G20 in Hamburg – Eskalation surreal

Am Tag nach den Krawallen betrachten Kinder die Spuren der Ausschreitungen Foto: Felix M. Steiner Lizenz: Copyright


Der G20-Gipfel ist zu Ende. Für die meisten hat sich wohl ihre jeweilige Erwartung erfüllt. Polizeigewalt, Blockaden und Plünderungen. Insgesamt bot sich allerdings ein gerade surreales Bild, vor allem im Zentrum der Eskalation. Von unserem Gastautor Felix M. Steiner. 

Eigentlich ist ja alles bereits geschrieben, was man über die vier Tage G20-Gipfel bzw. zu den Gegenprotesten schreiben kann. Tausende Journalisten waren vor Ort und noch mehr Gaffer rahmten mit ihren Handys die Geschehnisse. Das Positive: Es haben sich wohl nahezu für alle die eigenen Erwartungen erfüllt. Das herbeibeschworene Gewalt-Szenario ist eingetreten, Barrikaden brannten, Geschäfte wurden geplündert und es gab Straßenschlachten mit der Polizei. Andererseits: Die Sicherheitsorgane setzten von Anfang an auf die für ihren großen Erfolg bekannte Strategie „Deeskalation durch Machtdemonstration“. Auf der Strecke blieb zu Anfang vor allem die Angemessenheit. Gezeigt hat sich dies schnell, als die Polizei unverständlich hart die „Welcome to Hell“-Demonstration attackierte und mit harter Gewalt gegen die Demonstranten vorging. Fast panisch flohen die Menschen eine Mauer hoch, um der Polizei zu entkommen. Beamte schlugen auf am Boden liegende Menschen ein, es gab bewusstlose Protestierende. Die Szenen der Gewalt waren bereits an diesem Tag erschreckend.

Harter Polizeieinsatz am Donnerstag Foto: Felix M. Steiner Lizenz: Copyright


Schon seit Beginn der Proteste waren die Demo-Strecken und Veranstaltungsorte durch teils hunderte Schaulustige gerahmt. Überall standen Menschen, die offenbar im BILD-Leserreporter-Stil die „aufregenden Ausschreitungen“ filmen wollten. Ganz nach dem Motto: „Cool, guck mal, Gewalt“. Den absurden Höhepunkt dieser Entwicklung konnte man dann direkt rund um die Flora beobachten, als die Polizei am Freitag-Abend für mehrere Stunden völlig die Kontrolle über einige Straßen rund um die „Rote Flora“ verloren hatte. Zwar waren es „Autonome“ aus verschiedenen Ländern, die die Polizei angriffen und mit Barrikaden und Steinen dafür sorgten, dass die Polizei sich zurückziehen musste. Das Viertel war aber voll mit Gaffern, wahrlichen Krawalltouristen und Selfie-Jägern. Zum abendlichen Chic gehörte dann eben auch das Selfie vor der brennenden Barrikade. Am besten noch drei vermummte „Autonome“ im Hintergrund. Und selbst in der kleinen Nebenstraße, wo sich militante Aktivisten mit zwei Wasserwerfern über Stunden eine Straßenschlacht lieferten; Überall Gaffer, die das Schauspiel mit Bier und Handy erheitert verfolgten. Voyeurismus in Reinkultur. Fast wie „Frauentausch“, nur eben mehr Gewalt, Wasser und Feuer.

„Es muss alles im Rahmen bleiben“

Am Rande der Straßenschlachten komme ich mit einem jungen deutschen „Autonomen“ ins Gespräch, der wissen wollte, ob ich Journalist sei. Während wir reden zerbrechen um uns herum überall Militante Bürgersteigplatten, um diese als Wurfgeschosse zu verwenden. Plötzlich beginnen kleine Gruppen ein Geschäft direkt vor uns zu zerstören. Mein

Am Freitag liefen die Autonomen Amok Foto: Felix M. Steiner Lizenz: Copyright


Gesprächspartner ist damit wenig einverstanden. „Das muss alles im Rahmen bleiben“, sagt er, während der Wasserwerfer neben uns chemikaliengeschwängertes Wasser verspritzt. Irgendwer fragt dann nach, warum es denn sein müsse, dass eben jener Laden entglast und geplündert werden muss. Die Antwort folgt auf den Fuß: Es ist eine Ladenkette aus Dänemark. Eine Ladenkette, gut, weiter geht’s. Beim Umschauen zwischen den zahlreichen Feuern wirkt die Szenerie völlig surreal. Zwischen den „Autonomen“ stehen wie Clubgänger gekleidete Pärchen mit Bier am Kiosk. Dazwischen immer wieder laute Detonationen, Leute werfen die geplünderten Deo- und Haarspree-Flaschen in die Feuer. Zu diesem Zeitpunkt erklärt mir ein Beamter einer Spezialeinheit, die rund 200 Meter vor dem Kern der Eskalation mit Wasserwerfern steht, man habe nicht genügend Kräfte und werde keinesfalls das Viertel betreten, die Gefahr verletzt zu werden, sei zu groß. Nach einigen Stunden beendet die Polizei dann mit schwer bewaffneten Einheiten wie dem SEK den Ausnahmezustand. Am nächsten Morgen ist die Stadtreinigung bereits früh auf den Beinen, auf den Straßen sind noch die Brandflecken der Barrikaden zu sehen, eine Handvoll Läden wurde zerstört und geplündert und es gibt keinen funktionsfähigen Sparkassen-Automaten mehr am Schulterblatt. Ein kleines Mädchen im Batman-Umhang läuft mit ihrer Mutter die Straße runter, schaut sich jedes zerstörte Fenster genau an. Neben ihr werden zahlreiche Anwohner von Fernsehteams interviewt. Am Nachmittag sagt im Live-Stream dann eine Journalistin von Phönix, man müsse nun die nächsten Wochen diskutieren, ob Hamburg die richtige Wahl für den G20-Gipfel war.

Nun, das waren die Tage in Hamburg. Aber hey, ich habe Periscope für mich entdeckt. Positiv denken.

4 Kommentare

Es stellt sich – auch zur Beurteilung der Frage,ob Polizeigewalt teilweise und verschiedenenorts exzessiv und unverhältnismäßog ausgeübt wurde- weiterhin die Frage, wie viele Verletzte es auf Seiten der Demonstranten gab.

Ich finde es unangemessen und sehr bedenklich, relativ schnell und genau von zahlreichen Medien über die Zahl der zerstörten Fensterscheiben und abgebrannten Autos, nicht aber über die Zahl verletzter Demonstranten (=Menschen) informiert zu werden.

Als Krawalltourist unter Kapitalismuskritiker gehört es wohl zum Style, dass auf den Fotos das Gesicht vermummt ist, aber das Unterhosenlabel sichtbar ist. Ohne internationales Label auf der Buchse geht man wohl nicht Städte demolieren und Personen angreifen.

Wie kann man solche Straftäter auch nur ansatzweise unterstützen.

Das Selfi mit dem 700 Eur Markentelefon zeigt auch sehr schön, dass es nicht Lösungen oder Protest geht, sondern nur um Selbstinzenierung und Gewalt.

Wann merken das die Unterstützer?
Wie erklären sie die Krawallen den Kinder?

Null Toleranz gegenüber linken und rechten Straftätern. Eine wehrhafte Demokratie bedarf wehrhafter Kräfte, die diese Exzesse schon im Vorfeld unterbinden. Die wenigen Kommentare der sogen. Sprecher des "schwarzen Blocks" stiften gießen noch "Brandbeschleuniger" ins Feuer. Der Slogen dieser Kerle heißt doch: "Macht daputt, was euch kaputt macht!" Also …

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