den ein oder anderen am Ende der Saison auch zu transferieren, da gehe ich durchaus mit. Aber gleich 5-6 ‘prominentere’ Spieler wegzuschicken, das erscheint mir unnötig und falsch. So war das von mir gemeint. Wir beide sind uns da, so wie das sehe, durchaus einig. 🙂

Robin,
Focus und Fußball?
Im übrigen immer wieder der selbe “Sch…….”, wenn jedes Medium meint, sich eines akuten Problemes,eines vermeintlichen oder eines tatsächlichen annehmen zu müssen, weil das dem heutigen Verständnis von dem entspricht, was die Leser erwarten und/oder die Journalisten mit Blick auf die Auflage zu verkaufen haben.

Das Thema Reus ist durch. Jetzt geht es darum, eine “andere Sau durch das mediale Fußballdorf” zu jagen.
Ob der BVB am Ende der Saison sich von Spielern aus dem erweiterten Kader trennt, ob und wie der BVB sich um neue Spieler bemüht? Das interessiert doch jetzt und in den nächsten Wochen keinen einzigen BVB-Fan!!

@Walter: Das sehe ich anders. Mir sind solche Kaderdiskussionen und –Planungen nach den reinen Spielberichten eigentlich als Beobachter mit am liebsten bzw. für mich privat am interessantesten. Was ich hingegen völlig langweilig und total entbehrlich finde, das sind immer diese Massen von Berichten und Meldungen über das Privatleben der Kicker. Denn mir ist im Regelfall völlig egal mit wem die Profis liiert bzw. verheiratet sind, was für Autos sie fahren, wo sie wohnen, was sie essen o.ä.. Das ist mir echt sowas von egal.
Kaderplanung und Vereinswechsel beschäftigen mich persönlich jedoch, auch in der eigentlich fußballfreien Zeit, immer sehr.
Finde das auch gerade in den Wechselperioden immer ziemlich faszinierend. Insgesamt dann auch für mich immer spannend zu beobachten was dann aus welchem Spieler wo wird, wie er sich entwickelt usw.. Unabhängig von der Vereinszugehörigkeit übrigens. Aber zugegeben, die Grenze zwischen tatsächlich begründeten Meldungen und Vermutungen und völlig haltlosen Spekulationen ist da manchmal als Leser nur recht schwer auszumachen.

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