Dortmund: Echte Liebe – Das spektakuläre Comeback des BVB

dsc07973-453x600Auch für Freunde und Anhänger des BVB gibt es aktuell einmal wieder eine sehr spannende Neuerscheinung auf dem heimischen Buchmarkt, welche mir kürzlich eher zufällig in die Hände fiel. Sascha und Frank Fligge, der eine aktuell Mediendirektor des Clubs, der andere Journalist und Autor, werfen in ihrem aktuellen Buch ‚Echte Liebe – Das spektakuläre Comeback des BVB‘ einen Blick auf die letzten Jahre der Clubgeschichte der Schwarzgelben, schildern darin die Entwicklung von der Fast-Insolvenz Mitte des letzten Jahrzehnts bis hin zur sportlich und finanziell deutlich erfolgreicheren Gegenwart. Und das Alles auf rund 250 Seiten.

Das Buch aus dem ‚Econ‘-Verlag beginnt also mit einem Rückblick in die inzwischen von vielen Schwarzgelben sehr kritisch gesehene Niebaum/Meier-Ära und beschreibt dabei zunächst auch recht anschaulich den Weg in die Beinahe-Pleite des Vereins, sowie dann eben auch die beeindruckende Wiederbelebung unter den neuen Verantwortlichen Rauball, Watzke, Zorc, Klopp und Co.

Das ist einerseits für alle BVB-Interessierte so natürlich ein sehr spannendes Vorhaben, lohnt in jedem Fall auch einen ausführlichen Blick, andererseits bleibt das frisch vorgelegte Buch dabei aber leider auch ein Stück weit ein unerfülltes Versprechen, ist es vielleicht dann doch ein Stück weit zu sehr aus Fan- bzw. Schwarzgelber-Sicht geschrieben worden.

Insgesamt würde man sich beim Lesen hier doch häufiger mal etwas mehr kritische Distanz und Objektivität bei der Sicht auf den beschriebenen Club wünschen. Immer wieder ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Grundtenor ein sehr ‚positiver‘ gegenüber den Geschehnissen bei den Schwarzgelben ist. Natürlich ist es toll was der Verein in den letzten Jahren aus Sicht gemacht hat, aber auch am gegenwärtigen Zustand gäbe es ja durchaus so einiges zu kritisieren, kritische Fragen intensiver zu beleuchten und auch zu diskutieren. Das kommt hier in diesem Werk jedoch etwas zu kurz.

Manchmal hat man schlicht den Eindruck ein Buch vom Verein bzw. von Fans für Fans zu lesen. Kritische, journalistische Distanz findet sich aus meiner Sicht, gerade bei den Beschreibungen der Gegenwart, für ein solch ambitioniertes Buch hier zu selten. Aber das ist sicherlich so auch nicht objektiv messbar und natürlich auch wieder persönliche Geschmackssache.

Wer gerne lesen möchte warum der BVB in der Gegenwart denn aktuell so toll ist, warum er ein ganz besonderer Club ist, der wird hier jedenfalls unbestritten sehr ausführlich und wohlwollend bedient. Man gefällt sich seitens der Autoren und auch aller befragten Zeitzeugen offenbar  in der Rolle des Dortmunder Borussen. Offenkundig tatsächlich auf Seiten aller Beteiligter. Kann man grundsätzlich verstehen, zumindest dann, wenn man es auch selber mit dem BVB hält, tut dem Buch so aber objektiv betrachtet, nicht unbedingt gut, wie ich finde.

Unbestritten gut gelungen hingegen sind die vielen aufgelisteten Fakten der jüngsten Entwicklung über die letzten Jahre. Vieles wird einem hier noch einmal frisch in Erinnerung gerufen. Manches hat man, auch wenn man den Club selber intensiv folgt, zwischenzeitlich schon wieder verdrängt oder vergessen gehabt. Das ist schön wiederzuentdecken und es sich neu ins Bewusstsein zu rufen.

Und so hat man, auch wenn die äußere Form des Buches als billiger Pappeinband auf billig (vergilbt ?) anmutendem Papier ebenfalls so nicht zu überzeugen weiß, mit diesem Büchlein unzweifelhaft ein paar schöne Stunden, wenn man am BVB persönlich auch seine Freude hat.

Dem neutralen Fußballfreund kann man dieses Buch jedenfalls für seine Fußballbibliothek so nicht wirklich uneingeschränkt empfehlen, was etwas schade ist.

Zu mehr reicht es am Ende hier dann leider nicht. Kein Buch also, welches man nach dem Lesen in die erste Reihe seiner privaten Sportbuch-Bibliothek stellen wird. Eher eines aus der Kategorie ‚Netter Versuch, geht aber auch deutlich besser‘.

Alle ‚Schwarzgelben‘ können hier jedoch grundsätzlich bedenkenlos zugreifen, wenn sie die Entwicklung des BVB in den letzten gut 10 Jahren noch einmal nachvollziehen möchten, sich nebenbei auch noch einmal mit Wehmut an die Klopp-Ära in Dortmund erinnern wollen.

Hätte ich hier Punkte für eine Bewertung zu vergeben, dann wären es wohl drei von fünf möglichen. 😉

 

Broschiert: 256 Seiten

Verlag: Econ

ISBN-13: 978-3430202084

Preis: 16,99 Euro

4 Kommentare

Dass ein Mediendirektor parteiisch ist, kann man nachvollziehen. Aber warum muss das auch Jemand sein, der sich Journalist nennt?

Vor allem muss es einen schon fürchten, wenn man – den "Fligge-Brothers" voll vertrauend – noch nicht mal mehr die letzten 10 Jahre auf dem eigenen Radar hat. Eine gründliche Allohol-Entgiftung wäre dann wohl ratsam.

Frank Fligge arbeitet nicht mehr im journalistischem Bereich. Er darf sich dem Fantum hingeben.
Wenn er das Buch zusammen mit seinem Bruder, dem Mediendirektor des Vereins schreibt, sollte man mal davon ausgehen, dass das Ganze eine halboffizielle Abrechnung des Vereins mit der Vergangenheit ist. Sascha Fligge wird kaum gegen den eigenen Club anschreiben. Unter diesem Gesichtspunkt wäre die Geschichte mal zu lesen. Wenn man dann noch mal guckt, wer aus der Niebaum-Meier-Zeit noch dabei ist, könnte es sogar spannend werden.
http://www.dialoggestalter.de/iku/team/frank-fligge/

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