FC Schalke 04: Ein Trainer Stefan Effenberg passt nicht zum Verein

Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc
Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc

Bei ‚Sport1‘ kann man gerade lesen, dass es wohl eine grundsätzliche Einigung des FC Schalke 04 mit Stefan Effenberg als neuem Trainer geben soll. Dies ist allerdings so (noch) nicht offiziell.

Unabhängig davon, ob es nun am Ende wirklich zu einem Engagement des ‚Tigers‘ auf Schalke kommt, oder nicht, habe ich mich persönlich seit Sonntag, als die ersten Spekulationen von ‚Bild.de‘ verbreitet wurden, schon mehrfach gefragt, ob allein die ernsthafte Erwägung einer Verpflichtung Stefan Effenbergs für den Cheftrainerposten der Königsblauen wirklich der Ernst der Schalker Verantwortlichen sein kann?

Ausgerechnet ein als Trainer bisher völlig unerfahrener Ex-Münchener soll in Schalke das fertig bringen, was man einem Jens Keller und einem Huub Stevens offenkundig seitens der Verantwortlichen für die nahe Zukunft nicht zutraut bzw. zugetraut hat?

Für mich würde das Alles so gar nicht zusammenpassen!

Schon die, aus meiner Sicht völlig übereilte, Trennung von Stevens Ende 2012 konnte ich damals irgendwie nicht nachvollziehen. Das man dann den eher farblosen Jens Keller verpflichtete, schien mir ein reiner ‚Notnagel‘ zu sein. Und dann jetzt, wo Jens Keller offenbar als Trainer nach einigen Anlaufschwierigkeiten, auch mit seiner Außendarstellung, seit Wochen gute und erfolgreiche Arbeit in seinem Job leistet, erneut einen Wechsel vorzunehmen, nur weil scheinbar unbedingt wieder ein ‚großer Name‘ auf die Trainerbank auf Schalke soll?

Mag ja sein, dass es funktioniert, aber ginge man in Gelsenkirchen so nicht ein verdammt hohes, und nebenbei unnötiges, Risiko? Wo ist da das längerfristige Konzept? Wo ist die Linie?

Effenberg kommt gerade erst von der Trainerausbildung. Klar, er ist im Gegensatz zu Jens Keller ein international erfahrener und prominenter Ex-Profi. Aber passt sein Profil, auch das seiner Persönlichkeit, ausgerechnet zu dem Job beim FC Schalke 04? Von außen betrachtet habe ich daran zumindest erhebliche Zweifel!

Hat man auf Schalke nicht immer das Image des ‚Malochers‘ des ‚Kumpels‘ gepflegt? Wie passt da ein Stefan Effenberg dazu, der jahrelang für den FC Bayern München stand, lange Zeit nach seiner aktiven Karriere in den USA verbrachte und als Trainer bisher keine Erfahrungen hat?

Welche Trainer hatten zuletzt auf Schalke Erfolg? Waren es nicht immer Persönlichkeiten mit dem Image eines einfachen ‚Arbeiters‘, eines ‚akribischen Tüftlers‘, so wie Huub Stevens, Ralf Rangnick, Mirko Slomka, Mike Büskens, Jörg Berger usw.? Klar, gehen mussten diese aus unterschiedlichen Gründen auch immer, aber zumindest sind sie auf Schalke noch immer überwiegend positiv in Erinnerung.

Relativ unbeliebt waren dagegen rückblickend doch eher ‚weltmännische‘ Typen wie ein Jupp Heynckes, oder ein Felix Magath , wenn ich das als Beobachter richtig einschätze.

Und zu welcher Kategorie würde man da wohl einen Stefan Effenberg zählen? Ist er ‚volksnah‘ genug für den Job auf Schalke? Oder will Clemens Tönnies dieses Image durch eine solche Transaktion vielleicht gerade ablegen, dem Club somit vielleicht auch eine größere Bühne verschaffen?

Was immer da in den Gesprächen hinter den Kulissen konkret besprochen wurde, was Effenberg an interessanten Strategien und Perspektiven dargelegt hat, für mich passt schon der Typ ‚Effenberg‘ so nicht ins Ruhrgebiet. Ähnlich habe ich das auch schon vor einiger Zeit empfunden, als man einen Oliver Kahn ernsthaft für einen Managerposten auf Schalke verpflichten wollte. Auch dieser hätte von seiner Ausstrahlung her nicht wirklich eine der größten Attraktionen des Ruhrgebiets repräsentieren können….

Für mich ist es auch kein Zufall, dass die Nachbarn aus Bochum und Dortmund aktuell Trainertypen wie Peter Neururer und Jürgen Klopp beschäftigen. Auch diese kann man sicher nicht direkt miteinander vergleichen, aber gerade ihre ‚Volksnähe‘ und ihre Lockerheit kommt doch bei den Leuten hier im Revier gut an.

Und dann vergleichen wir das mal mit der Ausstrahlung eines Stefan Effenberg…

Mag ja sein das ich mich irre, und das Ganze vielleicht auch zu engstirnig sehe, aber würde ein Effenberg wirklich zur neuen Saison auf dem Cheftrainerposten in Schalke landen, es wäre zweifelsohne ein riesiges Wagnis des Clubs. Aus meiner Sicht ein zu großes zudem.

5 Kommentare

Mit Malocher oder gar Kumpel hat man auf Schalke nach Stan Libuda eigentlich gar nichts mehr am Hut. Das will in Gelsenkirchen nur niemand wahrhaben.

Letztendlich geht es auf Schalke wie auch in Bayern nur um die Wurst, wobei derzeit Personaltechnisch die Bayern eindeutig am oberen und Schalke am unteren Ende selbiger fest zumachen sind. Und weil bekanntlich jede Wurst zwei Enden hat, kann eigentlich jeder, dessen Ende in Bayern gekommen ist, bei Schalke auf ein weiteres Ende hinarbeiten.

Wer sich vor BILD so auf den Rücken legt, wie anscheinend die Vereinsführung von S04, ist wohl wirklich kaum zu retten. Schade eigentlich. Das mit Keller war ein guter Ansatz, wie der bisher behandelt wurde, war allerdings schon unterste Schublade.
Ich frage mich, an welchen Beraterseilschaften Effenberg hängt. Die hatten auch in Schalke immer schon unguten Einfluss. Jetzt fehlte nur noch, dass Effe Matthäus mitbringt. Der Rest der Republik geräte in Gefahr sich totzulachen.
Gelsenkirchen (mein Geburtsort), Du machst mich traurig. Was ist nur aus Dir geworden?

Volle Zustimmung zum Artikel. Effenberg war ein guter Spieler. Aber wenn man nachliest, durch welche Eskapaden außerhalb des Fußballs er sich seinen “prominenten Namen” erhalten hat… So einen Charakter würde ich ungern als Trainer auf Schalke sehen.

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