Erdogans letzte Option


Die türkische Marine führt an diesem Wochenende Schießübungen mit scharfer Munition durch. Das tut sie nicht in eigenen Gewässern, sondern im Hoheitsbereich Zyperns. Das Manöver passt zur Politik Erdogans: Er erkennt weder die griechischen Grenzen an noch die Existenz des EU-Landes Zypern. Immer wieder dringen türkische Flugzeuge in den griechischen Luftraum ein, bedroht die Türkei  Griechenland mit Krieg. Und die Gefahr, vom Rest Europa weitgehend ignoriert, steigt mit jedem Tag,   an dem das Referendum näher rückt – zumal Umfragen zeigen, dass Erdogan und die AKP es verlieren könnten. Ein Krieg mit Griechenland, die Besetzung einer Insel, wäre eine Verzweiflungstat Erdogans, die zu seiner Politik der Eskalation der vergangenen Monate passen würde. Er könnte die Hoffnung haben, durch eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Griechenland oder Zypern doch noch die Mehrheit der Türken hinter sich zu scharen. Koste es, was es wolle.

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5 Kommentare

Die Erdgasquellen vor der Küste Zyperns liegen allein vor dem küstenbereich der Republk Zypern und nicht vor dem Teil Zyperns, das türkisch besetzt ist. Und da mache ich mir keine Sorgen, daß die EU zusehen würde, wenn Erdogan versucht sich in den Besitz dieser Gasfelder zu bringen.
Damals, als Ecevit sein Militär in Zypern einmarschieren ließ, war die Lage politisch zerfahren und trotzdem haben die Briten die vollständige Eroberung der Insel verhindert. Heute geht es um Bodenschätze, die damals noch nicht bekannt waren.
Allerdings hat Erdogan schon häufiger mit Angriffen gedroht, und wer weiß schon, wann er gar nicht mehr anders kann, wenn er kein Gesicht als starker Mann verlieren will?
Andererseits, in Nordsyrien, wo die türkischen Truppen einmarschiert sind, geht es nicht weiter, weil es dort dann zu einem Konflikt mit Russen, USA, dem syrischen Militär und den Kurden kommen würde. Einige Versuche in Richtung Manbij vorzudringen, sind allerdings bereits am heftigen Widerstand der Kurden gescheitert.
Nach all den starken Worten wird Erdogan irgendeinen Erfolg haben müssen, und da sind die Nachbarstaaten wegen der Reichweite immer etwas gefährdet.

@#2:

Die Situation ist einfach: Fast alle Staaten der Region wollen, dass ein Staat von der Landkarte verschwindet. Wozu ihnen aber die Mittel fehlen.

Wie #3 schon geschrieben hat, vor dem Hintergrund der Lage der entdeckten Gasfelder ist es doch völlig absurd, wenn die Türkei hier irgendeinen Anspruch erhebt. Aber machtgierige Staatschefs/Staatsapparate lassen sich ja durch Verweise auf offensichtliche Tatschen wenig beeindrucken.

Abseits davon, ich ch habe mal geschaut, wie hoch der Erdgasverbrauch in Deutschland ist. Laut Statista lag dieser 2015 bei rund 75 m³. Das heißt über den Daumen gepeilt, die Vorräte, die von der Republik Zypern für sich beansprucht werden, decken gerade mal die Versorgung Deutschlands für rund 2,5 Jahre ab, wenn es bei dem Verbrauch von 2015 bliebe.

Macht es da überhaupt Sinn, die gesamte Infrastruktur für Förderung, Transport, Reinigung etc. zu errichten, um damit irgendein anderes Land zu beliefern, wenn die gesicherten Vorräte eh flugs futsch/verkauft sind? Oder macht es Sinn, diese für den Eigenverbrauch zu erschließen, wenn überhaupt?

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/41033/umfrage/deutschland—erdgasverbrauch-in-milliarden-kubikmeter/

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