Duisburg: “Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit”

Auf seiner Webseite bewirbt Gregor Schneider noch sein zensiertes Projekt Totlast
Auf seiner Webseite bewirbt Gregor Schneider noch sein zensiertes Projekt Totlast

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) ist für seine Entscheidung, die Ausstellung des Werkes Totlast von Gregor Schneider zu verbieten, bundesweit kritisiert worden. Auch in Duisburg teilen nicht alle seine Begeisterung für Zensur – und die Kritiker haben nun einen  “Duisburger Appell zur Freiheit der Kunst” veröffentlicht:  

 

Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit. Friedrich Schiller

Duisburger Appell zur Freiheit der Kunst

Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link hat offensichtlich im Alleingang die Installation des Kunstwerkes Totlast von Gregor Schneider im Lehmbruck-Museum untersagt. Die Rechtsgrundlage dazu ist unklar. Diese einsame Entscheidung ist nicht nur ein Affront gegen einen renommierten Künstler und die Ruhrtriennale. Die Kunstzensur Sören Links offenbart darüber hinaus ein nicht hinnehmbares Verständnis vom Amt des Oberbürgermeisters. Das ist nicht unsere Vorstellung von Demokratie.

Nach wochenlanger Planung, in die unser OB als Kuratoriumsvorsitzender der Lehmbruck-Stiftung eingebunden war, maßt sich der 38-jährige Verwaltungsfachwirt die Deutungshoheit über Kunst an und entscheidet, die Stadt sei noch nicht reif für Gregor Schneiders Totlast. Für uns als Kultur erfahrende und Kultur schaffende Bürger dieser Stadt erweckt eher Sören Link den Eindruck, noch nicht reif genug zu sein – für die Stadt Duisburg und für das Amt des Oberbürgermeisters.

Aus unserer Sicht ist dem öffentlichen Ansehen der Stadt schwerer Schaden zugefügt worden. Der Duisburger Zensurfall sorgt inzwischen europaweit für Empörung.

Wir fordern unseren Oberbürgermeister Sören Link auf: Wenden Sie Schaden von der Stadt Duisburg ab.
Revidieren Sie Ihre Entscheidung.
Machen Sie unsere Stadt vor der Welt nicht weiterhin lächerlich.

Werden Sie nicht zur Totlast für Duisburg.

Erstunterzeichner: Justus Klasen, Alexander Klomparend, Thomas Meiser, Frank Noroschat, Elisabeth Höller, Dagmar Schink, Matthias Eidens, Magret Fink, Roland Busche, Thomas Rodenbücher.

Unsere Freunde vom Duisburger Lokalblog Xtranews haben eine Seite für weitere Unterschriften eingerichtet.

3 Kommentare

Triennaleintendanz: Totlastskulptur in Duisburg definitiv ausgeschlossen

In einem Statement uns gegenüber erkläre soeben die Geschäftsführung der Triennale:

‘Es wird leider nicht mehr möglich sein, die Arbeit von Gregor Schneider jetzt noch im Lehmbruck Museum zu realisieren.

Es ist technisch eine sehr komplexe Arbeit, die in der nun verbleibenden Zeit bis zum Festivalauftakt am 15. August nicht mehr fertiggestellt werden könnte.

Die Gespräche, die wir nun mit anderen möglichen Partnern in anderen Städten führen, beziehen sich auf eine neue Arbeit von Gregor Schneider; es geht dabei nicht um den Entwurf für Duisburg, denn Gregor Schneider arbeitet immer ortsspezifisch.

Das Kunstwerk ist durch den Oberbürgermeister in Duisburg verhindert worden.

Eine Zurücknahme des Verbots des Oberbürgermeisters käme also in jedem Fall zu spät. Das Kunstwerk bliebe verhindert.’

An die Intendanz und Gregor Schneider:

Mehr fällt Ihnen nicht ein? Als nun ausgerechnet die, die sich für die Rücknahme des Verbotes einsetzen, genau so vor den Kopf zu stossen, wie der Oberbürgermeister es schon tat?
Es gibt keine andere Möglichkeit mit diesem Problem umzugehen, als diese?

Wenn die “Totlast” nicht “pünktlich” zur Trienale fertig sein kann – warum dann nicht später?
Warum sie nicht während der Trienale herstellen?
Warum nicht diese unhaltbare Situation, die von Herrn Link geschaffen wurde nutzen – und in einen Diskurs über das Vorgefallene eintreten?

Erst kommt dieser völlig kenntnisbefreite OB daher und deklariert die eigenen Bürger als für die Kunst nicht reif genug –
und nun vollendet der Künstler dessen unsoziale Plastik ?

Ich fass es nicht! Das ist doch kein Kindergeburtstag, um den es hier geht.

Wie kann man sich nur der”art” aus der “Affäre” ziehen.

Ich glaub, ich trete auch aus der Kunst aus…
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