Geh mich wech mit Englisch!

Dieser Tage einen „Tatort“ nachgeholt, der im Milieu der Unternehmensberater spielte. Sobald da jemand sein Smartphone zückte und in geläufigem („verhandlungssicherem“) Englisch parlierte, war dies ein Zeichen des Bösen und hieß ungefähr: Seht her, so sind und so reden sie, die eiskalten Jobvernichter im Namen der Globalisierung.

Da dachte ich mir, es sei vielleicht an der Zeit für eine Tirade gegen die Allgegenwart der englischen Sprache. Am besten unter einem ruhrbaronisch regional kompatiblen Motto wie „Geh mich wech mit Englisch!“ oder gleich frei nach Frank Goosen: „Englisch is‘ auch Scheiße.“

Ich dachte beispielsweise an den Groll über diverse Handelswaren, die zuweilen nur noch mit englischsprachigen Bedienungsanleitungen daherkommen (welche man zudem nicht fertig gedruckt erhält, sondern erst mal downloaden muss).

Ich dachte missvergnügt an Journalisten-Kollegen, die bei Kinoterminen die Nase rümpfen, wenn die deutsche Fassung und nicht das dialektal vernuschelte US-Original vorgeführt wird. Dabei rezensieren sie fürs heimische Publikum, das die deutsche Version sieht. Doch was schert sie der gemeine Leser?

Ich dachte an dämliche, erbärmliche Anglizismen. Und überhaupt.

Schon wollte ich in irrer Schadensgier ausrufen: Es komme endlich der Tag, an dem auch die anglophone Welt unter der Knute der Wirtschaftszwänge Chinesisch lernen muss – mit allen Tonhöhen und Schriftzeichen! Und zwar bittschön kalligraphisch makellos hingetuscht!

Doch da hielt ich ein, dachte an Shakespeare, Poe & Co., an unsterbliche Zeilen der Rockmusik, andererseits an die ekelhaft nationalistisch getönten Phrasen gewisser deutscher Sprachwahrer…

Und schon war ich kuriert.

16 Kommentare

Nicht zu vergessen das viele englische Worte bis heute ihren Ursprung in der urdeutschen Sprache/Dialekt der Angeln und Sachsen haben.

wie heisst der kulinarische Anglizismus für “Pommes Schranke” ?

wenn uns auch noch dieses Gute, Wahre, Schöne verloren gehen sollte … vielleicht im nächsten Schimanski ? (So, 30.1., Schimanski, “Schuld und Sühne”)

@2 In den USA: freedom fries crossing gate. In GB: chips level crossing barrier. Zumindest in der Pommes-Bude dürfte die kulturelle Hegemonie der Angelsachsen noch abzuwehren sein.

@ Sebastian #5

“Die Angelsachsen waren ein germanisches Sammelvolk, hauptsächlich bestehend aus Sachsen und Angeln.” http://de.wikipedia.org/wiki/Angelsachsen

Aber selbst wikipedia macht Fehler. Wer kann mit Sicherheit sagen, dass es in den Originalschriften nicht doch “… Sachsen beim Angeln” geheißen hat.:-)

Haben die Amerikaner das den Franzosen immer noch nicht verziehen? Nachtragende Bande. Ob man in den Staaten so ohne weiteres eine Schranke auf seine fries bekommt, wage ich zu bezweifeln, immerhin findet Jules das ja ziemlich eklig, als Vince ihm von dieser europäische Sitte auf dem Weg zur Arbeit erzählt… na ja, zumindest den Teil mit der Mayonaise.

Bei Shakespeare dachte ich gleich an eine Szene aus “Two and a half men”, in der Jake anmerkt, man müsse eine andere Ausgabe von “Taming of the shrew” finden, seine sei in einer “funny language” geschrieben. Alans Hinweis, dies sei “Elizabethan” kommentiert Jake lapidar damit, wenn man wolle, das er es lese, dann solle man es doch einfach in Englisch schreiben und drucken… überhaupt, the Kings English spricht und schreibt ja eh keiner mehr…

http://www.youtube.com/watch?v=8KQMONOglDQ&feature=related

Danke Hank!

Und nur so am Rande… müsste es grammatikalisch korrekt nicht sogar “geh mich doch wech!” lauten?

@Michael Kolb: Zur Schlussfrage abermals ein kräftiges “Jawoll”! Siehe auch die Kommentare #4 und 6.

P.S.: Habe die Titelzeile auf mehrfachen Wunsch korrigiert, verschlimmbessert oder was auch immer. Jedenfalls klingt sie jetzt authentischer.

Komisch dass die Angelsachsen da kein Wort für haben, wo die die Fritten dem Vernehmen nach doch gleich schränkeweise verputzen!

@ Olaf Mertens

“Komisch dass die Angelsachsen da kein Wort für haben, wo die die Fritten dem Vernehmen nach doch gleich schränkeweise verputzen!”

die Antwort hat Arnold Voß, #8, gegeben:

“Sachsen beim Angeln” = “fish and chips”

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