Gedanken zum geplanten Ende des Kohledeputats in 2018

Ein Klumpen Kohle aus der Zeche Minister Achenbach. Foto: Robin Patzwaldt

Wer für ein bestimmtes Unternehmen arbeitet, der erhält häufig entsprechende Vergünstigungen. Als ich früher festangestellt für einige Verlage gearbeitet habe, da bekam man als Mitarbeiter ein oder gleich mehrere Freiexemplare der hauseigenen Printprodukte. Das war schön. Ein ehemaliger Freund meiner Cousine war früher einmal bei einer großen Dortmunder Brauerei angestellt. Der bekam von dort einige Liter Freibier pro Monat. Das fanden viele in meinem Umfeld seinerzeit sogar noch schöner.

Und dann gab es eben auch noch meinen Opa und meinen Onkel, die bekamen, da sie früher ‚auf der Zeche‘ gearbeitet haben, regelmäßig einige Tonnen Koks zum Heizen frei Haus geliefert. Ebenfalls so sehr nett.

Eigentlich erscheint es zudem nur logisch, dass solche Vergünstigungen auf die Zeit der Beschäftigung im jeweiligen Unternehmen begrenzt sind. Als ich aus dem jeweiligen Verlag ausschied, da endeten auch meine Freiabos. Beim Wechsel der Brauerei endete für den Freund meiner Cousine der Gratis-Bezug des jeweiligen Bieres. (Sehr zu unser aller Bedauern, mochten wir das Produkt seines neuen Arbeitgebers damals doch längst nicht so sehr wie das alte. Aber das nur am Rande und ganz persönlich angemerkt. 😉 )

Etwas ernster wird die Debatte jetzt in Sachen des noch immer üblichen Kohledeputats, das Ende 2018, mit Ende des Bergbaus in dieser Region, grundsätzlich in dieser Form ein Ende finden soll. Und das, obwohl viele Bergleute dem Vernehmen darauf gesetzt haben, dass sie diesen Energiekostenzuschuss lebenslang erhalten würden. Diverse gerichtliche Auseinandersetzungen stehen diesbezüglich in diesen Wochen auf der Agenda.

Doch wie auch immer die Entscheidung am Ende in der Sache ausfallen wird, mich erinnert die Debatte in diesen Tagen viel mehr an längst vergangene Kindheitstage. Gut erinnere ich mich beispielsweise noch immer daran, wie der Kokshändler mit seinem kleinen LKW am Haus meines Onkels und meines Opas vorfuhr und den bestellten Berg Koks vor dem Haus donnernd auf den Gehweg kippte.

Häufig habe ich als Junge in den Stunden danach nach Kräften mitgeholfen die schwarze Masse mit Schubkarren und Eimern in den extra freigehaltenen Kohlekeller zu schaffen. Erleichtert und erschöpft war man dann, wenn der Gehweg endlich wieder geräumt und gesäubert war, der schwarze Koks-Berg sich wunschgemäß im Keller auftürmte, das günstige Heizen der nächsten Monate damit wieder einmal gesichert war.

Im Laufe der Jahre wurde im Hause der Verwandtschaft zusätzlich eine Gasheizung angeschafft. Trotzdem mochten Onkel und Opa Zeit Lebens nicht auf das nette Geschenk der Ruhrkohle AG verzichten.

Ich erinnere mich auch noch an die schier unzähligen Flüche in der Familie, wenn mal wieder nicht so recht entschieden werden mochte ob man denn nun bitteschön lieber gleich den Kohle- oder doch erst einmal der Gasofen anwerfen sollte. Die durch den Kohleofen erzeugte Wärme war nämlich deutlich intensiver, gefühlt viel ‚trockener‘,offenbar von der Verwandtschaft schlechter zu  regulieren.

Häufig erhielt ich gefühlt einen regelrechten ‘Hitzschlag’, wenn ich als Besucher das Haus oder die Wohnung der Großeltern von draußen kommend erstmals betrat. ‚Ah, mal wieder die olle Kohleheizung‘, hiess es dann. Der erste Weg führte mich dann zu einem Fenster, welches ich schnellstmöglich aufkippen musste, wenn frische Luft sehr willkommen war. Ich erinnere mich bis heute ganz gut an diese in weiten Regionen des Ruhrgebiets wohl längst vergessenen Tage.

Die damals noch üblichen Kohlelieferanten für die unzähligen Bergarbeiterhaushalte habe ich jetzt jedoch schon seit Jahren nicht mehr durch die hiesige Stadt fahren sehen. Auch kommt mir alleine die Erinnerung daran inzwischen schon leicht historisch vor, scheinen diese Erlebnisse doch allesamt aus einer längst vergessenen Zeit zu stammen. Wer ist heute schon noch bereit auf diese unbequeme Art seine Wohnung zu heizen?

Wenn nun über eine Fortsetzung dieser Deputate nach dem Ende des Steinkohlebergbaus im Jahre 2018 hinaus diskutiert wird, dann mag die Klage einiger Bergleute aus ihrer Sicht begründbar sein. Wirklich zeitgemäß ist das Alles aber längst schon nicht mehr.

Hier geht es sicherlich in erster Linie um finanzielle Vorteile. Logisch, dass da jeder das Maximale für seine Interessen herausschlagen will.

Eine Belieferung der ehemaligen Bergleute über das Ende des letzten Bergwergs im Ruhrgebiet hinaus mit Gratis-Koks erscheint mir dabei jedoch, bei aller wunderbaren Ruhrgebietsnostalgie, grundsätzlich genauso unlogisch wie eine erwünschte Gratisversorgung mit Zeitschriften aus einem Verlag für den jemand einmal gearbeitet hat, oder aber mit Freibier aus einer Brauerei für welche man vor deren Schließung vielleicht einmal tätig war.

Schöne Erinnerungen sind das jedoch in allen Fällen. Im Falle des offenbar nun bald endenden Kohledeputats sogar besonders nette, wie ich finde.

2 Kommentare

Die Bezahlung ist oft vertraglich geregelt. Verträge müssen eingehalten werden.

Wenn Kohle Bestandteil des Vertrages ist/war, ist natürlich die Lieferung interessant. Wo ist der Lieferort?
Hier könnten diverse Auflagen wahrscheinlich zu einem schnellen Ende der Lieferungen führen.

Ich bin froh, dass das Thema Kohle auf den Strassen ein Ende hat. Meine Oma hatte sich in den 80er Jahren an die Zentralheizung gewöhnen müssen. Es fiel ihr schwer, da die Hitze doch gefühlt anders war. Nur irgendwann wurde das Kohleschleppen zu anstrengend.
Als Kinder hatten wir immer beim Kohlenschüppen mitgeholfen. Vielleicht haben wir alten Ruhris auch deshalb wenig Verständnis für die aktuellen Luftqualitäts-Panikvervreiter.

Mir sind die vielen Feuerstellen in den Häusern heute eher verdächtig. Was wird da wohl alles an Müll dezentral in die Luft entsorgt?

BTW: Der Haustrunk steht auch wieder mal auf dem Prüfstand:
Die Drogenbeautragten und Spaßverderber haben etwas gegen Bier als Gehaltsbestandteil.:
http://www.bild.de/politik/inland/brauereien/zahlen-weniger-haustrunk-51065540.bild.html
Von Freunden mit Brauereihintergrund weiß ich, dass der Haustrunk eine enorme Symbolkraft hat.

Die Klage dreht sich doch wohl eher um die "Energiebeihilfe", die man schon seit Anfang der 50er statt der Kohle kassieren konnte (ca. 120 Euro pro Tonne Deputat) und die die RAG mit der Komplett-Stilllegung endgültig als Einmal-Restabfindung auszahlen und damit abschaffen möchte.

Und um die antiquierten Feuerstätten in den Bergmanns-Häusken kümmert sich schon mit garstigem Gesetzes- und Regelungs-Würgegriff der lokale Schornsteigfeger;)

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