Gewalttätige Fußballchaoten schaden ihren eigenen Anliegen derzeit massiv

Das derzeitige Stadion von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Philipp, Lizenz: CC BY 2.0
Das derzeitige Stadion von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Philipp, Lizenz: CC BY 2.0

In den letzten Tagen haben sich einige unverbesserliche Chaoten wiederholt in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit in Sachen Fußballtagesgeschäft gebracht. Gut in Erinnerung sind uns allen sicherlich aktuell noch die tätlichen Übergriffe auf TV-Kommentator Marcel Reif in der Vorwoche.
Ganz aktuell geben nun diverse Geschehnisse rund um den von vielen Fußballtraditionalisten ungeliebten Zweitligisten RB Leipzig wahrlich auch kein besseres Bild ab. Ganz im Gegenteil!

Zwar handelt es sich dabei vordergründig um eine ganz ‘andere Baustelle’, wollen diese radikalen Interessenvertreter hier nicht einen einzelnen Kommentator einschüchtern und am liebsten mundtot machen, sondern am liebsten gleich einen ganzen Club wieder in der sportlichen Versenkung verschwinden sehen, der nicht ihrem Weltbild vom Fußball zu entsprechen scheint, doch eint beide Vorgänge dabei doch eine ganz große Gemeinsamkeit: Gewalt soll offenbar bei einigen nun Argumente ersetzen, was natürlich immer und grundsätzlich der pure Wahnsinn ist.

 

Der daraus resultierende Bumerang-Effekt schädigt nämlich nicht, wie von dieser radikalen Minderheit gewünscht, den jeweiligen ‚Hassobjekten‘ Marcel Reif oder RB Leipzig, sondern führt bei vielen bisher eher Unbeteiligten eher zu einer Solidarisierung mit dem Angegriffenen.

 
Als Anhänger von RB Leipzig, dem vom Österreichischen Brausekonzern Red Bull massiv unterstützten Fußballclub, hat man sich an mehr oder weniger kreative Protestaktionen gegen den eigen Club schon gewöhnen müssen. Entsprechende Spruchbänder, Fanboykott und Sprechchöre gegen den mit viel Geld künstlich gepushten Verein, das Alles ist man inzwischen gewöhnt. Da dies bisher aber offenbar nicht den von den Kritikern gewünschten Erfolg zeigt, griffen einige besonders radikale Gegner dieser Entwicklung zuletzt immer häufiger zu direkten Attacken gegen das Feindbild.

 
Jüngste Eskalationen in Karlsruhe, beim Montagsspiel der 2. Liga, setzten da ganz neue Maßstäbe. Zunächst drangen Randalierer in das Mannschaftshotel der Leipziger ein, dann blockierten zig Personen auch den Mannschaftsbus der Gäste, hinderten ihn an der Weiterfahrt. Sie zwangen ihr Team sogar einen beim Spiel gemachten freundschaftlichen Trikottausch mit dem Gegner rückgängig zu machen. Ein inzwischen vom KSC bestätigter Vorfall, der eine direkte Erpressung der eigenen Mannschaft darstellt. Vorfälle, die einen sprachlos werden lassen und den Widerstand gegen RB auf eine neue Ebene hievten.
Kein Wunder also, dass Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig, nach den jüngsten Anfeindungen gegen seinen Club “klare und harte Sanktionen” gegen die Gewalttäter unter den Fans fordert:
“Klar ist, dass man nach diesen Vorfällen nicht zur Tagesordnung übergehen kann”, sagte er z.B. der Leipziger Volkszeitung: “Es gibt momentan eine sehr starke Zunahme der Gewaltbereitschaft. Bei uns in Deutschland werden Fans nicht hart genug bestraft. Vereine, Verbände und der Staat müssen daran arbeiten.”
Er sei schon “über 20 Jahre im Geschäft und einigermaßen abgehärtet”, wie auch Sport1 von ihm aktuell berichtet: “Aber was in Karlsruhe passiert ist, hat mit Protesten nichts mehr zu tun. Momentan überschreiten die Chaoten klare Grenzen. So etwas habe ich noch nicht erlebt, das war der blanke Hass.”

 
Und da ist sie dann wieder, die deutliche Parallele mit den Vorfällen rund um den Kommentator Marcel Reif in Dortmund und Dresden. „Der blanke Hass“, ein Begriff der auch in der Angelegenheit Reif immer wieder fiel, scheint sich da aktuell bei einigen ‚Fans‘ Bahn zu brechen.
Natürlich ist das nur eine krasse Minderheit, doch beschädigen sie aktuell eben so nicht nur massiv das gesamte Bild der Sportart in der öffentlichen Wahrnehmung, sie schaden so auch ihrem eigenen Anliegen!

Marcel Reif als Kommentator, der seinen Vertrag beim Sender ‚Sky‘ erst kürzlich verlängerte, und RB Leipzig als vermutlich zukünftiger Spitzenclub im deutschen Fußball, werden sich so jedenfalls nicht verhindern lassen. Und das ist, bei aller grundsätzlich vielleicht auch berechtigten Kritik an ihnen, auch gut und richtig so!

7 Kommentare

Oh man, dieser empörte Boulevardsprech jetzt auch immer öfter auf Ruhrbarone… “Unverbesserliche Chaoten” und so. Grundlegende Regeln des Journalismus mißachtend! Wie wäre es vielmehr mit “mutmaßliche Straftäter” o.ä.??

Auch hier sind es wieder ein paar Mitbürger, die ohne Konsequenzen agieren können.
Insbesondere bei Taten im Stadion fehlt mir jedes Verständnis, dass die Täter so selten ermittelt werden.
Ein eingezäunter Bereich und viele hochauflösende Kameras sollten nicht ausreichen?

Wer die das Problem nicht an den Wurzeln angeht, braucht auch keine Image Kampagnen etc. starten oder sich über die Belastung der Polizei beschweren .

Die Situation ist vergleichbar mit vielen anderen aktuellen Problemen, wo kleine Gruppen, ganze Vereine, Städte etc. das Image zerstören und teilweise sogar Menschen verletzen. Hier ist der Staat gefragt.

Robin,
wir .u.a. die BVB-Fans, fragen uns ja seit langem, was denn “die eigenen Anliegen gewalttätiger Fußball-chaoten” sind. Ich weiß es nicht.

@Walter: Da gibt es sicherlich auch keine einfache Antwort drauf. Hier in diesem Zusammenhang meine ich natürlich den Wunsch nach einer Art ‚Kommentarverbot‘ für Marcel Reif, wie es u.a. ja eine große Facebook-Gruppe fordert(e) und den Wunsch vieler Fans RB Leipzig am liebsten irgendwie wieder loszuwerden. Gewalttaten jedweder Art sorgen in diesen Fragen aber sicherlich dafür, dass die Chancen auf eine Realisierung dieser Bestrebungen, ob sie einem nun vernünftig erscheinen, oder auch nicht, so sicher eher kleiner als größer werden. Durch solche Übergriffe und Gewaltauswüchse diskreditieren wenige Chaoten den Wunsch einer wesentlich größeren Gruppe. Das es unter den Millionen von Fußballfans aber sicherlich auch unzweifelhaft viel zu viele Leute gibt, denen es schlicht um reine Gewalt, egal warum, geht, ist uns allen hier natürlich wohl auch klar.

In Spanien wird seit dem Mord an einem Ultra durch andere Ultras vom Dezember letzten Jahres sehr ernsthaft über ein Verbot von Ultras in den heimischen Stadien diskutiert. Die spanischen PrimeraD-Vereine haben Riesenschiss, dass diese Diskussion bei ihnen zu massiven Umsatzeinbußen führt. Das Verbot wird sich aber auf Dauer nicht vermeiden lassen, weil gerade die “Aufpasser” und “Ausbügler”, also die spanischen Polizeikräfte an einem solchen Verbot mehr als interessiert sind.

Und das erwartet unseren Fußball hier aus dumpfer Gleichgültigkeit der vorgeblichen “Fans” mit ihren Permanent-Synchronisationen von Wett-Portalen und der peinlich “verspritzten” Spätpubertät ebenso. Morgen. Oder spätestens in ein, maximal zwei Jahren. Punkt.

Die jüngste Eskalation, das Eindringen von Randalierern in das Mannschaftshotel der Leipziger Mannschaft wurde aber doch von dem Hotelmanager wie auch der zuständigen Polizeiinspektion mittlerweile verneint? Lügt da jemand bewusst?

Ganz abgesehen davon. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat doch der DFB (oder die DFL) im Sommer letzten Jahres selber für eine Verschärfung der Situation gesorgt, als er die Regularien zur Zulassung des Vereins aus Leipzig zur 2. Bundesliga bis zum Erbrechen flexibel ausgelegt hat, dass der Verein sowohl an seiner Satzung wie auch an seinem Logo nur minimale Änderungen durchführen musste.

Kommentar verfassen