Globuli: Kein Zucker auf Rezept!

In Antigua und Barbuda wird sogar vor Homöopathen gewarnt! (Foto: David Stanley / Flickr / CC-BY 2.0)
In Antigua und Barbuda wird sogar vor Homöopathen gewarnt! (Foto: David Stanley / Flickr / CC-BY 2.0)

Gesundheit – wer in Deutschland eine psychische Störung hat, wartet mitunter bis zu einem Dreivierteljahr auf einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten. Kranke Menschen erhalten so oftmals nicht zeitnah wirksame Behandlung.
Hingegen ist es kein Problem,  “magische” Zuckerkügelchen zu erhalten – für die die Allgemeinheit zahlen muss. Das soll sich jetzt ändern.

Zumindest, wenn es nach Petition 58168 an den Bundestag geht.
Denn hierin wird gefordert:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass homöopathische Behandlungsmethoden nicht mehr als Satzungsleistung von gesetzlichen Krankenkassen gezahlt werden dürfen.

Zur Begründung heisst es unter anderem:

Es gibt keinen Wirkungsnachweis für homöopathische Behandlungen.

Im Gegenteil: über 150 methodisch akkurate klinische Studien der letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass homöopathische Mittel Scheinmedikamente sind. Die behauptete Wirkweise steht mit der heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnis in krassem Widerspruch.

Kurz gefasst: Kein Zucker auf Rezept.
Wer sich der Petition anschliessen will, kann dies hier tun.

23 Kommentare

Nein, die Allgemeinheit muss eben nicht zahlen. Das wird durch Zusatzversicherungen abgedeckt, das zahlen also die, die es wollen, selbst.

Das Eine (warten auf Therapieplatz) hat mit dem anderen (Konsultation eines Homöopathen) doch überhaupt nichts zu tun. Schwaches Intro einer Kritik an Homöopathie wie ich finde.
Und wofür zahlt die Allgemeinheit? Konsultation bei einem Homöopathen zahlt der Patient selbst ebenso wie die Globuli. Manche Kassen bieten Zusatzpakete an für diese Behanndlung.

Inwiefern zahlt die Allgemeinheit für Krankenkassenleistungen?
Davon einmal abgesehen ist das natürlich ein bequemes weil pauschalisierendes Totschlag-Argument. So schön pauschalisierend wie ein Breitband-Antibiotikum.

Ich hab vor ein paar Jahren mal nach einer schwurbelfreien Krankekasse gesucht, die definitiv nichts aus der Esoterik-Medizin zahlt. Ich hab keine gefunden, die haben aus Marketing-Gründen alle irgendwo was mit reingepackt..

Ich bezweifle, dass es Globuli auf Rezept gibt. Auch das scheint mir eine verkehrte Formuierung. Nur Wirkstoffe können als rezeptpflichtig erklärt werden.

Umso wichtiger und richtiger, dass die Allgemeinheit nicht für diesen Hokuspokus aufkommen muss.

Meines Wissens bieten Krankenversicherungen sehr gerne Homöopathieleistungen an, weil das eine attraktive Kundschaft anlockt: Junge Gutverdiener, die selten richtig (= teuer) krank sind. Das sorgt für ein hübsches Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis bei der KV.

Welche intention hat der artikel?waehrend meiner hep c triple therapie hatte der schulmediziner nur weitere tabletten und cortisonhaltige salbe fuer die magrenschmerzen hautekzeme uebrig( insgeamt triple therapie woechentliche spritze und tgl.10tabletten mit nenenwirkungen von juckreiz bis krebs)
Mein anthroarzt hatte ein homooepathisches pulver gegen die magenschmerzen gegen den juckreiz habe ich mir gewuenscht dass die haare sttattdessen ausfallen- hat geklappt war ertragbarer. Therapie hab ich uebetstanden und musste nicht wie so viele abbrechen was ich nicht geschafft haette ohne das magen pulver
ich werde weiterhin mischen. Aber ich muss die homooepathischen mittel selbst zahlen

Es scheint mir ein Phänomen, dass man sich in manchen Kreisen immer wieder auf die Klassische Homöopathie einschießt als wäre es der esoterische Beelzebub. Ist er gar nicht, da sehe ich weitaus größere Probleme, was “die Allgemeinheit” über einen Teil ihrer Steuern mitfinanziert.
Mich stört gar nicht die grundlegende Kritik an der Homöopathie, wenn sie sachlich und wissenschaftlich erfolgt. Aber diese ewige Stimmungsmache… wozu soll die eigentlich gut sein?
Ansonsten sehe ich es wie Andi-ist sicher ne Prestige-Entscheidung seitens mancher Kassen. Und allzu sehr wird es vermutlich auch nicht in Anspruch genommen, denn eine Kasse will sicherlich nicht draufzahlen.
Weitaus kritischer sehe ich andere Bereiche-Abbau von Zahnersatzleistungen, Weigerung der Kostenübernahme bei anerkannten Verfahren sowie allzu schnelle Verordnungen von Ritalin bspw.
Aber gut, das Thema war ein anderes hier. Homöapathie ist u.a. deshalb so interessant, weil der Arzt sich Zeit nimmt.

@ Jessica #10

Jessica schreibt: “Homöapathie ist u.a. deshalb so interessant, weil der Arzt sich Zeit nimmt.”

Klasse. Der Arzt nimmt sich Zeit – viel Zeit – um was zu tun? Um NICHTS zu verordnen.”

Solche Ärzte brauchen wir. Noch besser vielleicht Ärzte mit einer Fortbildung in Handlesen:

“Du musst wissen, Handlesen, Horoskop, Feng Sushi, das sind heute weit verbreitete Krankheiten, wo man aufpassen muss, dass man sich nichts holt. Da wird viel eingeschleppt durch den Sioux-Tourismus, wo sie extra nach Amerika fliegen, damit sie den Indianern auf den Geist gehen, weil eine Ärztin macht im zweiten Bildungsweg Handlesen, oder ein Bankdirektor ist einfach froh, wenn er weiß, meine Frau ist beim Voodoo gut aufgehoben.”

Wolf Haas, “Das ewige Leben”

Die AOK bezahlt auch pro Person bis zu 150 € im Jahr für homöopatische und antroposophische Mittel, man muss selbst nur 20 % zuzahlen. Die nennen das dreist “Naturarzneimittel”, obwohl in homöo. Mitteln doch nichts drin ist, was natürlich wirken kann.
https://www.aok.de/nordwest/leistungen-service/leistungen-naturarzneimittel-210913.php
Das ist die stinknormale gesetzliche Versicherung und keine Zusatzversicherung. Das heißt alle Harz4-ler, die ihre Krankenkasse gezahlt bekommen und bei einer dieser Versicherungen mit “Geschwurbel” sind, zahlen diese homöo. Mittel mit. In den ganz großen Versicheungen sind auch sehr viele Rentner, die vielleicht gar nichts von diesen trendigen Mitteln wissen, aber sie zahlen das ja auch mit ihren Krankenkassenkosten.

Ich kenne keine Zahlen, aber es würde doch bestimmt etwas ausmachen, wenn man alle Krankenkassen esoterikfrei machen würde und das Geld in etwas wirklich Hilfreiches stecken würde.

@danebod: Die niedergelassenen Ärtze auf diesen Listen haben eine normale Kassenzulassung und Homöopathie als *Zusatz*ausbildung und können *deswegen* homöopathische Leistungen verschreiben, wenn es die Kassen bezahlen – was sie ja nach den anderen Kommentaren und Links hier durchaus und reichlich tun. D.h. es gibt auch in der Fläche mittlerweile reichlich Gelegenheit, für unwirksamen Unfug die zahlende Solidargemeinschaft der Krankenversicherten zu schröpfen.

Eingebildete Krankheiten werden durch Einbildung geheilt. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, solange Einbilder und Eingebildete andere damit nicht belästigen und für die Kosten der Einbildung selbst aufkommen.

Wir leben in einem freien Land, in der jeder gesetzlich Krankenversicherte seit 1996 seine Krankenkasse frei wählen kann. Jeder Wutbürger, dem gerade der Kragen platzt, weil er feststellt, dass seine Krankenversicherung als Zusatzleistung homöopathische Behandlungsmethoden bezahlt, kann seine gesetzliche Krankenkasse ohne großen Aufwand wechseln. Die Höhe des Beitrages ändert sich dadurch nicht, man muss einfach nur seine Glutealregion hochbekommen, woran das Vorhaben bei den meisten aber vermutlich scheitern wird.

@Andi (#7)

“Meines Wissens bieten Krankenversicherungen sehr gerne Homöopathieleistungen an, weil das eine attraktive Kundschaft anlockt: Junge Gutverdiener”

Genau so ist es. Je mehr Einnahmen eine Krankenkasse hat, um so mehr kann sie leisten. Je jünger und gesünder die Mitglieder sind, um so besser für die Krankenkasse, denn wer jung ist zahlt noch lange ein und wer gesund ist, der kostet nicht viel.
Jeder rational denkende Mensch (und bei einer Krankenkasse arbeiten jede Menge Ärzte, Pharmazeuten, Volks- und Betriebswirte, Mathematiker und Statistiker) weiß, dass Homöopathische Mittelchen nicht wirken. Wenn sich also jemand einbildet, er wäre von solchen Mittelchen gesund geworden, dann liegt der Verdacht nahe, dass er gar nicht wirklich krank war. Bessere Mitglieder kann sich eine Krankenkasse kaum wünschen.

Genau so ist es, DDA. Einbildung ist ein großartiges Geschäftsmodell. Kann man an den großen Religionsdienstleistern dieser Welt seit Jahrtausenden bestens studieren. 🙂

@Klaus Lohmann: Die Ärzte können, ob mit oder ohne Kassenzulassung, nur verschreiben, was verschreibungspflichtig ist. Ohne Kassenzulassung haben sie halt nur Privatpatienten. Ich bezweifle nach wie vor, dass Rezepte für homöpathische Magie in relevanter Anzahl ausgestellt werden können. Für nicht rezeptpflichtige Mittel, ob homöopathisch oder nicht, gibt’s halt kein Rezept. Wenn der Arzt meint, du solltest mehr Vitamine aufnehmen, verschreibt er dir keinen Apfel vom Obsthändler sondern gibt dir einen Ernährungstipp.

Abgerechnet werden homöopathische Rezepte also höchsten in marginalen Summen. Der Punkt ist, dass Krankenkassen den Rest der “Behandlung” vergüten. Da habe ich keine Lust, mit meinen Krankenkassenbeiträgen (ich bin in der gesetzlichen) esoterische Scharlatanerie und Quacksalberei mit zu bezahlen.

@danebod: Mir ist schon klar, dass homöopath. Zusatzleistungen für den Kassenarzt mehr bringen, wenn es um die “Drumherum”-Leistungen wie z.B. Arztgespräch, homöopathische “Diagnosen” und “Therapie-Erarbeitungen” geht.

@ Klaus Lohmann (#22):
Ja, eben, Leute mit höherem Einkommen aber ohne höhere Behandlungskosten (im Durchschnitt wenig bis keine Pflegedienstleistungen, Apparatemedizin und/oder besondere Medikamente). Betriebswirtschaftlich ist das zweifellos attraktiv.

Kommentar verfassen