Fußball: Felix Magath in Not – VfL Wolfsburg rutscht an das Tabellenende

Die Volkswagen Arena in Wolfsburg. Foto: funky1opty Lizenz: cc

Der achte Spieltag der Bundesliga ist inzwischen seit dem Wochenende Geschichte. Dass das Revierderby zwischen dem BVB und S04 von üblen Gewalttaten überschattet wurde und dass der Gelsenkirchener Vorortclub die Punkte vom Meister diesmal nicht unverdient über die A42 mit nach Hause nehmen konnte, all dies wurde bereits thematisiert. Die Bayern ziehen unterdessen noch immer recht einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze der deutschen Eliteliga.
Schaut man jedoch in den Keller der Bundesliga, dann traut man seinen Augen nicht so recht. OK, das Fürth und Augsburg sich dort tummeln würden, damit durfte man durchaus rechnen, aber dass das bisherige Schlusslicht, mit lediglich fünf mageren Pünktchen auf der Habenseite, von der Millionentruppe aus Wolfsburg gestellt wird, das überrascht dann viele Beobachter schon.

Die mit Europapokalambitionen in die Saison gestartete Magath-Truppe enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Am letzten Wochenende setzte es sogar gegen den SC Freiburg eine bittere Heimpleite.
Und das, obwohl die zuvor zwei ‚freien‘ Wochen ja eigentlich dazu genutzt werden sollten mehr Struktur in die bisher häufig so gesichtslos auftretende Mannschaft zu bringen.
Die Rückkehr von Felix Magath, der wie zu seinen ‚besten‘ Zeiten, nach wie vor, Spieler im Dutzend einkauft und wegtransferiert, hat sich bisher für die Niedersachsen noch in keiner Weise ausgezahlt.
Magaths zahlreiche Erfolge sind und bleiben dabei unbestritten, schließlich gelang es ihm 2009 mit einem ganz ähnlichen Weg überraschend Deutscher Meister zu werden.
Der gleiche, umstrittene Arbeitsstil ließ ihn allerdings dann bereits auf Schalke scheitern.
Wenn ihm nun nicht bald der Umschwung mit Wolfsburg gelingt, dann dürfte die Geduld der VW-Bosse mit ihrem hochbezahlten Angestellten der Abteilung Fußball alsbald aufgebraucht sein.
Das Problem von Magath: Er hat derzeit keine klare, erkennbare Linie mehr und somit die Mannschaft, oder zumindest große Teile davon, in den letzten Monaten gegen sich aufgebracht.
In der letzten Winterpause sortierte der Trainer Stürmer Patrick Helmes aus. Helmes saß zunächst wochenlang auf der Tribüne, um dann in der Rückrunde zum Erfolgsgaranten für den VfL zu werden. Derzeit ist er mit einem Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt.
Im Sommer davor, sortierte Magath den Brasilianer Diego aus disziplinarischen Gründen aus. Der Ballkünstler war sich im Saisonfinale 2010/2011 für die Auswechselbank zu schade, und verließ eigenmächtig das Team und das Stadion.
Die Suspendierung des technisch hochbegabten Egoisten, mit anschließender Ausleihe nach Spanien, endete im Sommer. Diego sollte von Wolfsburg endgültig transferiert werden, es fand sich aber kein passender Abnehmer, der bereit war die aufgerufene Summe in Diego zu investieren.
In den ersten Saisonspielen setzte der Trainer dann sportlich voll auf den ehemals Verbannten. Dieser dankte es ihm jedoch nicht entsprechend mit Leistung und saß daher zuletzt gegen Freiburg erneut, mit sauertöpfischer Miene, nur auf der Bank.
Ähnlich verlief die Sache mit dem Dänischen Nationalspieler Simon Kjaer. Zunächst nach einer enttäuschenden Saison in Wolfsburg im Vorjahr nach Italien ausgeliehen, dort dann wild über Trainer und Ex-Team schimpfend, kehrte er im Sommer zwangsweise nach Wolfsburg zurück. Blieb überraschend, wollte einen Neuanfang bei den Grün-Weißen starten, konnte ebenfalls bisher nicht überzeugen.
Andere Fälle ganz ähnlicher Art ließen sich hier auch noch weiter anführen.
Nach schwachem Saisonstart probierte es Magath erneut mit umstrittenen, psychologischen Tricksereien. ‚Straftraining‘, ‚Wasserentzug‘ als ‚Teambildende Maßnahme‘, vieles wurde in den letzten Wochen schon probiert. Nichts half bisher!
Die erst im Sommer noch einmal teuer verstärkte Truppe bildet noch immer keine Einheit.
Wie auch, wenn quasi jede Woche eine komplett umgebaute Mannschaft spielt? Die Spieler wirken entsprechend verunsichert und unmotiviert.
Die Fans der Niedersachsen, welche ja eh zu Erfolgszeiten schon nicht besonders zahlreich sind, zeigten sich jüngst abweisend, schütteten zusätzlich Häme und Spott über ihre ‚Lieblinge‘, statt das Team nach vorne zu treiben.
Das Eis ist dünn geworden in Wolfsburg, auch für Felix Magath.
Und der Meister von 2009 tritt so gerade eindrucksvoll den Beweis an, dass man Erfolg so einfach eben doch nicht zusammenkaufen kann… nicht immer zumindest… 😉

3 Kommentare

@F.M. sein Talentscout:
In den letzten Wochen konnte man ja auch zunehmend den Eindruck gewinnen, dass zumindest Teile der Mannschaft irgendwie ‘gegen den Trainer’ gespielt haben. Offenbar hat sich da etwas aufgestaut.
Ich habe gerade bei Kicker.de gelesen, dass Magath nun auch noch in dieser Woche zu einer Krisensitzung einbestellt wurde. Wundert mich nicht.

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