Dortmund: Gericht lässt Nazi-Totschläger frei

Wie die Ruhr-Nachrichten soeben melden, hat das Dortmunder Gericht den Nazi-Totschläger Sven Kahlin aus der Untersuchungshaft freigelassen.  Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde eingelegt und ist über die Entscheidung des Gerichts entsetzt. Nach Angaben der Ruhr Nachrichten ist das Dortmunder Gericht der Ansicht, bei Kahlin bestehe weder Flucht- noch Wiederholungsgefahr. Ein kühne These angesichts der Vorstrafen Kahlins:  Er wurde unter anderem wegen Todschlags an dem Punker Thomas Schulz verurteilt, kam vorzeitig, mit guter Prognose aus der Haft und steht im Moment wegen Körperverletzung vor Gericht. Auch an einem bewaffneten Überfall  gegen die Kneipe HirschQ soll Kahlin  beteiligt gewesen sein.

7 Kommentare

“Keine Wiederholungsgefahr”?

Wohl nur wenn man all diejenigen “weg sperrt” die Sven Kahlin wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Bekleidung, ihrer politischen Auffassungen, etc. als “Provokation” betrachten könnte. Begegnet er einer solchen Person dann besteht nach dem was man bisher über Kahlin hören konnte immer die Gefahr dass der Mann “ausrastet” und gewalttätig wird, und das wohl insbesondere dann wenn Alkohol im Spiel ist.

unglaublich. wie absurd ist das? was muss ein nazi machen, damit er in haft kommt? versteht wer, warum nazis in dortmund vor gericht immer so zuvorkommend behandelt werden?

naja, in bochum scheint es ja ähnlich. andre zimmer läuft auch frei rum, obwohl er notorisch gegen bewährungstrafen verstösst.

Die Entscheidungen deutscher Gerichte sind zuweilen recht erratisch, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Klar fällt einem da spontan ein, daß sich die Richterschaft nach dem Krieg höchstselbst amnestiert hat, weil sie ja angeblich nur Gesetze befolgt hat. Aber das Problem sollte sich inzwischen auf biologische Weise erledigt haben.
Natürlich gibt es “Traditionen”, die sich auch nach Ableben der Protagonisten munter am Leben halten.
Erinnere mich daran, daß ich mal einem Bekannten, Jurastudent!, ein aufschlußreiches Buch über die Justiz im Dritten Reich und deren Kontinuität in der BRD gezeigt habe. Der kuckt auf die Rückseite und sagt: “Ach… der Autor hat in B r e m e n Jura studiert… ja, dann muß er auch ein Buch schreiben. Uni Bremen gilt als Links, da hatter Probleme, einen Job zu kriegen…”

Aber: Das erklärt auch nicht alles.

Wie ich das sehe, befindet sich die Justiz – wie der Rest der Gesellschaft übrigens auch – in einem Dilemma: Man mag nicht an den “gesunden Menschenverstand” appellieren, weil der ein Bumerang sein kann, wie sich gerade im Dritten Reich gezeigt hat.
Man könnte dem Dilemma entgehen, indem man an Vernunft und Logik appelliert – nur Vernunft und Logik haben in Deutschland leider seit den seeligen Zeiten der Romantik überhaupt keine Tradition. Vernunft und Logik werden hierzulande gerne als kaltherzige Verkopftheit diffamiert.
Und da bleibt dann leider nur noch die “Aktenlage” als Zufluchtsort.
Und die ist meistens kaltherzig, nur ohne Kopf, Sinn und Verstand – aber vergleichsweise risikolos für die Karriere.

Die Freilassung des Mörders Sven Kahlin fügt sich in ein Gesamtbild von geschredderten Akten, dem Schutz des rechtsextremen Spektrums seitens Teilen der Sicherheitsapparate, wenn diese nicht gar direkt in rechtsextreme Gewalttaten verstrickt sind. Stichwort wäre hier ‘Gladio’ als Grau- und Wirkungszone von Nachrichtendiensten, Sicherheitsbehörden und Rechtsextremen.
Auch der Freispruch für die rechtsextremen Gewalttäter Dennis Giemsch und Alexander D. (wie heißt dieses Prachtexemplar mit vollem Namen?) durch die furchtbaren Juristen in Dortmund sollten hier nicht vergessen werden.
Nun sind die Dortmunder Kriminellen rechtsextremer Couleur bei Worchs Schöpfung die ‘Rechte’ untergeschlüpft. Ein Grund, um diese neue obskure Partei zu verbieten, doch die Zuständigen tuen nichts.

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