Fußball: Und schon wieder die altbekannte Torlinientechnik-Diskussion

Hoffenheim Trikot 2Kaum hat die Fußball-Bundesliga wieder ihren regulären Betrieb aufgenommen, da beschäftigen sich Fußballfans im Lande zum x-ten Mal mit einer längst bekannten Problematik, der Torlinientechnik, welche längst einsetzbar wäre, in Deutschland aber noch immer nicht eingesetzt wird.

Als am Samstag der Hoffenheimer Stürmer Kevin Volland das 2:0 seiner Kraichgauer gegen den 1.FC Nürnberg erzielte, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer dem Treffer aber die Anerkennung verweigerte, da er den Ball nicht hinter der Linie sah, was er aber unstrittig war, da setzte in Fußballdeutschland wieder die alte Diskussion ein, welche uns nun schon seit Jahren begleitet.

Soll z.B. durch einen Chip im Ball, also anhand technischer Hilfsmittel ein Tor zweifelsfrei zu erkennen sein, oder will man sich auch in Zukunft dabei auf das menschlich fehlerhafte Votum eines Unparteiischen verlassen müssen, welche halt hin und wieder zu Fehlern neigen, wie am Wochenende erneut unter Beweis gestellt?

Als jemand der dem US-Sport seit Jahren nahe steht, habe ich persönlich gar kein Problem mit der Einführung einer solchen Hilfstechnik im Fußball.

Zwar verstehe ich grundsätzlich die Argumentation der konservativen Fußballfreunde, welche das Spiel möglichst einfach und ohne zusätzliche Unterbrechungen halten wollen, doch sehe ich gerade in der Torlinienfrage im Profifußball gar kein wirkliches Problem.

Es handelt sich in diesem Fall ja nicht einmal um eine zusätzliche Unterbrechung des Spiels inkl. einer zeitraubenden Videoanalyse o.ä., wie man es beispielsweise aus der NFL und der NHL kennt, wo das Spiel dann für einige Zeit unterbrochen werden muss.

Hier geht es z.B. beim Einbau eines Chips im Ball lediglich um ein elektronisches Signal, welches dem Schiedsrichter übermittelt würde, wenn der Ball die Torlinie tatsächlich im vollen Umfang überschritten hätte, so wie eben am Samstag. Dieses Problem wäre nun wirklich leicht und schnell zu lösen.

Das hätte weder Spielverzögerungen, oder eine Art Verfremdung des Spiels zur Folge. Hierbei gäbe es nur ‚Gewinner‘. Denn niemand will ein verfälschtes Spielergebnis.

Etwas schwieriger wäre beispielsweise das Thema Videobeweis. Abseitsstellungen o.ä. per Videobeweis zu bewerten, dass bedarf einiger grundsätzlichen Überlegungen wie man das genau handhaben könnte. Auch verstehe ich hierbei die Kritiker einer solchen Veränderung der Regeln besser, da es hierbei dann zu zahlreichen Veränderungen im Spielablauf kommen würde.

Aber bei der vergleichsweise simplen Entscheidung, ob der Ball nun wirklich hinter der Linie war, oder eben nicht, dabei darf es eigentlich keine zweite Meinung geben. Dafür ist die Entscheidung ‚Tor, oder kein Tor‘ zu wichtig und dafür ist das technisch zu einfach zu regeln.

Vor diesem Hintergrund verstehe ich die seit Jahren ergebnislose Diskussion in dieser Frage nicht. In England benutzt man eine solche technische Hilfe bereits.

Warum also nicht auch hier bei uns in Deutschland?

Diese Diskussionen tauchen ja nun schon seit Jahren immer wieder auf, ohne dass sich in der Sache etwas geändert hätte.

Noch konnte mir auch niemand ein einziges, stichhaltiges Argument gegen den ‚Chip im Ball‘ benennen.

Also: Einführen, und zwar schnellstmöglich!

7 Kommentare

Rational kann man diese Diskussion sicher nicht fuehren. Ich denke, dass deutsche Fussballoffizielle auf Biegen und Brechen an dem Mythos ‘egal ob in der Allianz-Arena oder auf’m Ascheplatz in Duisburg-Hamborn Fussball ist immer demokratisch und fuer jeden gleich’ festhalten wollen. Natuerlich ist die Bundesliga genau wie jede andere Top-Liga ein milliardenschweres Produkt-aber man tut sich schwerer damit das auch zuzugeben. Mich wundert, dass die Teams da nicht stärker pushen, denn jede Fehlentscheidung ist doch bares Geld wert…

Warum dann nicht auch Chip im Fußballschuh bzw. Trikot der Spieler. Technisch ist das machbar, Vereine benutzen sowas zur Trainingssteuerung. Dann hätten wir auch keine Abseits-Diskussionen mehr. Foul vor oder im 16er, wer hat den Ball zuletzt berührt, hat der Trainer die Coaching-Zone verlassen, keine Diskussionen mehr. Aber dann können wir auch gleich Tennis gucken.

@ Mirco M. Veers:
Fußball unterscheidet sich vom Tennis vor allem also dadurch, dass beim Fußball viel diskutiert wird? Haben sie da nicht etwas falsch verstanden am Spiel?

Emotion gehört zu Fußball, aber ich kenne deutlich bessere Emotionsauslöser beim Fußball als Fehlentscheidungen. Die Schiedsrichter werden künstlich dumm gehalten. Warum? Ich sehe kein sinnvolles Argument.

Chip in den Ball, dazu einen Videoschiedsrichter für strittige Szenen – und gut is’. Die Unterbrechungen dauern auch nicht länger, als wenn sich der Schiedsrichter erst noch mit seinem Linienrichter absprechen muss, ob der im Abseits befindliche Spieler aktiv eingegriffen hat oder nicht.

ein Videobeweis für Abseitsentscheidungen wäre nichtmals so aufwendig.

Man gibt jedem Team im Spiel die Gelegenheit maximal sagen wir 2 mal einzugreifen.
Fühlt sich ein Team benachteiligt, weil Abseits angeblich zu Unrecht gepfiffen wurde. Oder es nicht gepfiffen wurde und dadurch ein Tor oder eine Standardsituation entstand…
dann erhebt der Trainer Einspruch. Im Video-Raum wird kurz nachggeguckt und nach paar Sekunden steht fest, ob der Einspruch berechtigt war.

Der Spielfluss wird nicht unterbrochen. Und dadurch, dass man Trainern einen maximal-Einspruch gibt, verhindert man, dass z.B Klopp 120 Situationen im Spiel videoanalysiert haben will.

Könnte man auch für Tätlichkeiten einführen. Da kann dann ständig der Video-Mann dem Schiedsrichter sagen, wenn er was übersehen hat…
oder Fouls…

alles kaum Aufwand und kaum Zeitverzögerung.

Aufm Bolzplatz kommt man ohne Schiri aus. Da verkraftet man es auch, wenn es Videobeweise für die Profis gibt… zumal deren offizieller Spielball eh viel leichter ist / höher und schneller fliegt als son Billig-Ball wie auf dem Bolzplatz. Die Stoffe lassen Schweiß besser verdunsten, deren Schuhe sind besser… all das braucht der Bolzplatz eh nicht. Da muss der DFB keine Sorgen haben 😉

Ich stelle mir gerade die Südtribüne vor, als nach dem Santana-Tor gegen Malaga der gegnerische Trainer eine Auszeit beantragt und der Schiri sich zum Videogucken zurückzieht …

@ Ulf: Stell dir doch bitte auch mal die Südtribüne im umgekehrten Fall vor, z.B. wenn das Santana-Tor nicht gegeben worden wäre und dann kein Videobeweis möglich wäre.

Diesen Fall habe ich in Gladbach erlebt. Im Heimspiel gegen Bremen in der letzten Saison hat die Zurücknahme eines Tores für wütende Zuschauerproteste gesorgt. Schiri Stark hatte das Tor zunächst gegeben. Nach schier minutenlanger Diskussion mit dem Assistenten wurde das Tor dann zurückgenommen. Stark wurde danach nur noch ausgepfiffen. Die Zuschauer konnten natürlich nicht verstehen, warum ein vom Schiedsrichter angezeigtes Tor aberkannt wurde, es war auch nichts Regelwidriges erkennbar gewesen.

Was der Stadionbesucher erst im Nachhinein erfuhr: Der Linienrichter hatte Gesprächsbedarf angemeldet, weil er nicht erkennen konnte, ob ein im Abseits befindlicher Spieler den Ball gespielt hatte oder nicht. Die getroffene Abseitsentscheidung war absolut korrekt, Stark und Co. waren dem Zuschauerunmut zuunrecht ausgesetzt.

Ich bin überzeugt, dass der Entrüstungssturm im Stadion grundsätzlich geringer ausfallen würde, wenn man wüsste, dass ein zusätzlicher Videoschiri für Aufklärung sorgt und die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung verringert. Hier würde die Technik für ein größeres Vertrauen gegenüber den Schiedsrichterentscheidungen sorgen.

Man muss bei allem berechtigten Ärger über Fehlentscheidungen auch einmal festhalten, wie oft die Schiris richtig liegen und wie viele äußerst knappe Entscheidungen sie korrekt treffen. Das ist schon aller Ehren wert. ich verstehe nicht, warum man sie in ihrer schweren Aufgabe nicht angemessen unterstützt.

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