Für eine Kultur der Verantwortung

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Das hat gesessen. Der ein wenig irreführend als „Wutrede“ gelabelte flammende Appell für eine stärkere Gründerkultur in Deutschland, den Christian Lindner in Reaktion auf den gehässigen Zwischenruf des SPD-Politikers Volker Münchow hielt, erfreut sich im Internet großer Beliebtheit. Doch so oft der Beitrag geteilt und angeklickt wird, die traurigen Fakten bleiben: Von allen EU-Staaten zählt Deutschland mit die wenigsten Selbstständigen, gerade mal 10,5 % (2010). Und Unternehmensgründern schlägt deutlich mehr Skepsis entgegen als in großen Gründernationen wie etwa den USA oder auch Israel. Mit ein wenig Abstand zu Lindners Rede scheint es geboten, einmal einen genaueren Blick auf die möglichen Ursachen zu werfen. Von unserem Gastautor Hasso Mansfeld.

Schon der römische Philosoph Seneca riet seinen Lesern im Traktakt „Vom glücklichen Leben“, um Irrtümer zu vermeiden, sich tunlichst vom „großen Haufen“ fernzuhalten. Gehalten haben sich an diesen Rat aber — allem besseren Wissen zum Trotz — im privaten wie im politischen Leben bis zum heutigen Tage nur wenige. Wie vor 2000 Jahren, so drängt es auch heute die Menschen in größere Gemeinschaften. Zumindest im Berufsleben sollten aber doch die Prinzipien der praktischen Vernunft zum Zwecke des persönlichen Fortkommens Anwendung finden. In der Realität jedoch übt auch hier „der große Haufen“, die wohlbekannten Konzerne und Unternehmen, eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Es scheint, als sei es der sehnlichste Wunsch nahezu eines jeden deutschen Berufsanfängers, sich in diesen Haufen zu begeben, in einer dieser Institutionen ein Karriereleben lang zu arbeiten und mit knapp 60 die Riesterrente zu genießen.

Zwar ist es naheliegend und verständlich, dass am Anfang einer Karriere der Wunsch besteht, innerhalb eines festen Arbeitsverhältnisses bei einem Unternehmen mit nachweisbarer Expertise etwas zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Doch leider klettern dann die meisten deutschen Arbeitnehmer wie gehorsame Wetterfrösche die Karriereleiter langsam hinauf, statt irgendwann den Absprung zu wagen.
Warum drängt es so viele Menschen in unserem Land in ein Angestelltenverhältnis? Warum streben so wenige Deutsche eine selbstständige, unternehmerisch geprägte Laufbahn an? Und warum sind so wenige Menschen in unserem Land bereit, die volle Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen?

 

Hauptbeweggrund dafür ist wohl der Wunsch nach Beständigkeit des Arbeitsplatzes, also in erster Linie ein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit. Wer jedoch sein Denken so stark nach Sicherheitsaspekten ausrichtet, der sollte in seine Überlegungen mit einfließen lassen, dass sein Angestellten-Schicksal nur zum Teil vom eigenen Können abhängig ist. Die Sicherheit eines Arbeitsplatzes wird nämlich von einer Vielzahl von nicht beeinflussbaren Faktoren bestimmt. Dabei gilt: Je größer der Konzern und je niedriger die Hierarchiestufe, desto größer ist die Menge dieser Unwägbarkeiten. Ein Angestellter eines Konzerns ist eben nicht nur von der Qualität seiner eigenen Arbeit abhängig, sondern von der Qualität der Arbeit des gesamten Kollektivs. So kommen in einem großen Konzern absolut betrachtet deutlich mehr Unsicherheitsfaktoren zusammen, als in einem kleinem Unternehmen . Zwar kommt es in weitläufigen Strukturen zu einem starken Verdünnungseffekt, wenn gravierenden Individual-Fehlleistungen erbracht werden. Doch hätten beispielsweise all die viel bemitleideten Schleckerfrauen sich noch so sehr im Kundenverkehr ins Zeug legen können, daran, dass der Konzern moderneren Discountern und dem Longseller Edeka ebenso wenig etwas entgegen zu setzen hatte wie spezialisierten Drogerien, wäre letztendlich nichts zu rütteln gewesen.

Bei näherer Betrachtung ist es mit der vermeintlichen Sicherheit in einem großen Konzern also nicht weit her. Letztlich hat sein Schicksal nur derjenige voll und ganz in der Hand, der weitestgehend auf der Basis seiner eigenen Überzeugungen und der eigenen Verantwortung Entscheidungen treffen kann — unabhängig von der Meinung und den Unzulänglichkeiten anderer.

Zugegebener Maßen erhöht sich die Zahl und die Qualität der selbst beeinflussbaren Faktoren, je höher man in der Angestelltenhierarchie steigt. Doch bis zum Tag der Ernennung zum Geschäftsführer hat man seine Zeit in Unsicherheit und Fremdbestimmung verbracht.

In einem abhängigen Arbeitsverhältnis wird die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes also gar nicht in dem Maße gewährleistet, wie es das erhöhte Sicherheitsbedürfnis — das ja die Hauptmotivation des diesbezüglichen Handelns darstellt— dem Grunde nach verlangt. Von daher ist es interessant sich einmal mit den Gründen und Folgen dieses erhöhten Sicherheitsdenkens auseinander zu setzen. Dabei ist zunächst festzustellen, dass ein starkes Sicherheitsbedürfnis stark positiv mit mangelndem Selbstvertrauen korreliert. Ein starkes Sicherheitsbedürfnis dokumentiert somit den fehlenden Glauben an, oder einfach nur das fehlende Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten. Der starke Drang in die Angestelltentätigkeit ist somit auch Indikator für die Angst, die volle Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Das Maß an Übernahme von Verantwortung ist es jedoch, welches die Qualität der Arbeit bestimmt. Da Arbeitsqualität der wohl wichtigste Entlohnungsparameter ist, kann derjenige, der keine Verantwortung übernehmen will, nicht erwarten, dass eine solche Haltung auf Dauer mit großen Geldsummen entlohnt wird.
Verantwortung voll und ganz für sein eigenes Leben und sein berufliches Tun übernimmt einzig der Selbständige.

Bei der Betrachtung des Sicherheitsbedürfnisses eines Menschen ist zu beachten, dass die Bereitschaft Risiken einzugehen positiv mit den Chancen auf Erfolg korreliert. Wie an der Börse gilt: geringes Risiko, geringe Chance, hohes Risiko, hohe Chance. Niemand kann daher ernsthaft erwarten, große berufliche Chancen zu erhalten, wenn er kein Risiko eingehen möchte.

Um Risiken eingehen zu können, muss man sehr genau wissen, über welche Fähigkeiten man verfügt. Daher gibt es nur ein einziges strukturelles Risiko, von den individuellen Marktrisiken einmal abgesehen, über das es sich lohnt lange nachzudenken: die Möglichkeit einer fehlerhaften Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Das größte Risiko ist somit, sich selbst zu überschätzen. Und sicher erfahren unternehmerische Fehlschläge, die aus Selbstüberschätzung und Hybris resultieren, große mediale Aufmerksamkeit. Klar: Was spektakulär scheitert gerät spektakulär in den Blick. Allerdings scheint im Großen und Ganzen die Selbstunterschätzung deutlich verbreiteter als die Selbstüberschätzung. Der Mensch ist mit so vielen Fähigkeiten ausgestattet, derer er sich im Allgemeinen gar nicht bewusst ist. Wer nicht weiß, was er kann, traut sich auch nichts zu. Nur geraten all die verpassten Chancen aufgrund mangelnden Selbstbewusstseins eben nicht in die öffentliche Wahrnehmung. Womöglich aber wurde weit mehr Wohlstand verschenkt, weil jemand sich nichts zutraute, als aufgrund der Selbstüberschätzung einiger weniger.

Für das Selbstbewusstsein, das es braucht, damit erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit möglich ist, ist ein gründerfeindliches Klima, wie es Christian Lindner angeprangert hat, natürlich Gift. Nur mit einer Kultur der Verantwortung, die zu eigenem Handeln ermutigt und gleichzeitig sicherstellt, dass ein Scheiternder nicht sein ganzes Leben lang als Gescheiterter gebrandmarkt wird, wie es in Münchows Zwischenruf zum Ausdruck kam, ist Zukunft zu gestalten. Heute wie vor 2000 Jahren gilt: Wir sollten unser Schicksal selbstständig bestimmen, die volle Verantwortung für unser Leben übernehmen und dem „großen Haufen“ fernbleiben.

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Er die liberale Ideenschmiede „FDP Liberté“ im Netz initiiert und trat als Kandidat der FDP für die Europawahl an. Er ist Kolumnist im Debattenmagazin “The European”.

34 Kommentare

Bravo – ein treffender Beitrag, gewürzt mit einer ewig gültigen Lebensweisheit von Seneca.

Danke und Glückauf

Warum wird Angestellten die Verantwortung für ihr Leben abgesprochen? Sie stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung und verdienen damit eigenverantwortlich Geld. In welcher Form das Beschäftigungsverhältnis ist, mit dem man sein Geld verdient, scheint mir da doch nebensächlich.

Ist es schlecht, dass es nicht mehr Selbstständige bzw Unternehmen in Deutschland gibt? Wenn ja, warum?
Ich würde die These aufstellen, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland so gut läuft, dass sich das Risiko nicht lohnt. Würde es schlechter laufen, gäb’s vielleicht einen größere Bereitschaft zu Risiko.
Zum anderen… wo die Wirtschaft hier stark durch Mittelstand geprägt ist, kann man auch so in vielen Berufszweigen, wenn man möchte, schnell in Positionen mit Personalverantwortung aufsteigen.

Ich war mal aus Spaß nebnbei selbstständige Unternehmer (nicht dass das als Haupterwerb gereicht hätte) und bin nun Angestellter. Mein Ziel wäre es aber selbständig zu werden, was in meinem Berufszweig als Berater gut möglich ist… meine Hauptmotivation wäre die größere zeitliche Flexibilität. Mein Leben ist mir für Vollzeitarbeit zu schade. Da nehm ich lieber lukrative Projekte und kann bis zur Hälfte des Jahres meine Freizeit genießen und durch die Welt reisen. Wäre zumindest momentan meine Präferenz. Ohne Reisen würd ich eine Teilzeit-Stelle als Indoor-Berater doch bevorzugen

@Tux #3: Eigentlich sollte Jeder mal “aus Spaß” selbstständiger Unternehmer werden, damit er zumindest für eine kurze Zeit merkt, wie schwer die Verantwortung für Familie und Mitarbeiter in dieser Arbeitsform wirklich ist. Und dass der Arbeitsmarkt längst nicht mehr aus überwiegend monolithischen Angestellten-Verhältnissen von 8-17 Uhr und 30 Tage Urlaub und Lohnfortzahlung und Urlaubs-/Weihnachtsgeld bis zur Rente besteht, sollte inzwischen doch Allgemeinwissen sein.

@John Matrix: Du meinst mit Deutschland das reiche Land mit den wenigen Arbeitslosen, das gerade wieder Exportweltmeister geworden ist? Mit dem allen hat die FDP nix zu tun. Das haben alles die Grünen durch den Aufbau der Betroffenheitswirtschaft hinbekommen 🙂

Wenn ich mich richtig erinnere, waren Sie doch mal Ratsherr für irgendeine Partei.
Mir fällt nur nicht mehr ein für welche…

Klingt für mich nach dem Idealbild des Kommunismus wie ihn Marx und Engels in ihrer Kritik am Gothaer Programm der SAPD beschrieben haben: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ (MEW 19, S. 21).

Im Beitrag gibt es nach meinem Ermessen eine Irreführung: “Bei der Betrachtung des Sicherheitsbedürfnisses eines Menschen ist zu beachten, dass die Bereitschaft Risiken einzugehen positiv mit den Chancen auf Erfolg korreliert. Wie an der Börse gilt: geringes Risiko, geringe Chance, hohes Risiko, hohe Chance. Niemand kann daher ernsthaft erwarten, große berufliche Chancen zu erhalten, wenn er kein Risiko eingehen möchte.”

Es ist ein solcher Formel- bzw. Sprüche-Liberalismus, der vermutlich relativ vielen Menschen Sorgen bereitet, u.a. auch mir. Im Börsenspiel gelten Chancen und Risiken als zwei Seiten einer marktbedingten Medaille. Diese gegenseitige Abhängigkeit ist jedoch marktimmanent und keineswegs verallgemeinerbar. Sie beschreibt, wie dieser spezielle Markt funktioniert.

Auf anderen Märkten kann dies anders aussehen. Z.B. einen Buchverlag zu gründen, wurde seit Jahrzehnten in Risikoabschätzungen bestenfalls als Lottospiel betituliert! Zudem sind die Chancen, etwas zu erreichen, in diesem Markt gering. In diesem Fall korrespondiert hohes Risiko mit geringen Chancen.

Es wurde im Text freilich darauf hingewiesen, dass man sich über die jeweiligen Märkte informieren muss, aber jene Formel ist ideologisch aufgeladen!

Sowohl diese Formel als auch der Verweis auf ‘volle Verantwortung’ lässt kaum anderes zu, als Selbständigkeit und Arbeitsmotivation an Gelderwerb zu koppeln. Dies ist für mich ein weiteres Ideologie-Element, das aus pragmatischer Sicht viel zu kurz greift. Ich finde dies besonders schade, weil dadurch Arbeit eine Abwertung erfährt. Sie kann viel mehr sein, nicht einmal primär dem Lebensunterhalt dienen.

Aber die Formel fördert eine Haltung des ‘scheißegal, Hauptsache Kohle’, die mit zur immer noch nicht ausgestandenen Finanzkrise beigetragen hat.

Wenn alle Unternehmer würden, wer sollte dann für die Unternehmer arbeiten? Wenn alle selbstständig wären, wer ließe sich dann noch sagen, was er tun soll? Wo bliebe dann die hoch arbeitsteilige und deswegen so effiziente Massenproduktion, die die Kosten und damit den Preis der Produkte tendenziell senkt und so den Volkswohlstand steigert.

Wer würde dann alle die vielen Jobs machen, bei denen man tunlichst nicht über ihren Sinn und ihren Beitrag zum Gesamtgetriebe nachdenkt. Wer sollte dann einfach nur funktionieren wollen, um den Laden auch dann am Laufen zu halten, wenn andere aus welchen Eigenüberlegungen auch immer heraus keinen Bock mehr haben. Wer sollte also die Arbeit machen, die Selbständige nicht oder nur sehr ungern machen wollen.

@Reinhard Matern

Wir bewegen uns nunmal in einem in einem freiheitlichen, marktwirtschaftlichem System. Das gibt einem sogar die Freiheit, es nicht gut zu finden. Ist das nicht wunderbar?

Das Leben als Angestellter in D ist tatsächlich sehr verlockend: Wer einmal einen unbefristeten AV unterschrieben hat, ist der meisten Unannehmlichkeiten auf einen Schlag ledig. Der Arbeitgeber (AG) ist verantwortlich für sämtliche verwaltungstechnischen Arbeiten für Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege-, & Rentenversicherung. Des weiteren für das Finanzamt, Berufsgenossenschaft, obere & untere Wasserbehörde und all die Aufsichtsbehörden, die sich mit immer neuen, teils abstrusen Vorschriften (Allergie-Liste) stets neu mit Arbeit & Geld (des AG) am Leben erhalten.
Ich weiß als Kleinunternehmer, wovon ich rede. Ab drei Angestellten muß eine Teilzeitkraft die Verwaltungsaufgaben nur für die AN übernehmen, oder man delegiert es an den Steuerberater. Beides verteuert die Produkte.
Sollte der AG pleite gehen, gibt es für den AN Ausfallgeld, AlG I & II, kostenlose KV, Wohngeld, usw. usf… Das ist mit Sicherheit nicht sehr viel, aber auch nicht wenig; ich kann mich als ü50jähriger an Zeiten meiner Kindheit erinnern, in denen die heutigen Sozialleistungen ( auf die damaligen Verhältnisse zurück gerechnet) das Paradies gewesen wären.
Dennoch bin ich lieber selbstständig tätig als angestellt. Ich kann den Grad meiner Arbeitsbelastung zumindest teils selbst steuern, kann meine Arbeitszeiten mit den Dienstplänen meiner Gattin (AN) abstimmen und so mein Familienleben zeitlich besser organisieren. Allerdings kostet das auch. Jede Arbeitsstunde, die ich aus Zeitgründen von AN leisten lassen muß, geht richtig ins Geld.
Falls ich jedoch mit der gebotenen kaufmännischen Vorsicht agiere, langfristig investiere, meine AN gut bezahle und mit Respekt und Würde behandele,kann ich ab einem bestimmten Punkt mich aus dem Alltagsbetrieb zurückziehen und Arbeitszeiten und -Belastung reduzieren, ohne finanziell mich einschränken zu müssen.
Dafür habe ich aber in den vorhergehenden Jahren das komplette Risiko getragen, oft täglich, zu jeder Tageszeit, gearbeitet ( oft auch krank ), keine 30 Tage Urlaub, keine Kur, keine staatlich finanzierten Bildungsurlaube, schlaflose Nächte wg. nicht bezahlter Rechnungen und kriminellen AN hinter mir.
@Arnold Voss #10:
Dieses Argument ist ungefähr so schlüssig wie: Wenn alle Medizin studieren, wo kommen dann die Patienten her. Es gab und wird immer unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebensplanungen und Erwartungen geben.
Und es wird auch immer Menschen geben, denen jeder Ehrgeiz abgeht, die in ihrer Arbeit nur Mittel zum Zweck sehen und ihre kreativen Energien -so vorhanden- für ihre Hobbys, den Verein oder für ihre (kostenlos mitversicherten) Familien aufsparen.

@#11 Arnold Voss: Ich kenne genügend Selbstständige/Gewerbetreibende, die die Klos ihrer Ladengeschäfte selbst putzen und auch ihre Lieferfahrzeuge selbst reparieren, weil sich externe Dienstleister nicht rechnen und keiner ihrer Angestellten auch nur einen Finger dafür rühren würde.

An der Idee der “Robotisierung” mechanisch-manueller Dumpfarbeit arbeiten Politik und Wirtschaft (und auch die Gewerkschaften) schon seit Jahrzehnten mit permanent steigender Rationalisierungsquote. Neueste Entwicklungen aus Japan und USA machen das “einfach funktionieren” so langsam auch exremst billig. Ebenso möchten Gewerkschaften und SPD ja den Malocher weg von der Werkbank und rein ins CAD/CAM-Büro weiterbilden.

Ich weiß, klappt alles nicht wie geplant (besonders solch bekloppte Ideen wie Zechenarbeiter in CallCenter stecken zu wollen), Billiglohnländer, Globalisierung und so. Aber der Trend ist unaufhaltsam.

“Für eine Kultur der Verantwortung………..”
Ich meine, es ist müßig, einen Streit zu dieser Feststellung anzuzetteln.

Das Verständnis “vom Wesen des Menschen”, das unserer Verfassung zugrundliegt, basiert auf der Prämisse, daß jeder Mensch sein Leben frei und in Verantwortung für sich und in Verantwwrtung gegenüber der Gemeisnchaft selbstbestimmt gestaltet, zu gestalten hat.

(Dieses Verständnis vom Wesen des Menschen resultiert nicht aus unbestreitbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern ist letztlich “nur” das Ergebnis philosophischer, theologischer Überlegungen in einem Teil dieser Welt. )

Jeder Mensch hat -nach unserem (!!) Verständnis- folglich das Recht und die Pflicht frei zu sein, über das WIE dieses in Freiheit und Verantwortung zu gestaltenden Lebens eigenständig, nicht fremdbestimmt zu entscheiden, also u.a. darüber, ob er versucht, in einem Abhängigkeitsverhältnis stehend sene Lebensunterhalt zu bestreiten, sein Leben zu gestalten oder unabhängig vom Weisungsrecht eines Arbeitgebers als “Seltständiger”.
Ob man -der Staat?- und ggfls. wie man -der Staat?- das beruflich-wirtschaftliche Selbständigwerden, das Selbständigsein fördern sollte, fördern müßte, darüber darf gestritten werden. Und das geschieht, mal durch die eine Partei mehr ( dieFDP?), mal durch die andere Partei (die LINKE?) weniger.
Daraus zu folgern, daß das letztendlich zutun hat mit unterschiedlichen Positionen zur “Kultur der Verantwortung” halte ich für fragwürdig, zumal damit suggeriert wird, daß man demjenigen, der als weisungsabhängier Arbeitnehmer seinen Lebensunterhalt zu bestreiten versucht, eine ” ( Un-)Kultur der Unverantwortlichkiet” zuzuschreiben hätte, was ich wiederum unverantwortlich nennen würde.

Niemand wird zudem bestreiten wollen,daß die subjektiven Möglichkeiten, die der Mensch hat, es eben nicht jedermann gestattet, sein Leben “in der Vision von einer Kultur der Eigenverantwortung” tatsächlich so zu gestalten, wie er es sich wünscht, z.B. als Selbständiger in der Branche…………..

Ebenso unbestritten ist, daß die objektiven Gegebenheiten, also die Welt, in die man hineingeboren wird, die Welt, in der man aufwächst, die Welt, in die die Lebensumstände den Menschen hineingeworfen haben, es nur Wenigen ermöglicht, ihre Fähigkeiten uneingeschränkt zu nutzen, um das Leben weitgehend selbstbestimmt und weitgehend eigenverantwortlich zu gestalten.

Die Bundesrepublik Deutschland versucht im Sinne der Sozilstaatszielbestimmung des GG diese objektiven Gegebenheiten, die der freien, eigenverantwortlikchen Entfaltung der Persönlcihkeit entgegenstehen, zu miniimieren.
Letzteres könnte z.B. dazu führen, daß viel mehr Menschen als das zur Zeit der Fall ist über ein weitgehend für jedermann tatsächlich vom Kindergarten bis zur Uni unentgeltlich nutzbares Bildungsystem in die Lage versetzt werden, als Selbständige ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihr Leben zu gestalten. Potential für “mehr Selbständige” gibt es z.B. bei vielen Menschen in Deutschland mit sog. Migrationshintergrund. Die Behauptung, die wollten das Selbständigwerden/das Selbständigkeit sen nicht wegen einer ihnen fehlenden Kultur der Verantwortlichkeit, geht fehl.

Um es “parteipolitisch” zu formulieren:
Wenn die FDP mehr Selbständige fordert, wenn sie mit der Kultur der Verantwortung für sich wirbt, dann könnte sie mit der Unterstützung eines “barriefreien Bildungssystem für jedermann” ganz wesentlich dazu beitragen, daß viel mehr Menschen als derzeit in die Lage versetzt würden, sich ihren Anlagen und Fähigkeiten entsprechend z.B. eigenverantwortlich “als Selbständige” auf den Weg durch das Leben begeben zu können und so eine “Kultur der Verantwortung” im Sinnne der FDP zu leben.

“Legenden um Lindner”
Das ist die Überschrift eines Artikels von Johannes Nitschmann in der Recklinghäuser-Zeitung (u.a.auch in der Waltroper-Zeitung erschienen) -Nr.36, S.2 vom 12.2.2o15-.
U.a. schreibt Nitschmann im vorletzten Absatz seines Artikels: “Es steht der Verdacht im Raum…..”.

Ich kann darauf nicht näher eingehen, weil ich dazu in der Sache keine Kenntnisse haben.
Seltsman ist allerdings, daß ich -zumindest heute-dazu in anderen Medien bisher nichts lesen bzw. hören konnte.
Weiß dazu jemand von den Bloggern hier bei den Ruhrbaronen Näheres?

Welches Risiko ist ein Herr Lindner denn eingegangen? Er bekam mit 21 Jahren schon monatlich Landtagsdiäten, nach seinem Ausflug zu Moomax wieder. Noch nicht mal die Insolvenz von Moomax hat er mit vollzogen, er war kurz vorher raus aus der Nummer.

Zitat: Doch wie war das genau mit dem Gründer Lindner? 2001 war er mit dem Internet-Start-up Moomax in die Insolvenz gegangen. Die Firma hatte 1,4 Millionen Euro öffentliche Förderkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten. Nach Recherchen dieser Zeitung lag der Eigenanteil von Lindner als finanzielle Unternehmens-Beteiligung bei lediglich 8000 Euro. Zugleich erhielt er als einer von drei Geschäftsführern der Moomax ein Monatsgehalt von 5000 Euro und bezog bereits zu dieser Zeit regelmäßige Landtagsdiäten in Höhe von etwa 6000 Euro.
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Kritik-an-Wutrede-des-FDP-Chefs-Gruene-Lehrbeispiel-fuer-Doppelmoral;art4306,3043065 Zitatende
und
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/christian-lindner-avatar-11741206.html

Ich denke dieser vermeintliche Mutige möchte gern Unternehmensgründer Lindner ist sehr weich gelandet.
Da wird jemand gelobt, weil er rhetorisch gut drauf ist, aber Mut oder irgendwas anderes anerkennendes kann ich nicht sehen.
Ich kenne aber genug Gründer, die eigenes Geld zusammenraffen um damit an den Start zu gehen, die tragen aber auch alle Risiken selber, im gegensatz zu Herrn Lindner der nichts tragen mußte!

Eine Front zwischen Angestellten und Kleinunternehmern aufzubauen – das finde ich genauso witzlos wie eine Front zwischen berufastätigen Frauen und Hausfrauen. Das ist Geschmacksfrage und muss dem einzelnen überlassen bleiben.
Die staatliche Politik begünstigt halt unvermeidlich immer etwas mehr das eine oder das andere Lebensmodell, und wir müssen bloß aufpassen, dass diese Politik die Menschen nicht zu sehr in die eine oder andere Richtung drückt oder erpresst. Dazu gehört auch eine Reform der Krankenversicherung (für kleine Selbständige kaum bezahlbar) und eine Entbürokratisierung.

Theo,
danke für die erklärenden Bemerkungen/Hinweise, nach denen ich jetzt in der Lage bin, den Artikel von Johannes Nitschmann -.sh.mein Beitrag -18- “besser einzuordnen”.
Aber weiterhin doch sehr bemerkenswert, daß in der Medienwelt in Deutschland -kurz vor der Hamburg-Wahl?- das Thema “Legenden um Lindner” gar keines ist.

Immer wieder schön, wenn ein FDP Gastautor seine FDP Werbeschriften hier veröffentlichen kann.
Aber das soll bestimmt unabhängiger Journalismus sein, wenn Parteimitglieder über Parteimitglieder schreiben…

Auch das folgende ist in meinen Augen interessant, wenn man bedenkt das Herr Lindner wohlmöglich nie wirklich selber etwas erreicht hat, zumindest als unternehmerischer Leistungsträger.

Was will ich eigentlich sagen, ich will sagen das ich es dreist finde, wie der vermeintliche Wutredner mit zweierlei maß misst.

An der wärmsten Stelle sitzen immer die Unverfrorensten.

( Unbekannt )

@#28 Theo: Kann es sein, dass Sie dem üblichen medialen Hype über eine angebliche “Wutrede” dermaßen aufgesessen sind, dass Sie wie der Rest des spießbürgerlichen Katzen-und-Wut-Internets nicht gemerkt haben, welche inhaltlichen Aussagen Lindner gemacht hatte?

Jemanden verbal und völlig berechtigt zur Sau zu machen, der seiner eigenen Ministerpräsidentin mit primitiv-anbiedernden Zwischenrufen die Generaldebatte komplett versaut, ist wohl die einfachste, effektivste und angebrachteste Redeform in parlamentarischen Umgebungen überhaupt.

Sind die Grenzen zurzeit nicht fließen?
Leiharbeit, Sub-Unternehmer, “Berater”….
Auch angestellte haben oft befristete Verträge. Ihre Arbeitsplätze hängen von konkreten Aufträgen ab etc.

Auch viele Selbständige leben in geschützten Biotopen mit geregelten Stundensätzen, haben Haftungsbeschränkungen etc. Das Risiko hält sich oft in Grenzen.

Dann gibt es noch Beamte als besondere Form der Angestellten. In Berlin scheint es hier besonders hohe Risiken für die Gesundheit zu geben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/krankenstand-berliner-beamte-fehlen-fast-zwei-monate-im-jahr-a-879814.html

Jede Form der Beschäftigung hat Vor- und Nachteile. Es ist wichtig, dass Kreativität und das Schaffen gefördert wird und nicht das Bürokratiemonster. Dies ist unabhängig von der Form der Beschäftigung.

Klaus Lohmann,
das Eine ist, einen blöden, einen politisch dummen Zwischenruf im Landtag zu registrieren,
das Andere ist, daß darauf jemand -hier Lindner-reagiert,und das mag man rethorisch für gelungen halten oder eben nicht,
und wieder etwas Anderes ist es, wenn in den Medien bei der Gelegenheit, und zwar aus guten Gründen,
MDL Lindner als “vorbildlicher” selbständiger Unternehmensgründer kritisch hinterfragt.

Mehr geschieht doch hier nicht, einschließlich eniger allgemeiner Betrachtungen zur ” Kultur der Verantwortung”, und das sind m.E. stets naheliegende, stets sinnvolle Erwägungen. Die Person und der Anlaß -MdL Lindner im Landtag NRW-sind dafür allerdings “weniger geeignet”.
Wir haben hier bei den Ruhrbaronen z.B. mehrfach einen Diskurs über “Freiheit und Verantwortung” geführt, u.a.zu der These, daß Verantwortung ein immanter Bestandteil von Freiheit ist oder anderes fomuliert, daß es Freiheit ohne Verantwortung nciht gibt.

@steven @theo

Artikel bitte auch mal bis zum Ende lesen. da steht klar drinne aus “welcher Ecke” ich komme:

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Er die liberale Ideenschmiede „FDP Liberté“ im Netz initiiert und trat als Kandidat der FDP für die Europawahl an. Er ist Kolumnist im Debattenmagazin “The European”.

Hasso Mannsfeld, habe ich was ganz anderes geschrieben. Nein!
Zitat: #26
Theo 13. Februar 2015 um 22:16

Naja Hasso Hasso Mansfeld ist zumindest ein FDP Freund . Zitatende
Ich habe nicht mal eine Wertung abgegeben.

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