Duisburg, es reicht: Duisburger Impressionen

Wegweiser zur Duisburger Fußgängerzone
Wegweiser zur Duisburger Fußgängerzone

Okay, also Duisburg. Duisburg hat alles, was man als Stadt so braucht, inklusive einer Fußgängerzone – gut, das ist jetzt kein Argument, denn mittlerweile hat jedes Kuhdorf so ein mit rötlichen oder gräulichen Steinen bepflastertes, autofreies Arreal, das auf Architektenplänen immer voller lustwandelnder Fußgänger dargestellt wird, in der Realität aber einfach nur ein großer Platz ist, den zu überqueren die Einwohner sich sehr beeilen. Und an dessen Rändern im schlimmsten Fall leerstehende Geschäfte, in weniger schlimmen Fällen langweilige Imbissbuden, öde Shops und ein paar leerstehende Geschäfte und im allerbesten Fall ein interessanter Mix aus Kneipen, Restaurants, Läden und was nicht noch alles liegt, aber den allerbesten Fall gibt es eigentlich nie.

Die Duisburger Fußgängerzone gehört jedenfalls zu den schlimmeren Fällen. Sie ist damit immerhin noch nicht so deprimierend wie das Duisburger Nachtleben. Oder das generelle Kulturangebot der Stadt. Was nicht daran liegt, dass die Leute dort abends ums Verrecken nicht ausgehen und interessante Sachen erleben wollen, sondern wohl eher daran, dass irgendwer in der Verwaltung beschlossen hat, dass an der Kultur gespart werden muss, weil ja jeder einen Fernseher zu Hause hat, und das muss reichen. Deswegen gibt es in der Stadt kaum Vorträge, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und allgemeinen Frohsinn, sondern bloß die deprimierende Fußgängerzone. Wer trotzdem unterhalten werden möchte, fährt halt nach Düsseldorf, Köln, Dortmund und gibt sein Geld dort aus, was ja eigentlich nicht im Sinne des chronisch klammen Duisburg sein kann, weswegen dort dringend, dringend Leute ermutigt werden sollten, schöne Kneipen und Läden zu eröffnen, in denen es auch mal laut sein darf. Wer laut ist, ist nämlich nicht tot. Selbst in Duisburg nicht.

Der Text erschien bereist in der Jungle World

11 Kommentare

Aber Sören findet es schön hier, Montags werden Schnittchen gereicht, anderswo Irren der Marsch geblasen und Duisburg zur Hauptstadt des Wahnsinns gemacht.Der morbide Charme einer nekrophilen Stadt.

Man hat sehr viel Geld für die Innenstadt verbraten, ohne daß sie deshalb zum Verweilen einladen würde. Der große Platz, den man schnell überqueren möchte, wenn nicht gerade hunderte Imbißbuden dort stehen, Weihnachtsmarkt, Sonstwiemarkt, Dingensmarkt und so fort, heißt Königsstraße. Abends gibt es dort praktisch kein Leben. Den größten Teil desKulturhaushalts steckt die Stadt in die Oper, weil die aus Sicht der allzeit herrschenden Sozialdemokraten, als "Kultur" gilt.
Was Du vermißt "Deswegen gibt es in der Stadt kaum Vorträge, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und allgemeinen Frohsinn, sondern bloß die deprimierende Fußgängerzone. Wer trotzdem unterhalten werden möchte, fährt halt nach Düsseldorf, Köln, Dortmund und gibt sein Geld dort aus", fällt denen überhaupt nicht auf. Darin liegt das eigentliche Kernproblem.
Darum ist die Duisburger Innenstadt wahrscheinlich die teuerste Innenstadt im Ruhrgebiet, aber dennoch die Seelenloseste. Wenn man den Grad an atmosphärischer Attraktivität messen, und den im Vergleich mit den eingesetzten Geldmitteln vergleichen könnte, käme ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis heraus.

Möglicherweise liegt die Duisburger Situation in seiner mangelnden urbanen Struktur begründet, im Gegensatz zu anderen Städten des Ruhrgebiets ist hier die bezirklich/ dörfliche Struktur stärker ausgeprägt, man versteht sich als Walsumer, Hamborner, Rheinhausen etc. ,die Eingemeindungen sind nicht verarbeitet und Duisburg bietet hier keine gemeinsamen Identifikationsflächen, außer die der fiktiven Gestalt Schimanski.Nicht von ungefähr sind die ursprünglichen Konzepte der Duisburger Akzente als Spielfeld lokaler Kultur besser angenommen worden, als das Prinzip von groß eingekaufter Kultur.Die Seperationsbemühungen Duisburger Stadtteile wie Homberg oder Rheinhausen sind weniger politischer Klamauk, als vielmehr Ausdruck einer tiefliegenden Skepsis an Duisburg .

Als Ex-Rheinhausener, der seit langem im Süden der Republik wohnt, hatte ich neulich mal wieder das Vergnügen, eine Woche dort zu verbringen. Der wirtschaftliche Abstieg zeichnet sich überdeutlich und weithin sichtbar ab. Die einzelnen rausgeputzten Ecken wie das Forum fallen vor allem deswegen auf, weil sie in so krassen Kontrast zur sie umgebenden Trostlosigkeit stehen.

Und als ich am Wochenende noch was unternehmen wollte, war das Angebot mehr als nur bescheiden — meine heutige Heimat ist wesentlich kleiner und auch noch in einem Randgebiet, hat in der Hinsicht aber auch nicht viel weniger zu bieten. Ich weiß nicht, wie gut ich meiner Erinnerung trauen kann, aber gefühlt war ich Ende der 80er in Duisburg und Umgebung ständig auf Konzerten. Woran das jetzt liegen mag, darüber kann ich nicht spekulieren. Aber was einen momentan nach Duisburg ziehen sollte, könnte ich nach dieser Woche nicht sagen.

Frank hat Recht (# 4). Dies gilt für andere Ruhrgebietstädte jedoch ähnlich. Die Duisburger Königsstraße (Einkaufstraße) der Innenstadt reicht als Maßstab nicht aus. Am Dellplatz sieht es bereits anders aus, ebenso am Innenhafen; beide gehören noch in den Innenstadtbereich. Wer von außen kommt, braucht vermutlich einen Wegweiser durch die Kirchdörfer.

Dat stimmt einfach so nicht. Die bildende Kunst bspw. ist mit DKM Museum, Lehmbruck, Galerie und Gastro daneben, Küppersmühle, Synagoge und hochkarätigen Skulpturen in der Königsstraße deutlich stärker vertreten als bspw. in Bochum.

Mal ernsthaft: was ist das für ein Text? Ich habe wirklich nicht vor, einzelne Passagen inhaltlich zu widerlegen, denn dies hier ist nur ein hasserfüllter Kommentar, aber die Lebensqualtität einer Stadt an ihrer nächtlicher Fußgängerzone zu messen, halte ich für blöd. Ich denke in der Nervensägenstadt Köln wird die Autorin auf der Suche nach Kultur womöglich nicht gerade auf der Hohe Straße fündig werden.
Auch schön: der Ku'damm in Berlin. Wenn man aus Japan kommt.
Aber es ist auch so: niemand muss Duisburg verstehen. Das ist mehr als OK. Neben manchen Leute will man ja auch gar nicht in der Kneipe stehen.
Es ist nur schade, daß den Leuten, die hier wirklich was auf die Beine stellen, von so einem Geschreibsel in den Hintern getreten wird.

@Udo, findest Du, daß das Atmosphäre macht? Geld allein, hier und dort reingeklotzt?
Das sind einzelne Gebiete, die vom Rathaus alle leicht zu erreichen sind, aber miteinander keine fußläufigen Berührungspunkte haben. Ich muß 15 km fahren um "nach Duisburg" zu kommen, so sagt man hier in Hamborn, genauer Neumühl, parke dort teuer, und kann entweder am Dellplatz ins Kino, ein Bier trinken oder vielleicht diesen Freitag Abend in die "Säule" um mal Werbung zu machen http://www.lokalkompass.de/duisburg/kultur/hauptdarsteller-in-der-saeule-rueckblick-auf-21-jahre-kleinkunsttheater-d649801.html und komme dann bestenfalls zu Fuß bis zur Königstraße, oder einfach zurück zu meinem Parkplatz. Wenn ich in eins der von Dir genannten Museen will, muß ich mich schon entscheiden in welches ich gehen möchte. die Anderen sind zu weit entfernt. Nein, Deine Aufzählung der Museen zeigt eher genau auf, was ich kritisiere, und was auch die Autorin Elke Wittich meint, die ja hier Verwandschaft hat und häufiger in Duisburg zu Besuch ist, wie sie mir sagte, als sie im Djäzz eine Lesung hielt. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch voll des Lobes über meine Wohnstadt. Sie vermißt einfach Kneipen, die Atmosphäre machen.
Übrigens ich auch, und was die Museen betrifft. gehe ich da meist tagsüber hin, selten abends.

Das Ruhrgebiet ist , mit ganz wenigen Ausnahmen, kein Ort für Fussgänger, geschweige denn für Flaneure. Urbanität gibts hier nur als Puzzle, das man sich per Fahrt selbst zusammensetzen muss. Wer nicht dazu bereit ist oder sich nicht auskennt, den umpfängt sehr schnell die Ödniss. Wer ein Fahrrad unterm Hintern hat und weiss wohin, der kann auch in Duisburg einen spannenden Tag/Abend/Nacht verbringen.

Das Beste an Duisburg ist die U79 Richtung Düsseldorf! Aber, man muss es zugestehen, es hat sich in den letzten 25 Jahren doch einiges in Duisburg verbessert. In den 80ern und auch noch in den frühen 90ern des vergangenen Jahrhunderts war Nachtleben in Duisburg per Dekret der von Gottes Gnaden diese Stadt seit Anbeginn der Zeiten regierenden SPD schlicht und einfach verboten. Selbst die sich zur späten Stunde (in Duisburg hieß das zu jener Zeit nach 18:30 Uhr) gerne auf der Königsstraße tummelnden Ratten sind reihenweise an Langeweile zu Grunde gegangen. Ihre Kadaver säumten den Weg der wenigen verzweifelten Duisburger Nachtschwärmer auf der Suche nach der nächsten Haltestelle der U79. Doch wer auf Grauen erregende Funktionsarchitektur nebst angeschlossener Systemgastronomie steht, kommt heutzutage im Innenhafen immerhin auf seine Kosten. Da nur ein Titan die Duisburger Misere beseitigen könnte und Titanen aber bereits seit längerem ausgestorben sind, bleibt nur eine Lösung: Duisburg abschaffen!

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