Frauen-WM: Klasse auch in der Niederlage zeigen

Inka Grings Foto Frank-M, Lizenz: CC 3.0

Es war schon sehr merkwürdig, dass in der Vorberichterstattung so oft betont wurde, wie kleinwüchsig die Japanerinnen seien. Das ist Lionel Messi schliesslich auch. Merkwürdig auch dieses FAZ-Interview mit Inka Grings vor dem Spiel, in dem sie nicht nur ihre Liebe zu Merkel und BILD artikulierte, sondern auch ein Ausscheiden gegen Japan nicht wirklich in Erwägung gezogen wurde. Da kann man nur feststellen: die sportliche Gerechtigkeit hat ausnahmsweise mal wieder gesiegt.

Denn die Japanerinnen zeigten eine taktische und technische Spitzenleistung. Sie bekamen zwar dreimal so viele Gelbe Karten wie Nigeria, waren aber auch dreimal so fair, weil sie über erheblich bessere fußballerische Mittel verfügten. Das Tor in der Verlängerung, das nicht viele Menschen aus diesem spitzen Winkel getroffen hätten, hat dem nur die Krone aufgesetzt.
Nachher ist mann immer schlauer. Als einer von Millionen Bundestrainern hätte ich nach 60-70 Minuten Birgit Prinz eingewechselt. Denn das deutsche Spiel war in einer Sackgasse; Prinz hätte nach ihrer gelungenen Pressekonferenz und als Nothelferin in einer anderen Rolle und damit befreiter aufspielen können; ihre Kraft und Erfahrung hätten die japanische Abwehr vielleicht in mehr Verlegenheit gebracht. Grings hätte ich nicht herausgenommen – sie hat zwar schlecht gespielt, aber das tun solche Torjägerinnen oft – und machen dann vielleicht doch die entscheidende Bude.

Für Prinz’ und Grings’ Fußballkarriere wars das wohl, was große Turniere betrifft. Auch wenns kein Happyend gefunden hat, haben sie als Fußballerinnen Großes geleistet. Und die andern Mädels brauchen nicht zu weinen. Sie sind so jung, dass sie das Schönste noch vor sich haben.
Und wir Fans haben noch Super-Spiele vor uns. Ich habe mich gestern keine Spielsekunde gelangweilt und ich bin sicher, dass mir das auch in den bevorstehenden restlichen Viertel-, Halb- und Finals nicht passieren wird. Zwar werden die Einschaltquoten – gestern 16,95 Mio. – fallen, aber mit “Tatorten” und der “Sportschau” werden sie es weiter locker aufnehmen können. Der Infekt ist gelegt – die Mädchen stehen in Massen vor den Türen der Fußballvereine, die nicht wissen, wo sie die TrainerInnen hernehmen sollen: Fachkräftemangel!
Mit dem Fußball geht es erst zuende, wenn man immer vorher weiss, wer gewinnt – ein Problem der deutschen Frauenbundesliga, in der zuletzt nur drei Teams (Potsdam, Frankfurt, Duisburg) alles dominierten. Dieses Frauen-WM-Turnier dagegen ist ein tolles Lebenszeichen.

13 Kommentare

Was sie Quoten betrifft teile ich Deinen Optimismus nicht, Martin. Ein neuer Münster-Tatort würde gegen eine Endspiel ohne deutsche Beteiligung lässig bestehen. Das der Hype vorbei ist nutzt vor allem Silvia Neid. Sie kann nur Trainerin bleiben, weil es eigentlich niemanden interessiert, was sie macht. Als amtierender Weltmeister zu Hause im Viertelfinale auszuscheiden wäre für jeden Trainer der Männer-Mannschaft das Ende. Neid kann bleiben – weil es egal ist.
Die WELT treffend:
„In ein paar Wochen werden wir positiv über die WM denken“, behauptete stattdessen Bundestrainerin Silvia Neid. Eher anzunehmen ist, dass in ein paar Wochen kaum noch jemand überhaupt an dieses „20elf von seiner schönsten Seite“ denken wird. Es dürfte ein kurzfristiger Hype um das Thema Frauenfußball gewesen sein – erst recht nach diesem deutschen Abschneiden.”
http://www.welt.de/sport/fussball/frauen-wm-2011/article13478919/Deutschlands-Frauen-scheiterten-an-sich-selbst.html

Heute schaue ich auch mal Frauen-WM. (Kommt ja sonst derzeit nichts….) Also, wenn Brasilien vs. USA bisher nicht langweilig ist, dann weiss ich nicht….. Da schau ich lieber waltrop vs. erkenschwick bei den Herren. Und das ist auch übel, was die Spielqualität betrifft 😉

Aber zu etwas Anderem: Warum wird beim Frauenfußball eigentlich immer diese ‘weibliche’ Seite in den Reportagen so betont? Habe gerade 2 Nachbetrachtungen zum Spiel der Deutschen gesehen. Da war unheimlich oft von ‘Tränen die getrocknet werden müssen’ und sogar von ‘Ringen, die man sich tätowieren lässt’ die Rede. Könnt Ihr euch vorstellen das das beim ‘Männer-Fußball’ ein Thema bei der Berichterstattung wäre? Irgendwie geht das nicht mit dem Anspruch der Frauen zusammen emanzipiert und gleichberechtigt behandelt werden zu wollen. Und die Berichterstatter waren zudem auch noch Frauen. Kann man ja so machen, aber dann ist es ja irgendwie kein Wunder, wenn viele Männer das nicht ganz so ‘für voll’ nehmen. Von der sportlichen Leistung einmal ganz abgesehen…

@ Stefan Laurin #2

na, einen Weltmeister haben wir jedenfalls schon:

Stefan Laurin. Weltmeister im “antizipieren”.

(fiel mir gerade bei Brasilien–USA auf, dass dauernd das Wort “antizipieren” gebraucht wird, für ganz schlicht und deutsch: “vorhersehen”. Finde ich umso bemerkenswerter, weil Fussball doch Volkssport ist, oder?)

@ Robin #3

also ich find’s spannend, Brasilien–USA:

Marta mit Super-Trick im Strafraum, von der Amerikanerin gefoult. Rote Karte, Elfmeter. Elfmeter Klasse gehalten. Elfer wiederholt: Tor!

(wenn das kein Drama ist … ich hoffe doch, dass da Tränen …)

@Andreas #5: Das war eher eine chaotische Schiedsrichterleistung, denn man wusste ja erst gar nicht was da los war: Rote Karte für Schwalbe, oder Elfmeter? Warum wurde der Elfmeter dann wiederholt usw.. Der Schiedsrichterin war das nicht zu entnehmen….und der reporter stand auch auf dem schlauch. Los war da was, aber ein Zeichen für Qualität war das auch nicht, eher für allgemeine Verwirrung 😉

Also, ich habe jetzt umgeschaltet. Es hat einfach keinen Zweck… Der Treffer zum 2:1 für BRA gerade war ja wohl ein schlechter Witz. Abwehrarbeit und Torhüterleistung der USA ‘ungenügend’. Abgesehen davon war es wohl Abseits. Die Schiedsrichterin ist auch grottig. Erschreckend. Das erinnerte mich an Jugendfußball o.ä.. Aber warum soll ich mir das freiwillig anschauen? Unglaublich schlecht! Jetzt mach ich wieder DVD-Abend. Und Fußball schaue ich erst wieder im August! 😉

@ Robin #8

bin immer noch dabei, bei Brasilien–USA, immer noch spannend, 2:2 in der Verlängerung der Nachspielzeit … und, natürlich:

Elfmeterschiessen!

@Andreas: Das Spielende habe ich dann auch wieder geschaut. Wollte dann doch sehen wie es ausgeht. Der Treffer zum 2:2 war dann auch wieder so ein Brüller. Altes ‘Fußballerspruchweistum’ (frei nach Fred Feuerstein) sagt ‘Wenn der Torhüter rauskommt muss er/sie den Ball haben!’
Hat aber auch hier nicht geklappt. Die Folge war das 2:2, welches so in der 122. Minute auch niemals fallen darf. Aber spannend war es so dann zum Schluss. Habe es der Tochter von Han Solo gegönnt, dass sie gewonnen hat 😀

Liebe Frauen-Fußball-Nationalmannschaft,

das war nicht schön von euch, das muss ich doch mal loswerden. Vielleicht war es ja mein Fehler. Ich hätte wohl vorher Bescheid sagen sollen. Ich hatte nämlich Geburtstag an dem Abend, wisst ihr. Und viele nette Freunde haben mir gratuliert und einen schönen Tag gewünscht. Einige von ihnen waren abends bei uns. Der Regen hatte sich rechtzeitig verzogen, wir saßen draußen, wir aßen, tranken und redeten freundlich miteinander, Harald hatte ein paar Deutschlandfähnchen und die Zapfanlage mitgebracht. Dann gingen alle rein, 20.45, dicht an dicht drängten wir uns im Wohnzimmer, die Luft vibrierte von gespannter Erwartung …

Und dann kam es – das mit Abstand schlechteste und vor allem langweiligste Fußballspiel, das jemals in voller Länge in meinem Haus übertragen werden durfte. Zwei volle Stunden Fußball im Versuchsstadium. Gespräche erlahmten, versickerten, wurden erstickt vom zähen Fußballbrei, der aus dem Fernseher quoll. Schon zur Halbzeit verabschiedeten sich die ersten verstummten Gäste, denn anders, das lag auf der Hand, konnte man sich eurem quälenden Bann nicht entziehen. Wenn Deutschland im WM-Viertelfinale spielt, kann man dann den Fernseher einfach abschalten? Nein, kann man nicht. Und noch schlimmer: Irgendwie muss man einfach hingucken.

Und so ging das elende Gekicke weiter, nicht nur in Wolfsburg, auch in meinem Wohnzimmer. Draußen brach die Nacht herein, zwei beneidenswerte Fußballmuffel standen dort an der Zapfanlage und unterhielten sich prächtig, während drinnen gerade die Frauen – sofern sie noch da waren – mit festgenagelten Blicken an euren müden Beinen hingen.

Irgendwann, nach gefühlten viereinhalb Stunden, wart ihr dann endlich fertig – und wir haben doch noch die Kurve und ein wenig Spaß gekriegt.

Also, liebe Fußball-Frauen: Das war gar nix, und ich bin von euren Machenschaften gründlich kuriert. Gut, dass der Hype vorbei ist.

Euer Thomas

Sorry Thomas,

aber es gab in der langen WM-Geschichte der männlichen deutschen Nationalmannschaft mehr als ein Spiel, dass ich wortwörtlich genauso kommentiert hätte. Ach ja, man sollte bei Partys übrigens nie Fussball gucken.

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