#EM2016: Bisher viel Spektakel – nur leider nicht auf dem Spielfeld!

Stade de France. Quelle: Wikipedia, Foto: Liondartois, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Stade de France. Quelle: Wikipedia, Foto: Liondartois, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die ersten vier Spieltage des Turniers sind inzwischen Vergangenheit. Und die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich beherrscht erwartungsgemäß die Schlagzeilen. Allerdings sind es keine sportlichen Schlagzeilen, es sind die vermeintlichen Randgeschichten, welche bisher im Mittelpunkt dieser Sportveranstaltung stehen.

Egal ob der Bundestrainer mehr oder weniger klammheimlich mit der Hand in seiner Hose herumfuhrwerkt, sich Hooligans diverser Nationen rund um die Spiele widerliche Scharmützel mit gleichgesinnten anderer Nationalität liefern, die Auswahl der Fernsehbilder kritisiert wird, mit Fußball hat das Alles eher weniger bis gar nichts zu tun.

Sportliche Schlagzeilen sind bisher kaum geschrieben worden. Und das auch zu recht. Von den bisher zwanzig in Aktion getretenen Teams vermochte eigentlich keines einen wirklich bleibenden Eindruck beim Zuschauer bzw. Fan zu hinterlassen. Ist ja auch schwierig, wenn es bis hierhin auch nur vier Teams gelungen ist zwei Treffer in einem Spiel zu erzielen.

Sagen wir es geradeheraus: Diese EM ist sportlich bisher eigentlich weitestgehend langweilig!

Frankreich, Wales, Deutschland und Italien dürfen sich, da sie es waren die doppelt trafen und ihre Spiele somit auch nahezu automatisch gewinnen konnten, bisher als vermeintliche Sieger der ersten Turniertage feiern lassen, auch wenn selbst sie nicht über die volle Distanz ihrer Eröffnungsbegegnungen zu überzeugen vermochten.

Die Franzosen mit ihrem glücklichen Last-Minute-Erfolg im Eröffnungsspiel gegen ganz schwache Rumänen, Wales im knappen 2:1 gegen Underdog Slowakei, Deutschland ebenfalls mit einem Zittersieg gegen die Defensivstarken Ukrainer. So gesehen ist Italien, welches am Montagabend gegen die in dieser Begegnung eigentlich leicht favorisierten Belgier etwas überraschend und klar mit 2:0 gewann, wohl der eigentliche Turniergewinner der ersten Tage. Aber auch der Auftritt der Italiener war ja nun wahrlich kein Ehrfurcht einflößendes Feuerwerk der Fußballfreuden.

Und so erfreut man sich hierzulande dann halt erst einmal notgedrungen an den kleinen fußballerischen Erfolgen:  Bastian Schweinsteiger glänzte wenige Minuten nach seiner Einwechslung mit dem entscheidenden 2:0 in der Nachspielzeit für die Löw-Truppe. Manuel Neuer bewies einmal mehr, dass man sich auf ihn verlassen kann, wenn die deutsche Defensive gefordert ist. Das ist schön. Weitere Erkenntnisse aus DFB-Sicht? Wenige bis keine.

Und trotzdem sah man bisher auch keine andere Mannschaft im Turnierverlauf, die sich so zu präsentieren mochte, dass man sie nun als DEN großen Titelanwärter ansehen müsste.

In Summe sind die bisher gespielten 10 Begegnungen nicht einmal so interessant gewesen wie ein stinknormaler Bundesligaspieltag. Dort fallen im Regelfall auch deutlich mehr Tore.

Woran liegt es?

Klar, Eröffnungsspiele eines großen Turniers sind halt oft taktisch geprägt, werden mit großer Vorsicht angegangen. Wer hier verliert, der steht im folgenden Spiel bereits mächtig unter Druck. Das wollten alle Teams bisher vermeiden. Und so sahen die Spiele dann halt auch aus.

Etwas mehr Spektakel hätte es aber dann trotzdem schon gerne sein dürfen.

Eigentlich war noch kein Spiel dabei, welches einen wirklich an den Bildschirm gefesselt hätte, welches es einem schwer gemacht hätte sich während der jeweiligen 90 Minuten nicht nebenbei auch noch mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Kann man also wohl nur hoffen, dass sich das im weiteren Turnierverlauf noch einmal ändern wird. Ansonsten droht uns allen auch weiterhin ein Turnier in dem in erster Linie über Sicherheitsfragen, Hooligans, Fehlverhalten von Trainern abseits des Platzes und die Auswahl der Fernsehbilder diskutiert wird.

Und das wäre, so spannend diese Themen ja im Einzelfall auch sein mögen, für den sportlichen Wert dieser von Millionen so sehnlichst erwarteten Veranstaltung ja dann doch eher ein Armutszeugnis.

2 Kommentare

Es ist zunächst mal eine Niederlage für diejenigen UEFA-"Strategen", die das Teilnehmehrfeld für solch eine halbkontinentale "Zwischen-WM" unbedingt aufblähen mussten. Verlängerte Qualifizierungsrunden – und nichts anderes sind die bisherigen Gruppenspiele – braucht nur der umsatz- und ticketgeile Funktionär, kein Fan und kein Zuschauer.

Gibt es irgendwo EM-TV-Quoten international zum Begucken? Die Zuschauerzahl vom ersten PublicViewing auf dem Dortmunder Markt setzt mit stolzen 1850 zahlenden Gästen ja eher ein deutliches Signal *gegen* die Kommerz-EM;-))

@Klaus: Die übliche EM-Euphorie hat auf den Straßen bisher ja auch noch nicht wirklich eingesetzt. Ein paar Fähnchen. Das wars. Deutlich weniger als bei vergleichbaren Turnieren zuletzt.

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