Gregor Teicher: „Häufig wechselnde Arbeitszeiten und wenige freie Wochenenden gehören einfach dazu, wenn man in der Sportbranche arbeitet“

Gregor Teicher im Studio. Foto(s): privat

Moderator Gregor Teicher, im Jahre 1972 in Leverkusen geboren, ist seit Jahren eines der Aushängeschilder des Münchener Sportnachrichtensenders ‚Sky Sport News HD‘, der seit Anfang Dezember bekanntlich nun auch im Free-TV für alle zu sehen ist.

Wer sich hierzulande für Sportnachrichten interessiert und sich darüber (auch) im Fernsehen informieren will, der trifft dabei früher oder später auf den sympathischen Rheinländer, der mit wechselnden Partnerinnen und im Schichtdienst mehrfach in der Woche über das aktuelle Geschehen aus dem Newsroom in Unterföhrung berichtet.

Den Ruhrbaronen stand Gregor Teicher nun ausführlich Rede und Antwort, beantwortete die Fragen unseres Autors Robin Patzwaldt. Dabei ging es um seine Vorliebe für den US Sport, berufliche Vorbilder, Entwicklungen und Ziele, den Unterschied zwischen Rheinland und Bayern, aber auch um Persönliches.

Ruhrbarone: Schön, dass Du Dir für uns die Zeit nimmst, Gregor. Verrat uns doch bitte mal, wann du eigentlich wusstest, dass Du einmal Sportmoderator werden wolltest? Anders gefragt: Wie hat sich Deine Leidenschaft für den Job entwickelt?

Gregor Teicher: Als kleiner Junge habe ich immer mit großer Begeisterung zugeschaut bei Dieter Kürten, Harry Valérien & Co., und unterbewusst ist wohl damals schon der Wunsch entstanden, irgendwann in ihre Fußstapfen zu treten. Bis ich das dann tatsächlich auch als Berufswunsch ausformuliert habe, hat’s aber noch gedauert.

Ruhrbarone: Ich behaupte einfach mal, man spürt als Zuschauer sofort, dass Du offenbar großen Spaß an dem hast was Du da bei SSNHD tust. Was sind denn aus Deiner Sicht die Vor- und Nachteile dieser Aufgabe?

Gregor Teicher und Kollege Martin Winkler.

Gregor Teicher: Nachteile? Keine! An die häufig wechselnden Arbeitszeiten und wenigen freien Wochenenden gewöhnt man sich schnell und irgendwie gehört das ja einfach auch dazu, wenn man in der Sportbranche arbeitet. Und das wird alles mehr als ausgeglichen dadurch, dass ich das seltene Glück habe, mein Hobby, meine Leidenschaft zum Beruf machen zu dürfen. Darüber hinaus ist das Arbeitsklima im Newsroom wirklich hervorragend und mit den Mädels neben mir komme ich auch prima klar. Das macht’s dann natürlich auch angenehm.

Ruhrbarone: Gibt es unter den Kollegen/innen denn eigentlich auch welche, mit Denen Du dich auch privat gut verstehst, etwas unternimmst? Oder endet der Kontakt mit diesen nach ‚Schichtende‘ regelmäßig an der Gebäudetür des Studios?

Gregor Teicher: Zunächst mal ist das angesichts unseres Schichtsystems tatsächlich nicht ganz leicht, aber klar – es kommt immer wieder mal vor, dass man sich auf einen Kaffee trifft oder abends mal zusammen was unternimmt. Nur ein Beispiel: Unser Neuzugang Christian Düren und ich hatten jetzt versucht einen Termin für ein Abendessen zu finden und haben dafür echt DREI Wochen Vorlauf benötigt. Besser klappt’s da schon bei längerfristig geplanten Events wie Geburtstagen u.ä.

Gregor Teicher im SSNHD-Studio zusammen mit Laura Papendick.

Ruhrbarone: Du bist ja auch ein großer US-Sport-Fan, wie ich von Deinen Beiträgen auf den Sozialen Medien weiß. Was fasziniert dich so sehr daran?

Gregor Teicher:  Das hat natürlich viel mit meinem Studium der Amerikanistik und meinem Jahr in Kalifornien zu tun. Auch die dortige Berichterstattung ist eine ganz andere und die Ansprache an den Zuschauer ist etwas lockerer. Naja, und die NFL ist mein absoluter Liebling. Zwischen September und Anfang Februar sind Sonntagabende heilig! Ich freue mich auch sehr, dass der Sport gerade einen ordentlichen Boom erfährt.

Die Freizeit wird gerne auf dem Wasser verbracht.

Ruhrbarone: Ein Unterschied zur Bundesliga ist ja z.B. auch das sogenannte Draft-System und auch die Einführung eines Salary Caps in Übersee. Das sorgt offensichtlich für deutlich mehr Chancengleichheit in den Ligen. Wäre das nicht auch ein Modell für den Sport hier bei uns in Europa?

Gregor Teicher: Hm, schwierig. Das ist ja schon häufiger thematisiert worden, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ein solches System in Europa praktikabel ist. Dafür sind das US-amerikanische Franchise-System und das europäische Vereinswesen, in dem es ja auch Auf- und Abstiege gibt, einfach zu unterschiedlich.

Ruhrbarone: Ihr berichtet bei Sky ja sehr viel über Fußball. Gibt es Sportarten, die Du dir mehr im Programm bei Euch wünschen würdest? So ganz persönlich….

Gregor Teicher: Wer vorher aufmerksam war, wird sich nicht wundern, dass ich mir allgemein mehr US Sport wünschen würde. Generell bekommen viele Sportarten heutzutage nicht mehr die mediale Aufmerksamkeit wie noch zu meiner Kindheit. Bei olympischen Spielen schauen doch alle gerne mal beim Curling, Ski-Freestyle, Snowboard-Halfpipe, Hockey, Fechten, Rudern, Volleyball & Co. vorbei, oder?

Ruhrbarone: Du hast ja, wie gerade bereits kurz erwähnt, ja u.a. auch in Kalifornien studiert. Was gefiel Dir dort damals ganz besonders? Was könnten wir hier in Deutschland von den Lebensgewohnheiten der Menschen vielleicht sogar verstärkt in unseren Alltag einbauen?

Gregor Teicher: Das war einfach eine großartige Erfahrung, die mich in jeder Beziehung weitergebracht hat. Einen solchen Auslandsaufenthalt kann ich generell wirklich jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat. Und ganz konkret zu den Amerikanern: Ja, uns mag ihre Art oft oberflächlich vorkommen, aber meiner Meinung nach hat’s noch niemandem geschadet, wenn einem im Supermarkt an der Kasse z.B. ein wunderschöner Tag gewünscht wird oder sich Fremde auf der Straße einfach mal grüßen statt sich immer zu ignorieren. Passiert auf dem Campus z.B. ständig. Das hat mir sehr gut gefallen und diese Freundlichkeit war dann auch genau das, was mir am meisten gefehlt hat, als ich wieder zurück in Deutschland war.

Ruhrbarone: Du kommst ja ursprünglich aus dem Rheinland, besuchst es auch noch immer regelmäßig, wie ich gesehen habe. Was vermisst Du in München am meisten? Vermisst man überhaupt etwas aus NRW, wenn man in Bayern lebt?

Gregor Teicher: Nicht-Rheinländer können es wahrscheinlich schon nicht mehr hören, aber wir sind schon ein sehr spezieller Menschenschlag: offen, gesellig, kontaktfreudig, wir gehen gerne auf andere Leute zu und holen sie ins gemeinsame Boot. Und das gilt nicht nur im Karneval. Da musste ich hier im Freistaat anfangs schon Abstriche machen, aber nach über fünf Jahren komme ich mit den „Batzis“ ganz gut zurecht. Tatsächlich bin ich inzwischen so „vermünchnert“, dass ich mich jetzt bei Heimatbesuchen erst wieder an die ganzen rheinischen Frohnaturen gewöhnen muss.

Ruhrbarone: Du hast neulich mal geschrieben, dass Du SSNHD noch lange erhalten bleiben möchtest. Gibt es trotzdem ein berufliches Ziel, welches Du noch irgendwann einmal erreichen möchtest?

Gregor Teicher: Sich stetig weiterzuentwickeln und sich neuen Herausforderungen zu stellen ist doch für uns alle Motor und Motivation, da stelle auch ich keine Ausnahme dar. Bei Sky fühle ich mich aber in der Tat pudelwohl! Und mit gelegentlichen Außeneinsätzen wie zuletzt etwa bei den  LAUREUS Sports Awards und beim Handball in der EHF Champions League bin ich schon ganz nah dran am Idealzustand…

Ruhrbarone: Verrätst Du uns zum Schluss vielleicht auch noch welche drei Sportveranstaltungen Du zuletzt live in einem  Stadion angeschaut hast? Und wo möchtest Du unbedingt noch einmal vor Ort mit dabei sein, wenn Du die freie Wahl hättest?

Gregor Teicher: 1860 gegen Fortuna (1:3), die Bayern in der CL-Gruppenphase zuhause gegen Rostow (5:0) und „Wake the Line“ im Kölner Stadionbad. Hat alles drei sehr viel Spaß gemacht. Auf meiner „Bucket List“ ganz oben steht natürlich der Super Bowl. Ich habe  schon eine ganze Menge NFL-Spiele live im Stadion erleben können, aber der fehlt mir leider immer noch.

Ruhrbarone: Na, dann wünschen wir Dir, dass Du es baldmöglichst auch mal dorthin schaffst! Danke für das nette Interview, Gregor!

 

3 Kommentare

Sorry, aber meint der das ernst? Eigentlich muss es heute doch heißen: „Häufig wechselnde Arbeitszeiten und wenige freie Wochenenden gehören einfach dazu, wenn man arbeitet“;-)

@Klaus: Ich kenne schon noch reichlich Leute die von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr arbeiten und dann, egal was gerade los ist, den Stift oder Hammer fallen lassen (können).

Robin, das mag ja sein und die kenne ich auch. Nur bezweifle ich, dass solche Leute einen eher kreativen Job oder generell mit Medienproduktionen zu tun haben. Außer natürlich beim WDR;-)

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