Duldung der Hausbesetzung endet am Wochende

Die Hausbesetzer halten die Augen auf.
Die Hausbesetzer halten die Augen auf.

Die Situation der Hausbesetzer der entweihten Kirche in der Enscheder Straße spitzt sich zu. In einem weiteren Gespräch mit dem Pfarrer Ansgar Schocke, der zwischen Besetzern und den zuständigen Kirchenvorständen vermittelt, teilte dieser den Besetzern mit, dass die Duldung am Wochenende auslaufe. Die Besetzter müssen nun mit einer Strafanzeige rechnen, die eine Räumung durch die Polizei nach sich ziehen könnte, sollten sie das Gebäude nicht freiwillig verlassen. Die Besetzer zeigen sich in einer Pressemitteilung enttäuscht: “Wir bedauern diese Nachricht sehr”, sagt die Aktivistin Emma Niemann.

Bisweilen lassen sich die Aktivisten aber nicht unter kriegen und arbeiten weiter daran, das seit Jahren leerstehende Gebäude mit Leben zu füllen.  Und nicht nur aus der Nachbarschaft erhalten die Besetzer Unterstützung, mittlerweile können sie sich der Solidarität zahlreicher Initiativen und Privatpersonen erfreuen. Die Ruhrbarone veröffentlichen an dieser Stelle die aktuelle Pressemitteilung des Avanti Zentrums sowie die Solidaritätserklärung des Utopischen Zentrums Dortmund, welches im 2010 versucht hat, auf ähnliche Weise wie die Avanti – Aktivisten die mittlerweile baufällige Kronen Brauerei zu besetzen.

Pressemitteilung vom 27. August 2014

Am Mittwoch Vormittag hat sich die Lage in der seit Freitag besetzten Albertus-Magnus-Kirche zugespitzt. Bei einem Gespräch mit dem Pfarrer Schocke haben die Besetzer_innen erfahren, dass die bis zum Wochenende ausgesprochene Duldung nicht verlängert wird. Den Aktivist_innen droht jetzt die Räumung zum Anfang der nächste Woche. Sie versuchen nun in weiteren Gesprächen trotzdem eine längere Nutzung von Räumlichkeiten zu erreichen.

Die Kirche, die seit mehreren Jahren leer steht, wurde am Freitag Abend besetzt. Die Gründe wurden in einer Grundsatzerklärung bekannt gegeben. Die Besetzer_innen wollen ein selbstverwaltetes und unkommerzielles soziales Zentrum errichten. Seitdem haben die Besetzer_innen viel aufgeräumt, renoviert und pleniert, sowie ein Programm mit Konzerten und Kunstaustellung auf die Beine gestellt. Am heutigen Mittwoch Abend finden ein Konzert und eine offene Session statt. Die Zahl der Unterstützer_innen wächst täglich an.

Doch am Mittwoch Morgen erhielten die Aktivist_innen schlechte Nachrichten. Am Vormittag fand im Sozialen Zentrum Avanti ein Gespräch zwischen Besetzer_innen und dem Pfarrer Schocke statt. Der Pfarrer teilte den Besetzer_innen die Entscheidung des Kirchenvorstandes mit, dass die Kirche voraussichtlich am Montag Strafanzeige gegen die Besetzer_innen stellen wird, sollte diese bis dahin nicht geräumt werden.”Wir bedauern diese Nachricht sehr”, so die Aktivistin Emma Niemann. Für die Besetzer_innen bedeutet eine Strafanzeige eine Räumung spätestens zum Anfang der kommenden Woche. Die Aktivist_innen stehen weiterhin mit den Verantwortlichen in Kontakt.

Solidaritätsbekundung des Utopischen Zentrums Dortmund vom 26. August 2014

Die Initiative Utopisches Zentrum Dortmund beglückwünscht die Initiative Avanti zur Verwirklichung der Utopie einer erfolgreichen Hausbesetzung in dieser Stadt. Wir begrüßen die Neunutzung der Kirche am Borsigplatz und setzen auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Avanti steht in einer Reihe von 5 Besetzungen in 4 Jahren im Ruhrgebiet und ist die dritte große Demonstration für den Raumbedarf der sub/kultur/polit-szene in Dortmund (Kronenbraurei + Museum am Ostwall 2010). Die Avanti Strategie ist kämpferischer als UZDO, und das ist gut so.

Auch ohne Masterplan und Hochglanzbroschüre kostet es die Stadtgesellschaft nicht viel mehr als ein Lächeln, die Umnutzung der Kirche zu dulden. 2007 entweiht, hoffen wir auf einen aufgeklärten Diskurs, der sich aktiv mit der Avanti Nutzung auseinandersetzt und diesem Kulturtempel in der Nordstadt eine Chance gibt. Falls es andere Initiativen für diesen Raum gab, bitten wir alle Beteiligten, die Initiative von Avanti als legitime Form der Raumaneignung anzuerkennen und die Kommunikation aufzunehmen. Dortmund braucht ein selbstorganisiertes Zentrum – mehr als alles andere!

Für alle die, die sich nun bereits die Kostenfrage stellen (Umbau, Betriebs-, Heizkosten etc), rufen wir zu: Please relax! Was kostet uns eine Kultur der Duldung für Experimente und Abweichungen von der Norm in einer pluralen, großen Stadt? Besonders übereifrigen Technokraten empfehlen wir zudem die Lektüre des Programms ‚Initiative ergreifen‘ (ein Landesprogramm für die Instandsetzung denkmalgeschützter Gebäude durch die Zivilgesellschaft in NRW) aus dem auch der Umbau des AZ Mülheim und des Kulturausbesserungswerks Leverkusen finanziert wurde. Darüber hinaus, reicht ein Blick nach Amsterdam, um zu sehen, was man aus Kirchen machen kann (prominentestes Beispiel ist das Paradiso, 1967 besetzt und heute schillernder Stern der Kulturindustrie)

Das Utopische Zentrum Dortmund solidarisiert sich mit den Zielen der Initiative Avanti, den Strukturwandel dieser Stadt zu organisieren. Stadt selber machen!

UZDO

Weitere Informationen:

Ansgar Schocke zur Situation bei der WAZ: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/hausbesetzer-muessen-kirche-bis-samstagabend-raeumen-id9749525.html

Wissenswertes über das Gebäude I: http://nordstadtblogger.de/7337

Wissenswertes über das Gebäude II: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/entwidmete-katholische-kirchen-in-dortmund-page2-id8844018.html

Twitter-Ticker der Besetzer: https://twitter.com/AvantiZentrum

Der Coolibri zur Entwicklung im Ruhrgebiet: http://www.coolibri.de/redaktion/kultur/0914/ruhrgebiet-im-entwicklungsmodus.html

 

5 Kommentare

Eventl. hat die Kirche ja noch alternative Gebäude, die im Ruhrgebiet leerstehen ? Hat man da mal konkret nachgefragt ?

@Thorsten Stumm: Vielen Dank für den Hinweis Herr Stumm, diese Unachtsamkeit meinerseits habe ich korrigiert.
@Hubi: Die Besetzter sind weiterhin im Gespräch mit Herr Schocke und meiner Meinung nach auch bereit, auf ein anderes Gebäude auszuweichen. Allerdings habe ich nur mit ein paar Vertretern von Avanti gesprochen, die wiederrum nur für sich sprechen. Meiner Meinung nach wäre es aber tatsächlich eine super Chance für die Kirchenvertreter zu beweisen, dass sie es mit der Nächstenliebe wirklich ernst meinen, wenn sie eines ihrer Leerstehenden Gebäude dieser größtenteils friedlichen und engagierten Gruppe zur Zwischennutzung zur Verfügung stellen würden. Denn letztlich braucht man ja sowieso einen Hausverwalter, der das Gebäude in Schuss hält, also warum nicht welche, die darin noch soziales Programm machen?

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