Geschäftsmodell Kultur?

Icono Normativa – Raúl Ruano Ruiz – CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Der Bundesgerichtshof hat im Rahmen eines Verfahrens (Klage des Autors Martin Vogel) heute Morgen entschieden, dass etwaige Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften nicht zwischen Urheber und Verlag aufgeteilt werden können. Die Ausschüttungen stünden allein dem jeweiligen Urheber zu.

Aufgebracht reagierte der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Alexander Skipis, Vorsteher des Verbandes, fordert eine Korretur, weil ‘sonst die Insolvenz etlicher kleiner und mittlerer Verlage drohe’. Erläutert wird die Ausschüttung mit dem Hinweis, dass ‘die Ausschüttungen der VG Wort für Werke gelte, bei denen Verlage Satz, Druck, Lektorat, Marketing, Werbung und Vertrieb auf eigenes Risiko finanziert hätten und die ohne diese Leistungen überhaupt nicht genutzt werden könnten. Sie gelten nicht für Manuskripte der Autoren’.

Wirtschaftlich sind Investitionen jedoch keineswegs unüblich, ob bei der industriellen Produktion von Margarine, PKWs oder Büchern. Auch der betriebliche Aufwand zur Herstellung eines Produktes ist bei Büchern nichts Außergewöhnliches, sondern der möglicherweise geringere Absatz. Das Urteil stellt ein spezielles Geschäftsmodell in Frage, auf das besonders Druck-Verlage bislang vertrauen konnten: an den Ausschüttungen der VG-Wort beteiligt zu werden, die durch die Kopierabgabe finanziert wurden. Würde das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr gelten, könnte es zu einer Spreizung auf dem Markt kommen, in Konzerne und in Kleinstverlage, letztere würden nur durch ein Engagement überleben können, das nicht wirtschaftlich motiviert ist, ob mit Druck- oder Digitalprodukten, erstere könnten versuchen, sich auf eine Bedienung von literarisch unrelevanten Massenmärkten zu beschränken.

Der Börsenverein sieht eine sogenannte ‘Verlagskultur’ in Gefahr. Eine ‘Kultur’ beansprucht jedoch so gut wie jeder Betrieb. Vokabeln wie ‘Unternehmenskultur’ sind längst geläufig, auch in der IT-Branche. Mit ‘Kultur’ lässt sich nicht einmal mehr Marketing betreiben; es handelt sich nur um eine redundante Floskel. Mark Ammern hat sie in einem Essay kürzlich zerlegt, unter Berücksichtigung der umfänglichen Geschichte.

Falls den betroffenen Verlagen keine zeitgemäßen Lösungen einfallen, geschäftlich als auch hinsichtlich ihrer Ausrichtungen, wird es vermutlich zu jener Marktspreizung kommen, die auch zu einer Ausdünnung des Händlernetzes beitragen wird, vor allem aber eine konservative Clientel murren lassen wird.

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