Ein Denkmal für Gerhard Langemeyer!

Dortmunder ex OB Gerhard Langemeyer (SPD)
Dortmunder ex OB Gerhard Langemeyer (SPD)

Gemieden, verbannt, geächtet – vor fünf Jahren zeigten die Dortmunder Sozialdemokraten ihrem Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer die rote Karte. Nach langen Diskussionen verzichtete er schließlich auf eine erneute Kandidatur. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, um Frieden zu schließen. Die SPD hat das bis heute nicht geschafft. Mit etwas Abstand wird es Zeit, die Leistungen von Langemeyer zu würdigen.

Etwas verloren steht Gerhard Langemeyer an einem Tisch in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathaus. Gelegentlich nickt ihm ein anderer Besucher mit neutralem Gesichtsausdruck zu. Aus Anstand. An seinen Tisch stellt sich kaum jemand, das Gespräch mit dem ehemals ersten Mann der Stadt sucht ohnehin niemand. Die Szene spielte sich so vor einigen Tagen bei der Verleihung des “Eisernen Reinoldus” ab. Ein Preis, den die Dortmunder Journalisten alljährlich an verdiente Dortmunder vergeben. Natürlich nicht an Langemeyer, aber zumindest an einen Mann, den er in die Stadt geholt hat. An Benedikt Stampa, den Intendanten des Dortmunder Konzerthauses.

Auch fünf Jahre nachdem ihn seine Parteifreunde von einer erneuten Kandidatur als Oberbürgermeister abgehalten haben, ist Langemeyer in Dortmund ein Aussätziger. Der Ehrentitel “Alt-Oberbürgermeister” wird ihm bis heute verweigert, in seiner Partei meiden sie Langemeyer nach wie vor. Ja, Langemeyer hat viel selbst dazu beigetragen. Arrogant oder sogar authistisch lauteten die Vorwürfe, die man ihm gemacht hat. Außerdem ist da noch das 100-Millionen-Euro-Haushaltsloch, das er erst einen Tag nach den Kommunalwahlen 2009 bekannt gab. Eine schwere Verfehlung, die ich an dieser Stelle gar nicht schönreden will. Langemeyer hat zu Recht seinen Posten verloren, nachdem in seinem Amt einige hunderttausend Euro verschwunden waren.

Dass er bis heute von Parteifreunden gemieden wird und er sich immer noch nicht Alt-OB nennen darf, ist trotzdem ein Skandal. Wenn all die Hinterbänkler im Rat, die das beschlossen haben, längst vergessen sind, wird man Langemeyer in Dortmund ein Denkmal für seine Verdienste bauen. Sein Stellenwert in Dortmund wird immer noch an seinem Charakter bemessen, nicht an seinen Leistungen. Dabei kann jeder Dortmunder mit eigenen Augen sehen, was in seiner Amtszeit auf den Weg gebracht oder sogar gebaut wurde.

Dass Dortmund im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten besser dasteht, liegt auch am von Langemeyer initiierten Dortmund Project. Ein Programm der Wirtschaftsförderung, das auf gezielte High Tech- und Gründerförderung setzt. Langemeyer wollte damit Ersatz für die sterbende Stahlindustrie schaffen. Ob es tatsächlich die damals versprochenen 100.000 neuen Arbeitsplätze sind, darf bezweifelt werden, trotzdem hat diese Fokkussierung auf Zukunftsbranchen Dortmund voran gebracht.

Der Phoenixsee - Langemeyer hat sich für den Bau stark gemacht
Der Phoenixsee – Langemeyer hat sich für den Bau stark gemacht

Wenn im Frühling wieder die Sonne scheint, werden sich die Dortmunder wieder massenhaft zum Phoenixsee aufmachen und dort ihre Runden drehen. Der Bau des Sees – eines der Projekte von Langemeyer. Oder das U. Bis heute umstritten, hat es sich doch zum Wahrzeichen und Dreh- und Angelpunkt in der Stadt entwickelt. Im View im obersten Stock feiert der BVB seine Meisterschaften, in den Bars am Fuß amüsieren sich Freitag- und Samstagabend die Studenten und Jugendlichen der Stadt. Im U selber hat das Museum am Ostwall endlich ein repräsentatives Zuhause gefunden. Und last but not least hat Langemeyer eben jenen Stampa nach Dortmund geholt, der mit dem Eisernen Reinoldus ausgezeichnet wurde. Der Intendant hat das einst etwas provinzielle Konzerthaus in die Feullitons der bundesweiten Presse gebracht und bringt ein weltstädtisches zukunftsweisendes Programm auf die Bühne.

Alles Langemeyers Verdienste. Auch wenn seine Parteifreunde das ignorieren. Es wird Zeit, den Alt-OB in angemessener Form zu würdigen. Egal, ob er nun ein Sympath oder nicht ist, wichtig ist, welche Leistung er erbracht hat. Dass seinem Nachfolgfer ähnliche Erfolge gelingen, muss der erst beweisen. Und ein ganz einfacher Charakter ist im Übrigen auch der nicht.

In weiteren Teilen dieser Mini-Serie soll es um Langemeyers langjährigen Gegenspieler Franz-Josef Drabig und seinen Vorgänger Günther Samtlebe gehen.

 

 

3 Kommentare

Dieser Beitrag zeigt, weshalb Oberbürgermeister wie dieser kein Denkmal gesetzt bekommen müssen: Sie bauen sie einfach selbst. Und sie verschulden durch das taktische Verschweigen der daraus entstehenden Kosten weitere Kosten für die Wiederholung einer Wahl. Das sind die messbaren Leistungen von Gerhard Langemeier.

Für mich ist das Erstarken der Nazis in Dortmund in OB Langemeyers Amtzeit
der Knackpunkt. Den Mord im Stadtgarten hat Langemeyer als subkulturelle
Auseinandersetzung bagatellisiert.Daneben treten der Erfolg des Sees oder das
Fiasko U-Turm in den Hintergrund.

Wie wäre es mit einem Museum für verkannte Ruhrgebietsfürsten als neues touristisches Highlight?

Duisburgs Ex-OB Sauerland soll ja auch ein toller Hecht gewesen sein, wenn man die Loveparadekatastrophe ausblendet und Essen hätte Willi Nowack zu bieten.
Nicht zu vergessen auch Deutschlands Bestsellerautor Thilo Sarrazin als alter Recklinghäuser Jung.

Personenkult als spätere Reinwaschung – genau das isses.

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