Gelsenkirchen: Podiumsdiskussion über Antisemitismus – „Zwischen Abgrund und Aufbruch“

Schalker Fans zeigen Flagge. Foto: Michael Kamps
Schalker Fans zeigen Flagge. Foto: Michael Kamps

Wieder einmal wirft eine sehr spannende Veranstaltung im Umfeld des FC Schalke 04 aktuell ihre Schatten voraus: Das Schalker Fanprojekt lädt aktuell zu einer Podiumsdiskussion ein. Dabei will man sich mit der Fragestellung beschäftigen, wie antisemitische Vorurteile im Fußball ein Ventil finden und wie man ihnen frühzeitig begegnen sollte.
Hierzu soll es in der nächsten Woche bei einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion über antisemitische Vorurteile in die Neue Synagoge Gelsenkirchen, Georgstr. 2 gehen.
Ganz konkret heißt es in der Einladung: “Der Vorfall ist nur wenige Monate her, darf aber nicht vergessen werden: im Juli 2014 wurde die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen attackiert, sie erhielt Drohungen im Internet. Ein Einzelfall? Keineswegs. In Deutschland hat es 2014 laut der Amadeu-Antonio-Stiftung 1076 antisemitische Straftaten gegeben – ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Fans und Mitarbeiter des FC Schalke 04 wollen nun gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde ein Zeichen setzen, siebzig Jahre nach der Befreiung von den Nationalsozialisten. Denn immer wieder wird auch im Fußball die Meinung geäußert, dass die Judenfeindschaft verschwunden sei. Der Berliner Journalist Ronny Blaschke, der für seine Arbeit über Gewalt und Menschenfeindlichkeit im Fußball 2013 mit dem Julius-Hirsch-Ehrenpreis des DFB ausgezeichnet worden ist, möchte in seinem Eingangsvortrag anhand vieler Vorfälle deutlich machen, wie sich der Antisemitismus im Fußball gewandelt hat – verschwunden war er nie.”
In der anschließenden Podiumsdiskussion werden Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der Schalker Fan-Initiative und des Fanprojekts eine wichtige Frage diskutieren. Fragen denen dabei nachgegangen werden soll, sind u.a.:
Wie kann das Medium Sport gegen Diskriminierung wirken? Wie können jüdische Persönlichkeiten des FC Schalke 04, die im Dritten Reich verfolgt wurden, Symbolfiguren einer zeitgemäßen Erinnerungskultur sein? Mitglieder wie das Vorstandsmitglied Paul Eichengrün, der Nachwuchskicker Ernst Alexander oder der Förderer Leo Sauer.
Die Veranstaltung will, lt. der Organisatoren, dabei die Vergangenheit und Zukunft verbinden.
Podiumsgäste: Ronny Blaschke (Freier Journalist u. a. für Deutschlandradio, Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit, Autor des Buches „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“), Judith Neuwald-Tasbach (Vorsitzende Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen), Ben Abelski, (jüdischer Fußballspieler u. a. Wuppertaler SV, Fortuna Düsseldorf), Dr. Susanne Franke (Schalker Faninitiative e.V.), Markus Mau (Schalker Fanprojekt)
Der Eintritt zu diesem offenen Abend ist frei!
Wann? Montag, 27. April 2015 um 19:00
Wo? Neue Synagoge Gelsenkirchen, Georgstr. 2, 45879 Gelsenkirchen

4 Kommentare

Danke sehr, Robin Patzwald, für diese Info.

Ein absolut wichtiges und leider immer noch und schon wieder notwendiges Thema. Ich habe im letzten Sommer den antisemitischen Mob vor der Essener Synagoge erlebt, die nur dank der am Ende doch wachen Polizei nicht gestürmt wurde, und bin seither äußerst alamiert.

Die Zusammensetzung des Podiums finde ich sehr interessant und klug.

@Robin:
Auch von mir Danke für den Hinweis, und dass Ihr immer wieder an dem Thema dran bleibt.
Antisemitismus ist so abstoßend, wie jede andere Form von Menschenhass. Aber nur er darf sich auf der Straße offen austoben.

Der Fußball spielt da schon eine wichtige Rolle. Da rekrutieren die Antisemiten ihre Trupps. Die höheren Damen und Herren machen sich ja nicht gern selbst die Hände schmutzig, “offiziell sind die nicht gern dabei”. I

@Frank: An Veranstaltungen wie dieser hier sieht man, dass die (Fußball-)Vereine, obwohl ihnen häufig vorgeworfen wird sie nähmen ihre gesellschaftliche Verantwortung zu wenig war, durchaus bemüht sind. Natürlich kann es immer noch mehr und noch besser sein, doch wenn man das mal beobachtet, dann sieht man bei den großen Revierclubs durchaus viele Bemühungen in diese Richtung. Auf diese Veranstaltungen dann auch hier im Blog hinzuweisen finde ich durchaus logisch und ein Stück weit auch ‚normal‘. Ich sehe diese Ankündigungen jedenfalls auch persönlich immer gerne und reiche diese dann auch hier gerne weiter.

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