Flüchtlingsdebatte: ‘Eure Politik ist grausamer Menschenhass’

Die St. Peter-Kirche in Waltrop. Foto(s): Robin Patzwaldt

Über viele Wochen und Monate tobte zuletzt landesweit die emotional aufgeladene Flüchtlingsdebatte. Aktuell ist es etwas ruhiger um das Thema geworden, obwohl die Situation ja noch immer völlig ungeregelt vor sich hin schwelt. Das wollten Aktivisten in Waltrop (Kreis Recklinghausen) so nicht länger akzeptieren und schritten entschlossen zur Tat.

Mit etlichen Plakaten und Bannern an der örtlichen St. Peter-Kirche im Zentrum des 30.000-Einwohner-Städtchens machten sie in der Nacht von Montag auf Dienstag auf die ihrer Meinung nach völlig unzureichende Flüchtlings-Politik der EU aufmerksam.

Im Kircheninneren hinterließen sie dazu ein entsprechendes Bekennerschreiben, in dem sie bei den Kirchenvertretern um Verständnis für ihr nicht mit ihnen abgestimmtes Handeln werben.

Und tatsächlich trafen sie zumindest beim örtlichen Küster und dem zuständigen Gemeinderat durchaus auf überraschend viel Akzeptanz für ihre Taten. Dort entschied man nämlich kurzerhand, dass die deutlich sichtbaren Protestnoten rund um die historische Kirche zunächst noch für einige Zeit dort hängen bleiben dürfen.

Auch wenn damit natürlich keinem einzigen Flüchtling im Mittelmeer oder sonstwo konkret geholfen sein mag, haben die Aktivisten mit ihrer Aktion zumindest eines schon einmal erreicht: In Waltrop und Umgebung wird aktuell über das Thema wieder vermehrt gesprochen, wird die Politik der Bundesregierung und der Europäischen Union in diesen Stunden kritisch hinterfragt.

Natürlich sind nicht alle Zeitgenossen von dieser Art des Protestes und dem Inhalt der aufgehängten Banner begeistert. Viele Bürger sehen insbesondere in der Kirche nicht den richtigen Ort, um auf diese Anliegen in dieser drastischen Form, mit diesen scharfen Worten aufmerksam zu machen.

Die Vielzahl der Reaktionen in der Bürgerschaft und gleich etliche Medienberichte rund um die spektakuläre Plakataktion in Waltrop zeigen jedoch, dass es seitens der Protestler letztendlich keine schlechte Wahl gewesen sein kann. Wenn es ihnen darum ging das Thema mit bescheidenen Mitteln spektakulär und frisch in Szene zu setzen, dann ist das gelungen. Auch wurden in Zusammenhang mit den Protesten keinerlei Sachbeschädigungen oder gar Einbruchspuren hinterlassen, wie der Küster von St. Peter betonte.

Zudem zeigt die unaufgeregte, ja geradezu souveräne Reaktion der zuständigen Gemeindevertreter von St. Peter in Waltrop, dass in Sachen der Katholischen Kirche im 21. Jahrhundert die Chancen auf eine Rückkehr zu wieder mehr gesellschaftlicher Relevanz vielleicht doch noch nicht komplett verloren gegangen sein müssen.

Indem sie (wenn auch zunächst einmal ohne ihr konkretes Zutun) ein von vielen zuletzt unerwartetes, klares Zeichen für mehr Mitmenschlichkeit und Toleranz in der Debatte setzen konnten, haben die Gemeindevertreter hier durch diese von fremder Hand organisierte Plakataktion eine Chance geschenkt bekommen, die sie geschickt genutzt haben um ihrerseits neue Sympathien zu ergattern.

Ein weit sichtbares Zeichen, das in vielerlei Hinsicht neue Hoffnung weckt!

 

2 Kommentare

Dass Menschen in Seenot gerettet werden, ist keine Frage. Offen ist, wer die Küsten Nordafrikas in welchem Umfang absichert und warum hier ausschließlich auf die EU verwiesen wird.
Auch an den EU Küsten sterben Seefahrer und Badegäste genau wie an unseren Seen. Wasserrettung kann also überall optimiert werden. 2018 sind allein in D über 500 Personen nachweisbar ertrunken. Über diese Menschen wird wenig gesprochen.

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