Ein persönlicher Saisonrückblick auf die Fußball-Bundesliga

Foto: Robin Patzwaldt

Wenn man auf diese Saison zurück blickt, stellt man fest, dass es an beiden Enden der Tabelle keine große Überraschung gab: Bayern ist Meister, Ingolstadt und Darmstadt abgestiegen und der HSV hat sich mal wieder gerade noch so gerettet. Auch, dass Stuttgart und Hannover den Wiederaufstieg schafften, war abzusehen.

Wirklich überraschend ist auch der Erfolg von RB Leipzig und Hoffenheim nicht, wenn man bedenkt, wie viel Geld dort investiert wurde. Beide Mannschaften sind zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte im internationalen Wettbewerb vertreten, was sportlich sicher eine Bereicherung darstellt, allerdings ist es fraglich, wie es sich auf das Image der Bundesliga auswirkt, wenn zu den Spielen dieser Teams nur wenige hundert Fans mitreisen. Schließlich ist die Stimmung in den Stadien doch das Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga, da können (heutzutage) weder England noch Italien mithalten.
Ein Verein, den sicher einige Tausend Anhänger bei seiner Rückkehr auf die europäische Bühne begleiten werden, ist der 1. FC Köln. Tragischer Held bei den Kölnern war diese Saison Marcel Risse, der die Tore des Monats Oktober und November jeweils per Freistoß erzielte und dann durch eine Verletzung die komplette Rückrunde ausfiel.

Überhaupt hatte die Mannschaft von Peter Stöger Verletzungspech, Leistungsträger wie Bittencourt, Maroh und sogar der Keeper Timo Horn fielen lange aus. Dass die Verletzungen so gut kompensiert wurden und am Ende sogar der 5. Platz raussprang, ist schon eine Sensation.
25 Jahre ist es her, dass die Geißböcke gegen Celtic Glasgow aus dem UEFA Cup ausschieden. Danach hatten sie noch ein paar Mal am UI Cup teilgenommen, u.a. 1998, als der FC zum ersten Mal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste.

Wenn die Kölner vermeiden wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, müssen sie den Kader auch in der Breite verstärken. Denn auch 2012 waren sie im vierten Jahr nach dem Aufstieg wieder abgestiegen, und da gab es diese Doppelbelastung noch gar nicht.
Trotzdem hat man in der Domstadt natürlich allen Grund zum Feiern: Vor den Lokalrivalen aus Gladbach und Leverkusen konnte die Mannschaft sich durch das Erreichen des 5. Platzes direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifizieren und ist damit die wahre Überraschungsmannschaft der Saison – wobei man an dieser Stelle anmerken muss, dass auch der SC Freiburg als Aufsteiger sich sehr gut geschlagen hat und durch den 7. Platz ebenfalls noch die Chance auf die Teilnahme an der Europa League hat, wenn Dortmund gegen Frankfurt im Pokalfinale gewinnen sollte.

Auch die Dortmunder haben eine solide Saison gespielt, konnten sich für die Champions League qualifizieren und im Halbfinale des DFB-Pokals sogar die Bayern schlagen. Daraus, dass der BVB in der Champions League gegen den AS Monaco ausschied, kann man vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Mannschaftsbus weder den Spielern noch Trainer Thomas Tuchel einen Vorwurf machen. Deshalb ist es auch für Außenstehende nicht wirklich nachvollziehbar, warum Dortmunder Funktionäre Tuchel öffentlich in Frage stellten.
Die Saison der Schalker haben die eigenen Fans am Besten zusammengefasst: Auf einem Spruchband bedankten sie sich bei der Mannschaft dafür, „dass sie uns auch diese Saison so zahlreich hinterher gereist ist“. In der Europa League war Schalke nach einem starken Rückspiel und der anschließenden Verlängerung gegen Ajax Amsterdam ausgeschieden, in der Liga verpasste man die erneute Qualifikation 20 Jahre nach dem Gewinn des UEFA Cup.

Die größten Flops waren hingegen Leverkusen und der VfL Wolfsburg, die beide im Abstiegskampf steckten, anstatt um die Qualifikation für die Champions League zu spielen, wie man dort vor der Saison angesichts der hochkarätigen Spieler in den eigenen Reihen sicher gehofft hatte.

Die Wolfsburger müssen nun sogar noch in die Relegation gegen Braunschweig, wo ich sie aber in der Favoritenrolle sehe: Braunschweig hatte zuletzt 0:6 in Bielefeld verloren, eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft.

Trotzdem sind die Werksklubs Beispiele dafür, dass Geld allein eben keine Tore schießt. Sowohl in Hoffenheim als auch in Leipzig war der Erfolg kein Zufall, beide Teams hatten sich sinnvoll verstärkt. Mit Sandro Wagner und Kerem Demirbay sowie Diego Demme und Timo Werner dürfen vier Spieler der beiden „Retortenklubs“, wie sie ihre Kritiker nennen, nun auch beim Confed Cup für die deutsche Elf antreten.

Sandro Wagner hat den Hass der Fans allerdings auch mit seinen arroganten Aussagen, dass er mit Abstand der beste deutsche Stürmer sei und Profifußballer noch zu wenig verdienen würden, auf sich gezogen. Dasselbe gilt für Timo Werner, der durch seine Schwalbe im Hinspiel gegen Schalke zum vermutlich meistgehassten Spieler der Bundesliga wurde.
Fankulturell war es sicher kein gutes Jahr, an vielen Orten kriselt es zwischen den Vereinen und ihrer jeweiligen Fanszene, und auch der DFB hat natürlich einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen, indem er seit Neuestem auch Schmähgesänge und beleidigende Doppelhalter („Scheiß RB“) mit Geldstrafen belegt.

Viele empörten sich über den Auftritt der Dresdner in Karlsruhe, die anlässlich des Fast-Geisterspiels eine Mottotour veranstalteten, bei der sie sich im Militärlook als „Football Army Dynamo Dresden“ in Szene setzten und ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Krieg dem DFB“ präsentierten. Das Zünden von Böllern und Pyrotechnik im Rahmen dieser Tour werden sicher noch empfindliche Strafen nach sich ziehen. Doch die Kriegserklärung ist nicht einseitig, dass der Umgang des DFB mit den Fans Trotzreaktionen nach sich ziehen würde, hätte man sich vorher denken können.

Bleibt die Frage, wie sich die Situation im nächsten Jahr entwickeln wird. Sportlich gesehen lehne ich mich wohl kaum zu weit aus dem Fenster, wenn ich prophezeie, dass die Bayern auch im nächsten Jahr wieder den Titel holen werden. Da mit Stuttgart und Hannover zwei starke Mannschaften aufgestiegen sind, wird der HSV es allerdings schwer haben und vermutlich wieder gegen den Abstieg spielen. Als FC-Fan hoffe ich, dass mein Verein – trotz Europa – nichts damit zu tun haben wird.

3 Kommentare

Teilweise Widerspruch, RB Leipzig und Hoffenheim haben nun mal nicht Unsummen investiert, sondern mit Konzept jeweils eine gute Mannschaft zusammengestellt und gute Trainer in Ruhe arbeiten lassen. Was Watzke mit Herrn Tuchel gemacht hat ist mir unverständlich, zumal die Mannschaft grundlegend neu zusammengestellt wurde, finde ich das Ergebnis mit Platz 3, Pokalfinale und Viertelfinale CL so in Ordnung. Der FC aus der Domstadt hat auch eine gute Entwicklung hinter sich, jedes Jahr einen kleinen Schritt weiter nach vorn.

Bei Wolfsburg habe ich noch Hoffnung, dass die Zweitklassigkeit realisiert wird. Meisterschaften mit den Bayern werden langsam langweilig, da hoffe ich auf den BvB (falls Tuchel bleibt) in der nächsten Saison. Abstieg für den Dino wäre auch mal fällig, Ansonsten wird sich Leverkusen wieder fangen, Hertha wieder im Niemandsland verschwinden und einer, den keiner auf dem Zettel hat, wird die vorderen Plätze etwas aufmischen.

Auch von meiner Seite Widerspruch:

Jede Wette, dass zumindest bei den CL-Auswärtsspielen von RB Leipzig nicht nur "einige Hundert" mitfahren.
Auch wenn es den Fussballpuristen nicht passt, wird das Projekt Red Bull super angenommen.
Michael Ballack sprach am Sonntag im Doppelpass von einem der stimmungsvollsten Spielorte der abgelaufenen Saison und der Zuschauerschnitt liegt bei über 41 Tsd.:
http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/2016-17/zuschauer-der-saison.html?ddt=1

Auch auswärts fuhren trotz der üblen Anfeindungen (siehe BVB) viele mit.
Und mich persönlich würde es nicht wundern, wenn es bald deutschlandweit Fanclubs von RB Leipzig gibt.
Und zwar vor allen Dingen aus dem einen Grund, dass vielen echten Fußballfans die dumpfen, selbstüberhöhenden und von Ultras dominierten Fanszenen der sog. Traditionsvereine mittlerweile gehörig auf die Nerven gehen.

P.S.: Damit kein Missverständnis aufkommt. Bin selbst Anhänger eines sogenannten Traditionsvereins und schreibe dass hier nicht aus der Red Bull Marketing Abteilung;)

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