Fußball: Bochum-Coach Peter Neururer regt DFB-Pokalreform an

Peter Neururer. Quelle: Wikipedia, Foto: xtranews.de, Lizenz: CC
Peter Neururer. Quelle: Wikipedia, Foto: xtranews.de, Lizenz: CC

Einen durchaus interessanten Reformvorschlag für die Zukunft des DFB-Pokalwettbewerbs machte nun Bochums Cheftrainer Peter Neururer.

Im Vorfeld der heutigen Begegnung seines VfL beim Erstligisten Eintracht Frankfurt, bei der die Bochumer auswärts der Papierform nach der klare sportliche  Außenseiter sind, regte Neururer nun an, zukünftig bei solchen Begegnungen von unterschiedlich klassigen Vereinen bis zu den Halbfinalspielen stets dem niederklassigeren Team das Heimrecht einzuräumen, um so am Ende ein größeres Überraschungspotential im DFB-Pokal zu bekommen. Bisher gibt es diese Regelungen nur für den Fall eines Aufeinandertreffens einer Profimannschaft mit einem ‚Amateurverein‘, d.h. alles unter Liga 2. Neururer sieht die Zweitligisten dadurch aktuell im Pokalwettbewerb benachteiligt und möchte die Regel daher zukünftig auch auf diese ausdehnen.

Bereits am gestrigen Dienstag war es ja erneut zu erleben, was für einen Unterschied das ausmachen kann. Während die Dortmunder Borussia z.B. beim Zweitligisten 1860 München all ihre Kräfte in die Waagschale werfen musste, um am Ende vor 71.000 begeisterten Zuschauern nach Verlängerung die Partie mit 2:0 zu gewinnen, kam der VfL Wolfsburg in seinem Heimspiel gegen den Zweitligisten VfR Aalen zu einem vergleichsweise ungefährdeten, aber eben auch recht emotionslosen, um nicht zu sagen langweiligen, 2:0-Heimsieg.

Diese Situation würde Neururer in Zukunft dadurch ändern wollen, dass das Spiel des Erstligisten Wolfsburg dann eben auswärts in Aalen hätte stattfinden sollen. „Bis zum Halbfinale sollte der Klassentiefere gegen einen Bundesligisten immer Heimrecht haben. So wären die Stadien voll, die Spannung höher und mit den Fans im Rücken, wären auch die Kleinen häufiger für Überraschungen gut.“, so Neururer.

Ganz neu ist diese Idee nicht. In der Vergangenheit scheiterte der Vorschlag früh am eindeutigen Veto der Erstligisten, die sich die Verschlechterung ihrer sportlichen Erfolgsaussichten auf dem Weg zu einem möglichen Pokalendspiel und damit auch zu den Plätzen im Europacup nicht erschweren wollten.

Dabei macht Neururers Vorschlag aus neutraler Sicht durchaus Sinn, würde er den zuletzt häufig etwas unspektakulär daherkommenden Wettbewerb doch wieder etwas aufregender zu  gestalten helfen.

Vielleicht sollten sich die Manager der Erstligisten da mal einen Ruck geben und der Vorschlag ernsthaft diskutieren. Doch in Anbetracht der Egoismen im Profisport fehlt mir der rechte Glaube daran, dass der Reformvorschlag für den Pokalwettbewerb tatsächlich eine Chance hat sich bei DFB und DFL durchzusetzen.

8 Kommentare

Das ist wie mit der 5%-Huerde…irgendeiner kann das bestimmt mit den schlechten Erfahrungen aus der Weimarer Republik erklären und deshalb können die Regeln nicht geändert werden ;)…

In Frankfurt gab es heute für die Bochumer ja tatsächlich nichts zu erben. Stellt sich einem also auch in diesem Fall ganz konkret die von Neururer im Vorfeld aufgeworfene Frage: Hätte das in Bochum wohl anders ausgesehen, wenn der Zweitligist automatisch Heimrecht gehabt hätte?

Ich hoffe, dass der Ruck genau in die andere Richtung geht. Ich sehe keinen Sinn darin, unterklassigen Mannschaften ein Heimspielrecht zu garantieren. Dieser Regelung liegt Geringschätzung gegenüber Vereinen in unteren Ligen zugrunde: Als wenn diese ein Sonderrecht nötig hätten. Der Losentscheid behandelt alle gleich und hebt regeltechnisch die unterklassigen Vereine auf eine Ebene mit Profis.

Die von Neururer angeführten Gründe leuchten mir nicht ein. Die Chance, dass Preußen Vluyn den FC Bayern schlägt, ist daheim wie auswärts gering. Auch zwischen erster und zweiter Liga liegt es nicht am Heimspielrecht, wer weiterkommt, sondern an der Tagesform und am Willen. Dass es im Pokal ein Problem mit zu WENIGEN Besuchern gäbe, ist mir ebenfalls neu.

Schon die jetzige Regelung verringert die Chance, dass DFB-Pokalspiele in den schönsten und größten Stadien ausgetragen werden. Die Zuschauer, die in die kleine 4.000-Zuschauer-Kampfbahn nicht mehr hereinpassen, kaufen auch keine Karten – schade ist das vor allem für den Fünftligisten, für den diese Mehreinnahmen sicherlich willkommen sind.

Spielern und Fans nimmt man durch die Heimspielpflicht die Möglichkeit, einmal in der Veltins-Arena, im Borussiapark oder im Signal-Iduna-Park aufzulaufen – schade für den Verteidiger des SV Wilhelmshaven, der gerne seinen Enkeln davon erzählt hätte, wie er in der Allianz-Arena gespielt hat.

Fazit: Schafft fairen Wettbewerb, behandelt schwächere Vereine nicht wie Kinder, nutzt die beste Infrastruktur besser aus – schafft die Heimregel ab! Wenn der BvB dann irgendwo in der Provinz antritt, weil es das Los wollte: Gut so. Wenn der unbekannte Miniverein einmal vor 80.000 Zuschauern spielen darf, weil es das Los umgekehrt wollte: Auch gut.

Angesichts der Tatsache, dass es mittlerweile 3 Profiligen gibt und ein Drittligist automatisch Heimrecht gegen einen Zweitligisten erhält, sollte die Überlegung eines Heimrechts für Zweitligisten gegen einen Erstligisten nicht verwerflich sein. Auch gestern war das Interesse in Frankfurt nur spärlich, die Arena halbvoll/leer. Für unterklassige Vereine sind grade Auftritte im Dfb-Pokal ein zusätzliches Schmankerl und eben eine Besonderheit, wenn es heißt mal ausnahmsweise wieder gegen einen Erstligisten zu kicken. Wer zuletzt die Bayern im Pokal im Dezember 2011 im Ruhrstadion am Rande einer Niederlage gesehen hat, weiß die Bedeutung eines Pokalkrachers zu Hause zu schätzen.

Kommentar verfassen