Essener Moskitos gehen in Hannover unter

Das altehrwürdige Eisstadion am Pferdeturm: Heimat der Hannover Indians und ein Stück Eishockeyhistorie. (Foto: Simon Ilger)
Das altehrwürdige Eisstadion am Pferdeturm: Heimat der Hannover Indians und ein Stück Eishockeyhistorie. (Foto: Simon Ilger)

Nach den beiden Spielen gegen die Hannover Scorpions am letzten Wochenende stand am heutigen Freitag das Auswärtsspiel bei den Hannover Indians für die Essener Moskitos auf dem Programm. Aus diesem Anlass ging es heute ins altehrwürdige Eisstadion am Hannoveraner Pferdeturm, eines der wenigen letzten richtigen Eisstadien. Erneut musste das Team von Coach Frank Gentges deutlich ersatzgeschwächt gegen ein Topteam der Oberliga Nord antreten. Etwas kompensiert wurden die Ausfälle durch Leonhard Niederberger von der Düsseldorfer EG, welcher den Essenern bis zum Saisonende zur Verfügung stehen wird, Oliver Granz von der Kölner Haien, sowie Melvin Schumacher aus dem eigenen DNL2-Team. Sofern man noch eine Chance auf die Play-offs hätte waren möchten, wäre ein Sieg für die Stechmücken zwingend erforderlich gewesen.

Der direkte Konkurrent um Platz acht und damit den letzten Play-off-Platz, der EHC Neuwied empfing heute in eigener Halle die Tabellenletzten Crocodiles aus Hamburg. Und obgleich die Crocodiles nach nur 21 Sekunden bereits 2:0 führten, entschied Neuwied das Spiel 6:4 für sich.
Auch wenn das Spiel zeitgleich stattfand, standen die Moskitos also unter Zugzwang und begannen in Hannover mit viel Zug zum Tor, doch bereits in der dritten Minute konnten die Indias Justin Schrörs das erste Mal überwinden und zum 1:0 einnetzen. In den folgenden Minuten spielten sich beide Teams Chancen heraus, scheiterten jedoch jeweils an den Goalies. In der zehnten Minute sitzt Jakob Weber auf der Strafbank als die Indians die Chance in Überzahl nutzen und ihre Führung ausbauen. Keine fünf Minuten später drückt Cornelius Krämer die Strafbank und Hannover macht das 3:0. Nochmal zwei Minuten später erzielen die Indians das 4:0. Knappe zwei Minuten vor Schluss zeigt Hauptschiedsrichter Andre Schrader eine Strafe gegen Hannover an. Justin Schrörs verlässt das Essner Tor und in 6:5-Überzahl erzielt Andrej Bires den Anschlusstreffer für die Moskitos. Die 2716 Zuschauer – darunter ca. 80 Essener – sehen ein recht ausgegliches Spiel. Der einzige Unterschied ist, dass die Hannoveraner Stürmer im Gegensatz zu den Essenern eiskalt jede Chance nutzen und das Tor treffen.

Nach drei gespielten Minuten im zweiten Drittel schnappt sich Leonhard Niederberger im Powerplay den Puck an der blauen Linie, fährt auf Boris Ackers im Tor der Indians zu und drischt den Puck unten rechts ins Tor. Bezeichnend für das Essener Spiel, dass ein Tor in Überzahl erneut nach einer individuellen Einzelleistung fällt, anstatt nach konsequentem Powerplayspiel. Nun sind die Mücken am Zug und wittern Morgenluft. Boris Ackers wird einige Male ordenlich geprüft, kann seine Kasten jedoch sauber halten. In der 29. Minute ist es der Hannoverer Robby Hein der mit der Scheibe nahezu ungehindert hinter das Essener Tor fährt und mittels lehrbuchmäßigem Bauerntrick das vorentscheidene 5:2 erzielt. Keine zwei Minuten später verlieren die Mücken im Mitteldrittel vollkommen unnötig den Puck. Nicolas Turnwald spielt eben diesen zügig ins Essener Drittel zu Sebastian Lehmann, dieser spielt einen intelligenten Querpass zu Andre Geratz und die Indians führen 6:2. In der 33. Minute ist es erneut Leonhard Niederberger der das dritte Essener Tor des Abends erzielt. Der Hannoveraner Robby Hein sitzt auf der Strafbank, aber wiederum schaffen die Moskitos es nicht ein ordentliches Powerplay aufzuziehen und die Essener Nummer 13 nutzt ein kurzes Durcheinander vor Ackers und stochert den Puck über die Linie. In der 39. Minute entscheiden die Indians das Spiel entgültig. Innerhalb einee Minute erhöhen die Hannoveraner auf 8:3. Insbesondere das 7:3 ist bezeichnend für das Spiel. Nach einem guten Angriff der Essener kontern die Indians und fahren zu zweit erneut ungehindert in Essener Drittel. Gradl passt quer auf Sebastian Lehmann und dieser vollendet zum 7:3.

Im dritten Drittel schalten die Indians einen Gang zurück. Trotz des deutlichen Rückstandes geben sich die Mücken dennoch nicht auf und erspielen sich Möglichkeiten. Jedoch vermag es kein Essener den Puck über die Linie zu bringen. Endgültig dem Sack zu machen die Hannoveraner direkt zu Beginn des Drittels und in Minute 52 mit dem 9:3 und dem 10:3. Auch Benedikt Roßberg, der im dritten Drittel für Justin Schrörs das Essener Tor
hütet, vermag dies nicht zu verhindern.

Erneut lässt der Mückenschwarm wichtige Punkte im Kampf um die Play-offs. Auch wenn das Ergebnis recht eindeutig scheint und die Hannoveraner verdient als Sieger das Eis verließen, spiegelt das Resultat das Spiel nicht wieder. Mit einer konzentrieteren Defensivleistung und einer besseren Chancenauswertung wäre heute mehr drin gewesen. Moskitos-Coach bezeichnete seine Abwehr heute als “bessere Skaterhockeyabwehr”, wobei er damit der Defensivabteilung eines Skaterhockeyteams unrecht tut. Die mitgereisten Essener Fans ließen sich trotz der schwachen Defensivleistung nicht beirren und feierten ihr Team nach Spielende eine gute Dreiviertelstunde lang noch am Ausgang der Gästekabine. Kapitän Jan Barta danke den Fans für die Unterstützung und auch Coach Frank Gentges stellte sich den Anhängern.
Nach dem Sieg der Neuwieder gegen Hamburg sind die Play-offs nun acht Punkte entfernt. Neuwied könnte den Abstand am für die Essener spielfreien Sonntag auf elf Punkte ausbauen. Damit dürften die Play-offs für die Mücken nur noch theoretisch erreichbar sein. Verspielt hat man die Chance darauf jedoch nicht heute, die Ursache ist in der eklatanten Abschlussschwäche der letzten Wochen und im katastrophalen Powerplay in dieser Saison zu suchen.
Am Sonntag muss der Ruhrgebietseishockeyfan jedoch nicht auf Eishockey verzichten. Der Herner EV empfängt um 18:30Uhr die Duisburger Füchse zum Spitzenspiel der Oberliga Nord in der heimischen Gysenberghalle.

Tore:
1:0 (2:28) Valasek (Vinkel, Grass)
2:0 (9:08) Gerartz (McGowan, Schütt) PP1
3:0 (15:02) Gerartz (Lehmann, Schütt) PP1
4:0 (17:16) Gerattz (McGowan, Schütt)
4:1 (18:04) Bires (Patocka, Hilderbrand) 6FS
4:2 (22:31) Niederberger (Granz, Raaf-Effertz) PP1
5:2 (28:24) Hein (Kokavec, Hartmann)
6:2 (30:06) Gerartz (Lehmann, Turnwald)
6:3 (31:12) Niederberger (Velecky, Granz) PP1
7:3 (38:23) Lehmann (Gradl, Kokavec)
8:3 (38:39) McGowan (Gerartz, Schütt)
9:3 (40:28) Lehmann (McGowan, Schütt)
10:3 (51:55) Meve (Hinkel, Hein)

Strafen
Hannover 8 – Essen 8

Zuschauer
2716

Kommentar verfassen