Dortmund: Naziroute könnte Protest beflügeln

Ein Neonazi-Aufmarsch, zu dem mehrere hundert Teilnehmer am Samstag in Dortmund erwartet werden, bekommt eine Route durch die Innenstadt, wie die Polizei bekannt gab. Für Nazi-Gegner eine ungewohnte Chance.

Entgegen ihrer jahrelangen Praxis gab die Dortmunder Polizei die Wegstrecke, die die Neonazis am Samstag laufen wollen, im Vorfeld bekannt. Die Rechten, die diesmal auf Unterstützung aus ganz Europa bauen, beginnen ihren Aufmarsch am Nordausgang des Hauptbahnhofes, übrigens in unmittelbarer Nähe zum Mahnmal in Erinnerung an die Opfer des NSU, gehen dann durch Brinkhoffstraße, am U-Turm vorbei, über die Rheinische und Möllerstraße zum Sonnenplatz. Eine so zentrale Route wurde den Nationalsozialisten in den vergangenen Jahren nur höchst selten zugebilligt. Großaufmärsche wie der “Tag der deutschen Zukunft” vor zwei Jahren, liefen überwiegend durch menschenleere Industriegebiete. Auch sonst verbannte man die Rechten gerne in Außenbezirke.

Warum die Neonazis mitten durch die Stadt ziehen können, darauf geben Aussagen von Polizeipräsident Gregor Lange und seinem Stab eine Antwort. Dass man die Route im Vorfeld veröffentlichen könne läge daran, dass es nicht, wie beim “Tag der deutschen Zukunft”, Aufrufe zu direkten, gewalttätigen Störaktionen gäbe. Man rechne zwar mit mehreren tausend Gegendemonstranten, darunter einige hundert “Linksextreme”, wie Polizeidirektor Andreas Wien erklärt. Diese Einschätzung beruht allerdings auf “Erfahrungswerten”, von konkreten Prognosen oder eindeutigen Aufrufen, berichtete die Polizeiführung nicht. Mehrere tausend Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet sollen am Samstag eingesetzt werden.

Die Dortmunder Polizei scheint mit einer Einschätzung nicht ganz falsch zu liegen. Der Gegenprotest formiert sich in diesem Jahr ein wenig schleppend. In Dorstfeld, wo viele Neonazis leben, soll es ein Demokratiefest mit Extrabreit geben. Der DGB hat für den “Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus” ein Europa-Fest angemeldet, anschließend soll es eine Demo, irgendwie in Richtung der Nazis geben. Spannender könnten die Pläne des “AK1404”, aus dem Antifa-Spektrum, und des Bündnisses “Blockado” sein. Unter anderem soll es ab 11 Uhr eine Kundgebung an der Möllerstraße geben. Dort sollen die Nazis später drüber laufen. “Blockado” betont, dass die Rechten offenbar durch Viertel gehen sollen, die für ihren Protest bekannt sind.

Die zentrale Route der Nazis könnte den Protest am Samstag beflügeln. Viele Menschen, die Neonazis nicht unbedingt sympathisch finden, wohnen in der Nordstadt und im Kreuzviertel. Sie könnten einen Aufmarsch vor ihren Haustüren als Provokation empfinden. Ähnliches befürchten scheinbar auch die Rechten. In einem Beitrag auf ihrem Propaganda-Blog beschweren sie sich bitterlich darüber, dass ihre Wegstrecke veröffentlicht wurde und befürchten, Blockaden könnten so leichter stattfinden.

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