Eintracht Frankfurt und die AfD-Debatte

Gastautor Thomas Weigle zu Besuch in ‘seinem’ Waldstadion in Frankfurt. Foto: privat

In Frankfurt, im und um das Umfeld der SGE herum, laufen einige zurzeit ganz schön heiß, hat doch Eintracht Präsident-Fischer  in aller gebotenen Deutlichkeit die AfD-Wähler in die wohlverdienten Schranken verwiesen, indem er kategorisch eine Mitgliedschaft bei der Frankfurter Eintracht als unvereinbar mit dem Wählen der AfD erklärt hat.

Von unserem Gastautor Thomas Weigle.

Natürlich weiß auch der Eintracht-Präsident, dass es unter den SGE- Mitgliedern AfD-Wähler gibt. Für ihn ist es aber wichtig, mit aller Entschiedenheit zu erklären, dass sich die Frankfurter SGE  unmissverständlich von den “rassistischen und menschenverachtenden Zielen der AfD” distanziert.

Antisemitismus  ist für die Riederwälder ein absolutes NOGO. Dies hat der Verein in aller Deutlichkeit auch Anfang 2017 gezeigt, als man zum Golf reiste. Das avisierte Zielland weigerte sich zunächst, dem in Diensten der Eintracht stehenden Israeli Taleb Tawatha ein Visum zu erteilen. Die Reaktion der SGE war eindeutig: “Ohne Taleb Tawatha fahren wir nicht”. “Die Eintracht hat sich um alles gekümmert”, teilte der israelische Eintrachtkicker im Netz mit. Damit war alles gesagt und die SGE-Reisegruppe flog vollzählig ins Trainingslager am Golf.

Als Maccabi Tel Aviv im Herbst 2013 in der EL in FFM gastierte, teilten sie über diesen Besuch mit: “Zu Besuch bei Freunden”.

Leider ist solch gastfreundliches  Verhalten gegenüber Israelis noch nicht überall in FFM Brauch. So konnte zuletzt eine islamistische Fluggesellschaft vom Golf einen israelischen Staatsbürger vom Flug ab Rhein-Main ausschließen.

Juden selektieren sollte doch in Deutschland ein für allemal von jeglicher Agenda gestrichen sein. Was sagt da eigentlich Hessens grüner Verkehrsminister dazu? Und der Herr Dobrindt von der CSU schweigt auch.  Einfach nur peinlich, nein, das ist  nur unanständig.

Dazu passt, dass sich auch Hessens CDU-MP in Sachen der Kritik Fischers an den Nazis in der AfD sehr bedeckt hält( “Das ist Sache der Eintracht”.) Werden da zukünftige Regierungspartner geschont?

Noch sind uns die “Vermächtnisse von deutschen Juden” im Gedächtnis, mit denen Bouffiers Vorgänger Koch schäbig ohne Ende, vollgelaufene schwarze Kassen der CDU der Öffentlichkeit zu erklären versuchte.

Peter Fischer hat die Riederwälder dagegen eindeutig und dankenswerterweise  positioniert, schließlich galten die Eintrachtkicker früher als “Juddebube”, wie es ein Buchtitel vermeldet, der beim Gastautor im Regal steht. V.a. im süddeutschen Raum verdanken Vereine ihren Aufstieg in die  nationale Spitze dem Einsatz jüdischer Mitglieder und Sponsoren: SGE und FSV in der Mainmetropole, Karlsruher FV(Vorgängerclub des KSC), VfR Mannheim, Bayern München (gut, das hätt`s nicht gebraucht), Fürth und Club oder auch der leider in die Viertklassigkeit abgerutschte OFC vom “Bieberer Berg” in Offenbach, der bis in die 80er Jahre eine feste Größe im (bundes)deutschen Fußball war.

In FFM und Karlsruhe wirkte um und vor 1900 besonders der KICKER-Gründer WALTHER BENSEMANN, der  mit seiner Propagierung des Fußballs als völkerverbindendes Element vor, während und nach dem GROßEN KRIEG aber ganz schwer ins Abseits gestellt wurde, in das eigentlich die gehörten, die Walther Bensemann wg. seiner friedensfreundlichen Einstellung immer wieder von hinten in die Beine grätschten. Als Jude kehrte er 1933 von einer Reise in die Schweiz nicht nach Nazideutschland zurück und starb dort 1 Jahr später in der Emigration. Die Eintracht widmete ihm immerhin einen ehrenvollen Nachruf, was 1934 schon ungewöhnlich war.

Fußball-Europa dagegen trauerte offen um einen großen Fußballeuropäer, der während der 34er WM vor der faschistischen Gefahr warnte. Auch das jüdische Mitglieder bis 1937 im Verein bleiben konnten, war eher selten, hatten doch die meisten Vereine bereits 1933 die Gleichschaltung vollzogen, zu der auch die “Entfernung” der jüdischen Vereinsmitglieder gehörte. Die Eintracht ist letztlich auch in der braunen Flut untergegangen, es gab Nazis und SS-Mitglieder bis in die Vereinsführung.

Auch deshalb ist Fischers gezielte Breitseite gegen die AfD  heute so wichtig. Wehret den Anfängen…

Peter Fischer hat also ganz heftig und voller Absicht ins braune Wespennest gegriffen, dass es nur so bösartig summte. Aufgeschreckt flogen die braunen Tiefflieger einen Angriff nach dem anderen, wirkliche Treffer gelangen ihnen aber nicht. Ganz oben auf der Angriffsliste das beliebte POLITIK HAT IM SPORT NICHTS ZU SUCHEN.

Der Gedanke, dass es DIE POLITIK ist, die die Ausübung sowohl des Breiten-, als auch des Spitzensports erst ermöglicht, kommt in den trübe beleuchteten Hirnen dieser Anhänger/Verharmloser der AfD nicht vor.

Sehr beliebt auch “…ich bin zwar kein Anhänger(Wähler der AfD, aber…” und es folgt, dass kein Fischer der Welt das Recht habe, anderen ihre Wahlentscheidung vorzuhalten. Auch das Wahlgeheimnis wurde bemüht, gg. das Fischer mit seiner Äußerung verstoßen habe bzw. dessen Aufhebung er fordere. Der blanke Unfug.

So manch aufgeregten Blogger kann man nur raten, den nächsten Kurs SINNENTNEHMENDES LESEN an der für sie zuständigen Volkshochschule auf keinen Fall auszulassen.

Den geistesarmen AfD- Anhängern, die sich von Präsident Peter Fischer zu Recht ausgeschlossen sehen und fühlen, kommt nicht in den Sinn, dass es doch gerade die “Armleuchter für Deutschland” sind, die ständig andere aus dem Projekt Deutschland ausschließen(wollen) und Herr Fischer so ihnen nur der Spiegel vorgehalten hat. Da sehen sie eine scheußliche Fratze, sind erschrocken, erkennen aber nicht, dass sie es selbst sind, die da aus dem Spiegel fratzten. Die anderen aber sehen sich als ” die braune Brut” ertappt und enttarnt, die Peter Fischer nicht bei der Eintracht dulden will  und sind wütend. Da gibt man sich als Demokrat, der für sich Toleranz und Respekt einfordert, der dem Eintracht-Vorsteher eine Hexenjagd auf “Demokraten” vorwirft, der eine “demokratische Partei” und deren Wähler und Mitglieder diffamiere.

Nun, wer Pegida-und AfD-Aufmärsche und Erklärungen der AfD-Mitglieder aufmerksam verfolgt, weiß, dass Peter Fischer recht hat, weiß, dass die Rechten in Deutschland, von einst Goebbels bis heute Gauland, Toleranz und Demokratie nur so lange hochhalten, bis sie sich an die Macht gelogen und getäuscht haben.

Wer eine Partei wählt, die offen Nazis in ihren Reihen duldet, darf sich nicht wundern, wenn ihm dazu die passenden Worte gesagt werden. Eintracht-Präsident Fischer jedenfalls hat zur rechten Zeit die rechten Worte gefunden.

Und so wie es scheint, nimmt diese Diskussion noch Fahrt in und um FFM auf. Dafür sei ihm aus dem ostwestfälischen Halle ausdrücklich Dank gesagt.

Den Lesern der Ruhrbarone wünsche ich, dass sie, wie ich, rutsch- und unfallfrei ins neue Jahr gekommen sind.

Mehr zu Walther Bensemann aus meiner Tastatur hier.

15 Kommentare

Emotional, kenntnisreich, mit Haltung! Danke für diesen Beitrag 🙂

Grüße aus der Bembelmetropole!

Einer Artikel wie tausend andere AfD-Klatscher zuvor: Ein MPÜ ergeht sich in Beleidigungen, greift in die verbale Klischee-Kiste, holt sehr weit und tief historisch aus und sagt doch nichts, was nicht schon tausendfach von immer den gleichen Leuten wiederholt wird. Allerdings fehlt mir hier der mittlerweile obligatorische Bezug zu Donald Trump. Doch da setze ich auf die bewährten Kommentatoren…
Aber müßte Fischer nicht auch die antisemitschen Teile der Linken, der SPD, der Türken, Syrer, Kurden, Libanesen, Araber aus Palästina, die Fahnenverbrenner und (*von Moderator editiert*) -Rufer von der linken Jugend,kurz der antisemitischen Internationale, die in D agiert, ansprechen? Falls es ihm denn wirklich um Antisemitismus ging.

Danke für den historisch aufschlussreichen und gut recherchierten Artikel.

'Die anderen aber sehen sich als “ die braune Brut“ ertappt und enttarnt, die Peter Fischer nicht bei der Eintracht dulden will und sind wütend. Da gibt man sich als Demokrat, der für sich Toleranz und Respekt einfordert, der dem Eintracht-Vorsteher eine Hexenjagd auf „Demokraten“ vorwirft, der eine „demokratische Partei“ und deren Wähler und Mitglieder diffamiere.'
Absolut korrekt wiedergegeben. 90% der Anti-Fischer Kommentare in diversen Foren sind darunter einzuordnen.

Ein von Fischer angepeiltes Ziel ist die Steigerung der Mitgliedszahlen. Dank seinem Anti-AfD Kommentar dürften sich, wenn man dem Wahlergebnis glaubt, mehr Menschen zur Eintracht hingezogen als abgeschreckt fühlen. Also auch in dieser Hinsicht ein smarter Move.

Zudem geben diese Aussagen dem Verein einen nicht zu unterschätzenden Wert, der zur Identifikation mit dem Verein beiträgt. Man hört ja oft, dass Vereine wie Mainz, Augsburg oder Hertha soo graue BL-Vereine sind, die nicht wirklich greifbar sind und man daher keine Meinung zu ihnen hat. Eintracht war schon zuvor keine wirklich graue Maus, ob positiv wie bspw bei der Pokalfinalstimmung (sowie grundsätzlich der guten Heimstimmung mit meist vollem Haus oder auch dem vielzähligen Auswärtssupport bspw 10.000 Eintracht-Fans in Bordeaux .. davon träumen Hertha, Hoffenheim und co) oder negativ wie bei Ausschreitungen oder Pyroaktionen.
Über Eintracht haben viele eine Meinung, der Verein wird wahrgenommen und hat Strahlkraft. Auch dank Peter Fischer und solchen Kommentaren.

Übrigens ist auch ein beliebter Kommentar, dass es bei der AfD viele 'Protestwähler' gibt, die sich nicht zur 'braunen Brut' zugehörig fühlen. Ich schätze, dort sind die „…ich bin zwar kein Anhänger/Wähler der AfD, aber…“-Kommentare einzuordnen.
Diese dürfen ihre Wahl dann gerne überdenken und sich das nächste Mal für eine andere Protestpartei entscheiden. Dann müssen sie sich auch nicht mehr rechtfertigen und können Fischer einfach zustimmen.
Forza SGE!

In den nächsten Monaten wird es spannend, in welchen Fällen die Eintracht wirklich aktiv wird.

Sportsmanship fehlt im Fußball einfach zu oft. Wann wird ein Verein reagieren? Hier fehlen mir Konkretisierungen.

Das gilt aber nicht nur für den Sport. Im Artikel wurde bspw. auch ein aktueller Fall im Bereich der Fluggesellschaften angesprochen, in denen mich das Urteil und die fehlende Reaktion relevanter Politiker gewundert hat.

Es fehlen einfach zentrale Prinzipien. Dann gibt es die Sonntagsreden/Wahlkampfreden wie "Kampf gegen rechts" und dann gibt es das Handeln der Verantwortlichen.

Es wird zu oft oft auf angebliche Interessen Rücksicht genommen statt klar Stellung zu beziehen.

@Herbert Watzel Eine graue Maus ist "unsere" Eintracht noch nie gewesen, wohl wahr!
FORZA SGE!

1.
Erfreulich, für mich, diese eindeutige, diese unmißverständliche gesellschaftspolitische Positionierung des Präsidenten von Eintracht Frankfurt wider den ADF-Anhang!
Nachahmer seitens anderer Bundesligisten, z.B. seitens "meines " BVB?
Ist nicht zu erwarten, weil………….??
2.
Erfreulich , für mich, auch die klaren Worte in Sachen AFD durch den Gastkommentator Thomas Weigle, nicht neu, also nicht überraschend, aber hier wegen des Anlasses be- und nachdenkenswert! Prima, Thomas Weigle!

3.
Und "wenn Gleiches schon tausendfach" über die AFD und über ihre Anhängerschaft gesagt worden sein sollte -sh.Beitrag -2- , spricht nichts dagegen -ganz im Gegenteil-.es immer wieder, aus jedem Anlaß und überall zu wiederholen.
Einmalig ist die Aktivität eines Bundesliga-Vereins -Präsidenten gegenüber AFD-Anhängern. Und deshalb sollte über sie so viel wie möglich berichtet/kommentiert werden -dank Thomas Weigle jetzt auch hier bei den Ruhrbaronen.

4.
Und Trump , der "hier noch fehlt" -sh.Beitrag 2-………
Ein Unglück, so sagt man, kommt selten allein, aber man muß deshalb nicht immer und überall nach all dem (politischen )Unglück und nach all dem (politischen) Elend dieser Welt suchen und es stets benennen. Zu Anfang eines neuen Jahres pflegen die Menschen ehe das Glück zu beschreiben und nach dem Guten zu suchen. Ihnen dann mit der AFD zu kommen, könnten sie als Zumutung empfinden . Und darauf dann noch den Trump setzen? Politische Pessimisten und resignierende Demokraten könnte das den Jahresanfang "verhageln"! Und das muß man ja nicht unbedingt wollen.

@ Walter Stach "Das ist gewiss ein Lorbeerblatt, wertvoller als mancher Pokal….denn es war ein ergebnisoffener Auftrag," schrieb ich hier vor zwei Jahren in einem Artikel über das Ergebnis eines vom BVB in Auftrag gegebene Untersuchung über die Geschichte des BVB in den 1000 Jahren. Es war die erste offizielle Untersuchung dieser Zeit durch einen Bundesligisten, es folgte der unaussprechliche Verein aus eurer Nachbarschaft. Der BVB war damals, um 2000, Schrittmacher für ähnliche Projekte. Das ist doch aller Ehren wert!!!

Zu meinem Artikel oben, ist anzumerken, dass die AfD sich als Unterstützer der deutschen Juden und des Staates der Nachkommen der Überlebenden des Holocaust. Nun ja, auf der anderen Seite fordert Hoecke, eine 180 Grad Wende in Sachen der Einschätzung der Rolle der Wehrmacht. Wie das sich mit einer vorgeblichen Unterstützung der deutschen Juden und Israels verträgt, bleibt schleierhaft. War es doch die Wehrmacht, die den Holocaust und andere Verbrechen durch ihre militärischen Leistungen erst ermöglichte. Und auch an zahllosen Gräueln selbst beteiligt war.

MPÜ: Sich selbst als moralisch-politisch überlegen fühlender Mensch, der nicht selten unter dem "third-person-effect" leidet.
Das Absprechen von intellektuellen Fähigkeiten sowie die verbale Herabwürdigung von Menschen mit abweichenden politischen oder weltanschaulichen Meinungen wird nicht selten begleitet von Aktivitäten in s.g. "Echokammern", wo diese positive Reaktionen von Gleichgesinnten hervorrufen.
s. #7

@ DavbubDie Länge und Aufgeregtheit ihres Schmähs spricht für sich. Und hier von "Echokammern" zu lamentieren, ist angesichts dessen, was in dieser causa auf anderen Blogs (100te von Posts gg.Fischer) los ist, zeigt, wes Geistes Kind sie sind.

Thomas Weigle -8-
danke für die Erinnerung an , jedenfalls im weitesten Sinne einschlägige "Anstrengungen" des BVB und durch…
Ich denke, daß "Widerspruch gegen die AFD" und " verbaler Widerstand gegen ihre Anhängerschaft" vor allem dann gewichtig sind und vor allem dann langfristig wirksam sein könnten, wenn sie aus der Gesellschaft kommen -jenseits der Parteien und jenseits kommunaler-staatlicher Einrichtungen-, z.B. aus Sportvereinen (oder von Bloggern hier bei den Ruhrbaronen!!).

"Eintracht Frankfurt steht für Fairness, ein sympathisches Miteinander, Toleranz und gegen Antisemitismus sowie Rassismus." So Wolfgang Steubing, Aufsichtsratschef der Eintracht. GUT SO!!

Gerade lese ich, dass die hessischen "Winselgermanen" (Mein besonderer Dank für diesen Ausdruck geht an @W.Obermanns) ihre Mitglieder aufgefordert haben, Mitglied bei der Eintracht zu werden, um am 28.1. bei der MV gg. Fischer zu stimmen. Mit dem Lesen und/oder dem Informieren ist`s halt so ´ne Sache. Erst nach 6 Monaten Mitgliedschaft hat man Stimm-und Rederecht bei der SGE. Gott, sind die dämlich!!

Sport und Politik im Mutterland des Fußballs: die FA ermittelt gegen Pep Guardiola, weil dieser bei Pressekonferenzen eine gelbe Schleife trug, was als Unterstützung der eingesperrten und abgesetzten katalanischen Politiker gilt.

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