Fußball: Dem Rasendieb von Düsseldorf droht Ungemach

Ein Thema welches in den letzten Monaten bereits als abgehakt betrachtet werden konnte, bekommt nun plötzlich noch einmal neue Dramatik: Dem Rasendieb von Düsseldorf droht eine empfindliche Strafe!

Wir erinnern uns alle. Im Mai endete das Rückspiel der Relegation zwischen Hertha BSC und der Düsseldorfer Fortuna im Chaos. Noch vor dem offiziellen Schlusspfiff stürmten Hunderte das Feld, erzwangen so eine Spielunterbrechung und ein juristisches Nachspiel zwischen den Clubs um die Zugehörigkeit zur ersten Liga.

Der Ausgang ist bekannt. Fortuna belebt in dieser Saison die Eliteliga. Hertha tourt dagegen nun durch die fußballerische Provinz von Sandhausen bis Aue.

Sportlich sind die Verhältnisse also inzwischen längst geklärt.

Weniger klar ist dagegen noch immer der Ausgang der Geschichte für den 35-jährigen Sacha K. aus Velbert. Er war es, der vor einem Millionenpublikum freudestrahlend den Elfmeterpunkt klaute, der mit seinem erbeuteten Rasenstück stolz vom Platz schritt.

Sein ‚Pech‘ war, dass er nicht wieder anonym in der Masse verschwinden konnte, wie hunderte Andere auf dem Platz.

An ihm entzündet sich nun offenbar erneut eine Debatte um mögliche Schadenersatzforderungen, Bestrafung und ein eventuell noch drohendes juristisches Nachspiel.

Mehrere Tageszeitungen und Internetseiten griffen das Thema in den letzten Tagen wieder auf und bauten unterschiedliche Drohszenarien für den bekennenden Fortuna-Fan auf.

Die WAZ berichtet heute beispielsweise von einer angeblich nun drohenden Strafe von 50.000 Euro, als Sascha K.s ‚Anteil‘ am entstandenen materiellen Schaden für die Fortuna von ca. 1.000.000 Euro durch Zuschauerbeschränkungen in den ersten Heimspielen der neuen Saison usw..

In der Recklinghäuser Zeitung wird dagegen berichtet, die Fortuna wolle den Mann finanziell nicht ruinieren, denke eher an eine andere Art der Bestrafung als Schadenersatz. Man denke nicht an ein juristisches Nachspiel. Man wolle ihn lieber zur Einsicht bringen ‚das so etwas nicht geht‘ anstatt sich mit der Tat auch noch öffentlich zu brüsten, wie K. es getan habe. Wie diese ‚Strafe‘ dann aber konkret aussehen könnte, dazu werden dort leider keine näheren Angaben gemacht.

Das ist für mich aber auch gar nicht der Punkt.

Natürlich war das Verhalten von Sascha K. keine Glanztat. Es war schlicht dumm. Sich damit anschließend noch zu brüsten war sicher ein weiterer großer Fehler des Velberters.

Aber der Fortuna-Fan war in dieser Situation auf dem Platz ja in Gesellschaft hunderter. Es herrschte ein wildes Durcheinander auf dem Spielfeld. Dass die Kamera dabei sekundenlang genau auf ihn hielt, das lag unter anderem daran, dass er sich optisch wirkungsvoll in aller Seelenruhe den Elfmeterpunkt schnappte. An die Gesichter der um ihn herum hüpfenden Leute mit Bengalos erinnert man sich nicht.

Ich selber habe auch schon erlebt wie sehr die Gefühle in einem Stadion überkochen können, als nach der Meisterschaft des BVB im Jahre 1995 ebenfalls der Platz gestürmt wurde, Rasenstücke herausgerissen, und sogar ein Torgestänge durch die Gegend getragen wurde. Das war aber natürlich erst nach dem Schlusspfiff. Die Emotionen sind wohl trotzdem vergleichbar.

Mein Hauptkritikpunkt ist in dieser Angelegenheit aber auch nicht das Verhalten des 35-Jährigen aus Velbert.

Viel kritikwürdiger erscheint mir das Verhalten des Ordnungsdienstes!

Um Sacha K. herum standen Ordner. Man kann auf dem Video sogar direkt einen erkennen der ihn aktiv vom Spielfeld ‚schubst‘, jedoch ohne sich dabei überhaupt um das Stück Rasen in seinen Händen zu kümmern. Das erscheint mir viel kritikwürdiger! Warum wurde das Stück Rasen denn nicht zumindest wieder eingesetzt. Es wäre doch einfach gewesen Sascha K. wieder auf eine Stufe mit den anderen Fans zu stellen, welche den Rasen gestürmt hatten.

So scheint mir hier nur eine Art Bauernopfer gesucht und gefunden worden zu sein.

Den Fehler sich mit der ‚Tat‘ anschließend auch noch gebrüstet zu haben, den hat er zweifelsfrei begangen. Ich selber habe mich in den Wochen nach dem Relegationsspiel über so einige Berichte in den Medien über ihn gewundert. Aber qualifiziert ihn das wirklich für eine harte Bestrafung, wie immer diese am Ende aussehen wird, während die anderen ‚Mittäter‘ der Platzstürmung weitestgehend unbestraft bleiben?

Ich meine, seitens der Fortuna sollte man sich lieber einmal sehr ernst und kritisch mit der Leistung der vorhandenen Ordnungskräfte an diesem Tag beschäftigen, die die Tat von K. ja noch leicht hätten unterbinden können, statt sich hier nun scheinbar auf einen einzelnen über die Stränge geschlagenen Fan zu konzentrieren.

5 Kommentare

Meine Erfahrung mit Ordnungsdiensten bei großen Veranstaltungen undinsbesondere Ordnungsdiensten, die von Sicherheitsunternehmen wie Klüh gestellt werden ist, dass das Personal nur das macht, was ihnen vorher genau als Aufgabenspektrum zugewiesen wurde. Alles andere liegt nicht in ihrem Aufgaben- bzw. Zuständigkeitsbereich (da kann neben den Ordnern die Omma tot zusammenbrechen – ist nicht im Aufgabenhandbuch vorgesehen, wurde nicht bei Einweisung/Schulung drauf hingewiesen, der Ordner muss sich um andere Dinge kümmern).

Ich weiß nicht, ob das etwas mit versicherungsrechtlichen Fragen zu tun hat oder der Auftragnehmer vermeiden möchte, dass das Personal mehr Aufgaben wahr nimmt, als vom Auftraggeber bestellt oder ob das Personal Angst hat, bei Tätigkeiten, die über die ihnen zugewiesenen Aufgaben hinausgehen, aktiv zu werden, weil dann ein Anschiss vom Vorgesetzten droht, egal was drum herum passiert oder in der Folge einer unterlassenen Tätigkeit noch passiert. Vielleicht ist das Personal auch gedanklich nicht in der Lage, abzuschätzen, was passieren könnte, wenn man jetzt nicht einschreitet (wobei dieser Gedanke wieder so abwegig ist, dass ich mich fast schäme, diesen niederzuschreiben).

Ich habe mir bei Ansicht der Fernsehbilder die selbe Frage gestellt: Weshalb wird der Kerl nicht von den drumherum stehenden Ordnern wenigstens drauf angesprochen, dass er den Elfmeterpunkt in Ruhe lassen soll? Oder geht es in solchen Situationen darum, möglichst keinen Streß zu provozieren? Könnte ich auch nachvollziehen.

@Robin Patzwaldt “Natürlich war das Verhalten von Sascha K. keine Glanztat.”

Seit wann ist denn der Klau eines Elfmeterpunktes keine Glanztat mehr?

Irritiert grüßend
Guy Fawkes

Man muss ja einfach mal feststellen: Ein Verein beauftragt eine Sicherheitsfirme. Dies hat wahrscheinlich qualifiziertes Personal, aber nicht genug. Also wird eine weitere Sicherheitsfirma durch die erste Sicherheitsfirma beauftragt. Da sieht das mit dem Qualifikationsstand dann schon schlechter aus. Personell reichts dennoch nicht. Also werden von zweiteren Unternehmen noch weitere Subunternehmen angeheuert. Und da siehts dann ganz mau aus. Ich habe zu Zeiten meines Abiturs mal für eine Firma letzteren Schlages gearbeitet (5,50€ Stundenlohn!) und meine Einarbeitung bestand darin, dass ich meine erste Schicht mit einem dienstälteren Kollegen verbrachte. Aber nicht als Ausbilder, sondern nur als 2er Gespann. Der Fisch stinkt halt auch da vom Kopf her.

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