Ein Krieg ohne Fronten

ISIS Quelle: Youtube
ISIS Quelle: Youtube

Der Islamische Staat und andere dschihadistische Gruppen bedrohen zahllose Menschen in Europa, Afrika und im Nahen Osten. Der Westen muss gemeinsam mit lokalen Kräften in den Regionen seine militärischen Anstrengungen verstärken. Doch das alleine wird nicht reichen.

Wenn die Nato es will, wird der Islamische Staat binnen weniger Monate auf seinem Territorium vernichtet werden. Die technische Überlegenheit der westlichen Streitkräfte, der Kampfeswillen kurdischer, jesidischer und anderer lokaler Truppen werden dazu führen, dass der IS als Gebilde innerhalb kurzer Zeit aufhören wird zu existieren. Doch damit allein wird nichts gewonnen sein. Der heutige Dschihadismus, die militante Version des Islams, ist eine Kind der Moderne und eine Reaktion auf sie. Ist der IS geschlagen, werden neue Organisationen entstehen und alte weiter kämpfen. Sie werden den Westen ebenso angreifen wie sie moderate Muslime angreifen, denn die meisten Opfer des Dschihadismus sind Muslime. Die meisten, die gegen die Dschihadisten kämpfen übrigens auch.

Der Dschihadismus gleicht der Hydra. Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen sofort neue nach. Den IS zu schlagen und zu vernichten ist gut und richtig, wird das Problem aber nicht lösen. Solange Dschihadisten aus den Golf-Staaten finanziert und unterstützt werden, werden wir es mit einer Angriffswelle nach der anderen zu tun haben. Der Feind ist nicht der IS alleine, der Feind heißt auch Saudi Arabien, heißt Kuwait heißt Vereinigte Arabische Emirate. Der Krieg, der nun zu führen ist, ist komplex.

Und wir werden ihn nicht nur in Afrika gegen Boko Haram oder im Nahen Osten gegen den IS  führen müssen, sondern auch in unseren Städten, in denen es längst zahlreiche Anhänger des Dschihadismus gibt. Viele von ihnen haben keinen Migrationshintergrund, sind keine Flüchtlinge sondern sind Biodeutsche, welche die Gesellschaft hassen, in der sie aufgewachsen sind.

Wie dieser Krieg im Detail zu führen sein wird, ist zur Zeit ungewiss. Sicher ist, dass militärischen und polizeilichen Mitteln eine Schlüsselrolle zukommen wird. Es muss auch mit allen denkbaren Mitteln verhindert werden, dass Dschihadisten weiteren Zulauf und wirtschaftliche Unterstützung erhalten. Es müssen die effektivsten Mittel gewählt werden und das werden neben Flugzeugen und Bomben auch wirtschaftliche Sanktionen und Präventionsarbeit sein.

Es wird aber auch darauf ankommen, die Regime im Nahen Osten und in Afrika zu demokratisieren. Es ist die Aufklärung, die nun dort etabliert werden muss.

Einen Krieg gewinnt, wer seine Verluste an Truppen und Material ausgleichen kann, nicht wer die meisten Feinde tötet. Gelingt es uns nicht, den Zulauf und die Unterstützung der Dschihadisten zu stoppen, werden wir diesen Krieg verlieren und vielleicht schon in wenigen Jahren in einem Alptraum leben. Der Westen wird diesen Krieg gegen die Barbaren gewinnen oder er wird untergehen. Er muss diesen Krieg gewinnen, koste es was es wolle.

 

23 Kommentare

Russland ist auch immer wieder Ziel von Toerror-Kämpfern genauso wie einige andere Länder in Asien. Aktuell werden viele Vergleiche mit dem Anschlag in Mumbai gezogen. Dieser sehr asymmetrische "Krieg" ist eine weltweite Gefahr.

Auch hier wird wieder sehr stark auf westliche Streitkräfte verwiesen.
In Nigeria, Afghanistan, Syrien, dem Irak gibt es eine große Bevölkerung. Viele Menschen fliehen aus den Ländern.
Warum kämpfen diese jungen Männer nicht für ihre Freiheit? Ohne einen signifikanten Unterbau von Menschen, die die Prozesse unterstützen, ist ein Eingreifen bspw. der NATO oder Russlands wenig zielführend. Als Alternative sehe ich nur eine stärkere Abschottung.

"Follow the money" ist sicherlich eine Strategie. im WDR hat Leonardo bspw. über eine interessante Variante der Erforschung von Geldströmen in Somalia berichtet: http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/sendeterminseiten/leo_sts794.html. Jetzt müsste nur gehandelt werden.

Wir kennen aus der eigenen Geschichte die Strategien, wie sich Terror-Regime aufbauen. Wie es bspw. bei den Talibans funktioniert, hat die Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai für ihre Heimat (Swar-Tal) in "Ich bin Malala" beschrieben. Die Muster sind bekannt, offen bleibt, ob wir auch reagieren oder uns in bester Laissez-faire Strategie über unsere grenzenlose Toleranz erfreuen.

P.S.: Welches Ergebnis hätten freie Wahlen in den angesprochenen Ländern? Ist die Demokratisierung im Nahen Osten ein relistisches Ziel?

@keineEigenverantwortung: An der Demokratisierung führt kein Weg vorbei, aber es ist das Bohren sehr dicker Bretter.

@keineEigenverantwortung: Jahrzehnte… Aber gibt es eine Alternative? Sollen das wieder Kolonien werden?

@4: Wenn man die aktuellen Diskussionen insbesondere über Afrika betrachtet, kommen immer die Forderungen nach finanziellen Hilfen aus dem Ausland, nach militärischer Unterstützung etc.
Begründet wird das u.a. mit der Verantwortung aus der Kolonialzeit oder weil der Westen immer für alles verantwortlich ist. Wie lange ist die Kolonialzeit her? Dass insbesondere afrikanische Staaten sich komplett selber entwickeln können und dass es dort auch große Städte und reiche Menschen gibt, scheint viele zu überfordern. Da sind die alten Bilder der Hungerhilfe heute aktuell.

Demokratisch legitimierte REgierungen müssen auch nicht unbedingt Freiheit etc. bedeuten.

"Viele Menschen fliehen aus den Ländern.
Warum kämpfen diese jungen Männer nicht für ihre Freiheit? "

Diese Frage muss man sich allerdings stellen.
Eine mögliche Antwort könnte sein, das Freiheit nicht das primäre Ziel ist.

@6: Bzgl. Afghanistan ist die Situation sehr verrückt. Junge Menschen aus Afghanistan fliehen und junge Menschen der NATO-Staaten werden nach Afhganistan verlegt und sorgen für Sicherheit. Reportagen und Serien wie "Bomb Squad – Einsatz in Afghanistan" zeigen das Leben in den einfachen Lagern, in denen die Soldaten leben müssen. Dabei kommen hauptsächliche leichtere Waffen zum Einsatz.

Hier könnte die Bevölkerung auch selber aktiv werden. Dass es ein Risiko gibt ist klar, aber das gibt es auch für die ausländischen Soldaten. Dass jetzt noch mehr Soldaten verlegt werden sollen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Ob man diese "dicken Bretter bohren kann,@Stefan? Nicht nur, dass in diesen Ländern der Westen und natürlich Israel als der Hauptfeind gesehen wird, sondern eben auch zunehmend die USA/Israel in der EU. Das Erstarken rechtspopulistischer und westfeindlicher Strömungen und Parteien, die sich in Verschwörungstheorien ergehen und den Blick nach Russland richten, lässt in dieser Hinsicht nichts Gutes für die Zukunft erahnen. Polen will schon keine Flüchtlinge mehr aufnehmen
Russland mag ebenfalls von Anschlägen betroffen sein, daraus allerdings ein vitales Interesse Russland an der Bekämpfung des islamistischen Terrors abzuleiten, scheint mir fragwürdig. Die Frage ist doch, was nutzt Russland mehr. Auf Grund des islamistischen Terrors richtet sich der Blick des Westens weg von der Ukraine und der Krim.,zumal die Flüchtlinge nicht nach Russland ziehen, sondern die EU vor schwere Probleme stellen, für massive Auseinandersetzungen innerhalb der Staatengemeinschaft sorgt.
Russland hat bspw bei Geiselbefreiungen im eigenen Land wenig Rücksicht genommen, sondern bei den Krankenhaus-Schul- und Theaterdramen Hunderte Geiseln sterben lassen., Grosny und viele Dörfer plattgemacht. Der Mensch zählt in Russland nicht viel, wg. ein paar hundert Terrortoten macht sich da niemand einen Kopf.
Dass ist eigentlich auch vielen Putinverstehern völlig klar. Wenn ich mich an die Diskussionen über die Ukraine erinnere, war oft die Rede davon, dass man "die Russen" nicht demütigen dürfe, indem man bspw. die Ukraine in die Nato aufnimmt. Unausgesprochen blieb bei vielen, dass ein "gedemütigter Russe" gefährlich werden und mit Raketen werfen könnte.
Russland ist Partei in dieser Auseinandersetzung, Krieg, aber auf welcher Seite? Im Zweifel auf der eigenen und diese wird nicht die des Westens sein.

@#6 Sigrid Herrmann-Marschall: Vielleicht wollen und müssen viele von diesen jungen Flüchtlingen erst einmal selbst erleben, was Freiheit im realen Leben (und nicht in der Glotze oder im Netz) wirklich bedeutet – etwas, was in deren *nicht* sicheren Herkunftsländern so gut wie unmöglich ist, wenn man nicht über Reichtümer verfügt. Insofern gehören für sie Freiheit und Sicherheit durch Wohlstand ganz natürlich zusammen.

Leider beschreibt dieser Artikel nur einen kleinen Teil der Wahrheit. Tausende von Menschen mit Migrationshintergrund und Bioeuropäer sind in den letzten Jahren in die Machtbereich der Islamisten gezogen um für den Islam zu morden. Inzwischen werden diese Reisen in den Krieg behindert. Jetzt sparen sie sich die Reisekosten und sie morden bei uns.
Bei einem Vergkeich dieser Dschihadusten mit den Terroristen der Siebziger Jahre müssen wir erschrockenfeststellen. Es sind wesenmtlich mehr als die paar Hansel von danals und sie sind motiviierter.Danals träumten die Terroristen von "Neuen Menschen". Heute träumen dieTerroristen von ihren persönlichen 72 Jungfrauen zu ihrer persönlichen Nutzung. Und sie brauchen nur nach der Entjungferung der Jungfrau die Wasserpfeifedanach rauchen und die entjungferte Jungfrau ist unten wieder wie neu. Das wird uns "Blut, Schweiss und Tränen" kosten.
Wir müssen die Anwerbung zum Morden bei uns verhindern.
Bis jetzt fehlt es bereits an der westlichen Bereitschaft zur gesellschaftlichen Verweigerung der Feindbegünstigung.
Wir liefern Waffen an Staaten, die "Schwerstverbrechen" wie den "Abfall vom islamischen Glauben" mit Köpfung und Ausstellung der Leiche am Kreuz bestrafen. Da helfen uns unsere schiitischen verbündeten Milizen auch nicht, wenn diese Schulkinder mit zu langen Haaren und so engen westlichen Klamotten ("Emos")während des Unterrichtes aus den Klassenräumenzerren und dann ohne ein Gerichtsverfahren nach den Regeln der Scharia nochauf den Schukhöfen steinigen.
Wir sollten damit anfangen die westliche Förderung Islamgruseltruppen während des Kalten Krieges vor Strafgerichten aufzuarbeiten.
Mord verjährt nicht.
Müssen wir unbedingt die letzten noch nicht gestorbenen NS-Kriegsverbrecher vor Gerichtziegenm, wenn "Lebenslänglich" in der Praxis eh nur ein paar Monate Haft von der Rechtskraft des Urteils bis zum Tode bedeutet?
Soll die Jugendgerichtshilfe uns hinter geschlossenen Türen über das möglicherweise zukünftige straffreue Leben von Tätern berichten, die ihre noch nicht verjährten Morde vor dem 8. Mai 1945 begangen haben?
Sollten wir uns nicht lieber darum kümmern, warum nach einer algerischen Demonstration in Paris während des algerischen Unabhängigkeitskrieges ein paar hudtert Algerier aus der Seine gefischt wurden?
Sie könnten ermordet worden sein…
Idi Amin(gestorben in Saudi.Arabien) kann nicht mehr vor Gericht gestellt werden…
Möglicherweise finden wir noch ein paar frischere Mörder.

Wer könnte sich in Zukunft vor dem Strafgericht für zukünftige Waffenlieferungen an… verantworten müssen?

Achim

Auf die Lösungsvorschläge des Artikels weiß ich leider nur drei ganz einfache Fragen:

"Es wird aber auch darauf ankommen, die Regime im Nahen Osten und in Afrika zu demokratisieren. Es ist die Aufklärung, die nun dort etabliert werden muss."

Gern! Aber wie?

"Einen Krieg gewinnt, wer seine Verluste an Truppen und Material ausgleichen kann, nicht wer die meisten Feinde tötet. Gelingt es uns nicht, den Zulauf und die Unterstützung der Dschihadisten zu stoppen, werden wir diesen Krieg verlieren und vielleicht schon in wenigen Jahren in einem Alptraum leben."

Gern! Aber wie?

"Der Westen wird diesen Krieg gegen die Barbaren gewinnen oder er wird untergehen. Er muss diesen Krieg gewinnen, koste es was es wolle."

Gern! Aber wie?

Und es wäre mir bedeutend wohler, wenn ich auch nur den Ansatz einer Lösung wüßte …

@Sigrid Herrmann-Marschall #6

ja, warum kämpfen diese jungen Männer nicht für die Freiheit? Vielleicht weil sie keinerlei Unterstützung dabei erhalten? Vielleicht weil der Westen und die UNO seit Jahren tatenlos zusehen, wie alles immer schlimmer wird in der irrationalen Hoffnung daß sich die Probleme irgendwie von alleine lösen?
Und speziell in Deutschland ist man ja Meister darin, die Dinge zu beschwichtigen in der Hoffnung man könnte sich irgendwie nach untendurch verdrücken wenn man keinen Laut von sich gibt.
Das Wort "REALPOLITIK" ist eines der wenigen deutschen, die es in den angelsächsischen Sprachraum geschafft haben, aber leider nicht im Sinne von "Pragmatismus" sondern es meint das Bohren ganz dünner Bretter.
Das ist so zutreffend wie blamabel.

Und mal ganz nebenbei bemerkt, Frau Hermann-Marschall, und nur für den Fall, daß Sie deutsche Staatsbürgerin sind, könnte man sich auch mal fragen, warum so viele junge Deutsche seinerzeit nicht gegen Hitler gekämpft haben, sondern im Gegensatz zu den Flüchtlingen von denen wir hier reden statt dessen f ü r den Diktator.
Sie sehen: Die Dinge können ganz schön kompliziert sein, wenn man mal drüber nachdenkt…

@12:
Keine Unterstützung??????

– Die USA führen eine Allianz an, die in Syrien, im Irak und in Afghanistan aktiv kämpft und – Militärgüter zur Verfügung stellt.
– Die BW ist auf Ausbildungsmissionen in Afghanistan.
– Die USA haben ein 500 Mio Dollar Programm zur Ausbildung von syrischen "Rebellen" gehabt (http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/syrien-usa-rebellen-ausbildung).
– Die BW ist im Rahmen der europäischen Ausbildungsmission in MAli aktiv (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-10/von-der-leyen-mali-bundeswehr)
– Die BW bildet kurdische Kämpfer im Irak aus.
….

Diese Einsätze werden von Soldaten durchgeführt, die fern der Familie in einem fremden Land kämpfen. Es gab viele Verletzte und Tote. Die Hauptlast/-kosten trägt die USA. Viele Länder machen bspw. bei Angriffen im Irak/Syrien mit, nur leider sind die Flieger nur selten in der Luft.

Von einer Tatenlosigkeit des Westens kann also keine Rede sein. Kämpfe sind risikoreich, in Syrien gibt es keine gesicherte Zukunft. Man wählt den sicheren Weg. Das ist nachvollziehbar, löst das Problem aber nicht. Es kann ja auch nicht sein, dass die Sicherheit in der halben Welt nur durch westliche Staaten gesichert wird. Die Staaten sind für sich selber verantwortlich.
Die UNO-Rolle sehe ich hier auch sehr kritisch. Es ist ein Problem, das die Region nicht bekämpft. Dann ist die Welt gefragt und nicht in erster Linie der Westen. Das gilt auch für die Versorgung der Flüchtlinge.

"Es wird aber auch darauf ankommen, die Regime im Nahen Osten und in Afrika zu demokratisieren. Es ist die Aufklärung, die nun dort etabliert werden muss." (Zitat aus dem Beitrag)

Das genau ist der Fehler: Etwas "demokratisieren, etablieren" wollen, ohne die Bevölkerung zu fragen, ob und was sie haben möchte.
Diese Arroganz zieht sich durch die Geschichte: Afrikas Völker, Amerikas Indianer, Chinas, Koreas und Vietnams Bevölkerung …
Die Familien in Iran, Afghanistan, Libyen, Irak, Syrien, Ukraine brauchten und brauchen diese Einmischung von außen im Namen der "Demokratie" nicht, die zu oft gerade die gefördert oder hervor gebracht hat, die den Terror verbreiten.

@Mike: Es wird nicht ohne "Nation Building" gehen, auch wenn das ein extrem komplizierte Prozess ist.

@Stefan Laurin #16
"Nation Building" klingt wie ein Begriff aus einem US-Thinktank.
Dahinter verbirgt sich offensichtlich ein politischer, militärischer, ökonomischer Zweck, fremde Nationen "zu bilden", ohne von den Menschen dort darum gebeten worden zu sein oder nachdem "moderne Staaten" diese etablierten Gesellschaften (die oft viel älter sind als Europas Demokratien und die USA) zerstört und ins Chaos gestürzt haben.
Das ist der Fehler, und der ist durch nichts zu rechtfertigen.
Wir müssen unsere Denkweise ändern, über uns und über die anderen Gesellschaften.
Es wäre hilfreich gewesen, wenn Sie in Ihrem Beitrag analysiert hätten, dass und wie der IS ein Produkt der Nato, der EU und ihrer Verbündeten ist, unter Führung der USA.

@Mike: Der IS ist kein Produkt der Nato und der USA. Das sind antiimperialistische Verschwörungstheorien, auch wenn der Westen in der Einschätzung seiner Gefährlichkeit sicher Fehler gemacht hat. Der IS ist ein Produkt des militanten Salafismus der Neuzeit, der eine Reaktion von Teilen der islamischen Welt auf die Moderne und dioe Überlegenheit des Westens darstellt. Als die deutlich wurde – Äygpten-Feldzug Napoleons und die Reaktion der Briten – begann dort eine Debatte: Orientiert man sich teilweise am Westen oder geht man zurück an die Wurzeln des eigenen Glaubens, die als Grundlage der eigenen und sehr erfolgreichen Expansion gesehen wurde. Nur mal ganz nebenbei: Ich finde das saudische Mädchen so leben können müssen wie finnische Mädchen, Schwule Hand in Hand durch Kabul gehen können müssen, man eine Zigarette zum Bier in Rakka rauchen können muss und Presse- und Kunstfreiheit universelle Rechte sind. Das Recht eine angebliche Ehebrecherin zu steinigen gehört nicht dazu.

Wieso eigentlich immer der Westen? Erst mal ist ein Teil des Konfliktes doch der zwischen Sunniten und Schiiten. Da hat es schon immer mächtig was auf die Brezzel des jeweilig anderen gegeben. Die Auseinandersetzung zwischen dem Abend-und dem Morgenland wurde kurz nach dem Tod des Kinderliebhabers von dessen Anhängern begonnen. Schon im 8. Jahrhundert hörte man Aloha Akbar in Frankreich und 1783 ängstigte es nicht nur die Wiener, sondern das gesamte christliche Europa. Und wer rettete es? Ein polnisches Heer, dass in letzter Minute den Wienern und Europa den Arsch rettete. Von da an ging es in die andere Richtung. Wenn Imperialismus, dann doch wohl ein gegenseitiger.
Der Gedanke eines weltweiten Kalifats ist dem IS also nicht von den Amerikanern eingeblasen worden, sondern stand von Anfang an auf der muslimischen Agenda.
Sicher haben die Kriege des Westens gg. Afghanistan und den Irak 2003 zur heutigen Lage beigetragen. Es zeigt sich aber exemplarisch, wie klug die BRD und auch die DDR mit der Masse der Nazis umgegangen sind, in dem sie diese in die Gesellschaft integrierten, denn im Irak wurde dies bei den Anhängern Sadams, die sich aus der sunnitischen Bevölkerung rekrutierten, versäumt. Deshalb stellen diese heute den Hauptteil der IS-Kämpfer. Hätte man ihnen im Irak nach Sadam eine halbwegs vernünftige Perspektive geboten…

@ #19: Dem kann ich nur zustimmen! Viele Gutmenschen glauben immer noch, daß der Islam den Orient gleichsam im Lotto gewonnen hat. Dabei kann noch nicht einmal auch nur ansatzweise von einer friedlichen Mission in den damals fast durchweg christlichen Gebieten gesprochen werden! Die islamischen Heerführer haben ein für sie historisch günstiges Zeitfenster genutzt, um mit ihren damals überlegen Truppen Nordafrika und Spanien zu erobern.

614 wurde Jerusalem von den islamischen Heerscharen erobert, fast alle Kirchen wurden zerstört, und es kam zu umfangreichen Massakern an der Zivilbevölkerung; 1009 wurde die Grabeskirche abgerissen – damals wie heute der heiligste Ort der Christenheit!

Mann stelle sich einmal vor, ein christliches Heer hätte die arabische Halbinsel erobert, Mekka besetzt und dann die Ka'ba zerstört … Aber stattdessen gibt es immer noch einige völlig geschichtsvergessene Europäer, die sich für die Kreuzzüge schämen und gar nicht begreifen, wie pervers es ist, daß wir Europäer uns von radikalen Islamisten als die Völker der Kreuzzüge beschimpfen lassen müssen! Stattdessen könnten und sollten wir vielleicht genauso polemisieren!

Polemisieren ist falsch.
Wenn wir über geschichtliche Ereignisse etwas verstanden haben, sollten wir darüber sprechen.
Wir sollten uns nicht die Interpretationshoheit widerspruchslos wegnehmen lassen.
Leider reichen die Geschichtskenntnisse selbst viele Akademiker kaum weiter als 80 Jahre zurück.
Die merken nicht einmal, das das gerade mal Zeitgeschichte ist, und noch keine Geschichte im eigentlichen Sinne.

Wir befinden uns im Dritten Weltkrieg….sicher er ist anders, als wir uns das in den 80er gedacht haben, so ohne Atombombe ( noch). Aber wir können nicht wegschauen…..der Nahe Osten und Afrika brennen an allen Ecken. Die Regierungen der westlichen Welt tragen daran ein gerüttelt Mass an Verantwortung….nur der Geist ist aus der Flasche…und wir sind lange darüber hinaus den Konsequenzen dieser Fehler noch ausweichen….. der IS hat uns allen den Krieg erklärt….der IS meint das bitterernst….wünsch dir was ist vorbei….wir stehen längst im Krieg. Danach ist zu handeln.

http://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/islamischer-staat-und-der-terror-von-paris–is-expertin-ueber-die-gefahr-der-dschihadisten-6556900.html

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