Goretzka-Abgang – BVB und S04 sind eben noch immer nur relative kleine Fische im Profifußball

Christian Heidel (li.) muss ab Sommer ohne Leon Goretzka planen. Foto: Robin Patzwaldt

Seit dem Vormittag ist es also amtlich, Nationalspieler Leon Goretzka vom FC Schalke 04 wechselt im kommenden Sommer nun auch ganz offiziell zum Rekordmeister, dem FC Bayern München. Damit findet ein wochen- ja sogar monatelanges und ziemlich unwürdiges Schauspiel ein zumindest vorläufiges, hoffentlich aber wirklich endgültiges Ende. 

Auf Schalke bekommt man in diesen Stunden also wieder einmal aufgezeigt, dass der traditionsreiche Revierklub halt doch noch immer keine wirklich ganz so große Nummer im Weltfußball ist. Auch wenn viele seiner Fans das ja noch immer sehr gerne glauben möchten.

Wenige Kilometer weiter, beim BVB, macht der Fußballfreund in diesen Tagen ganz ähnliche Erfahrungen. Seit gefühlten Ewigkeiten schon pokert dort Stürmerstar P.-E. Aubameyang um seine sportliche Zukunft. Trotz eines Vertrages in Dortmund, der offiziell noch jahrelang gültig ist.

Die Situation um den Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison eskalierte in den letzten Tagen bedenklich. Für das Auswärtsspiel am heutigen Freitag in Berlin bei Hertha BSC steht der Gabuner gar nicht erst im Kader des Pokalsiegers, flog am Donnerstag nicht mit dem Team in die Bundeshauptstadt. Auch hier sind die Fans vom Verhalten des Spielers genervt und bitter enttäuscht, da der Verein einfach kein Mittel findet Ruhe in die Angelegenheit zu bekommen, ein wirkliches Bekenntnis des Kickers zum Verein ausbleibt.

Beide Revierclubs, sonst immer auf ihre Bedeutung und Tradition in der Fußballwelt extrem stolz, müssen in diesen Tagen also fast gleichzeitig etwas kleinlaut erkennen, dass ihre Strahlkraft im europäischen Spitzenfußball für die wirklichen Top-Spieler noch immer eher begrenzt ist.

Ist ein Spieler wirklich gut, dann pfeift er immer häufiger auf tolle Stimmung, große Tradition, unvergleichliche Begeisterung im Ruhrgebiet. Obwohl die Fußballromantiker diese Tendenzen lauthals beklagen.

Letztendlich sind sich die Entwicklungen bei beiden großen Reviervereinen diesbezüglich gar nicht so unähnlich. Bis zu einem gewissen Grade werden beide von guten Spielern für ihre Karriere gerne genutzt. Wenn es aber ganz nach oben gehen soll, dann sind sie nicht mehr gut genug für viele, um diesen letzten großen Schritt zu gehen, auch um an die ganz großen Geldtöpfe zu gelangen.

Schade, aber offenbar seit Jahren nicht wirklich zu ändern. Und so gesehen sind sich Christian Heidel und Aki Watzke im Alltag auch näher als sie manchmal öffentlich vielleicht einräumen möchten. Es gibt für beide Klubs in diesen Tagen noch immer eine gigantische Lücke zur absoluten Spitze, die es zu schließen gilt. Zumindest dann,  wenn man das denn will und für die Zukunft nicht ganz auf die Karte der häufig beschworenen Fußballromantik setzen möchte.

7 Kommentare

München und London vs. Dortmund und Gelsenkirchen – ähem, welchen jungen Star-Fußballer, der die (Luxus-)Welt sehen möchte oder schon ein wenig gesehen hat, plagen da bitte Fragen bez. eines Verbleibs in der Industriebrachen-Provinz??

Ein weltstädtisches Flair mit einem *international* arbeitenden Verein, der seinen Angestellten nicht irgendwelche folkloristisch-überkommenen "Malocher"-Bekenntnisse abverlangt, lässt sich nun mal nicht mit viel Ablöse/Gehalt und riesiger Stehplatztribüne simulieren.

Einen Wechsel nach Bayern, Real, Barca, United, City, Atletico kann ich nachvollziehen. Hier hat der Bvb einen hinteren Platz. Schalke sucht man dann in den noch abgeschlagenen Rängen.

Anziehungsfaktoren können dann noch Aufsteiger in den Ligen mit Potenzial und Tradition sein (z.B. Liverpool) und Projekte (PSG).

In dieser Liste passt aber bspw. kein Arsenal. Es ist ein Club mit Tradition, der in den letzten Jahren eher erfolglos war. OK er zahlt gut, schätzt einen neuen Spieler beim monatlichen Gehalt, aber die dazu angebotene Ablösesumme aus der Presse passt nicht.
60 Mio Ablöse bei 10 Mio Netto Verdienst und einem langen bestehenden Vertrag sind einfach kein gutes Verhältnis für den Noch-Club.
Auch müssten die Arbeitgeber eigentlich solidarisch sein und Verträge schätzen. Dafür sind aber wohl zu viele persönliche Interessen im Spiel und Beraterprovisionen, die das Wechselfieber befruchten. Also ist auch weiter von der Macht der Spieler auszugehen.

Insgesamt stellt sich für alle BL-Clubs die Frage, wie es mit der Rest-Liga hinter Bayern weitergeht. Hier kann eigentlich insbesondere auch die UEFA mit besseren Verteilschlüsseln für die CL die Wettbewerbsfähigkeit der Ligen wiederherstellen, wenn überhaupt starke nationale Ligen gewünscht sind. Evtl. will man doch die Europa-Liga.

BTW: Die Situation ist nicht vergleichbar. Ich habe schon viele BvB Meisterschaften erlebt, aber ….

@1: Dann wird sicherlich bald die VAE – Liga interessant. Eine große sterile Glitzerwelt ohne Tradition und Herz.

GE und DO sind sicherlich nicht mit den Metropolen vergleichbar. Der Raum Rhein/Ruhr hat hier aber schon einiges zu bieten, was andere Metropolen nicht haben. Schmuddelecken gibt es auch überall.

Robin,
ja, der BVB und So4 sind kleine Fische -jedenfalls relativ kleine im Verhältnis zu…? Z.B. im Verhältnis zu 5/6 Spitzenclubs der engl.Liga, im Verhältnis zu Juve, zu Paris und erstrecht zu Barca und Real, aber eben auch im Vergleich mit dem FC Bayern. Und das bezieht sich sowohl auf das finanzielle Potential als auch auf die damit einhergehende spielerische Klasse -als Dauerzustand!

Ganz kleine Fische sind der BVB und So4 aber auch im Vergleich zu Vereinen in China -u.in Katar-, wenn es um die finanziellen Mäöglichkeiten der Vereine geht, internationales Spitzenpersonal zu halten oder zu verpflichten. Dass in Wettbewerb mit diesen Clubs um Spitzenpersonal die führenden europäischen Vereiner bisher obsiegen, liegt nicht nur an deren ebenfalls unbegrenzt erscheinenden finanziellen Mitteln und Möglichkeiten – sh. Neymar, sh. Messi, sh. Rolando, sondern auch daran, daß diese Vereine -anders als die in China oder in Katar- ihrem Spitzenpersonal am jeden Wochenende die Möglichkeit bieten, sich weltweit als "das Beste vom Besten " präsentieren , um so den Marktwert positiv beeinflussen zu können.

Keine neuen Erkenntnisse.
Dann und wann werden wir Fans aus aktuellen Anlässen auf diese Erkenntnisse hingewiesen bzw. an sie erinnert -sh.Goretzka, sh. Auba, sh….-.
Für mich als BVB-Fan führt das regelmäßig – sh.Lewandowsky, sh. Dembele, sh…-zunächst zur Enttäuschung, zu einem gewissen Maße sogar zu Ärger , aber davon bringen mich dann die o.a. skizzierten Erkenntnisse -die Einsicht in die Realitäten- relativ schnell wieder ab.
"Ett iss wie ett iss" – und wir können es nicht ändern.

Robin, ich stimme Dir zu, wenn Du daran erinnerst, daß Watzke und Heidel anders als wir Fans ihrer Verantwortung wegen gehalten sind, ihre "Vereinspolitik", z.B. beim Ein- und Verkauf neuer Spieler, an diesen Realitäten auszurichten. Und das tun sie offenkundig -sh.jetzt Verkauf Goretzka und -wie es aussieht- Auba. Das mag den einen oder den anderen Fan ärgern, ist aber "alternativlos".

ke
Ich denke, die skizzierten Probleme des BVB und von S04 haben nicht, jedenfalls nicht primär, mit der gesamtgesellschaftlich, mit der gesamtwirtschaftlich, mit der sozial problematischen Situation im Ruhrgebiet zu tun.
Abgesehen von Münchnen haben alle sog. Boom-Regionen in Deutschland keine Spitzenmannschaften, mit denen der BVB und mit denen So4 nicht mithalten könnten -sh.Hamburg, sh. Frankfurt, sh.Berlin, und Leipzig ist bekanntlich nicht deshalb zu einem Spitzenclub geworden, weil die Region-Leipzig boomt, sondern weil ein Investor zu Werbezwecken neben seinem Engagement in der Formel 1 -und anderswo- einen Fußball-Verein haben wollte, der dauerhaft in der europäischen Spitzenklasse präsent sein soll. Auch darüber mögen sich BVB und 04 Fans ärgern, z.B. wenn es um den Kauf-/Verkauf von Spielern geht, nur ändern läßt sich auch das durch uns Fans nicht -evtl. durch den DFB, indem er konsequenter auf die Einhaltung der von ihm aufgestellten Regeln achtet.

Wie kann man in der Hinsicht Dortmund und Schalke auf eine Stufe stellen? Dortmund hat das Problem, dass die Bundesliga so unausgeglichen ist und Bayern ein Abo auf die Meisterschaft hat, abgesehen vom Pokal gibt es hier keine reale Aussicht auf einen Titel. Trotzdem kann Dortmund Spieler holen, die bei einem Schalker Angebot dankend ablehnen würden. Dass Spieler ihren Verein verlassen wollen, um anderswo mehr Geld zu verdienen, hat selbst der große FC Barcelona erfahren müssen. Und bei Ablösen von 100+ Mio Euro kommt auch Bayern München ins Schwitzen. Diese gigantische Lücke zur Weltspitze gilt es auch nicht zu schließen, das ist finanziell einfach nicht machbar. Wenn überhaupt gilt es, nicht völlig den Anschluss zu verlieren, die Entwicklung im Fußball der letzten 5 Jahre lässt aber eher auf das Gegenteil schließen. Schalke jedoch hat den Anschluss schon längst verloren, bzw war bis auf ein oder zwei Ausnahme Saisons nie auch nur in der Nähe. Die Anhänger mögen das größtenteils anders sehen, aber der HSV fabuliert auch jede Saison aufs Neue vom internationalen Geschäft, landet dann aber doch wieder in der Relegation.

Leo,
als BVBer freut es mich ja, wenn Sie herausstellen, daß S04 wirtschaftlich, sportlich, im internationalen Ranking hinter dem BVB einzuordnen ist.
Aber, und da stimme ich eben Robin Patzwald zu, beide Vereine scheinen mir vergleichbare, sich ähnelnde Probleme zu haben, wenn es darum geht, ihre dauerhafte Konkurrenzfähigkeit -national/international- zu bewerten -mit graduellen Vorteilen für den BVB? Ja, das dürfte so sein. Gibt es auch strukturelle Vorteile für den BVB gegenüber S04 mit Dauerwirkung -Champ,.Lig? Da bin ich mir leider nicht mehr ganz so sicher.

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