Duisburg: Gedenken an Ivana Hoffmann

Ivana_AufmacherUnser Gastautor Ismail Küpeli war auf der Beisetzung von Ivana Hoffmann  in Duisburg dabei, die im Kampf gegen den Islamischen Staat fiel.

Nein, Ivana Hoffmann war nicht nur ein weiteres Opfer des syrischen Bürgerkriegs, in der bereits über 200.000 Menschen getötet wurden.

Sie hatte sich aus Duisburg auf dem Weg nach Nordsyrien gemacht, um dort für die „Rojava-Revolution“ und gegen den „Islamischen Staat“ zu kämpfen. Nach etwa sechs Monaten, die sie dort an der Seite der Kämpfern der kurdischen YPG und der türkisch-kurdischen MLKP in Kobane und später in der Hasakah-Region erlebte, starb sie am 7. März 2015 bei der Verteidigung von christlichen Dörfern bei Til Tamir.

Anders als andere nicht-syrische Freiwillige, die in Syrien kämpfen, hatte Ivana Hoffmann keine Beziehungen zu der Region. Sie war also nicht dort, um ihre Angehörige, oder ihr Volk, oder ihre Stadt gegen den IS zu verteidigen. Sie hatte als Kommunistin den „Islamischen Staat“ (IS) als die Hauptbedrohung für das Projekt Rojava ausgemacht – und beschlossen, für die Verteidigung von Rojava das eigene Leben einzusetzen.

Angesichts dessen, dass zwar viele Menschen den IS als eine Bedrohung anerkennen, aber nur wenigsten bereit sind überhaupt etwas zu unternehmen, um dieser Bedrohung entgegen zu treten, erzeugt der Tod von Ivana Hoffmann eine hohe Anteilnahme. So war es auch wenig überraschend, dass über 3000 Menschen an den Gedenkveranstaltungen am 14. März in Duisburg teilgenommen haben.

Die Demonstration, die vom Hamborner Rathaus zum Friedhof in Meiderich zog, war dominiert von der Fahnen und Symbolen der türkisch-kurdischen MLKP und der kurdischen Selbstverteidigungsmiliz YPG. Die Reden und Parolen waren von Trotz und Wut geprägt.

Auffällig war, dass unter den Teilnehmern der Demonstration und des anschließenden Gedenkens in Friedhof nur wenige Deutsche aus der Mehrheitsgesellschaft (auch bekannt als „Biodeutsche“) anwesend waren. Die Todesumstände von Ivana Hoffmann hätten eigentlich nahegelegt, dass all diejenigen, die über den notwendigen Kampf gegen den IS reden, zumindest die junge Frau betrauern, die dies tatsächlich versucht hat.

Ismail Küpeli arbeitet an einem Sammelband über den Kampf um Kobanê, der voraussichtlich im Sommer 2015 bei edition assemblage erscheint.

16 Kommentare

“Auffällig war, dass unter den Teilnehmern der Demonstration und des anschließenden Gedenkens in Friedhof nur wenige Deutsche aus der Mehrheitsgesellschaft (auch bekannt als „Biodeutsche“) anwesend waren.”

Die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland ist weder an einer sozialistischen Revolution noch an einem marxistisch-leninistischen Staat interessiert, zumal es über 40 Jahre in Deutschland einen Staat gegeben hat, der sich zum Marxismus-Leinismus bekannte.

Insofern mag es auffällig sein, dass an der Beerdigung von Ivana Hoffmann, die ja nicht nur eine Beisetzung, sondern auch ein politisches Bekenntnis zum Marxismus-Leninismus im sowjetischen Sinne war, keine Deutschen aus der Mehrheitsbevölkerung teilnahmen. Verwundern indes sollte dieser Umstand nicht.

@Ismail Küpeli

Ich mag übrigens den Begriff “Biodeutscher” nicht, ähnlich wie ich die Bezeichnung ‘Kanake’ für Türke oder ‘Dağ türkleri’ für Kurde ablehne

Dieser Artikel ist hoffentlich ein Witz. Andernfalls muss man sich wohl tatsächlich Sorgen um die Ruhrbarone und deren politischer Ausrichtung machen.
Statt den Märtyrerkult der Duisburger Stalinisten und ihre Liebe zum Tod zu entlarven und ehrlich den Tod einer 19Jährigen zu betrauern, wird nicht einmal eingegangen auf die Ideologie der Gruppen die in Duisburg aufmarschierten: Antiimperialismus, der Opfer barbarischer Gewalt nicht mal zur Kenntnis nimmt, wenn sie nicht ins einfache Weltbild passen und dem auch Islamisten als Bündispartner genügen und willkommen sind, wenn sie sich nicht gegen das eigene, völkisch definierte Kollektiv richten. Einen Antiimperialismus, der Antisemitismus zwingend beeinhaltet. Und nicht zuletzt einen Antiimperialismus, der ja ständig mit Nachdruck fordert, bloß keine proffesionellen Soldaten aus dem Westen zur Bekämpfung vom Islamischen Staat einzusetzen und stattdessen 19Jährige Schülerinnen in den fast sicheren Tod schickt.
Der Autor ist sich sogar nicht zu doof, selbst die völkischen Kategorien affirmativ zu benutzen. Unglaublich.

Internationalistischer Heldenunfug a la “kleiner Trompeter”, der niemandem nutzt und nur sinnlose Opfer und trauernde Hinterbliebene produziert. Was sucht eine 19jährige ohne Verbindung zur umkämpften Region dortselbst? Und warum hat niemand die junge Frau von diesem Irrsinn abgehalten?

Es ist schon krass so völlig unkritisch über diesen verrückten Märtyrerkult zu berichten. Letztlich ist der Text damit auch Werbung für die stalinistische MLKP, eine Terrororganisation die schon Bombenanschläge auf Linienbusse und Hotels veranstaltet hat, und deren Verheizen von Teenies. Da wäre vielmehr antifaschistische Kritik angezeigt.

Die Debatte über den Bürgerkrieg in Syrien und darüber, wer dort eher für eine emanzipatorische Politik steht, ist nicht einfach. Wer sich für meine Positionen interessiert, hier zwei Texthinweise:

“Die Türkei duldet IS-Strukturen”
http://jungle-world.com/artikel/2014/45/50876.html

“Schlüsselereignis des Internationalismus”
http://www.akweb.de/ak_s/ak602/18.htm

Durch die Lektüre klären sich vielleicht auch einige Missverständnisse auf.

Wie seit altersher gibt es -selbstverständlich- auch heute junge Menschen, die radikal anders sein wollen als “die Anderen”, als die Gleichaltrigen, als die Älteren, als die Eltern, und die das “Andersein” nicht nur verbal, nicht nur in ihrer Kleidung usw. demonstrieren, sondern die das Andersein vor allem durch ihre Aktivitäten zeigen, und das dann radikal.

Und für dieses Anderseinwollen bedarf es in der Regel eines “ideologischen Überbaues”, der dem demonstrativen Andersein, der einem radikall nich gesellschaftskonformen Handeln die Rechtfertigung liefert, nicht den Anderen geschuldet, sondern sich selbst gegenüber.

“Ideologischer Überbau”:
Islam -Islamismus-, kommunistische Idee/Ideale, welcher philosophischen Natur auch immer, faschistisches-nationalsozialistisches Gedankengut, nationale Selbstbestimmung -Basken, Nordiren , aber auch…….-sh.z.B. gewalttätige Aktionen junger, radikaler Christen gegen Ärzte , die Abtreiungskliniken betreiben, sh z.B. gewalttätige Aktionen junger, radikaler Tierschützer gegen Tierversuche……

Ivana Hoffmann hat für ihr radikales Anderseinwollen und für ihr entsprechendes Tun ihren “idologischen Überbau” gehabt.

Es wird nie gelingen, auch nicht mit noch so massiver Kritik der Mehrheitsgesellschaft an dem jeweiligen “idelgoschen Überbau”, junge Menschen davon abzuhalten, ihr radikales Andersein zu demonstrieren, in Worten und in Taten. Es geht insfoern nicht darum, ob das für gut oder ob das seitens der Mehrheitsgesellschaft für schlecht gehalten wird, sondern darum festzustellen,daß das so ist und immer so bleiben wird, denn alles andere würde der Natur des Menschen, dem Aufbegehren, dem Auflehnen, eben auch dem radikal Anderseinwollen junger Menschen und damit menschlicher Natur widersprecchen.

Seit alterher nehmen diese jungen Menschen bewußt ihren Tod in Kauf als Konsequents ihres Tuns, weil sie radikal Anderseinwollen, wei sie aus Überzeugung Andersind als es den jeweiligen gesellschaftlichen Normen entspricht. Und bekanntlich gelingt es sogar, ebenfalls seit altersher, dann und wann , den ” ideologischen, den religiösen Überbau” so auszugestalten, daß jungen Menschen nicht nur den Tod bewußt in Kauf nehmen, sondern diesen als Konsequenz ihres Tuns herbeisehnen -sh. den Mythos der Märtyrer-.

Dann mag die Mehrheitsgesellschaft angesichts des Todes junger Menschen den jeweiligen ideologischen Überbau verfluchen und die Verführbarkeit junger Menschen beklagen. Das ändert an den Realitäten nichts -weder gestern noch heute noch morgen.

Emotionale Betroffenheit und ggfls ,.je nach Verfaßheit des Einzelnen, Traurikgiet über den Tod eines jeden jungen Menschen, hier über den Tod der Ivana Hoffmann, könnten -und sollten (!!)- existieren, und zwar ganz unabhänig davon, wie man die Ursachen dieses Todes zu erklären und zu bewerten versucht.

ekelhaft unsolidarische Couch’communisten’

aus meiner Sicht war diese Demo kein! ‘Bekenntnis zum ML’ – jedenfalls längst nicht aller Teilnehmenden. Natürlich war die MLKP und andere ML-Gruppen stark vertreten
Dass dort vor allem ML anwesend war, und das als Argument für’s Nicht-Erscheinen anzuführen, ist übrigens recht peinlich: damit produziert man ja genau das, was man dann (vermeintlich) kritisiert – ein paar hundert undogmatische biodeutsche Linke mehr und es hätte anders ausgesehn

Mir ging es darum, meinen tiefen Respekt vor der Entscheidung einer jungen Frau, gegen den IS zu kämpfen, zu zeigen – Wo waren all die linken ‘Biodeutschen’/ Kartoffeln, die auf die Kobanê-Demos gegangen sind? Parolen gegen ISIS? Glaubt ihr ernsthaft das reicht? Warum nicht zugeben, dass man sich das was Ivana Hoffmann gemacht hat, nicht traut – aus guten Gründen. Da lässt man lieber ‘andere’ für seine Parolen draufgehen, schön bequem von der Couch aus.
Natürlich kann man Kritik üben, ‘young struggle’ und Rote Antifa sind auch nicht meine politischen Freunde, aber dass diese Befindlichkeiten, Eure ‘Bauchschmerzen’, Eure scheiß Identitätspolitik a la ‘damit hab ich nix zu tun’, mal wieder wichtiger sind als einer getöteten Genossin den letzten Respekt zu erweisen, zeigt doch nur wie runtergekommen die (bio)deutsche Linke ist!

Bernd, der sogenannte letzte Respekt hat den Nachteil, dass der, der ihn bekommt, tot ist, während die, die ihn erweisen, noch leben. Der Toten nützt also der letzte Respekt ihrer Genossinen und Genossen rein gar nichts. Er nützt, wenn überhaupt, nur denen, die ihn ihr erweisen.

„Mein Name Ivana. Mein Nachname Hoffmann. Der Name meiner Mutter: Michaela Hoffmann. Am 1.9.1995 bin ich in Deutschland geboren. Die Partei habe ich 2011 kennengelernt. Nach Rojava bin ich 2014 gekommen. Mein Name in Rojava ist Avaşin Tekoşin. Mein Nachname Güneş.

Nach Rojava bin ich gekommen, um die Revolution zu verteidigen. Ich bin für die Freiheit hierhin gekommen. Ich bin hierhin gekommen, um die Parteiaufgabe zu erfüllen und um die Fahne der Partei hochzutragen, um die Fahne, die die Märtyrer uns auf dem Weg zur Revolution gelassen haben, ans Ziel zu bringen.“

https://www.youtube.com/watch?v=7031IS_HEmg

…wenn man das liest (hört oder sieht), dann könnte man meinen, es geht primär gar nicht um den IS…

Macht es einen Unterschied, ob der Islamische Staat junge Menschen in Europa rekrutiert und verheizt, oder eine Partei, die sich in der Tradition von Marx, Lenin, Stalin und Mao sieht und die über die Diktatur des Proletariats den Kommunismus erreichen will?

Also ich zumindest sehe da einen sehr großen Unterschied. Abgesehen davon, daß mir bisher auch nichts davon bekannt geworden ist, daß diejenigen, die sich in Kurdistan gegen die Islamofaschisten wehren, dafür nötig haben, “junge Menschen in Europa rekrutieren und verheizen” zu müssen. Menschen, die bereit sind gegen diese Arschlöcher zu kämpfen, gibt es da nämlich genug. Da fehlt es eher an Geld und Equipment. Aber das bekommen ja andere…

Jetzt mal zu ihnen und ihren Kommentaren hier:

Schäbig, der Frau eine eigene, freiwillige, bewußte Entscheidung abzusprechen.
Schäbig, die Menschen, die sich dort unter widrigsten Umständen gegen die islamistischen Barbaren wehren, mit diesen in einen Topf zu werfen.
Schäbig, daß Gedenken an diese in meinen Augen Heldin für extremismustheoretischen, antikommunistischen Sermon zu benutzen.

Bäh. Abstoßend. Und ich bin weder Maoist, noch Stalinist, noch Marxist, noch Leninist.

Ivana Hoffmann selbst schrieb: “Ich will ein Teil der Revolution in Rojava sein, ich will mich weiter entwickeln, ich will in diesem Kampf, der alle unterdrückten Völker miteinander verbindet, kennenlernen und vor allen Dingen die Revolution in Rojava, wenn es sein muss mit meinem Leben zu verteidigen.”
Sie war alt genug, diese Entscheidung zu treffen. Ich hoffe, sie hat ihre Entscheidung nicht bereut und gefunden, was sie gesucht hat. Was uns bleibt ist die Trauer um ein junges Leben, das viel zu früh endete.

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