Für die Hochzeit oder Opas Beerdigung: Warum nicht mal ein Nazi?

Würden Sie diesen sympathischen Herrn für Ihre Hochzeit buchen? Quelle: Screenshot
Würdest Du diesen sympathischen Herrn für Deine Hochzeit buchen? Foto: Screenshot

Du willst deine eingetragene Lebenspartnerschaft feiern, findest aber keinen Pfaffen für die Festrede? Du willst auf der Beerdigung deines atheistischen Opas kein religiöses Geschwafel hören? Zum Glück gibt es konfessionslose Festredner und “Zeremonienleiter”, die das übernehmen. Seriöse und sympathische Menschen.
Oder Menschen wie Sascha Krolzig: Mehr als zehn Jahre lang hat der sein Rede-Talent auf Nazi-Demos in der ganzen Republik gestählt, um es jetzt den feiernden und trauernden dieses Landes zu widmen.

Eigentlich wollte Sascha Krolzig ja großes bewegen. Schon lange vor seinem Kameraden Michael Brück begann der heutige NRW-Vorsitzende der Nazi-Partei “Die Rechte”, in Bielefeld Jura zu studieren. Anwälte braucht die Szene der rechtsextremen Gewalttäter und Volksverhetzer schließlich immer. Genau diese Delikte waren es schließlich auch, die Krolzigs Juristen-Karriere vorzeitig beendet haben: Aufgrund seines Vorstrafenregisters wurde er nicht zum zweiten Staatsexamen zugelassen. Der Weg zum Volljuristen bleibt ihm versperrt.

Offenbar hat Krolzig nun eine neue Karriere-Chance aufgetan. Auf einer eigenen Website bietet der Neonazi seit kurzem seine Tätigkeit als “Freier Redner und Zeremonienleiter” für Trauerfeiern, Trauungen, Ehejubiläen, Lebensfeiern und “weitere Anlässe” an. “Nach einigen Tätigkeiten im juristischen Bereich”, schreibt er dort, habe er den Entschluss gefasst, sich beruflich umzuorientieren. Schöner wurde der Satz “ich darf kein Anwalt werden, weil ich wegen Gewalttaten vorbestraft bin” bislang wohl nicht umschrieben. Auch seine Hobbys beschreibt Krolzig, der dort unter seinem zweiten Vornamen Marcel auftritt: Er gehe oft wandern und die deutschen Mittelgebirge erkunden, er lese außerdem gern und betätige sich im Laufsport.
Von den Gemeinschaftswanderungen mit Nazis, Hooligans und anderen Gewalttätern durch deutsche Innenstädte liest der interessierte potentielle Kunde hingegen nichts.

Wer also schon immer mal der Rede eines Neonazis lauschen wollte, ohne gleich einen ganzen Trupp schlechtgekleideter, alkoholisierter Gewalttäter um sich zu haben, kann das jetzt schon ab 350€ plus Fahrtkosten tun!

Sascha Krolzig (Die Rechte), Foto: Ulrike Märkel 2015
Sascha Krolzig bei einer Nazi-Demo in Dortmund, Foto: Ulrike Märkel 2015

Anm. d. Red.: Wir haben Herrn Krolzig per Mail gefragt, ob er seine Tätigkeit auch für die Feier einer homosexuellen “Eingetragenen Lebenspartnerschaft” oder für “Menschen ausländischer Herkunft” anbietet. Wir sind auf seine Antwort gespannt und ergänzen sie hier, sobald sie uns erreicht.

5 Kommentare

Sie hintertreiben mit diesem Artikel die Resozialisierung von Herrn Krolzig. Jedenfalls würden gewisse politische Kreise diese Auffassung vertreten, wenn er ein linker Radikaler wäre.

Ich muss mich bei dem Autor entschuldigen. Ich dachte der Artikel wäre von einer "anderen Person" geschrieben worden, die mir hier mehrfach mit schlecht gemachter Stimmungsmache aufgefallen ist. Daher der flapsige Kommentar.

Und außerdem ist Krolzig ja noch "aktiv".

Sie sollten sich einmal darüber informieren, wie oft das Schimpfwort "Pfaffen" von der Nazi-Propaganda ge- und mißbraucht wurde. Der Begriff ist zwar alt und findet sich etwa auch bei Heinrich Heine, er war aber vor allem eine gängige Nazi-Polemik : "Warum manche Pfaffen Großdeutschland hassen? Der Teufel versteht's. das muss man ihm lassen"! Von daher: Vorsicht bei der Wortwahl, bevor mann sich mit den falschen Leuten gemein macht …

@3: Es hat lange vor den Nazis eine deutsche Sprache gegeben, und die wird es auch noch lange nach den Nazis geben. Verleihen wir den Nazis nicht noch nachträglich Macht über unser Denken und Sprechen. Ich beziehe mich ausdrücklich nicht auf Nazi-Wortschöpfungen wie "Volkskörper", "asozial" oder "lebensunwert".
Aber das Wort Pfaffe fand ich schon immer sehr schön; leicht aufsässig, mit der Würze der Religionsverachtung und einem feinen Unterton des Aufbegehrens gegen Bevormundung. Ebenso im Hintergrund der Anklang der Emanzipation der Bürger gegen Religion und Adel und schließlich im Abgang das Reimangebot gepaart mit dem gezischten f. Rundum eine gelungene Wortschöpfung, die wir nicht ungenutzt lassen sollten.

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