Ein Hauch von DEL am Essener Westbahnhof

Justin Schrörs im Tor der Moskitos. Gegen die Hannover Scorpions erneut ein starker Rückhalt. (Foto: Simon Ilger)
Justin Schrörs im Tor der Moskitos. Gegen die Hannover Scorpions erneut ein starker Rückhalt. (Foto: Simon Ilger)

Ein Hauch von DEL wehte am heutigen Freitag durch die Eissporthalle am Essener Westbahnhof. Dies lag zwar auch daran, dass erneut Leonhard Niederberger von der Düsseldorfer EG und mit Hannibal Weitzmann, Nico Kolb, Oliver Granz drei Spieler der Kölner Haie das Team von Frank Gentges unterstützten, aber hauptsächlich an der Tatsache, dass mit den Hannover Scorpions der Deutscher Meister von 2010 am Westbahnhof empfangen wurde. Die Skorpione waren jahrelanges Mitglied in der höchsten deutschen Spielklasse und so kreuzten die beiden Teams zu Beginn der 2000er Jahre die Schläger in der Deutschen Eishockey Liga miteinander. Die Hannoveraner ereilte jedoch im Jahre 2013 ein ähnlich hartes Schicksal wie die Moskitos gut zehn Jahre zuvor. Nachdem man die DEL-Lizenz nach Schwenningen verkauft hatte, musste der Verein in der Oberliga neu beginnen und so stand man sich heute gegenüber.

Das Team von Trainer und ehemaligem Nationalspieler Leonard Soccio aus Hannover war vor dem Spiel Fünfter. Punkte wären wichtig, um den Abstand zu den Nicht-Play-off-Plätzen zu wahren und um Platz vier erreichen zu können, welcher für Heimrecht in der ersten Play-off-Runde sorgt. Die Moskitos sind jedoch nach den etwas verkorksten letzten Spielen unter Zugzwang, wenn die Chance auf Platz acht und damit den letzten Play-off-Platz nicht nur eine theoretische sein soll. Die heutige Begegnung mit den Scorpions war das erste Kräftemessen mit dem dritten Hannoveraner Team der Oberliga Nord. Den Vorgängerverein und das ehemalige Farmteam der Hannover Scorpions, die Wedemark Scorpions haben die Moskitos in heimischer Halle schlagen können und auch gegen den Lokalrivalen der Skorpione, die Hannover Indians spielten die Mücken in dieser Saison bereits, mussten das Eis am Westbahnhof aber als knapper Verlierer verlassen.

Die Essener beginnen vor leider nicht DEL-tauglichen 623 Zuschauern wie die Hannoveraner sehr hektisch und unkonzentriert. Die ersten zehn Minuten sind geprägt von unnötigen Puckverlusten und Fehlpässen. Dadurch ergeben sich in einem schnellen Spiel viele Chancen für beide Seiten, die jedoch jeweils nicht genutzt werden können. In der zweiten Hälfte des ersten Drittels stabilisieren sich die Moskitos etwas und in der zwölften Minute ist es Niklas Hilderbrand der ein Durcheinander vor dem Hannoveraner Goalie Jimmy Hertel nutzt und die Scheibe über die Linie bringt. Skorpion Stefan Goller gefällt dies gar nicht, langt zu und wird dafür von Hauptschiedsrichter Robert Schelewski auf die Strafbank geschickt. Eben jeder Schelewski schnürrte übrigens im Gründungsjahr der Mosktios 1994/1995 seine Schlittschuhe für die Mücken und auch für den Vorgängerverein, den EHC Essen-West war er zu Beginn der 1990er Jahre aktiv. Das folgende Powerplay bringt nichts ein und beide Teams glänzen weiterhin nicht mit spielerischer Rafinesse. In der 17. Spielminuter traut sich irgendwie kein Essener den Puck trotz mehrerer aussichtsreicher Möglichkeiten einfach mal auf das Tor der Scorpions zu schießen, bis Michal Velecky sich ein Herz nimmt und die schwarze Hartgummischeibe an Hertel vorbei in die Maschen drischt. Nur eine Minute später schnappt sich erneut Velecky den Puck vor der Hannoveraner Bank, lässt genervt vom schlechten Essener Powerplay drei Scorpions aussteigen, verlädt Hertel und schiebt die Scheibe über die Linie ins leere Tor. Mit 3:0 geht es in die erste Pause. Die drei Tore täuschen über eine erneut schwache Chancenverwertung und ein miserables Powerplay weg. Dass Hannover trotz mehrerer guter Möglichkeiten noch torlos ist, liegt hauptsächlich am konstant starken Justin Schrörs im Essener Tor.

Das zweite Drittel fügt sich nahtlos an das vorangegangene an. Beide Teams weiter mit vielen Ungenauigkeiten im Spielaufbau in der 33. Minute steht ein Hannoveraner Stürmer frei vor Schrörs, dieser behält jedoch die Nerven und kann diese hundertprozentige Chance auf den Anschlusstreffer entschärfen. Zum Ende des zweiten Drittels werden die Scorpions stärker oder die Essener hinten etwas fragiler. Eine Frage der Sichtweise. Jedoch scheitern die Scorpions entweder an Schrörs oder vermögen es nicht, den Puck am geschlagenen Essener Goalie vorbei im leeren Tor unterzubringen. Sekunden vor dem Drittelende hat Mücken-Kapitän Jan Barta das 4:0 auf dem Schläger, scheitert aber freistehend aus halbrechter Position an Hertel. Da beide Seiten nicht treffen geht es folgerichtig ohne Ergebnisveränderung in die zweite Pause.

Im dritten Drittel wird das Spiel robuster, nicht nur gegenüber des Gegners. Jan Barta will in der 42. Minute den Puck aus dem Verteidungsdrittel lupfen und trifft unglücklicherweise Top-Scorer Michal Velecky aus kurzer Distanz im Gesicht. Nach ein paar Minuten Pause und etwas Eis kann dieser das Spiel jedoch wieder aufnehmen. Zu Beginn des Drittels sind die Scorpions spielbestimmender und erarbeiten sich einige gute Möglichkeiten. Mit Ansage fällt dann in der 45. Minute der zu diesem Zeitpunkt verdiente Anschlusstreffen. Patrick Raaf-Effertz sitzt wegen eines unkorrekten Körperangriffes auf der Strafbank und die Scorpions ziehen ihr Überzahlspiel auf. Nach einem saftigen Lattenkracher schläft die gesamte Essener Hintermannschaft einschließlich Justin Schrörs und Phil Hungerecker kann aus spitzem Winkel von rechts die Scheibe im Tor unterbringen. Nun stehen beide Defensiven etwas kompakter und könne  die Fehlerquote aus den ersten beiden Dritteln reduzieren. In der 54. Minute ist es Niklas Hilderbrand, der sich an der eigenen blauen Linie den Puck schnappt drei Hannoveraner Spieler schlicht stehen lässt, ins Angriffsdrittel zieht, Hertel im Tor der Scorpions keine Chance lässt und damit den alten Abstand wiederherstellt. Eine kleine Vorentscheidung. Die Skorpione werden jedoch nochmals gefährlich und erneut ist es Justin Schrörs, der eine eins auf null Situation in der 58. Minute meisterhaft entschärfen kann.

Alles in allem ein verdienter und wichtiger Sieg für die Mannschaft von Frank Gentges, auch wenn dieses Mal die spielerische Klasse etwas fehlte hat sich das Team den Sieg erkämpft und am Ende vielleicht etwas zu deutlich gewonnen. Etwas mehr Glück, Kampf und der bessere Goalie entscheiden die Partie. Mit diesen drei Punkten konnten die Stechmücken den Abstand zum achtplatzierten EHC Neuwied auf fünf Punkte reduzieren, da die Neuwieder sich zuhause mit 9:1 den Tilburg Trappers geschlagen geben mussten. Jedoch haben die Bären noch immer ein Spiel weniger gespielt als die Essener. Am Sonntag geht es nach Hannover, erneut gegen die Scorpions und Neuwied spielt ebenfalls gegen den heutigen Gegner aus den Niederlanden. Und gerade zuhause sind die Trappers äußerst stark. Wenn sich die Ergebnisse von heute wiederholen ließen, betrüge der Rückstand auf die Play-offs nur noch zwei Punkte und wäre damit tatsächlich wieder in greifbarer Nähe. Insbesondere da heute in zwei Wochen noch eine Begegnung mit den Neuwiedern auf dem Programm steht.

Tore:
1:0 (11:43) Hildebrand (Bires, Patocka)
2:0 (16:24) Velecky (Granz, Niederberger)
3:0 (18:29) Velecky (Niederberger, Barta) PP1
3:1 (44:45) Hungerecker (Bacek, Morczinietz) PP1
4:1 (53:15) Hildebrand (Bires, Granz)

Strafen:
Essen 2 – Hannover 12

Zuschauer:
623

 

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