Dortmunder Sozialdemokratin gegen Alkohol auf SPD-Parteitagen

Marita Hetmeier Foto: Homepage MH

Nach ihren Erfolgen im Kampf gegen den Straßenstrich in der Nordstadt hat die Dortmunder Sozialdemokratin Marita Hetmeier ein neues Ziel: Die SPD soll wieder rot werden, statt blau zu sein.

Hetmeier hat sich Gedanken über den Alkoholkonsum in ihrer Partei gemacht. Vor allem auf Parteitagen, aber auch bei Sitzungen von Orts- Und Kreisverbänden, sieht sie ein großes Gefahrenpotential. Hetmeier zu Der Westen:

„Wer bedenkt, mit welch hohem Aggressionspotenzial Menschen jenseits von zwei Promille Blutalkohol unterwegs sind, der weiß: Es gibt Mord und Totschlag, wenn man schwerstabhängige Alkoholiker in einem geschlossenen Raum zusammenbringt.”

Bier, Korn, Schnaps und Wein sollen künftig bei SPD-Treffen tabu sein. Mit der gleichen Argumentation positionierte sich die Sozialdemokratin auch gegen einen Treff für Obdachlose in der Dortmunder Nordstadt.

Erst vor kurzem fiel Marita Hetmeier auf dem mittlerweile geschlossenen Straßenstrich in Dortmund auf. Dort warb Sie unter dem etwas zweifelhaftem Motto “Wir blasen ohne Gummi” zusammen mit Musikanten für die SPD.

23 Kommentare

Heinz Schleußer und Johannes Rau würden sich im Grabe umdrehen, wenn dies so kommt……

Wenn die Rest-SPD demnächst mit ihren Krückstöcken aufeinander los geht, wissen wir: es ist doch noch Leben in der Bude, wenn auch unter Alkohol. Und Münte sagt: Prost

“Wir blasen ohne…?” Kein Scherz? Allerdings: “gegen Obdachlose” – da erkennen wir doch wieder unsere Spezialdemokraten! Im Ernst: auflösen, und zwar umgehend. Derlei Unfug hat eine ehemals bedeutende Partei mit ehemals bedeutenden Männern an der Spitze nicht verdient.

Einem Sozialdemokraten das Bier wegnehmen wäre wahrscheinlich genauso contraproduktiv wie Helmut Schmidt das Feuerzeug zu verstecken. Aber wahrscheinlich ißt Marita Hetmeier noch nicht einmal Fleisch…

…tja, dann wird die SPD wohl auch auf Berichterstattung über ihre Parteitage weitgehend verzichten müssen, denn trinken doch nicht wenige Journalisten gerne das ein oder andere Bierchen und Schnäppschen auf solchen Veranstaltungen.

Käme eine solche Forderung aus den Reihen der CDU, würde Spießer oder reaktionär gerufen werden. Hier indes sorgt man sich um das Wohl der Genossen.

@Steff: Es gibt da diesen alten Scherz: “Geht ein Journalist an einer Kneipe vorbei…”

Kann man denn SPD-Ortsvereinssitzungen überhaupt ohne Alkohol überleben? Spätestens wenn der Knappenchor einmarschiert und das Steigerlied anstimmt, braucht man doch mindest 2 Promille um das auszuhalten…

Frage mich, ob das nicht eine neue Austrittswelle in der SPD gibt, wenn die auf einmal alle ausnüchtern auf so nem Parteitag und fragen “wer seid Ihr alle und was mache _ICH_ hier?”…

Meine Theorie ist ja auch, dass die CSU sich nur deshalb solange in Bayern gehalten hat, weil die Landtagswahl immer genau wann ist? Richtig! Während des Oktoberfests…

Leute, ihr macht es euch zu einfach. Es ist ein Unterschied ob sich jemand mal schneller oder mal langsamer öffentlich tot säuft, oder ober er sich immer mal wieder öffentlich und/oder privat betrinkt. Alkohol ist nicht nur bei vielen Obdachlosen Teil und Verstärker ihres Elends, und es macht wirklich keinen Spaß das mit anzusehen. Gemütlich einen trinken ist auf jeden Fall was anderes.

Wie man damit in der Öffentlichkeit umgeht, ist dann eine ganz andere und vorrangig soziale Frage. Ob Zero-Tolerance da weiterhilft, waage ich zu bezweifeln. Aber das Leute in Anbetracht des Elends und der Aggression auf die Idee kommen, das Alkoholtrinken auf öffentlichen Plätzen gänzlich zu verbieten, ist zumindest nachvollziehbar. Erst recht wenn man das täglich erleben muss.

“Leute, ihr macht es euch zu einfach.”

Ja und nein.

Ja, weil wohl alle zu faul waren, den Link anzuklicken und dachten, der Dame mit der Blasmusik ist alles zuzutrauen.

Nein, was das tatsächliche Thema anbelangt, weil es wohl keiner peilte.

@Arnold: Genau eine Alternative zum Trinken an öffentlichen Plätzen zu schaffen war die Idee hinter dem Saufraum, gegen den sich Hetmeier wendet.

1. Es gibt Parteiveranstaltungen in allen Lagern, die man ohne Alkohol gar nicht ertragen kann.

2. Wer Menschen pausenlos bevormunden will, sollte die Partei wechseln (Ich hätte da eine Idee!)

3. Wir sollten nicht zulassen, dass Blaukreuzler oder Nacheiferer der (sozialdemokratischen) schwedischen Abstinenzler das Klima bestimmen.

4. Ich bin es leid, dass mir jemand sagt, was ich zu essen, zu trinken, zu denken habe. Ich würde ggf. sogar wieder mit dem Rauchen anfangen, nur um den politisch Korrekten etwas entgegenzusetzen.

5. …und überhaupt….. musste mal sein.

@ Michael Townshend
willste ´ne Kippe?

… Was mir zum Stichwort Rauchen gerade noch einfällt ist die Brücke, die unser Justizminister und Hetmeiers Parteikollege in der Landesregierung, Thomas Kutschaty, den Genossen im Falle eines Trinkverbots gebaut hat. Sie dürfen seit Anfang des Jahres doppelt soviel kiffen wie sonst. Zumindest theoretisch. Immerhin 10 Gramm statt 6. Das ist doch auch was 😉

Köstliche Satire! Habe herzlich gelacht. Für die, die es nicht kapiert haben: Hetmeier hat sich tatsächlich gegen die Einrichtung eines Saufraums in der Nordstadt ausgesprochen. Der Autor hat daraus die SPD-Parteitage gemacht 🙂

@Domiz: Danke für die Erklärung :-). Nicht umsonst steht der Text ja auch in der Rubrik “Alles über Pop”.

OK. Reingefallen. Zu dumm.

Es ist nur bezeichnend, dass man es für möglich gehalten hätte, dass ein Politiker mit so einem Vorschlag um die Ecke kommt.

Sagt auch was aus!

@Michael Townsend: ich fand die Argumentation von Heitmeier gegen einen Raum für Alkoholkranke (“Saufraum”) gemein. Die Nutzung des Zitats im falschen Kontext sollte zeigen, dass Alkoholismus ja kein Problem einer kleinen Gruppe Ausgegrenzter ist – und die Reaktionen auf den Artikel haben das ja auch gezeigt. Niemand hat sich darüber aufgeregt, das Heitmeier ihre Parteifreunde scheinbar als unberechenbare Alkoholiker beschrieben hat. Aber alle, dass sie das Trinken verbieten will. Übrigens: Wenn Sie eine Kippe wollen: Einfach beim nächsten Mal fragen! Geht in Ordnung 🙂

Traurig ist: vor zehn Jahre hätte das jeder sofort als Satire erkannt. Heute nimmt man das für bare Münze, hält es zumindest für möglich. Oder anders gesagt: Hetmeier traut man alles zu! *lol*
Aber zu den Argumenten von Frau Hetmeier, die den Saufraum v.a. wegen des zu hohen Aggressionspotenzials unter Trinkern ablehnt. In Dortmund gibt es eine durchaus ähnliche Einrichtung für Drogenabhängige, nämlich den sog. Druckraum bei der Aidshilfe. Dort können sich heroinabhängige Menschen unter hygienischen Bedingungen “einen Schuss setzen”. Auch keine leichte Klientel (wahrscheinlich ein bißchen vergleichbar mit Trinkern), Security ist immer vor Ort, viel Betreuungspersonal. Und: es klappt gut! Der Drogenkonsumraum wird in Dortmund als sinnvolle Einrichtung betrachtet. Warum das bei einem “Saufraum” nicht klappen soll, ist mir schleierhaft. Zumal das Modellprojekt in Kiel von guten Erfahrungen berichtet. Ich fürchte, dass Frau Hetmeier eine solche Einrichtung einfach nicht in der Nordstadt haben will. Ich bin der Meinung, dass man es zumindest probeweise für ein oder zwei Jahre hätte ausprobieren können.

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