Essen: Keine Nazis, viel Polizei, und 40 Nazigegner

In Essen fand heute keine Nazikundgebung statt. Nach einigem hin und her hatten die anmeldenden Neonazis ihre Veranstaltung am Samstag abgesagt. Das Bündnis “Essen stellt sich Quer” veranstaltete trotzdem eine Kundgebung auf dem Kopstadtplatz in der Innenstadt. An dieser nahmen ca. 40 Menschen teil. Einzig bemerkenswert war hier, Alice Czyborra die für die VVN-BdA sprach. In ihrer Rede kritisierte sie Medien und Politik, diese hätten nicht angemessen auf die Kundgebung der Nazis reagiert. Bei der Linksjugend Kundgebung gegen den Gazakrieg im Juli sei dies anders gewesen, und alle hätten darüber berichtet. Als Erklärung dient für Frau Czyborra allerdings nicht, dass hunderte Antisemiten durch Essen zogen, sondern das im Mainstream Stimmung gegen Linke geschürrt würde.

Das ein Unterschied zwischen hunderten, gewalttätigen Antisemiten, und 30 Neonazis, die sich im Suff und Junkie Millieu bewegen, besteht sollte der Dame vielleicht nochmal erklärt werden.

Die Polizei Essen war mit einem Großaufgebot im Einsatz und sichtlich unzufrieden mit dem Hin und her um die Neonazikundgebung. Für die Veranstaltung von “Essen stellt sich Quer” hätte wohl ein Streifenwagen ausgereicht.

3 Kommentare

Wo bitte waren diese Helden, als der antisemitische Mob unlängst in großer Zahl durch diverse Städte in NRW zog und dabei ganz offen zum Völkermord aufrief? Warum war von den tapferen Kämpfer gegen Rechts und Rassismus auf Gegendemos nix zu sehen?

Scheinbar es Formen von Judenhass gegen die man nicht protestieren muss oder hatten die einfach die Hose voll? Mit x-facher zahlenmäßiger Überlegenheit und mit Anwesenheit von reichlich Polizei gegen ein kleines Häuflein rechter Judenhasser zu demonstrieren, erfordert keinen Mut.

Frage an Sebastian Weiermann: Woher die Kenntnis, das die Nazikundgebung bereits am Samstag abgesagt wurde? Wir erfuren von der Absage um 7:30 Uhr heute früh im Radio. Da war auch klar das wir die mobilisierten Menschen nicht ins Leere laufen lassen können. Deshalb haben wir die Kundgebung in ein “kleines Fest” umgewidmet.
An anderer Stelle (FB, ESSQ-Seite) wird in kritischen Beiträgen immerhin erwähnt das Alice Cyborra als Sprecherin der VVN-BdA die antisemitischen Ausfälle im Nachgang der Kundgebung der Linksjugend am 18.7. “aufs schärfste” kritisierte…
Nicht nur die Polizei war unzufrieden wegen des großen Aufgebotes. Auch wir. Nachdem klar war das die Neonazis abgesagt hatten, baten wir darum das Polizeiaufgebot auf ein oder zwei Streifenwagen zu reduzieren. Dem wurde leider nicht entsprochen.
Aber solange bei der Polizeipressestelle in Zusammenhang mit unseren Kundgebungen von Krawallen gesprochen wird (Uns erinnert dies immer an die “race riots” in Los Angeles 1992 oder London 2011), kann man von dieser Behörde kaum etwas anderes erwarten.

#1 Gerd:
Essen stellt sich quer ist ein Bündnis von mehr als 15 Organisationen und auch Einzelpersonen. Das Spektrum reicht von SPD, Grüne, Linke über DGB, Falken, Essener Jugendbündnis bis hin zu DKP und auch MLPD. Es ist sicher verständlich das ESSQ deswegen keine einheitliche Stellungnahme zu den Konflikten im nahen Osten abgibt. Aber Du kannst versichert sein das regelmäßige Teilnehmer von ESSQ sowohl bei der Kundgebung der Linksjugend am 18.7. als auch bei der Pro-Israel-Kundgebung am gleichen Tag dabei waren. Allerdings nicht bei dem antisemitischen Mob, der durch Essens Straßen zog. Gerade auch die Bilder von den Holocaust verleugnenden Plakaten waren zuerst durch Menschen aus unserem Bündnis zuerst in Facebook veröffentlicht worden. Da hatte die Polizei die noch nicht auf dem Schirm.
Bei dieser Zusammensetzung ist es sicher verständlich das da keine ESSQ-Fahnen auftauchten, oder?
Wegen der Menge an Polizei… siehe Bemerkung weiter oben. Danke.

Das die Nazikundgebun bereits am Samstag abgeschoben wurde, habe ich vor Ort von der Polizei erfahren. Die scharfe Kritik an den antisemitischen Ausschreitungen muss ich überhört haben, war aber auch nicht Hauptthema der Rede von Frau Cyborra, sondern muss in einem Nebensatz geäußert worden sein.

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