Mal Sondock ist tot

Mal Sondock ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Wahrscheinlich können nur Menschen zwischen 40 und 50 nachvollziehen, wie stark dieser Mann meine Jugend mitgeprägt hat. Von unserem Gastbaron Mario Herrmann

Mal Sondock. Foto: Fanpage

So etwa mit zwölf Jahren (1974) begann ich mich für Musik zu interessieren. Damals gab es im Fernsehen nur zwei monatliche Sendungen, wo internationale Popmusik lief: „Disco“ mit Ilja Richter (da fand ich die albernen Sketche zwischendurch überflüssig) und „Musikladen“ mit Manfred Sexauer. Später kamen dann zweimal im Jahr die legendären „Rockpalast-Nächte“, wo von Samstagabend bis Sonntagfrüh live aus der Grugahalle drei spektakuläre Konzerte hintereinander übertragen wurden. In den Umbaupausen gab es Backstage-Interviews, geführt von einem stets entweder angetrunkenen oder bekifften Alan Bangs. Oft haben wir kleine Partys aus diesem Anlass organisiert und mit mehreren Leuten bei Bier und Chips um den Fernseher gesessen.

Aber das eigentliche Popmusikmedium war das Radio. Heute hat EinsLive die Rolle des Jugendsenders, in den Siebziger und Achtziger Jahren war das WDR 2. Täglich gab es von 19.05-21.00 Uhr die Sendung „Fünf nach Sieben – Radiothek“. Auch nachmittags liefen legendäre Programme wie die „Dave-Coleman-Show“. Spätabends Sendungen wie „Rock-In“ (progressiver Rock) oder „Schwingungen“ (elektronische Musik). Im Rahmen der „Radiothek“ gab es zwei Pflichtsendungen pro Woche: Samstags die „Schlagerrallye“ (die hieß nur so, da liefen aber keine deutschen Schlager) mit Wolfgang Neumann, wo man per Postkarte seinen Favoriten für die folgende Sendung wählen konnte. Unter allen Einsendern wurden jede Woche Platten verlost. Ich hab’ da mal eine Alice-Cooper-LP gewonnen.

Und Mittwochabends lief die „Diskothek im WDR“ mit eben jenem Mal Sondock, der sich immer als „euer guter alter Jockdiscy M. A. L.“ vorstellte. Die Sendung wurde live mit Publikum produziert. Platz 15 bis 1, dazu

Mal Sondock ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Wahrscheinlich können nur Menschen zwischen 40 und 50 nachvollziehen, wie stark dieser Mann meine Jugend mitgeprägt hat. Von unserem Gastbaron Mario Herrmann

Mal Sondock. Foto: Fanpage

So etwa mit zwölf Jahren (1974) begann ich mich für Musik zu interessieren. Damals gab es im Fernsehen nur zwei monatliche Sendungen, wo internationale Popmusik lief: „Disco“ mit Ilja Richter (da fand ich die albernen Sketche zwischendurch überflüssig) und „Musikladen“ mit Manfred Sexauer. Später kamen dann zweimal im Jahr die legendären „Rockpalast-Nächte“, wo von Samstagabend bis Sonntagfrüh live aus der Grugahalle drei spektakuläre Konzerte hintereinander übertragen wurden. In den Umbaupausen gab es Backstage-Interviews, geführt von einem stets entweder angetrunkenen oder bekifften Alan Bangs. Oft haben wir kleine Partys aus diesem Anlass organisiert und mit mehreren Leuten bei Bier und Chips um den Fernseher gesessen.

Aber das eigentliche Popmusikmedium war das Radio. Heute hat EinsLive die Rolle des Jugendsenders, in den Siebziger und Achtziger Jahren war das WDR 2. Täglich gab es von 19.05-21.00 Uhr die Sendung „Fünf nach Sieben – Radiothek“. Auch nachmittags liefen legendäre Programme wie die „Dave-Coleman-Show“. Spätabends Sendungen wie „Rock-In“ (progressiver Rock) oder „Schwingungen“ (elektronische Musik). Im Rahmen der „Radiothek“ gab es zwei Pflichtsendungen pro Woche: Samstags die „Schlagerrallye“ (die hieß nur so, da liefen aber keine deutschen Schlager) mit Wolfgang Neumann, wo man per Postkarte seinen Favoriten für die folgende Sendung wählen konnte. Unter allen Einsendern wurden jede Woche Platten verlost. Ich hab’ da mal eine Alice-Cooper-LP gewonnen.

Und Mittwochabends lief die „Diskothek im WDR“ mit eben jenem Mal Sondock, der sich immer als „euer guter alter Jockdiscy M. A. L.“ vorstellte. Die Sendung wurde live mit Publikum produziert. Platz 15 bis 1, dazu fünf Neuvorstellungen, von einer Jury aus dem Publikum mit „Hit oder Niete“ bewertet und eine kleine Oldieecke. Ich glaube, die Sendungen, die ich zwischen 1974 und 1980 verpasst habe, lassen sich an einer Hand abzählen. Das war ein absoluter Pflichttermin! Auch da konnte man mittels Postkarte abstimmen, auch da habe ich einmal gewonnen: Eine LP von Showaddywaddy mit Original-Autogrammen! 😉
 
Aber Mal Sondock war auch ständig mit seiner „Mal Sondock’s Road Show“ unterwegs in NRW. Da gab’s dann so was wie ein großes Schützenfestzelt, wo der schwergewichtige Meister Platten auflegte, das Publikum bespaßte und ständig irgendwelche Gimmicks und Autogrammkarten in die Menge warf. Im zweiten Teil fand dann immer ein Livekonzert statt. Ich habe zum Beispiel mal eine dieser Road Shows mit Smokie-Konzert in Gladbeck auf dem damaligen Festplatz erlebt. Das war da, wo heute die verwaisten Gebäude von Mercedes Lueg stehen.
 
Tja, so merkt man, dass man älter wird. Die prägenden Leute aus der Jugend sterben langsam weg…

5 Kommentare

Mal Sondock habe ich mal in seiner Spätphase in der Aula der Bottroper Berufschule gesehen. Die Radiosendung war wirklich extrem schräg. Musikalisch hat mir das aber nur in der Teeniezeit was gegeben. Punk Rock und New Wave in den englischen Charts auf BFBS haben mich dagegen stärker beeinflußt.

“zwischen 40 und 50”, hmmm, ich bin 64 und habe Mal Sondock ganz am Anfang der 60er in Essen gehört als er sich noch mit Chris Howland abgewechselt hat, habe aus dieser Zeit immer noch alte Tonbänder. Die beiden haben mir neue musikalische Welten erschlossen und zusammen mit dem “BFN” (später “BFBS”) meinen Musikgeschmack geprägt. Solche Moderatoren gibt es nicht mehr, die die Stücke zuende gespielt haben, sie eingeordnet haben, Erläuterungen gegeben haben, einfach kompetent waren. Heute werden die Top xx rauf und runter gespielt, durch Werbejingles unterbrochen, vergleichen, bewerten, Urteilsfähigkeit vermitteln: Fehlansage, die Leut´ sollen´s halt nur kaufen, Musik als Konsumware, da waren die beiden aus einem anderen Holz geschnitzt, Enthusiasten, die ihre Begeisterung weitergeben konnten.

MAL – nicht mehr da… Das finde ich sehr, sehr traurig. Wieder wird einem klar, dass die schöne Jugendzeit nun doch schon wirklich ziemlich lang her ist.
Ja damals, 1970, da war ich 15. Und wohnte noch im schönen Hochsauerland. Nachmittags, nach der Penne, mit der frisierten 25er Moby und den Kumpels unterwegs.
Über die Dörfer geknattert und nach den Mädels Ausschau gehalten. Und Mittwochs abends, nach sieben, da blieb die Moby im Stall. Das gute alte GR..DIG-Kofferradio mit der riesigen Teleskop-Stabantenne musste heraus, das dreiadrige Verbindungskabel zum GR..DIG-Mono-Tonbandgerät wurde eingesteckt. Erstmal Sound-Check! WDR 2 gesucht, bis halbwegs klarer Empfang, ja, da war es! – M.A.L. – Diskothek im WEE-DEE-ER! – Nun Aufnahmeknopf des Tonbandgeräts drücken, Drehschalter auf PAUSE stellen und schauen, dass die Aufnahme nicht übersteuerte. Das grüne, heftig flackernde magische Auge oben auf dem Tonbandgerät genau beobachten und den Lautstärkeregler so drehen, dass die von rechts und links des magischen Auges zur Mitte hin zuckenden grünen Balken nicht zusammenstießen. Jetzt nur noch höllisch aufpassen, dass der auf PAUSE stehende Drehschalter exakt nach MALs Titel-Ansage auf START gedreht wurde. Und los gings!

Ach war das herrlich! Christie mit “Yellow river”, Mungo Jerry mit “In the summertime”, Creedence Clearwater Revival mit “Who’ll stop the rain”, “Up around the bend” und “Have you ever seen the rain”, Deep Purple mit “Black Night”, die Kinks mit “Lola” und die vielen anderen tollen Stücke der damaligen Rock- und Popszene! Mal Sondock war es, SEINE unvergessliche klangvolle Stimme mit dem texanisch-deutschen Slang, der sie mir durch seine eindrucksvollen Ansagen alle unter die Haut gehen ließ. MAL war es, der mir diese tolle Musik näher gebracht hat. MALs Stimme ist Anfang der Siebziger tatsächlich ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens gewesen. Leb wohl, MAL, Deine Stimme, ich hab sie mir gerade nochmal auf YOUTUBE angehört, werde ich sicher nie vergessen!

…er hat mich in diese Medien-Welt gezogen und war lange Zeit mein Lehrmeister

…seinen Spruch ” hier machen nur Bonzen und Beamte Radio” unterschreibe ich

…ich wollte unbedingt Radio-Moderator werden – war einer der besten Life-Moderatoren in den 80igern – doch nach meinem Weggang von RTL-Plus Television 1984 in der Position des Musik-Chefs hat mich kein deutscher öffentlich-rechtlicher Sender mehr gewollt.

…und dieses deutsche Privat-Radio wollte auch ich nicht – das hatte ich anders gelernt !

…”Mal” ich danke Dir für unsere tollen Jahre
…hast mir populäres Radio gelernt.

Robert Roßbach

Auch mich hat Mal Sondock über viele Jahre mit seiner Sendung begleitet. Genau wie den Autor des Artikels habe ich kaum eine Sendung verpasst.

Ein toller Radiomoderator der heute noch seinesgleichen sucht. Die heutigen “Abspiel-Shows” im Radio haben nicht mehr das Flair seiner Sendungen.

Ich danke Dir für die tollen Jahre, in denen ich Deine Sendungen genießen durfte. Du bist nicht vergessen!!!

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