Drehscheibe ab 14. Dezember – ein zweites #trainofhope?

Menschen in Rückansicht mit Gepäck, ein Mann hat einen Arm um eine Frau gelegt.
Tausende Geflüchtete kamen im September in Dortmund an. Foto: Felix Huesmann

Dass es passiert, war seit einigen Tagen klar, das Wann und Wie steht erst jetzt offiziell fest: Dortmund wird vom 14. Dezember an wieder sogenannte Drehscheibe für Geflüchtete. Statt wie im September den Hauptbahnhof und das Dietrich-Keuning-Haus als Schleusungspunkt zu verwenden, werden die Menschen nun in der Nähe des Stadions ankommen und von dort aus weitergeleitet. Und auch Essen wird eine “Drehscheibe” einrichten.

“Am Bahnhof ‘Signal Iduna Park’ werden die IC und ICE Züge anhalten, um die Asylsuchenden in die vorübergehende Obhut der Dortmunder Einsatzkräfte zu übergeben”, so eine Pressemitteilung der Stadt Dortmund von Donnerstag. Auf dem Parkplatz E3 sollen Leichtbauhallen für eine kurze Pause aufgebaut werden, danach, so das Konzept, geht es für die Geflüchteten mit einem Lunchpaket weiter in die für rund 1000 Menschen ausgelegte Unterkunft nach Selm-Bork. Von dort aus werden die Menschen nach Münster-Greven gefahren, wo der formale Akt der Registrierung abgeschlossen wird. Die Erstaufnahmeeinrichtung, die seit einigen Wochen ihre Erstanlaufstelle am Westfalenpark eingerichtet hat, soll nach jetzigen Planungen nicht eingebunden werden.

Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund werden sich abwechseln, sodass Dortmund nur alle vier Tage dran ist. “Mit den sehr einvernehmlich getroffenen Vereinbarungen kann Dortmund gut leben”, teilt die Stadt mit.

Schon im September waren in Dortmund mehrere Tausend Geflüchtete innerhalb weniger Tage in Dortmund angekommen, im Dietrich-Keuning-Haus in der Nordstadt erstversorgt und dann in NRW verteilt worden. Unter dem Label “Train of Hope” war eine enorme Bewegung zivilgesellschaftlichen Engagements sichtbar geworden, die das stadtoffizielle Geschehen – auch kritisch – begleitet hatte. Freiwillige hatten zum Beispiel eine Kleiderkammer eingerichtet, Lebensmittelspenden und grundlegenden Bedarf an die Ankommenden verteilt.

Der Standort “Signal-Iduna-Park” erleichtert den reibungslosen Ablauf der “Drehscheibe”. Immer wieder waren gerade in den ersten Tagen Gleise gesperrt worden, Hunderte Menschen hatten die Geflüchteten, die über München nach Dortmund gekommen waren, im Hauptbahnhof willkommen geheißen. Im Dietrich-Keuning-Haus hatte fast zwei Wochen lang der übliche Betrieb brachgelegen, um den Menschen eine Verschnaufpause zu ermöglichen.

Die Pläne der Stadt lesen sich jetzt anders. Der Aufenthalt der Flüchtlinge an der Dortmunder Drehscheibe soll sehr kurz sein, “um Sanitäreinrichtungen zu besuchen”. Das klingt nach einem sehr durchtakteten Ablauf. Ob für Menschen Platz sein wird, die weiter Unterstützung leisten wollen, wird sich zeigen. Die Bahn-Haltestelle am Stadion ist abseits der Innenstadt und erfährt weniger Öffentlichkeit als der Hauptbahnhof. Das dürfte die Hemmschwelle für Helferinnen und Helfer erhöhen. Ob die Helfenden vom September bei einem derart kurzen Aufenthalt, wie er nun in Dortmund geplant ist, überhaupt Handlungsspielraum haben werden, ist ebenfalls unklar. Beim letzten Mal hatte die Stadt jegliche zivilgesellschaftliche Unterstützung über institutionelles Ehrenamt hinaus zunächst klar abgelehnt.

2 Kommentare

@Alexandra Gehrhardt: Der Flora-Parkplatz (E3) nördlich der S-Bahn-Bahnsteige sollte eigentlich ausreichend Platz auch für Helfer bieten, sofern er komplett oder mind. zur Hälfte von der Stadt reserviert wird. Genügend öffentliche Aufmerksamkeit ist eigentlich zu jedem BvB-Heimspiel quasi garantiert, wobei fraglich ist, ob die zu diesen Gelegenheiten immer zahlreicher anwesenden Nazis aus dem Ultra-Umfeld oder von der ja lt. BvB und Fanprojekt doch angeblich schon vor Jahren "verstorbenen" Borussenfront mit SS-Siggi als Rädelsführer genau die Aufmerksamkeit erzeugt, die sowohl Flüchtlingen als auch Helfern lieb und teuer sein kann.

Man sollte evt. bei der Stadt nachfragen, wie sie diesem Problem begegnen will.

Bei 2 Bahngleisen am Bahnhof, die auch für den Standard-Zugverkehr genutzt werden, bleibt zumindest außerhalb der Randzeit auch keine andere Möglichkeit, als einen gut durchgetakteten Ablauf sicherzustellen.

Wer unterstützen/helfen will, wird den Standort erreichen.

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