Fußball: Bayern siegt 9:2 – Gibt es zukünftig nur noch eine Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga?

Fußball: Logo Bayern MünchenEs wäre eigentlich der perfekte Rahmen für den FC Bayern München gewesen die Deutsche Fußballmeisterschaft 2013 bereits am 27. Spieltag, was Rekord gewesen wäre, klar zu machen. Die ohnehin favorisierten Münchener setzten sich mit einer halben B-Mannschaft mit sage und schreibe 9:2 gegen den Hamburger SV durch, welcher allerdings bis auf Torhüter Rene Adler, keine bundesligataugliche Leistung ablieferte. Und das ausgerechnet beim vielleicht unangenehmsten Auswärtsspiel der Saison, nämlich eben in München.

Dass die Bayern ab Ende zwar kräftig feiern konnten, aber eben noch nicht den längst gesicherten Titel, das lag an Borussia Dortmund, dessen Mannschaft das unbequeme Auswärtsspiel in Stuttgart dank Dauerknipser Robert Lewandowski knapp mit 2:1 gewinnen konnte.

Die endgültige Sicherung der Meisterschaft für die Münchener muss also noch etwas aufgeschoben werden. Soweit, so gut.

Was mich an dem gestrigen Ergebnis des Spiels in München aber so besonders beschäftigt, dass ist die Überlegenheit, mit welcher die (ersatzgeschwächten??) Bayern ihren Konkurrenten inzwischen größtenteils beherrschten. Bereits zur Halbzeit stand es bekanntlich 5:0. Und der Hamburger SV ist ja nun keine unterklassige Mannschaft, welche in einem Auswärtsspiel in München schon vor dem Spiel feststehend hoffnungslos unterlegen wäre. Nein, der Hamburger SV ist eine der Mannschaften, die sich noch berechtigte Hoffnungen auf den Champions League-Qualifikationsplatz machen können. Und wenn man aus einem einzelnen Spiel auch noch keine ganz großen Lehren ziehen kann, so verdeutlicht diese 2:9-Packung des Europapokalanwärters in München doch eines ganz deutlich: Die Bundesliga scheint einen dicken Riss unterhalb von ein paar wenigen Topmannschaften zu bekommen, ähnlich wie das seit Jahren in Spanien bereits der Fall ist, wo die Meisterschaft eigentlich immer nur über Real Madrid und den FC Barcelona vergeben wird.

Die Teams aus Dortmund und München werden inzwischen von vielen sogenannten Experten als herausragend in der Eliteklasse des deutschen Fußballs angesehen. Zählen wir einmal auch Bayer Leverkusen  noch (großzügig) mit dazu, dann wären es drei Teams, die scheinbar soweit vorneweg laufen, dass bereits die Kandidaten um die Plätze 4, 5 und 6, scheinbar keine wirkliche Chance haben ihr Spiel in München zu gewinnen, zumindest nicht in der Regel. Dortmund holte dort einen Punkt, Leverkusen gewann als einziges Team bisher in dieser Saison dort. Der Champions League Teilnehmer aus Schalke verlor in München sang und klanglos 0:4, Hamburg nun 2:9.

Welche Teams aus der 18er-Liga haben also in den nächsten Jahren noch Chancen in München zu punkten, wenn schon diese Hochkaräter immer häufiger chancenlos zu sein scheinen?

Und da Dortmund und München im Sommer sicherlich jeweils weitere Verstärkungen ihres Kaders vornehmen wollen und werden, in München sogar zusätzlich eine Art ‚Wundertrainer‘ als Verstärkung im Club erwartet wird, wer will in den nächsten Jahren außer der Dortmunder Borussia eigentlich noch in den Kampf um die Deutsche Meisterschaft ernsthaft mit eingreifen, falls die Bayern mal wieder schwächeln? Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht.

Diese Entwicklung stimmt auch mich, als BVB-Anhänger doch sehr bedenklich. Und ich möchte in der Bundesliga nun wirklich keine spanischen Verhältnisse. Davon würden auch die Anhänger der Bayern und des BVB auf Dauer nicht profitieren. Bin ich dem Rest der Liga so weit voraus, dann schmälert das die Freude über sportliche Erfolge doch immens. Kostbarer erscheinen doch Titel, welche hart erkämpf und erarbeitet werden mussten.

Die Bundesliga war in den letzten Jahren immer so faszinierend, weil es noch recht viele Mannschaften gab welche innerhalb einiger Jahre auch mal Meister werden konnte. Und auch der Letzte hatte häufig genug eine Chance gegen den Ersten. Diese abwechslungsreiche Phase scheint auf absehbare Zeit aber erst einmal vorbei zu sein, wenn nicht ganz ungewöhnliche Ereignisse den Lauf dieser eingesetzten Entwicklung noch aufhalten.

Hintergrund sind natürlich die stark auseinanderlaufenden Wirtschaftsverhältnisse der Clubs. Dazu muss man beispielsweise nur mal in Bremen nachfragen, wo bei Werder zuletzt deutliche Verluste verzeichnet wurden, welche den ehemals top besetzten Kader auch zukünftig wohl eher noch weiter ausdünnen werden. Die Tabellenspitze scheint an der Weser erst einmal außer Sichtweite geraten zu sein. Frankfurt, Mainz, Freiburg & Co. spielen zwar in diesem Jahr eine (für ihre Verhältnisse) tolle Saison, für ganz oben reicht es angesichts der Top-Teams aus München und Dortmund aber eben für sie trotzdem schon nicht mehr, so dass Überraschungsmeisterschaften für diese Teams auch nicht mehr in Frage kommen dürften. Ein Team welches, so wie Kaiserslautern 1998, als Aufsteiger zu Meisterehren kam, kann man sich heutzutage schon gar nicht mehr vorstellen.

Champions League also zukünftig immer mit Bayern und Dortmund, vielleicht Leverkusen und Schalke? Bleibt für den Rest der Liga in Zukunft nur noch der Kampf um die relativ unlukrativen Plätze dahinter, vielleicht auch die seltene Chance mal einen der Großen für ein Jahr überraschend zu verdrängen? Sieht wohl so aus…

Ein deutliches Anzeichen war eben auch das gestrige 9:2 des Tabellenführers gegen einen möglichen Champions League-Aspiranten.

4 Kommentare

Es könnte so aussehen, aber ob Geld wirklich am Ende langfristig Tore kauft, ist eben noch nicht sicher. Bayern hat zur Zeit keinen wirklichen Star und nach zwei harten Jahren ist der Hochmut nicht besonders groß. Außerdem war auf der Trainerbank Ruhe und Sammer macht zwar Wellen aber noch nicht die großen Arschbomben die zukünftig von ihm zu erwarten sind.

Im nächsten Jahr geht man als Meister ins Rennen und mit dem neuen Trainer und desse Methoden kommt Unruhe ins Team. Sammer will der neue Hoeneß werden und es gibt Krieg.

Dortmund wird Spieler verlieren und sich vermutlich nicht sonderlich verbessern können. Ich glaube das die Dinge sich eher normalisieren werden.

“Ein Team welches, so wie Kaiserslautern 1998, als Aufsteiger zu Meisterehren kam, kann man sich heutzutage schon gar nicht mehr vorstellen.”

Das konnte man sich bis dahin, und seitdem auch nicht mehr, vorstellen. Nicht umsonst ist es eine bisher einzigartige Leistung gewesen.

@Jochen Hoff:
Watzke hatte allerdings zuletzt öffentlich angekündigt auf dem Transfermarkt nun mit dem BVB deutlich offensiver zu werden. Von daher dürfte der Dortmunder Kader, zumindest in der Breite, deutlich besser aufgestellt sein in 2014.
Was die Bayern und ihren neuen Trainer betrifft, da könnte ich mir auch vorstellen, dass das vielleicht nicht ganz so optimal läuft wie viele denken. Das Verbesserungspotential ist ja recht begrenzt, so gut wie das da in diesem Jahr läuft.

Viele Clubs schenken die Spiele gegen München und mit Einschränkungen auch die gegen Dortmund von vornherein her, um Kraft für die Duelle mit ihresgleichen zu sparen. Das verstärkt natürlich die Tendenz zur Zweiklassengesellschaft. Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben. Gerade das Beispiel Dortmund zeigt doch, dass man mit wenig Geld, aber dafür mit Konzept, Fleiss und Glück auch heute noch im Fußball alles erreichen kann!

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